EverQuest Next, Civilization Online und jetzt auch noch Grand Theft Auto Online. Kurz vor der Gamescom ziehen die Publisher einen Trumpf nach dem anderen aus dem Ärmel. Das hält nicht nur unseren Wiped-Autor auf Trab, sondern auch die Fans, von denen jeder längst schon seinen ganz persönlichen Hoffnungsträger ausgemacht hat.

Kurz vor der Gamescom geht alles Schlag auf Schlag. Täglich werden neuen Titel oder Erweiterungen enthüllt, von denen die meisten nicht sonderlich interessant sind und wahrscheinlich wenige Monate nach Release schon wieder eingestampft werden. Doch dann gibt es da auch Titel wie EverQuest Next, Civilization Online und das brandaktuelle Grand Theft Auto Online - allesamt Titel, die den Staub abeschüttelt haben, der dem Genre seit Jahren anhaftet.

Endlich Entdecker, endlich frei!

Blickt man allein auf ihre Herkunft, könnte man annehmen, dass die drei Spiele eigentlich recht wenig gemeinsam hätten - ein klassisches MMOG, ein rundenbasiertes Strategiespiel und ein Open World Shooter mit Story. Nach ihrer Umwandlung in ein Onlinespiel allerdings offenbaren sich einige entscheidende Gemeinsamkeiten, die gleichzeitig zeigen, wohin sich das Genre langfristig bewegt.

In allen drei Titeln wird der Spieler zum Entdecker einer Welt, die in ihrer Gesamtheit und ohne künstliche Grenzen vor einem liegt. Keine unsichtbaren Wände, keine Schlauchlevel, keine NPC-Questreihen, die einen an der Hand nehmen und von vorne bis hinten durch das Spiel führen. Endlich darf man wieder entdecken, die Freiheit genießen und den Hauch von Abenteuer.

Die Welt gehört den Bewohnern

Gleichzeitig bauen alle drei Titel darauf, dass Spieler, die sich in einer Umgebung frei bewegen, schöpferische Ambitionen entwickeln, um die virtuelle Landschaft nach Lust und Laune zu formen und zu personalisieren. Wo eine Gang ihr Revier in der realen Welt durch Graffiti markiert, tun das die Clans in der virtuellen Umgebung mit den Werkzeugen, die ihnen der Entwickler an die Hand gibt.

Die Macht, die in solchen Werkzeugen liegt, darf man nicht unterschätzen - das hat der Erfolg von Minecraft längt bewiesen. Und wer selber keine Lust darauf hat, sein virtuelles Eigenheim zu errichten, profitiert von der Kreativität seiner emsigen Mitspieler, die rund um die Uhr dafür sorgen, dass sich die Welt auch ohne das Zutun der Entwickler verändert.

EverQuest Next - Screenshots des MMORPGs

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EverQuest Next - Screenshots des MMORPGs

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Diese Screenshots zeigen Szenen des Sandbox-MMORPGs EverQuest Next.

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Die Rückkehr des Rollenspiels

Und noch etwas haben EQ Next, Civilization Online und GTA Online gemeinsam: Sie bringen das ‘R’ zurück ins Genre, das mit der letzten MMO-Generation verschwunden ist - das Rollenspiel. Denn nur in einer Welt der unbegrenzten Möglichkeiten, kann man seine oder überhaupt eine Persönlichkeit entwickeln. Nur wo Spieler miteinander interagieren und NPCs in den Hintergrund rücken, hat das eigene Tun auch Konsequenzen.

So verstörend es auch klingen mag - die unkontrollierten Welten von EVE, Darkfall und Lineage sind es, die die letzten Rollenspieler beherbergen, denn die haben dort eine virtuelle Existenz aufgebaut, die nicht selten extrem von der realen abweicht. Wie oft achten Menschen, die im realen Leben von einem schlechten Gewissen geplagt werden, in der virtuellen Umgebung darauf, eine weiße Weste zu behalten?

Und wie oft trifft man im Spiel auf grausame Piraten oder marodierende Räuber, die im echten Leben pflichtbewusste Polizisten oder hilfsbereite Lehrer sind? Man denke nur an Vile Rat, jenes hochrangige Mitglied einer recht unbeliebten Allianz in EVE Online, über dessen reales Leben als US-Diplomat Sean Smith erst etwas bekannt wurde, nachdem er bei einem Überfall auf die Botschaft in Benghazi im vergangenen Jahr getötet wurde - oder an SOE-Chef John Smedley, der einen Teil seiner Freizeit in EVE Online verbringt - natürlich ebenfalls undercover und somit als Rollenspieler.

