Mit der E3 in Sichtweite nimmt die MMOG-Branche schon mal Anlauf, streut Gerüchte, gibt bereitwillig Interviews und veröffentlicht vorab das eine oder andere CGI-Filmchen. Doch können die Entwickler aus dem ganzen Zirkus in Los Angeles eigentlich irgendeinen Nutzen ziehen? Kaum, denn zwischen offensichtlich ahnungslosen Models, professionell begeisterten Marketing-Leuten, massenabgefertigten Fans und Journalisten kommt es eher zu Missverständnissen als zu einem fruchtbaren Dialog.

The Elder Scrolls Online - kein MMOG aus dem Hause ZeniMax

Wie gewinnträchtig Bethesdas Rollenspiel Skyrim wirklich ist, kann wahrscheinlich niemand genau sagen, doch ohne Zweifel gehört der Titel zu den erfolgreichsten Spielen aller Zeiten. Allein die zeitweise über 274.000 gleichzeitig in Skyrim aktiven Steam-User machten so manchen MMOG-Publisher neidisch und sorgten bei Bethesda und ZeniMax für eine gehörige Portion Zuversicht, was die Veröffentlichung von The Elder Scrolls Online betrifft.

Und tatsächlich ist schon jetzt absehbar, dass sich The Elder Scrolls Online mit Release besser verkaufen wird als je ein MMOG zuvor - insbesondere dann, wenn man sich, wie zu erwarten ist, am Geschäftsmodell von Guild Wars 2 orientiert und auf ein Monatsabo verzichtet. Angesichts der zunehmenden Trostlosigkeit am Markt und fehlender Alternativen steht der Titel schon jetzt auf dem Weihnachtswunschzettel aller Skyrim-Fans - und auf dem der MMOG-Jünger sowieso.

Fataler Hang zum Heldentum

Doch gerade bei Letzteren mehren sich seit einiger Zeit die Zweifel daran, ob The Elder Scrolls Online tatsächlich ein MMOG-Spielerlebnis im Sinne von “Massively” bieten wird. Da wäre einerseits die endliche Story, die frappierend an das Konzept von Star Wars: The Old Republic erinnert, sowie der beinahe chronische Hang der Entwickler zum Instanzieren, damit sich der Online-Spieler als Held fühlen kann.

Wiped! - Die MMO-Woche - Gestörte Kommunikation

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 82/871/87
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Beides beißt sich gewaltig mit dem Grundgedanken eines MMOGs und damit, dass man sich möglichst dauerhaft in einer virtuellen Welt mit Tausenden anderer Spieler niederlassen möchte. Man könne es, so der Vorwurf vieler Kritiker, nicht beiden Seiten recht machen - Skyrim-Fans und MMOG-Jünger ließen sich nicht in einer virtuellen Welt unter einen Hut bringen.

Ein ‘M’ ersatzlos gestrichen

Mittlerweile scheint man das auch bei ZeniMax eingesehen zu haben, denn wie ESO-Chef Matt Firor in einem aktuellen Interview verkündete, handele es sich bei dem Spiel eher um ein Multiplayer-Elder-Scrolls-Game als um ein MMO. Das Spiel soll beinahe komplett solotauglich sein, denn man wolle die Spieler von Elder Scrolls, die von MMOs keine Ahnung hätten, mit den Multiplayer-Aspekten vertraut machen.

Für jene mag dieser Ansatz durchaus reizvoll sein - für die nicht minder große MMOG-Community ist er ein Schlag ins Gesicht. Die Befürchtungen haben sich also bewahrheitet - die Spielzeit wird nicht unerschöpflich sein, die Welt nicht so massiv bevölkert und von Bestand, wie sich Veteranen erhofft hatten. Dass man die Spieler jetzt langsam darauf vorbereitet, ist durchaus löblich, allerdings kommt der kommunikative Kurswechsel reichlich spät.

Wiped! - Die MMO-Woche - Gestörte Kommunikation

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 82/871/87
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Man kann nicht nicht kommunizieren

Nachdem man das Spiel über Monate hinweg als handfestes MMOG angepriesen hat, werden Matt Firors jüngsten Worte kaum noch rechtzeitig Gehör finden. Überall wird das Spiel als MMOG geführt, Fanseiten haben sich entsprechend ein- und ausgerichtet, die Community hat eine Erwartungshaltung aufgebaut und sich das Spiel in allen Formen, Farben und Facetten ausgemalt - daran ist ZeniMax nicht unschuldig.

Als Folge davon könnte ein ähnlicher Effekt eintreten wie bei SWTOR. Nach rekordverdächtigen Verkäufen bricht die Community innerhalb weniger Wochen auseinander. Während Solisten und Gelegenheitsspieler ihren Spaß haben und das Spiel verteidigen, führt die Liga das Hardcore-Spieler eine Vendetta gegen ZeniMax und Bethesda, die den bislang hervorragenden Ruf des Unternehmens schwer beschädigen wird. Ach, hätte man doch nur von Anfang an richtig mit den Spielern kommuniziert...

