Es ist noch nicht allzu lange her, da haben die Entwickler von Onlinespielen die Zukunft wiederentdeckt. Seither versuchen sie, die Kundschaft mit Raumschiffen, Laserwummen und exotischen Aliens vor den PC zu locken. Dabei reist der Spieler von heute offensichtlich viel lieber in der Zeit zurück - sehr weit zurück.

Och nö - schon wieder ein Survival-MMO?

Das könnte man denken, wenn man von ARK: Survival Evolved zum ersten Mal hört. Wieder wird man als Spieler irgendwo in einer gottverlassenen Landschaft ausgesetzt. Wieder trägt man bis auf die Unterwäsche nichts am Leibe. Wieder sammelt man Beeren gegen den Hunger, errichtet ein Lagerfeuer gegen die Kälte und schraubt sich den ersten Faustkeil zusammen - gegen potentielle Angreifer. Nichts Neues, alles schon gesehen.

Doch diesmal ist es anders. Diesmal sind es keine Zombiehorden, die uns nach dem virtuellen Leben trachten. Diesmal laufen wir nicht durch verwüstete oder verstrahlte Städte. Und wir graben uns auch nicht durchs pixelige LEGO-Land. Nein, diesmal sind wir auf einer Insel gestrandet und zwar in einem Land vor unserer Zeit.

Die Dinos sind los

In dem stapfen blutrünstige Dodos und putzige Tyrannosauriden - oder umgekehrt, wer kennt sich schon genau mit exotischen Tierarten aus - durch die Landschaft und stehen, so hatte es vor Jahrmillionen noch seine Richtigkeit, an der Spitze der Nahrungskette. Zumindest bis zu dem Augenblick, an dem ein in die Vergangenheit katapultierter Spieler des Weges kommt, die Riesenechse betäubt und beginnt, sie mit dem richtigen Futter zu zähmen. Pokémon trifft Jurassic Park, trifft H1Z1 also.

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Und es kommt noch besser: Im Laufe der Zeit erfindet man das eine oder andere praktische Utensil, zieht dem urzeitlichen Weggefährten einen Sattel über und reitet, fliegt oder schwimmt auf ihm in den Kampf gegen feindliche Stämme, die selbstverständlich in der Zwischenzeit eine riesige Festung in die Landschaft gebaut haben, aus der sie ihre regelmäßigen Überfälle auf Dinos und Widersacher koordinieren.

Vorsicht vor dem Dino-Hype

Ohne jetzt zu sehr ins Schwärmen zu geraten: ARK ist heiß, sehr heiß. Zwar haben die Entwickler noch alle Hände voll zu tun, das Spiel technisch in den Griff zu bekommen, doch mit dem Geld sollte das kein Thema mehr sein. Welches Geld? Das von bald 500.000 Spielern, die bislang via Steam in den Early Access eingestiegen sind und von denen es knapp zehn Prozent rund um die Uhr zocken, aller Lags und fehlender Serverkapazitäten zum Trotz.

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Und die fehlen schlicht, weil die Indie-Entwickler im Leben nicht gedacht hätten, mit ARK: Survival Evolved derart abzuräumen, Twitch zu stürmen, aus dem Stand in die Top-Ten auf Steam einzusteigen und dabei selbst den stolzen Geralt von Riva zu überholen. Kurz: Ein neuer Hype ist entbrannt um die Dino-Insel. Doch birgt das nicht auch Gefahren für das Projekt?

Plötzlich Millionär

Bei einem hochgejubelten Großprojekt eines namhaften Publishers wäre das wohl der Fall. Für das Dino-MMO aus der Indie-Schmiede hingegen ist der Rummel ein Segen, eben weil niemand damit gerechnet hätte, weil er nicht mit viel Geld angeheizt und befeuert wurde, sondern plötzlich Geld einspielt, mit dem sich etwas anstellen lässt, von dem sich gute Entwickler bezahlen lassen.

Denn wenngleich ARK von technischen Problemen geplagt wird, von Bugs und Problemen mit der Engine, sind die doch allesamt zu beheben. Viel wichtiger ist, dass das Spiel innovativ ist - weil es den bekannten Sandbox-Überlebenskampf, den ich seit jeher für die perfekte Grundzutat eines jeden MMORPGs halte, mit völlig neuen Elementen spickt, die man in diesem Genre eben noch nicht gesehen hat.

Zu Risiken und Nebenwirkungen

Doch noch einmal der Hinweis, weil manch einer das nicht auf Anhieb versteht und dann in den Foren darüber jammert: ARK: Survival Evolved ist im Early-Access-Programm. Das Spiel ist nicht mal annähernd fertig und in seinem jetzigen Zustand nicht dazu gedacht, Spieler uneingeschränkt zu unterhalten. Es läuft auch nicht auf Papas Dienst-Notebook und wird selbst den hochgezüchteten Gamer-PC vom großen Bruder an seine Grenzen bringen.

