Cheater, Scammer, Hacker - bislang konnten sich Übeltäter recht sicher fühlen, sofern sich ihre Aktivitäten nur auf die virtuellen Welten beschränkten. Mittlerweile jedoch hat die Industrie erkannt welche Schäden durch die illegalen Machenschaften kleiner und großer Ganoven entstehen und ihnen den Krieg erklärt.

Patrick Nepomuceno und Michael Stinger hatten noch keinen Cent mit den Waffen im Wert von rund 9.000 Dollar verdient, die sie von einigen Dutzend Diablo-3-Spielern geklaut hatten, um sie über das Auktionshaus des Spiels zu verkaufen. Trotzdem wurden sie verurteilt: Einige Jahre auf Bewährung sowie die Zahlung von 5.654,61 Dollar, um Blizzards Ermittlungskosten zu decken. Der Versuch, so urteilte ein US-Gericht, ist bereits strafbar.

Diablo 3 - zur Hölle mit den Betrügern

Ein Präzedenzfall, zumindest in den USA, der aktuell in der Szene für Aufregung sorgt. Während vor allem Außenstehende das Urteil als zu hart empfinden und kritisieren, dass man ein paar Jungs unnötig kriminalisiere, steht die Spielerschaft mehrheitlich hinter der Entscheidung des Gerichts. Und das aus gutem Grund: Zu lange waren virtuelle Übeltäter immun gegen reale Strafverfolgung und manche verdienten sich dabei eine goldene Nase.

Allerdings sind Jungs wie die oben erwähnten eher die Ausnahme. Das große Geschäft wird nicht in Kinderzimmern und Studentenwohnheimen verdient, sondern zumeist in Russland und China, wo ganze Unternehmen mit solch unlauteren Mitteln Geld verdienen. Sie betreiben Bot-Netzwerke, hacken Accounts oder bringen Spieler auf jede erdenkliche clevere Art und Weise um ihr virtuelles Vermögen.

The Elder Scrolls Online - Sparfüchse aufgepasst!

Das verkaufen sie für gewöhnlich über einschlägige Webseiten, bei denen der preisbewusste Spieler dann obendrein noch richtig günstige Spiele kaufen kann - teilweise zum halben Preis. Dass es sich dabei oft nur um Briefkastenfirmen aus Fernost handelt, deren komplettes Geschäftsmodell bereits auf Lug und Trug aufgebaut ist, wollen die Käufer meist nicht wahrhaben. Warum auch: “Bisher gab es nie Probleme” und “Die Spiele laufen doch!”

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Doch wehe, wenn ein Publisher dann mal etwas härter durchgreift und einen Bann über jene Accounts verhängt, die in Zusammenhang mit gestohlenen Kreditkarteninfos stehen oder illegal generierten Keys, wie aktuell bei The Elder Scrolls Online geschehen. Die Spieler laufen dann in Scharen Amok, wünschen den Publisher zum Teufel - immerhin bringe der sie ja um ihr Spielvergnügen, obwohl sie Geld dafür gezahlt hätten.

Eine vollwertige virtuelle Welt?

Sorry Leute, aber ein Blick ins Impressum eines Onlinehändlers ist für einen Kunden ebenso eine Obliegenheit wie der Einsatz des gesunden Menschenverstandes. Wer ins schmutzige Geschäft mit Accounts oder virtueller Währung verwickelt ist, wird auch an anderer Stelle kaum hundertprozentig sauber arbeiten. Wem sein Account lieb ist, der sollte ihn von Anfang an auf ein sicheres Fundament stellen.

Wobei auch ZeniMax durchaus wieder etwas sauberer arbeiten dürfte. Im Rahmen der anstehenden Veröffentlichung von The Elder Scrolls Online für Konsole versucht der Publisher, die Hype-Maschinerie gehörig zu befeuern und verspricht potentiellen neuen Käufern doch tatsächlich eine “vollwertige virtuelle Welt”. Eine Definition über die man sich im Zusammenhang mit dem kaum dynamischen Themepark-MMO sicher streiten kann.

Kickstart für den eigenen Geldbeutel

Gelogen und betrogen wird jedoch nicht nur bei Farmerbanden und Branchenriesen, sondern vermehrt auch bei jenen, die eigentlich einen absoluten Vorbildcharakter haben sollten: Indie-Studios, die auf Kickstarter um Unterstützung werben. Diese Möglichkeit hat uns in den letzten Monaten so manches Schmuckstück auf Steam geschwemmt und geniale Projekte ins Rollen gebracht, die es unter den Fittichen eines Publishers kaum geschafft hätten.

Wiped! - Die MMO-Woche - Haltet den Dieb!