EVE Online - Der Anfang einer Odyssee

Wie schwierig die Sache mit der richtigen Kommunikation ist, muss auch CCP gerade erleben - zum zweiten Mal. Während man mit der Weltraum-Sandbox EVE Online gerade den größten Erfolg in der Firmengeschichte feiert und aller DDoS-Attacken zum Trotz den Weg für die fünfjährige ‘Odyssey’ geebnet hat, scheint man auf den Planetenoberflächen gerade über die eigenen Füße zu stolpern.

2 weitere Videos

Dass man die Fachpresse, was die Bewertung der Release-Version betrifft, mehrheitlich gegen sich hat, ist man bei CCP längst gewohnt und vor dem Hintergrund der langfristigen Entwicklungen kaum relevant. Dass vermehrt Vertreter aus eigenem Hause für schlechte Stimmung in der Community sorgen, ist allerdings neu und für das Unternehmen brandgefährlich.

Wir machen Sony reich!

Da meldet sich plötzlich CCPs Vizepräsident Thor Gunnarsson zu Wort und behauptet tatsächlich, Dust 514 sei für den Anstieg der PS3-Verkäufe verantwortlich. Und während der geneigte Fan angesichts der maximal 8.000 eingeloggten Spieler darüber nur müde lächeln kann, stößt ihm die Begründung für diese Theorie übel auf:

Die Fanbase, so Gunnarsson offensichtlich begeistert, sei neugierig geworden und habe sich deswegen die Konsole zugelegt. Damit würde der Mann bestätigen, was die Community bislang für abwegig gehalten hätte: Dust 514 ist ein Lock- und Werbeangebot für Sonys in die Tage kommende Konsole und gar nicht dazu gedacht, die Spielerschaft mit neuen Funktionen zu beglücken.

Falsche Antwort!

Und als wäre damit nicht schon genug Schaden angerichtet, kürt der ohnehin in der Community von EVE Online äußerst unbeliebte Marketing-Zukauf David Reid Dust 514 glatt als das wichtigere Spiel für den weiteren Erfolg des Unternehmens. Für einen von Konsolen und Shootern begeisterten Marketing-Mann aus den Vereinigten Staaten mag das vielleicht Sinn ergeben - für die Piloten von EVE Online allerdings kommt das einer Kriegserklärung gleich.

Wiped! - Die MMO-Woche - Gestörte Kommunikation

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 82/871/87
Ein wichtiges Spiel für CCP sei Dust 514. Sehr wichtig. Sagt zumindest CCP.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Es wird also höchste Zeit, dass Firmenchef Hilmar Veigar Pétursson eingreift, die Unternehmenskommunikation wieder an sich reißt oder wenigstens Leute wie Gunnarsson und Reid mit der Philosophie hinter dem Unternehmen und seinen Titeln vertraut macht. Sonst läuft man Gefahr, dass ahnungslose Funktionäre mit wenigen Worten das zerstören, was Entwickler und Fans gemeinsam über ein Jahrzehnt hinweg aufgebaut haben.

EverQuest Next - so einfach sind die kleinen Freuden

Wie schnell das manchmal geht, weiß auch SOE-Präsident John Smedley. Der hockte mit seinem Unternehmen einst auf dem MMOG-Olymp, wurde dann jedoch äußerst unsanft wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, weil man bei SOE scheinbar kopflos vermeintlichen Trends hinterherjagte, die sich bald als Sackgassen herausstellen sollten.

Mittlerweile scheint Smedley jedoch aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt zu haben. Er will den Casual-Kurs umkehren und jenes Potenzial für die künftigen Titel nutzen, dass er als Spieler von EVE Online kennen- und schätzen gelernt hat. Bei den Fans des altehrwürdigen EverQuest stößt er dabei längst auf offene Ohren.

Neuer, alter Thronanwärter

Auch was die Kommunikation betrifft, scheint sich Smedley einer Beratung unterzogen zu haben, denn mittlerweile gibt sich der Firmenchef bemerkenswert zurückhaltend. Bei den Spielern kommt das so gut an, dass das eigentlich völlig unscheinbare Bild auf dem Smedley'schen Twitter-Account für Furore und jede Menge Diskussionsstoff sorgte.

Für das nächste offizielle Firmen- und Fanfest im August, mittlerweile SOE Live genannt, werden dann die ersten handfesten Infos zum Spiel erwartet und vielleicht lässt sich bis dahin auch sagen, ob man bei Sony Online Entertainment das Sandbox-Konzept wirklich verstanden hat und ob man vielleicht sogar in der Lage ist, es mit der einen oder anderen innovativen Idee auszubauen und zeitgemäß zu inszenieren. Dann könnte Smedley vielleicht sogar auf den Olymp zurückkehren.

Cryptic North - von Piraten zu Superhelden

Dabei muss SOE allerdings ohne die Arbeit der Jungs von Flying Lab klarkommen, die man bislang mit Pirates of the Burning Sea unter Vertrag hatte und die hinter vorgehaltener Hand schon mehrfach zugegeben hatten, dass sie mit der Arbeit für und unter Sony Online Entertainment nicht ganz glücklich gewesen seien.