Wer das Team hinter dem Spiel nicht mit seinem Geld, seinen Erfahrungen und seinen Ideen unterstützen will, lässt am besten erst mal die Finger davon, schaut via Twitch ein wenig zu und wartet auf die Verbesserungen, die das Team mit den eingenommenen Milliönchen vornimmt. Dass sie mit dem Geld davonrennen, wie der Typ hinter The Stomping Land, ist unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher ist da schon, dass sich Alex Fundora, falls er überhaupt so heißt, angesichts des überragenden Erfolges jenes bis letzte Woche noch unbekannten Dino-Survival-Games mächtig in den Allerwertesten beißt.

Novus Inceptio - fröhliche Ernte

Und wenn man sich den Erfolg von ARK so ansieht, können einem die ganzen anderen Survival-Games, die eben keine Innovation bieten, sondern Bekanntes neu verpacken, schon beinahe wieder leidtun. Doch die Branche ist eben hart und im Schatten der Großen wird man kaum satt - in welchem Genre auch immer. Auch die Jungs hinter Novus Inceptio werden das möglicherweise noch erfahren.

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Doch vielleicht geht es ja auch gut mit dem Projekt und die Entwickler haben bis zum Early Access im vierten Quartal noch das eine oder andere interessante Element in der Schublade. Grünes Licht hat man auf Steam immerhin schon mal erhalten. Eines sollte den Architekten dieser und aller anderen Onlinewelten jedoch klar sein: Survival-Sandbox-Crafting ist zwar ein wundervolles Fundament für ein Spiel, mehr aber auch nicht.

Shadowrun Chronicles - you can`t run!

Wie schnell der große Entwicklertraum vom Erfolg ausgeträumt sein kann, mussten jetzt auch die Jungs hinter den Shadowrun Chronicles erfahren. Das so vielversprechende Spiel, das ursprünglich als Shadowrun Online hätte erscheinen sollen und dann notdürftig und ohne den MMO-Anteil auf den Markt geschoben werden musste, steht kurz vor dem Aus.

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Zumindest wurde der Insolvenzverwalter bereits bestellt. Und welch kurzen Prozess diese Jungs für gewöhnlich mit Gaming-Studios machen, haben wir in der Vergangenheit mehrfach erleben müssen. Derweil versprechen die Entwickler, dass man weiter am Titel arbeite, schließlich habe man dem Unternehmen nicht umsonst den Namen “Cliffhanger” gegeben. Warten wir es ab.

Reactor - Trion braucht einen neuen Motor

Warten müssen wir auch auf allerlei andere Spiele, von denen wir noch wenig bis gar nichts wissen. Zu letzteren Kandidaten zählt Reactor, mutmaßlich das nächste große Ding von Trion Worlds. Dass man dort neben Rift, Defiance und Trove noch an einem neuen Titel arbeitet, wird schon seit langem gemunkelt, schließlich benötigt ein solch große Studio auch ordentlichen Motor.

Der Name Reactor erscheint da passend, zudem Trion Worlds bereits vor einigen Monaten offiziell die Rechte daran erworben hat. Bis man das nächste Spiel dann jedoch auch offiziell ankündigt, wird es wohl noch ein wenig dauern - zumindest bis nach Release des Voxel-MMOs Trove am 09. Juli, das zumindest ganz nett ist. Doch wie so oft gilt in der Gaming-Branche: Nett ist der kleine Bruder von scheiße.

Und selbige baut Trion in letzter Zeit quasi permanent - vor allem in Bezug auf ArcheAge. Dessen Spieler dürfen müssen sich mit der Zusammenlegung von Servern abfinden und damit, dass man im schlimmsten Falle mal eben sämtlichen Grund und Boden verlieren wird, den man über die Monate hinweg so teuer erworben und so liebevoll gehegt und gepflegt hat. Als Publisher eines fremden MMOs hat Trion auf jeden Fall versagt.

Black Desert - hübsche Hexerei

Wenigstens brauchen wir nicht zu befürchten, dass Trion Worlds auch das Publishing von Black Desert übernimmt - das machen die Leute von Daum persönlich. Zumindest haben sie das angekündigt, denn noch immer stehen brauchbare Details aus und westliche Journalisten warten meist vergeblich auf Antworten jenseits der automatisierten Standardtexte.

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Doch was soll’s - dann bedienen wir uns eben selbst und holen uns die nötigen Infos aus Südkorea. Aktuell ist es ein Video von Wizard und Witch, zwei offensichtlich Zauberkundigen. Übrigens handelt es sich bei den beiden nur von Namen und Geschlecht her um unterschiedliche Klassen. Spielerisch besteht kein Unterschied - um die Gender-Lock-Kritiker etwas zu beruhigen.

