Ob Cola, Cornflakes oder Zigaretten - in den Vereinigten Staaten liebt man es "light". Auch bei den Computerspielen hat sich längst ein solcher Trend durchgesetzt. Sehr zum Bedauern von europäischen und asiatischen Spielern, die mehrheitlich knackige Herausforderungen mit einem Mindestmaß an Tiefgang suchen. Doch solche, das zeigt die aktuelle E3 einmal mehr, brauchen wir aus dem Land der Light-Games vorerst nicht erwarten.

Destiny - keine große Überraschung

Dabei wurden auf der Electronic Entertainment Expo in diesem Jahr durchaus ein paar echte Knaller enthüllt - allen voran Bungies Destiny, von dessen Existenz wir zwar längst wussten, über dessen Spielgefühl wir bislang jedoch nur Spekulationen anstellen konnten. Jetzt jedoch ist die Katze aus dem Sack. Ein schnittiger Trailer und eine Live-Gameplay-Demonstration offenbaren uns, was wir mit dem Spiel zu erwarten haben - und was nicht.

Ein Spiel mit toller Grafik und Atmosphäre auf jeden Fall. Ein Spiel, das eindrucksvoll unter Beweis stellt, dass sich die brandneuen Konsolen nicht hinter der aktuellen PC-Generation verstecken müssen. Ein Spiel, das die vom PC bekannte Persistenz in der Konsolenwelt salonfähig machen soll, ohne dabei den Rahmen dessen zu sprengen, was Konsolenspieler zu tolerieren bereit sind.

Noch mehr Light-MMOGs

Und genau da liegt das Problem. So schön Destiny auch aussieht, so wundervoll die Atmosphäre auch ist - im Kern scheint es sich dabei doch "nur" um ein weiteres Defiance, Firefall oder Borderlands zu handeln. Destiny sieht aus wie ein Online-Game, mit dem man ab und zu ein paar kurzweilige Stunden verbringen kann, mehr jedoch auch nicht.

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Eigentlich ist das nicht weiter verwerflich, denn genau das wollen viele Konsolenspieler. Sie wollen keine großen Allianzen bilden, sich nicht mit Spielerpolitik oder Markt- und Handwerkssimulationen herumschlagen. Sie wollen das große Popcorn-Kino an der Konsole erleben, so wie früher, nur eben zeitgemäß und online.

Ein junges Genre explodiert

Dabei sind Spiele wie Dust, Defiance und Destiny nur der Anfang. In den nächsten Jahren wird noch eine ganze Welle von weiteren, allesamt recht ähnlichen Online-Shootern über uns hinwegschwappen, weil die Studios zu Beginn der Entwicklung noch glaubten, man könne sich mit dieser vermeintlich innovativen Idee einen ordentlichen Marktanteil sichern.

Den Ursprung könnte diese Geschäftsidee sogar im Hause Sony haben, wo man sich dereinst nicht nur die Exklusivität an Dust 514, CCPs zweitem Eingang zur Sandbox von EVE Online, gesichert hat. Die Enthüllungen der E3 zeigen auch, dass der Hersteller schon lange im Voraus geplant und mit Studios verhandelt hat, um die neue Konsole und deren Spielerschaft für die Online-Zunkunft zu rüsten.

Über alle Grenzen hinweg

Defiance wird für die PS4 erscheinen, ebenso das geniale War Thunder, bei dem die Spieler gar systemübergreifend von PC, Mac und PS4 aus auf einer Karte kämpfen werden - ein Deal, der mit Microsoft undenkbar gewesen wäre. Außerdem wird SOEs PlanetSide 2 auf der neuen Konsole bereitstehen - ebenso kostenlos wie War Thunder oder World of Tanks.