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The Stomping Land hat es nicht geschafft, aber mit ARK: Survival Evolved steht bereits ein nicht minder eindrucksvolles Survival-Game in den Startlöchern.
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Doch auch auf der Crowdfunding-Plattform tummeln sich schwarze Schafe. So ist erst vor kurzem der Chefentwickler von The Stomping Land mitsamt der für das Dino-Survival-Projekt gesammelten 114.060 Dollar untergetaucht. Ein Schwerer Schlag für all jene ehrbaren Entwickler, die auf das Vertrauen und die Unterstützung der Community angewiesen sind.

Greed Monger - der Name sagt alles

Und wenngleich man den Machern von Greed Monger immerhin lassen muss, dass sie versucht haben, mit dem ihnen anvertrauten Geld ein Spiel zu basteln, ist das Ergebnis das gleiche wie bei The Stomping Land. Greed Monger, einst als Sandbox-MMORPG mit Fokus auf Crafting angekündigt und mit über 100.000 Dollar erfolgreich auf Kickstarter finanziert, wird niemals erscheinen.

Intern war schon vor einiger Zeit ein Streit unter den Entwicklern über die Gelder und Kompetenzen ausgebrochen, der nun eskalierte. Niemand im Team verfügt mehr über die technischen oder finanziellen Mittel, um das Projekt zumindest auf Sparflamme weiterlaufen zu lassen. Doch wohin ist all das Geld geflossen, wenn sich niemand persönlich daran bereicherte?

Trau, schau wem!

Die Entwickler hatten, so scheint es, ein beinahe typisches Problem. Mangels Erfahrung schätzten sie die anfallenden Kosten falsch ein oder rechneten sich, nachdem der dicke Batzen Geld erst mal auf dem Konto eingegangen war, das Projekt schön. Irgendwie würde es schon klappen. Doch moderne Game-Engines haben ihre Tücken und werfen gerade jungen Entwickler Hürden in den Weg, die sich nicht so einfach meistern lassen.

Will man sich das Leben dann leichter machen und diese oder jene Funktion als Plug-in für die Unity-Engine freischalten, kostet das je nach Feature sehr viel Geld. Und steigt man hier und da nicht durch die Funktionen der Engine durch und benötigt jemanden, der es tut, dann wird es erst richtig teuer. Ein Budget von 100.000 Dollar klingt für den Laien nach einem Haufen Geld, ist in der Praxis aber sehr schnell aufgezehrt.

NCSoft West - die letzte Hoffnung

Da vergeht selbst manch großem Publisher die Lust, noch Geld und Energie ins aufwendige MMO-Genre zu stecken. Zudem es Firmen gibt, auf deren Erfolg man in der Branche ziemlich neidisch ist. Firmen wie Supercell, die allein mit dem eigentlich völlig unspektakulären Clash of Clans mal eben eine Milliarde Dollar Umsatz pro Jahr einstreichen.

Doch ganz so einfach, wie es oft scheint, ist der Vorstoß in die Welt der mobilen Abzocke dann auch nicht. Entwickler, die glaubten, mal eben das eine oder andere Minispiel nachbauen zu können, holten sich bei dem Versuch eine blutige Nase. Und selbst die erfolgreichsten Vorreiter schaffen es nicht, ihre einmaligen Erfolge zu kopieren. Wie so oft in der Unterhaltungsbranche gilt: Es gibt keine ultimative Formel, mit der sich Erfolg generieren ließe.

Umso erstaunlicher, dass man bei NCSoft West jetzt auf die Idee kommt, ebenfalls ins Geschäft mit der mobilen Unterhaltung einzusteigen und mal eben ein Studio im kalifornischen San Mateo aus dem Boden zu stampfen, in dem man sich ausschließlich mit der leichten Kost beschäftigt. Nach der WildStar-Pleite wohl der letzte Strohhalm, an den man sich klammern kann.

WildStar - es gibt doch noch eine andere Hoffnung!

Ach ja - und dann wäre da auch noch WildStar, dessen Übergang zum Free-To-Play-Modell nun ganz offiziell für den kommenden Herbst angesetzt wurde - sofern der genervte Moderator, der in den letzten Wochen alle gleichlautenden Informationen samt ihrer Autoren aus den Foren verbannt hatte, hier nicht mit der selben Entschlossenheit durchgreift.

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Free-To-Play - das heißt, dass Kaufpreis und Monatsgebühr entfallen und dafür Mikrotransaktionen ins Spiel kommen, mit denen sich Komfort und Kosmetisches kaufen lassen - und natürlich ein beschleunigter Aufstieg und so weiter und so fort. Die Hoffnung, dass man das Geschäftsmodell von Guild Wars 2 übernehmen würde, hat sich also nicht erfüllt.

