Die Gamescom ist in vollem Gange und bricht mal wieder alle Rekorde. Bei noch schönerem Wetter strömen noch mehr Besucher auf die noch größere Fläche, um noch mehr Aussteller zu besuchen, die noch mehr mitgebracht haben als im vergangenen Jahr. Schauen wir uns mal an, ob auch etwas für MMO-Fans dabei ist.

Wobei schauen durchaus das richtige Wort ist, denn wenngleich auf der laufenden Gamescom mehr denn je präsentiert wurde - in keinem Jahr zuvor konnte so wenig gespielt werden. “Nur schauen, nicht anfassen!”, so scheint mittlerweile das Motto in Köln zu lauten. Das ist der Preis, den Spieler und Fans nun zahlen müssen, nachdem sie die Messe zum weltweit größten Event zu Computer- und Videospielen gemacht haben.

World of Warcraft - der Name ist Legion

Mittlerweile kommen auch die größten der Branche nicht länger umhin, ihre Marketing-Aktivitäten auf die Gamescom zu verlagern. Hausmessen wie die BlizzCon sind sicher eine feine Sache und spielen obendrein ordentlich Geld ein, allerdings bringen sie keine neuen Abonnenten in alte Spiele. Rund 340.000 Besucher vor Ort und zig Millionen, die via Livestreams zuschauen, kann ein Publisher nicht länger ignorieren. Umso praktischer, wenn man noch eine bislang unangekündigte Erweiterung in der Schublade hat.

2 weitere Videos

Die trägt in diesem Falle den schnittigen Titel Legion und hebt die Maximalstufe auf 110 an, bringt mit dem Dämonenjäger eine neue Heldenklasse, dazu einen Kontinent, fünf neue Gebiete, Dungeons, Raids, Artefakt-Waffen, eine neutrale Hauptstadt, klassenspezifische Ordenshallen, überarbeitetes PvP-System und aller Voraussicht nach allerlei Kleinkram.

Für einen Free-To-Play-Titel wäre das wohl ganz in Ordnung. Für ein Abo-MMO, das allein in den letzten sechs Monaten die Hälfte seiner Abonnenten verloren hat, wird das hingegen nicht ausreichen, um die Talfahrt zu stoppen. Die Präsentation auf der Gamescom wollte nicht so recht zünden. Die blizzardschen Entwickler wirken wie Handwerker, die einen Auftrag abarbeiten und nicht wie Ingenieure, die mit Mut und Erfindergeist an der nächsten Revolution arbeiten.

ARK: Survival Evolved - Pfui Spinne!

Das machen derweil andere wie die Jungs vom Studio Wildcard, die mit ARK: Survival Evolved einen der Dauerbrenner dieses Sommers in den Early Access geschoben haben. Obwohl mit einem äußerst kleinen Budget ausgestattet, präsentiert die Indie-Spieleschmiede nicht nur ein optisch äußerst ansprechendes Spiel, sondern auch eines, das schon in seiner frühen Phase spielerisch überzeugen kann.

2 weitere Videos

Und eigens für die Gamescom bereitete Wildcard auch einen neuen Trailer vor. Der zeigt, wie Spieler von ARK längst wissen, kein CGI-Feuerwerk, sondern tatsächlich das, was man auch im Spiel geboten bekommt - eine Grafikkarte der neusten Generation vorausgesetzt. Der Kampf ums Überleben auf offiziellen oder privaten Servern, zähmbare Dinos und ein wundervolles Bau- und Craftingsystem machen den Titel zur Steilvorlage für MMO-Entwickler, die endlich mal mehr bieten wollen als nur neue Quests, Locations und Raids.