Das Ausscheiden von Flying Labs Kapitän Russell Williams und Teilen seines passionierten Teams kommt also nicht sonderlich überraschend - eine damit verknüpfte, zweite Ankündigung schon. Fortan wird Williams nämlich das Ruder im neu gegründeten Studio Cryptic Nord an sich nehmen, um die Champions Online wieder so auf Kurs zu bringen, wie sich das die Fans des stiefmütterlich behandelten Superhelden-MMOGs wünschen.

Wiped! - Die MMO-Woche - Gestörte Kommunikation

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 82/871/87
Das war mal was. Piraten. Papageien. Arrrrr.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Mit Star Trek Online und Neverwinter auf Erfolgskurs

Diese Firmengründung lässt erahnen, dass es im Hause Cryptic derzeit recht rosig aussieht. Star Trek Online hat mit der aktuellen Erweiterung nicht nur die Romulaner ins Spiel gebracht, sondern gleichzeitig ganze Horden alter und neuer Fans gewonnen. Und tatsächlich scheint es der Romulaner-Plot, den ich aus Zeitgründen bisher nur anspielen konnte, in sich zu haben und auf Anhieb packender zu sein als die Karriere bei der Föderation.

Gleichzeitig wird die Beta von Neverwinter von Spielern geradezu überrannt. Dass die offizielle Veröffentlichung am 20. Juni einer der größten Erfolge in der Geschichte der Cryptic Studios wird, ist längst absehbar. Der Verkauf von Cryptic vor zwei Jahren von Atari an den chinesischen Publisher Perfect World wirkt sich durchaus positiv aus, denn im Gegensatz zu Atari scheinen die Chefs aus Fernost zu verstehen, dass die Arbeit an einem MMOG mit Release nicht abgeschlossen ist, sondern dass sie damit gerade erst begonnen hat.

Und auch für mich hat damit die Arbeit an einem ausführlichen Testbericht erst begonnen, denn mit dem kommenden Update will Cryptic noch einmal ordentlich am momentan arg wackeligen Balancing schrauben, einen High-Level-Dungeon ins Spiel bringen, der sowohl PvE- als auch PvP-Fans begeistern soll und die deutsche Sprachausgabe aktivieren. Und damit nicht genug - mit ‘Fury of the Feywild’ steht auch schon der Titel der ersten Erweiterung fest, die noch im Sommer aufschlagen soll.

Darkfall Unholy Wars - Reiseberichte

Vorher bekommt ihr aber noch einen ersten Reisebericht aus Darkfall Unholy Wars geliefert, das mich seit einigen Wochen ungemein begeistert, weil es endlich wieder das Gefühl bietet, in einer authentischen Low-Fantasy-Welt zu leben, in der man nicht der strahlende Held und Weltenretter ist, sondern ein lausiger Anfänger, der für das eigene Vorankommen und das der Gilde schuften muss.

Wiped! - Die MMO-Woche - Gestörte Kommunikation

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 82/871/87
Darkfall ist eine stimmige Low-Fantasy-Welt, in der man nichts hinterhergeworfen bekommt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Dazu kommt, dass Aventurine ordentlich an der Technik gearbeitet und eine Welt auf die Beine gestellt hat, die trotz einiger Schwierigkeiten bei größeren Spieleraufkommen, jede Menge Raum zur politischen, wirtschaftlichen und kriegerischen Entfaltung bietet. Tatsächlich fühlt man sich in Darkfall beinahe wie in einem Skyrim Online, in dem man als Spieler jedoch keine Geschichte vorgesetzt bekommt, sondern in dem man sie selber schreibt.

Glückwünsche

Geschichte geschrieben hat wohl auch HEX - jenes Trading-Card-MMO, das mit 300.000 Dollar Unterstützung auf Kickstarter vollendet werden sollte und mit fast 2,3 Millionen Dollar mehr als beeindruckend abgeschlossen hat. Das Geld dürfte Cryptozoic, dessen Unterstützer sich dadurch nicht zuletzt auch einen ordentlichen Wettbewerb mit Blizzard Entertainment und dessen Hearthstone erhoffen, so schnell nicht ausgehen.

Und auch Nexeon Technologies kann man beglückwünschen, denn mit 60.000 via Kickstarter eingenommenen Dollar werden die Arbeiten am Sci-Fi-Sandbox-MMOG Face of Mankind nicht nur weiter vorangetrieben - man will auch gleich noch das Kampfsystem überarbeiten und neue Animationen ins Spiel bringen.

2 weitere Videos

Bis das alles Gestalt annimmt, müssen wir uns allerdings noch etwas gedulden. In der kommenden Woche erwarten uns dann hoffentlich ein paar heiße Infos, Videos und Enthüllungen von der E3, auf der sich die Marketing-Abteilungen hoffentlich etwas zurückhalten und ausnahmsweise mal jene sprechen lassen, die etwas von der Materie verstehen.