So klein die PAX East auch im Vergleich zur Gamescom sein mag - die Veranstaltung bringt ordentlich Schwung in die Branche. Am vergangenen Wochenende wurden in Boston wieder mal so viele Nachrichten generiert, dass wir uns ordentlich sputen müssen, um auch nur die Hälfte in diesem Artikel unterzubringen.

Daybreak Game Company - vom Regen in die Traufe

Beginnen wir ausnahmsweise mal mit der wohl schlechtesten Nachricht - wie der von Daybreak, ehemals Sony Online Entertainment. Wurde dessen neuer Eigentümer Columbus Nova von manch gutgläubigem Fan bis vor kurzem noch als “Weißer Ritter” und Retter gefeiert, so ist der Optimismus mittlerweile weitgehend verschwunden. Es wurden nämlich mal eben so 140 Angestellte gefeuert, darunter auch wichtige und bei den Fans beliebte Leute wie Clint Worley, geschäftsführender Produzent von PlanetSide 2.

Wiped! - Die MMO-Woche - Klein, aber oho!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/9Bild 82/901/90
140 Entwickler nehmen den Hut. Sind nur Daybreaks ältere Titel in Gefahr oder trifft es auch die neuen?
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Rund die Hälfte der Belegschaft, so wird vermutet, musste gehen. Ein gravierender Einschnitt, der mit Sicherheit Spuren hinterlassen wird. Bleibt nur zu hoffen, dass es vorwiegend die älteren Titel trifft und dass die Arbeiten an EverQuest Next und H1Z1 mit unverminderter Kraft weitergehen werden. Vor allem in letzterem liegt nämlich genügend Potential, das abgespeckte Unternehmen in Zukunft zu tragen.

Project HON - Griff in die Portokasse

Erschreckende Nachrichten erreichten uns auch aus Südkorea. Bei NCSoft soll es zu einem Vorfall gekommen sein, bei dem sich drei Angestellte an der Schatztruhe gütlich getan hätten. Konkret werden die drei Entwickler verdächtigt, bei der Abrechnung mit einem Subunternehmen insgesamt südkoreanische Won in zweistelliger Millionenhöhe unterschlagen zu haben.

2 weitere Videos

Das veranlasste manch einen Kollegen, bereits über das eventuelle Aus des vielversprechenden Mech-MMOs zu spekulieren. Grundlos, wie NCSoft jetzt verlauten ließ. Der Fall sei an die Polizei weitergeleitet worden und die Entwicklung von Project HON sei durch den Vorfall nicht gefährdet. Kein Wunder, immerhin sind 1.000 südkoreanische Won umgerechnet nicht einmal einen Euro wert.

Neverwinter - Minsc und Boo lassen auf sich warten

Etwas trauriger ist da schon die aktuelle Nachricht der Cryptic Studios. Die nächste Erweiterung zu Neverwinter wird nicht, wie ursprünglich angekündigt, in der kommenden Woche erscheinen, sondern erst am 07. April. Produzent Rob Overmeyer bekannte in seiner Nachricht, dass man sich wohl doch ein wenig zu viel vorgenommen habe.

Das mag nicht zuletzt daran liegen, dass die Erweiterung mit dem Titel ‘Elemental Evil’ die bislang größte seit Release des MMOs sein wird. Außerdem verspricht sie eine Begegnung der besonderen Art, auf die Rollenspiel-Veteranen und Fans von Baldur’s Gate schon seit Ewigkeiten warten - ein Auftritt des skurrilen Gespanns Minsc und Boo nämlich, die einen durch das neue Abenteuer begleiten sollen.

Albion Online - nach der Alpha ist vor der Alpha

Noch länger warten müssen wir wohl auf Albion Online. Dessen Winter-Alpha wurde zwar gerade erfolgreich abgeschlossen, doch das heißt noch lange nicht, dass die Alpha-Phase insgesamt damit beendet wäre und das Spiel in die Beta überführt werden könnte. Und so wird auch das nächste geplante Event wohl wieder den Namen Alpha tragen.

Sommer-Alpha, um genau zu sein, was vermuten lässt, dass Albion Online noch einen ordentlichen Weg bis zur Veröffentlichung vor sich hat - zudem Sandbox Interactives Firmenchef verschiedene Veränderungen in Sachen Crafting, Wirtschaft und Kampf in Aussicht stellt und bereit scheint, das Spiel grundsätzlich umzukrempeln, wenn bestimmte Elemente nicht nach Plan funktionieren oder das Projekt in Richtung ‘Pay-To-Win’ abzudriften droht.

ArcheAge - für fleißige Glückspilze

Gedanken um ‘Pay-To-Win’ und wie man es verhindern kann, sollte man sich auch bei Trion Worlds machen. Aktuell hat man dort gerade die nächste Erweiterung für ArcheAge aufgespielt, in der sich Spieler mit fünf weiteren Charakter-Leveln befassen dürfen sowie mit einem Dungeon, den die Entwickler als “multi-dimensional” bezeichnen.

Noch interessanter dürften allerdings die neuen Wohngebiete an der endlich geöffneten Diamantküste werden sowie die Ayanad- und Obsidianwaffen, deren Herstellung selbst manchen hartgesottenen Crafter zur Weißglut bringen wird, da zum ohnehin gewaltigen Arbeitsaufwand auch noch jede Menge Glück erforderlich ist.