Star Wars: The Old Republic - Kniefall vor der Macht

Wobei nicht nur Blizzard weiterhin konsequent auf ausgetrampelten Pfaden wandelt. Auch bei BioWare will man offenbar kein großes Wagnis eingehen. Mehr MMORPG wagen - das geht mal gar nicht. Lieber baut man da schon auf das, was man richtig gut kann: Geschichten erzählen. Die von Imperator Valkorion zum Beispiel, der ein Sternenreich mit dem Spieler zu teilen bereit ist - wenn der nur demütig vor ihm kniet.

2 weitere Videos

Zugegeben - einen Star-Wars-Fan wie mich zieht die Geschichte vom “ewigen Imperium” durchaus an, dessen Herrscher als lachender Dritter aus dem Krieg zwischen Sith-Imperium und Republik hervorgeht, der dafür jedoch ein ganz persönliches Opfer bringen muss. Eine Geschichte, wie sie wohl kaum ein MMO erzählen könnte. Insbesondere deswegen nicht, weil BioWare sich mit Knights of the Fallen Empire noch stärker als bisher, der Name deutet es schon an, an seiner eigenen Solo-RPG-Vorlage orientieren will.

Natürlich gibt es obendrein auch das eine oder andere Schmankerl für Teamspieler und PvP-Fans, doch im Kern werden es der neue, vielversprechende Story-Zweig und das “Cinematic Storytelling” sein, die für das eine oder andere aufgefrischte Abo sorgen - spätestens bis die Erweiterung am 27. Oktober erscheint und danach mindestens, bis man die neuen Inhalte durchgespielt hat. Auch wenn es nach wie vor schade ist um all das ungenutzte Potential - rechnen dürfte sich die Sache für BioWare mittlerweile.

2 weitere Videos

Elite: Dangerous - teures Landemanöver

Gerechnet hat sich auch Elite: Dangerous, dessen Entwicklung in weiten Teilen schon im Vorfeld durch das Crowdfunding abgesichert war und das sich seither obendrein noch ausgesprochen gut verkauft. Trotzdem ist das Projekt nicht unumstritten, richtet es sich doch in erster Linie an eingefleischte Fans von akkuraten Weltraumsimulationen und weniger an den Durchschnittsspieler, der Action und Story erwartet.

2 weitere Videos

Entsprechend sorgt auch die aktuelle Ankündigung von Kultentwickler David Braben wieder für heiße Diskussionen in den Foren, beinhaltet sie doch sowohl eine gute als auch eine schlechte Nachricht. Die gute: Noch in diesem Jahr werden wir auf jedem einzelnen im Spiel umgesetzten Planeten landen können, sofern es dessen Struktur und die eigene Lebensspanne erlaubt, bedenkt man, dass immerhin rund 400 Milliarden Sonnensysteme durch das virtuelle All kreisen.

Weniger ist manchmal mehr

Die schlechte Nachricht allerdings ist, dass man dafür noch einmal ordentlich Geld nachlegen muss. Für 50 Euro soll die Erweiterung angeboten werden - das Originalspiel, das wird neue Spieler freuen, inklusive. Viele Veteranen hingegen sehen sich über den Tisch gezogen, wollen nicht noch schon wieder nachlegen müssen.

Noch ist Diskussion nicht beendet und möglicherweise wird David Braben treuen Spielern noch ein wenig entgegenkommen müssen. Bezeichnend und ausgesprochen lehrreich ist allerdings die Tatsache, dass die erbitterten Streitigkeiten um die Preisgestaltung des an sich abofreien Spiels derzeit alle Fragen zum Gameplay und zu den unglaublichen Möglichkeiten, die Planetenoberflächen bieten, überschatten.

2 weitere Videos

Guild Wars 2 - die nächste Versuchung

Eine ganz ähnliche Diskussion wie Braben sie gerade führt, wird wohl auch noch den Jungs von ArenaNet bevorstehen, wenn sie die ersten kostenpflichtige Erweiterung zu Guild Wars 2 auf den Markt schieben. Für Heart of Thorns werden die Spieler, die bislang relativ unbehelligt ohne zusätzliche Kosten zocken durften, erneut zur Kasse gebeten.