Grand Theft Auto Online - Next Generation Multiplayer?

Nicht ganz voreilig sollte man jedoch in Bezug auf die Einordnung von Grand Theft Auto Online in ein Genre sein. Wenngleich der Spieler in eine freie Onlinewelt geworfen wird, in der er mit oder gegen andere Spieler antreten darf, dürfte das Spiel doch alles andere als “Massively” werden. Dabei ist die Entscheidung gegen die große Welt und für instanzierte Erlebnisse im kleinen Kreis durchaus symptomatisch.

Schon seit Jahren neigen Studios dazu, Onlinewelten immer weiter zu instanzieren. Titel wie Star Wars: The Old Republic oder Neverwinter sind im Kern eigentlich eher Lobby-Games als MMOGs. The Elder Scrolls Online wird zwar einen ‘Mega Server’ bieten, doch macht der auch nichts anderes, als Freunde gemeinsam in ein Cluster zu stecken und den Rest der Spielerschaft auszusperren.

Bei GTA Online scheint Rockstar diesen Umweg gar nicht erst gehen zu wollen. Vielmehr verfolgt man die gleiche Strategie, die auch Ubisoft mit The Division im Sinn hat - oder Bungie bei dem Sci-Fi-Shooter Destiny. Das erleichtert die Arbeit am Onlinemodus entscheidend, da man die Spiele grundsätzlich so belassen kann, wie sie sind.

Spalter!

Das Genre wird sich also spalten - und zwar nicht nur vom Spieldesign in Themepark- und Sandbox-MMOGs, sondern noch einmal in technischer Hinsicht - in Titel, die vom Design her als “Massively” angesehen werden können und solche, in denen man zwar online, jedoch im eingeschränkten Kreise spielt.

Die Folgen dieser Spaltung sind noch nicht absehbar und als Anhänger riesiger, nicht instanzierter Welten, verfolge ich die Entwicklung durchaus mit einiger Sorge. Allerdings dürften die neu entwickelten Online-Varianten dafür sorgen, dass auch Spieler, die bislang ausschließlich für sich allein gezockt haben, auf die Möglichkeiten aufmerksam werden, die ihnen Multiplayer-Titel bieten.

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Wenn wieder mal die Worte fehlen

Auf jeden Fall muss ein neues Vokabular her, denn kaum ein Spieler blickt noch durch und versteht, wann ein MMO nun ein MMOG oder gar ein MMORPG ist. Selbst Entwickler scheinen bisweilen überfordert. Warum darf sich ein Arena-Lobby-Game wie World of Tanks als MMO ins Guiness Buch der Rekorde eintragen lassen und warum wird The Elder Scrolls Online plötzlich nicht mehr so genannt? Und was ist eigentlich geschehen, als Trion Worlds ihr End of Nations von einem MMORTS in ein MOBA umgewandelt haben?

All diesen Fragen werden wir in Zukunft auf Gamona nachgehen - weniger in Wiped, sondern in eigenen Beiträgen, in denen wir uns ein wenig intensiver mit dem noch jungen, aber bereits unverschämt populären MOBA-Genre beschäftigen wollen, das erst am vergangenen Wochenende mit der spannenden Dota 2 Weltmeisterschaft ‘The International” einen neuen Schub bekommen hat und das gerade dabei ist, die komplette E-Sport-Szene umzukrempeln und zu einem echten Massenphänomen werden zu lassen.

Uns Online-Zockern stehen auf jeden Fall spannende Zeiten bevor und die anstehende Gamescom wird ihren Anteil daran haben. Wie groß der ist und welche neuen MMOGs, MMOs, MMORPGs, MOBAs, Multiplayer-Online-Games, Arena-Action-Games oder Lobby-Online-Games möglicherweise in Köln noch auf uns warten, erfahrt ihr dann in der kommenden Ausgabe. Bis dahin wisst ihr ja, was ihr zu tun habt: Vokabeln lernen.

Grand Theft Auto Online - Screenshots zum Online-Kracher

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