Und auch daran werden sich Konsolenspieler bald gewöhnen - an ein umfangreiches Angebot an kostenlos spielbaren Titeln. Die sind quasi Sonys clevere Antwort auf den Online-Zwang, für den Microsoft derzeit abgestraft wurde. Die Playstation 4 muss nicht am Netz hängen - doch wird das satte Angebot an Free-to-Play-Games Grund genug sein, eben doch online zu bleiben und nebenbei Filme, Serien und andere Spielen zu konsumieren - Steam hat vorgemacht, wie es funktioniert.

Die PS4 wird damit zu einem offeneren System, zu einer Art zusätzlichem Gaming-PC fürs Wohnzimmer. Damit gibt sich Sony zwar der Übermacht des modernen, hochgezüchteten Rechenknechts, dessen riesiger Online-Community und Steam geschlagen, sichert sich durch diesen Schachzug aber einen vorbildlichen Ruf bei den Spielern und die Existenz in einer äußerst komfortablen Nische, in die Microsoft mit seiner restriktiven Firmenpolitik nicht passt.

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The Division - All Points Bulletin in schön?

Und so wird sich auch The Division auf der PS4 vermutlich weit besser verkaufen als auf der Xbox One. Auch bei diesem Spiel handelt es sich, wer hätte das gedacht, um einen Online-Shooter. Der wurde in der Tradition und mit dem Namen von Tom Clancy gestrickt und liefert offensichtlich ein weit taktischeres Spiel als die meisten anderen Titel.

Für Ubisoft ist The Division auf jeden Fall eine Feuerprobe, hatte man sich bislang doch weitgehend aus dem Geschäft mit den echten Online-Welten herausgehalten. Und entgegen ersten Gerüchten wird das Spiel in mancherlei Hinsicht tatsächlich einem MMOG ähneln. Denn wenngleich jeder Spieler seine eigene kleine Welt zu sehen bekommt, die er durch sein Tun verändert, kann er immerhin Freunde zu gemeinsamen Abenteuern einladen oder die tatsächlich für alle Spieler persistenten PvP-Gebiete besuchen.

The Elder Scrolls Online - Zu schwer für die Konsole, zu light für den PC?

Damit ist The Division nicht weniger MMOG als The Elder Scrolls Online, das übrigens ebenfalls für die Next-Gen-Konsolen angekündigt wurde. Darin liegt dann auch die Erklärung für die konsolengerechte Steuerung des Spiels und gewisse Zugeständnisse in Sachen Komplexität. The Elder Scrolls Online wurde gar nicht speziell auf die PC-Spielerschaft zugeschnitten, sondern für das Controller-Publikum.

Ob sich diese Entscheidung allerdings auszahlt, ist höchst fraglich. Schon während der

Wiped! - Die MMO-Woche - Gaming Light

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Kommt auch für PS4 und Xbox One: The Elder Scrolls Online.
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Ankündigung durch Sony auf der E3 gab es kaum Beifall aus dem Publikum, das wenig von MMOGs zu halten scheint und auf ganz andere Kaliber gehofft hatte. Gleichzeitig entfachte die PC-Community einen Sturm der Entrüstung in den Foren, weil man wieder einmal gezwungen wird, unliebsame Kompromisse einzugehen und in eine schwer instanzierte Welt gepackt wird.

The Crew - Ubisofts Bedürfnis nach Geschwindigkeit

Das wird auch bei The Crew nicht anders, Ubisofts zweitem Online-Open-World-Projekt. Auch hier ist die offene Welt gar nicht so offen und nur auf den Spieler begrenzt - und auf seine Freunde, die er in seine persönliche Instanz einladen kann. Das ist bedauerlich, denn es gibt kein einziges, ordentliches Racing-MMOG auf dem Markt - von Need for Speed: World wollen wir gar nicht erst reden.

Immerhin bietet The Crew eine riesige Landkarte, die Freunden heißer Boliden ebenso viel Vergnügen bereiten dürfte wie Entdeckern, denen kein Weg zu weit ist. Ubisoft hat mittlerweile angekündigt, dass The Crew, das grafisch frappierend an Grand Theft Auto IV erinnert, nicht nur auf den Next-Gen-Konsolen aufschlagen wird, sondern auch auf dem PC. Auf den grafischen Vergleich beider Versionen darf man durchaus gespannt sein.