Und zwar noch in diesem Jahr, wie das Studio aktuell auf der Gamescom verkündete. Die Beta-Wochenenden sind bereits gestartet und sollen bis zum 10. August fortgesetzt werden. Für viele Spieler sind solche kostenpflichtige Erweiterungen zu Spielen ohne Abonnement angesichts des hart umkämpften Marktes mittlerweile ein No-Go geworden und man darf entsprechend gespannt sein, wie das an sich sehr erfolgreiche Guild Wars 2 die Veröffentlichung verkraftet.

WildStar - Aktion Sorgenkind

Erfolgreicher ist Guild Wars 2 vor allem im Vergleich mit WildStar, das im letzten Quartalsbericht von NCSoft erneut an Boden verloren hat. Und während innerhalb der Community schon darüber spekuliert wurde, ob und wann NCSoft den Stecker ziehen würde, heuert der Publisher namhafte Verstärkung für den angeschlagenen Titel an.

Wiped! - Die MMO-Woche - Kann es das gewesen sein?

alle Bilderstrecken
Weitere Bilder zuWiped! - Die MMO-Woche
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/2Bild 74/751/75
Bashiok auf dem Weg zum neuen Arbeitgeber. Der Wackel-Dackel hinter der Windschutzscheibe wurde schon ausgetauscht.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Und wenngleich ich wohl mit allem gerechnet hätte, dann nicht damit: Es ist tatsächlich Blizzards Micah “Bashiok” Whipple, der jetzt in NCSofts Studio Carbine arbeitet - und zwar als Senior Content Manager. Das mag in Sachen Ansehen und Lohn zwar durchaus einen Aufstieg bedeuten, in Sachen Sicherheit allerdings begibt sich der altgediente WoW-Botschafter auf äußerst dünnes Eis - sofern er nicht eine Übernahmegarantie durch andere NC-Studios hat, sollte WildStars Free-To-Play-Tansfer dem angeschlagenen MMO endgültig den Todesstoß verpassen.

Star Citizen - Smart im Auftritt

Den Todestoß verpassen wollte auch Derek Smart - und zwar Chris Roberts Space-Sim-MMO Star Citizen. Über das Drama, dass der berühmt-berüchtigte Entwickler und angeblicher Fan von Star Citizen gestartet hatte, berichteten wir in den vergangenen Wochen ausgiebig. Worüber wir nicht berichteten, war eine nennenswerte Reaktion von Chris Roberts.

Die gab es jetzt am Rande der Gamescom. Auf Derek Smart angesprochen, erklärte Robert, dass ihm in dieser Hinsicht die Worte fehlten. Wenn jemand so viel Energie in seine eigenen Sachen stecken würde, so Roberts, kämen die beim Publikum wahrscheinlich besser an. Gemeint ist wohl Derek Smarts Line of Defense, dessen Early Access auf Steam mit “größtenteils negativ” abgestraft wurde.

2 weitere Videos

Letztendlich, da ist sich Chris Roberts sicher, werde der Content von Star Citizen für sich sprechen und er werde nicht auf Leute hören, die ihm gewisse Sachen ausreden wollten. Er höre auf Leute, die etwas leisteten und die man respektiere - das sei hier nicht der Fall. Entsprechend distanziere er sich von “Keyboard-Kriegern” und “Sensationssüchtigen”, die kein Spiel haben möchten, das signifikant besser sei als ihr eigenes.

Ausblick

Wie signifikant, das werden wir dann hoffentlich wissen, wenn das komplette Material vom Gamescom-Auftritt gesichtet wurde. Und das gilt nicht nur für Star Citizen, sondern auch für all die anderen Spiele, zu denen in den nächsten Tagen noch Ankündigungen, Informationen und mehr oder weniger bewegte Bilder eintreffen werden. Hoffen wir mal, dass die Gamescom diesmal nicht nur Masse vorweisen kann, sondern auch Klasse.