Womit sich erneut die Frage stellt, ob WildStar Online in dieser Form überleben kann. Schon jetzt wird das von allen guten GMs verlassene Spiel von Cheatern geplagt. Wie soll das erst werden, wenn die F2P-Massen auf die Server kommen? Und kommen überhaupt genügend Spieler, die an irgend einer Stelle für WildStar zu zahlen bereit sind? Die fetten Tage sind auch und gerade in der F2P-Sparte gezählt und ich befürchte, dass NCSoft West auch hier wieder mal zu spät kommt.

EverQuest - unerwarteter Ansturm

Aber vielleicht versucht man es ja mal mit Retro-Servern zu den ganz alten Titeln. Die sind derzeit nämlich beliebt wie selten zuvor. Nachdem Daybreak vor kurzem einen solchen Server zu EverQuest mit altem Regelwerk ans Netz genommen hatte, musste man jetzt feststellen, dass dieser mittlerweile bis zum Zerbersten gefüllt ist.

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Ein zweiter Server muss also her - ebenfalls mit den Hardcore-Regeln, von denen man dachte, dass kein gesunder Mensch jemals wieder nach ihnen spielen wollen würde. Doch genau das wollen die Veteranen. Und nicht nur die - auch bei den jüngeren Spielern stößt das alte EverQuest auf unerwartete Begeisterung. Dem Publisher dürfte das auf jeden Fall eine Lehre sein.

Star Citizen - viel Wind um nichts

Lehrgeld mussten aktuell auch die Entwickler von Star Citizen zahlen, nachdem ein Community Manager einen Link ins Netz gestellt hatte, der Interessierte - etwas Spürsinn vorausgesetzt - zur Adresse führte, unter der die echten Knaller zu finden waren. Insgesamt 48 Gigabyte an Daten gerieten so in Umlauf, die sich über die CryENGINE zumindest teilweise sichten ließen.

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Wirklich bedeutsam sind die Informationen allerdings nicht. Ein paar Brocken der Story, die sich im Handumdrehen umschreiben lassen, eine Sternenkarte sowie bislang unbekannte Ansichten von Schiffen und Orten. Nichts, was die Entwickler nicht beheben könnten. Viel besorgniserregender ist da eigentlich, dass die Entwicklung von Star Citizen offenbar eher schleppend vorangeht.

Elite: Dangerous - Operation Powerplay

Ganz anders derweil bei Kultentwickler David Braben in Camebridge. Dort hat man die Arbeiten am Powerplay-Update zu Elite: Dangerous bereits derart weit vorangetrieben, dass man die neuen Funktionen auf dem Beta-Server testen lässt. Kernstück des Updates sind Metagame-Mechaniken, durch die der Spieler endlich die Möglichkeit bekommt, sich selbst aktiv am Machtkampf der Fraktionen zu beteiligen.

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Ob das nun durch die Lieferung dringend benötigter Waren oder durch beherztes Eingreifen in die Kämpfe geschieht, spielt keine Rolle. Das Spiel registriert jede Hilfe des Spielers und sorgt dafür, dass sich das Tun auf das Machtgefüge in der Sandbox auswirkt - im Kleinen wie im Großen. Ein durchaus schwieriges Unterfangen und die Vorbereitung des Spiels auf weitere Sandbox-Features für die virtuelle Milchstraße, die immerhin rund 400 Milliarden Sonnensysteme umfasst - die genaue Zahl kennt wohl nur David Braben.

Tree of Life & Das Tal

Und wer mit virtuellen Raumschiffen und einem nahezu unendlichem Universum nichts anfangen kann, jedoch gerne in virtuellen Sandkästen buddelt, für den haben wir aktuell noch etwas anderes. Tree of Life nämlich, das ab sofort via Steam spielbar ist. Im Early Access zwar, doch das merkt man der Indie-Sandbox aus Südkorea kaum an. Das knuffige Spiel macht schon jetzt richtig viel Spaß und sorgt für bemerkenswert viele positive Bewertungen. Wir werden es uns auf jeden Fall noch vorknöpfen.

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Ebenso wie Das Tal, dessen Entwickler noch immer versuchen, auf Kickstarter genügend Unterstützer zu finden. Das allerdings gestaltet sich schwieriger als erwartet, denn bei nur zehn verbleibenden Tagen hat man nicht einmal die Hälfte der erhofften 50.000 Dollar beisammen. Wer PvP liebt, sich mit einer isometrischen Perspektive und einer Kombination aus MOBA- und MMO anfreunden kann und ein paar Euro auf der hohen Kante hat, sollte jetzt darüber nachdenken, hier noch einzusteigen. Zumindest besteht beim deutschen Chefentwickler Alexander Zacherl keine Fluchtgefahr.

Ausblick

Fluchtgefahr besteht auch bei uns nicht, da die MMO-Branche mit jedem MMO, das in der Versenkung verschwindet, zwei neue Titel auf den Markt spült und mit ihnen jede Menge Nachrichten, Gerüchte und Skandale, über die es zu diskutieren lohnt. Mehr davon gibt es dann am kommenden Wochenende.