ArcheAge - Registrierung gestartet

Doch auch für Freunde von mehr oder weniger klassischen MMOGs gibt es gute Nachrichten von der E3. Trion Worlds hat aktuell nämlich nicht nur die Umstellung von Rift auf Free-to-Play abgeschlossen, man hat endlich auch die Anmeldung für die Betatests zum mit großer Spannung erwarteten "Sandpark"-MMOG ArcheAge gestartet.

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Bald geht es los mit der Beta zu Arche Age.
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Ungewiss ist bis dato noch, für welches Geschäftsmodell sich XL Games und Trion im Westen entscheiden werden - insbesondere vor dem Hintergrund der in Südkorea geplanten Umstellung auf ein Hybrid-Preismodell. Während das asiatische Publikum gegenüber Mikrotransaktionen recht aufgeschlossen scheint, stoßen derartige Pläne bei westlichen Sandbox-Fans eher auf Ablehnung.

Snail Games - werkelt nach Age of Wulin schon am nächsten Titel

Wie schwierig es ist, ein Free-to-Play-Konzept gewinnträchtig und gleichzeitig fair auszugestalten, zeigt der ständige Ärger, den Snail Games in den USA mit der Community hat. Wer in Age of Wulin, das dort Age of Wushu heißt, konkurrenzfähig sein will, wird die eigentlich optionale Gebühr zahlen müssen. Ob das auch für die europäische Version gilt, steht allerdings noch nicht fest.

Immerhin will Europa-Publisher Webzen am kommenden Montag in die Closed Beta starten. Und in der kümmert man sich dann hoffentlich nicht nur um die technische Seite des Spiels, sondern passt auch die umstrittenen Mikrotransaktionen an die Bedürfnisse der Community an. Das Spiel hat es auf jeden Fall in sich und es wäre schade, wenn man in Irland nichts aus der hauseigenen Misere bei Allods Online gelernt hätte.

Derweil arbeitet man in den Studios von Snail Games in China schon am nächsten MMOG. Wie Age of Wulin kann auch Black Gold optisch überzeugen, spielt allerdings nicht im mittelalterlichen China, sondern ist in einer Umgebung angesiedelt, die ein wenig an die alten Maya-Städte erinnert - allerdings vermischt mit Einflüssen aus Fantasy und Steampunk.

The Stomping Land - World of Dinos

Noch skurriler wirkt da eigentlich nur The Stomping Land. Das Spiel bringt ein paar Millionen Jahre Geschichte durcheinander und wirft den Spieler in eine urzeitliche Welt, in der er ums Überleben kämpfen muss - allerdings nicht gegen Zombies, sondern tatsächlich gegen Dinosaurier. Und wer nun gedacht hätte, dass ein solches Spiel niemals genügend Geld auf Kickstarter einspielen würde, der täuscht sich.

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20.000 Dollar wollten die drei Entwickler sammeln - 114.000 Dollar haben sie mit Ablauf der Aktion in der Tasche. Verdient, wie ich finde, denn das Projekt versprüht schon in seiner frühen Phase mehr Atmosphäre als so manches fertige Spiel. Zudem ist Gamedirector Alex ‘jig’ nicht ganz untalentiert, hat er doch zuvor an Titeln wie Skyrim und Dungeon Defenders mitgewirkt. Außerdem ist der Mann ein echter Zocker mit gutem Geschmack, spielt privat Titel wie Team Fortress, Mount & Blade und DotA. Das lässt hoffen.

Hoffen, dass wir in Zukunft nicht nur noch Popcorn-MMOs von großen US-Publishern serviert bekommen, sondern auch die eine oder andere Welt mit Tiefgang, in der man sich ansiedeln und verlieren kann - so wie es mir aktuell in Darkfall Unholy Wars widerfahren ist.