2 weitere Videos

Guild Wars 2 - besser kein Video als solch eines

Auch das Team von ArenaNet beschäftigt sich einmal mehr mit der nächsten Erweiterung zu Guild Wars 2 - oder besser gesagt: der ersten Erweiterung. Auf der PAX East durften die ersten Fans durch die neuen Gegenden streifen und sich durch die neue Karte der Grenzlande schlagen. Zu der produzierte man auch eigens einen neuen Trailer, der jedoch äußerst uninspiriert dahingeschustert wirkt.

Und dann wäre da noch die Nachricht um Chris Whiteside, der als Director of Design an Guild Wars 2 gearbeitet, das Unternehmen jedoch in der vergangenen Woche verlassen hat, um sich neuen Herausforderungen zu stellen und als Berater für Entwickler anderer Onlinewelten zu arbeiten. Sein Name wird mit Sicherheit bald wieder irgendwo auftauchen.

2 weitere Videos

Camelot Unchained - schafft Arbeitsplätze

Vielleicht ja bei City State Entertainment, der Firma von Mark Jacobs. Der arbeitet nach wie vor an Camelot Unchained, dem nur lizenzrechtlich inoffiziellen Nachfolger von Dark Age of Camelot, der auf so etwas wie Grenzlande verzichtet, weil er von Anfang an und bis in jede Zeile des Codes komplett auf PvP ausgerichtet ist.

Und weil diese Idee mehr Zuspruch findet, als manch ein Kritiker geglaubt hätte und auch der Alpha-Test recht gut bei den Fans ankommt, hat das Projekt aktuell ein weiteres Finanzierungsziel erreicht. Man hat 3.225.000 Dollar eingenommen und stellt dafür weitere Künstler ein. Und da man gerne auch ein paar weitere Programmierer im Team hätte, will man die einstellen, sobald das Crowdfunding-Zeiger auf 3.350.000 Dollar steht. Außerdem kündigte Mark Jacobs wegen des anhaltenden Zuspruchs an, noch 125.000 Dollar aus seiner Privatschatulle zu den bereits investierten zwei Millionen Dollar zu legen.

2 weitere Videos

Für viele Sandbox-Fans noch viel interessanter als blanke Zahlen ist allerdings die jüngste Nachricht, dass Waffen und Rüstungen in Camelot Unchained mit dem Gebrauch Schaden nehmen. Dann benötigt man einen Fachmann, der das gute Stück repariert oder dem Recycling zuführt. Das Ziel ist eine starke Wirtschaft samt Interaktion zwischen Kämpfern und Craftern.

Funcom - Joel Bylos auf Abwegen

Derlei Elemente können weder Age of Conan noch The Secret World bieten. Doch die beiden MMOs entstammen auch noch einer anderen Generation von MMO, die auf Irrwegen gewandelt ist, weil man der Ansicht war, die Themepark-Vorlagen möglichst genau nachbauen zu müssen, um erfolgreich zu sein. Dafür können beide Titel anderweitig punkten - insbesondere The Secret World, das die Story eines Abenteuerspiels hat und zumindest in dieser Hinsicht jedes MMO in den Schatten stellt.

Einer, der für die Rettung der beiden Titel verantwortlich ist, ist Joel Bylos. Er stieß zu Age of Conan, als das Kind bereits in den Brunnen gefallen war, schaffte es dann aber, das Spiel mit Rise of the Godslayer zu stabilisieren. Nach dem Ausscheiden von Ragnar Tørnquist und Martin Bruusgaard übernahm er dann auch noch die Leitung für The Secret World, veranlasste die Umstellung des Geschäftsmodells auf “Buy-To-Play” und schaffte es, trotz extrem abgespeckter Teams noch regelmäßig für Inhaltsupdates zu sorgen.

2 weitere Videos

Schlechte Nachrichten? Mitnichten...

Entsprechend bestürzt waren die Fans, als die Nachricht die Runde machte, dass dieser ebenso fleißige wie beliebte Entwickler seine Posten abgegeben hatte. Doch diese Nachricht stellt sich nun als längst nicht so negativ heraus, wie sie zuerst klingen mochte, denn Bylos bleibt bei Funcom. In den Foren meldete er sich nun zu Wort und gab bekannt:

“Ich wurde gebeten, an etwas zu arbeiten, das unglaublich aufregend ist und etwas, über das ich absolut noch nicht reden darf.” Und um jeglichen Verdacht auszuschließen, ergänzte er: “The Secret World ist in letzter Zeit immer stärker geworden - das sind all unsere Live-Games - und mein Wechsel ist tatsächlich die Konsequenz dieses Erfolgs.”

Konkret darf man also annehmen, dass Funcom ein nagelneues Projekt in Angriff genommen hat - wahrscheinlich das erste, bei dem Joel Bylos von Anfang an das Ruder in der Hand halten darf. Und dass er ein bekennender Freund anspruchsvoller und erwachsener Spiele ist, macht die Sache nur umso interessanter.

Ausblick

Und weil am Ende dieser Ausgabe noch jede Menge Text übrig ist und uns auch nachwirkend noch Infos von der PAX East erreichen, werden wir den begonnenen Rundumschlag am kommenden Samstag fortsetzen. Dann allerdings melde ich mich direkt aus dem von Blizzards [Anm. d. Red.: Gemeint sind die gefürchteten Schneestürme] gepeinigten Reykjavík, wo CCP mit Sicherheit auch noch die eine oder andere Neuigkeit bereithält.