BlueHole Studios - MMO’s next Topmodel

Die ganz harten Kritiker typisch südkoreanischer Avatare hingegen wird man für gewöhnlich kaum beruhigen können. Auch und schon gar nicht, wenn sie die Bilder der Charaktere sehen, die mutmaßlich aus dem nächsten Spiel der BlueHole Studios stammen. Der Arbeitstitel des Spiels, das seit 2014 in der Entwicklung sein soll: Project EXA.

Wiped! - Die MMO-Woche - Jurassic World

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Ästhetisch sehen sie auf jeden Fall aus, die Avatare aus dem Hause BlueHole. Im Westen sorgen sie dennoch regelmäßig für Kritik.
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Project EXA wird aller Voraussicht nach ein MMO, das zumindest thematisch irgendwie mit BlueHoles Erstlingswerk TERA zusammenhängen wird. Das lassen einige der Avatare vermuten, die ein Charakter-Artist jetzt veröffentlicht hat und die von Experten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als Vertreterinnen des ungemein beliebten Volkes der Elin erkannt wurden.

Crowfall - die Schatzkammer füllt sich

Derlei Schönheiten wird uns Crowfall aller Voraussicht nach nicht bescheren. Dafür glänzt das inoffizielle Game-of-Thrones-MMO schon jetzt mit ausgefeilten Ideen in Sachen Meta-Game und echter Innovation. Und weil die Community derlei Dinge zu schätzen weiß, treibt sie den Crowdfunding-Zähler des Projekts beharrlich weiter nach oben. So weit, dass sich ArtCraft jetzt auch schon zum Release einige Lokalisierungen leisten kann - darunter auch die Deutsche.

Mittlerweile scheint sich auch herumgesprochen zu haben, dass große Teile der MMORPG-Fangemeinde Crowfall als echten Hoffnungsträger ansehen. Es steigen nämlich nicht nur die Crowdfunding-Einnahmen, es findet sich auch der eine oder andere große Investor. Einer, so berichten es die Entwickler, habe aktuell Firmenanteile im Wert von einer Million Dollar erworben. Hoffen wir mal, dass es sich dabei um einen “stillen Teilhaber” handelt, der Raph Koster und seinen Kollegen nicht ins wundervolle Konzept hineinquatscht.

Das Tal - Tag des offenen Tals

Von solchen Summen kann man in der Fairytale Distillery nur träumen. Zwar haben sich die Entwickler von Das Tal ebenfalls ein sehr spannendes Konzept erdacht und sind damit auf Kickstarter vorstellig geworden, doch leider fehlt es kurz vor Ablauf der Aktion noch immer ein wenig an Schwung und an rund 25.000 Euro - trotz des wirklich bescheidenen Ziels von 50.000 Euro.

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Doch statt nun den Kopf in den Sand zu stecken, hat sich Chefentwickler Alexander Zacherl entschlossen, in die Offensive zu gehen und Das Tal einen Tag vor Ablauf der Kickstarter-Aktion für jedermann zu öffnen - für genau 24 Stunden. Genügend Zeit, um sich vom Potential des Spiels aus München zu überzeugen, um das es wirklich schade wäre, würde es nicht aus den Startlöchern kommen.

Albion Online - ein Team für alle

Und wenn wir schon über deutsche Studios berichten, dürfen wir natürlich auch nicht die Berliner von Sandbox Interactive vergessen, deren Albion Online zumindest technisch ein einen gewaltigen Schritt weiter ist als Das Tal. Und das zeigt man mittlerweile auch in erfreulicher Regelmäßigkeit in diversen, ausgesprochen informativen Videos.

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Im aktuellsten schwärmen die Entwickler von den Gildenkriegen, die tatsächlich von dem genretypischen Gezerge abweichen und kleinen Gilden die gleichen Chancen einräumen wie großen. Die Kämpfe um Territorien werden nämlich von jeweils fünf Vertretern zweier verfeindeter Clans ausgetragen. Um die Städte prügeln sich hingegen zwei Teams zu jeweils zwanzig Auserwählten. Das gibt den Clanchefs die Möglichkeit, die besten Mitglieder zu organisieren und zu trainieren. Selbstredend für ein Sandbox-MMO, dass die Kämpfe in der Wildnis zahlenmäßig nicht limitiert sind.

Ausblick

Durchaus limitiert ist hingegen unser aller Zeitpensum und so müssen wir für diese Woche langsam zum Ende kommen. Auf mich wartet der Test von Blizzards gerade veröffentlichtem Beitrag zum MOBA-Genre. Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.