Eigentlich hatte unser Wiped-Autor ja auf ein paar gemütliche Osterfeiertage gehofft und auf etwas Ruhe vor dem Sturm. Daraus jedoch wird in diesem Jahr nichts, denn die Branche legt schon jetzt los, kündigt Updates und Erweiterungen an und sorgt für eine Schlagzeile nach der anderen. Damit ihr die wichtigsten nicht verpasst, schalten wir das Tempo in dieser Woche ein wenig höher - schnallt euch also an.

EA proudly presents: World of Bürgermeister

Beginnen wollen wir, wie es sich gehört, mit dem größten ‘WTF-Moment’ der Woche. Den bescherte uns Mr. EA President Frank Gibeau, als er seine neue, katastrophal gestartete Städtebau-Simulation Sim City allen Ernstes als MMO bezeichnete. Sim City fühle sich nämlich mehr wie ein MMO an als irgend etwas sonst und es spiele sich wie ein MMO, so Gibeau sinngemäß.

Angesichts einer solchen Sachkenntnis des firmeneigenen Steuermanns verwundert es dann auch wenig, dass Electronic Arts bei seiner Talfahrt rapide an Geschwindigkeit gewinnt. Wenigstens fällt der Community der beherzte Absprung von John Riccitiello jetzt etwas leichter, denn sein Nachfolger hat sich das rote Tuch längst um den Hals gewickelt und wird in Zukunft mit Sicherheit noch für so manchen ‘WTF-Moment’ sorgen.

Star Wars: The Old Republic - Ahnungslosigkeit eingestanden

Dass mangelnder Sachverstand ein im Hause EA verbreitetes Phänomen ist, darauf deuten auch die Worte von James Ohlen hin. Anders als sein fettnapfgefährdeter oberster Chef geht der als Creative Director von Star Wars: The Old Republic tätige Entwickler allerdings mit sich selbst hart ins Gericht und räumte während einer Rede auf der jüngsten Game Developers Conference schwere Fehler ein.

Das Spiel sei nicht so weit entwickelt gewesen, wie man das gerne gehabt hätte. Trotzdem sei man davon ausgegangen, mehr Inhalte zu bieten als ein durchschnittliches MMO. Man habe, so der Entwickler weiter, jedoch absolut nicht damit gerechnet, dass die Spieler mit 40 Stunden pro Woche durch das Spiel rasen und dass vier, fünf Wochen nach Start plötzlich eine knappe halbe Million von ihnen vor dem Endgame stehen würde.

Wiped! - Die MMO-Woche - Fast Forward

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Da wär mehr drin gewesen: SWTOR.
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Jeder bekommt ein Armutszeugnis

Und so löblich diese Selbstkritik auch ist - Ohlsen stellt seinem kompletten Team im Nachhinein ein Armutszeugnis aus, denn es beweist, was Spieler längst vermutet hatten: Die amtierende Generation von Spieleentwicklern spielt selbst nicht mehr. Hätte Ohlsen selbst mal ein paar Stunden auf dem Teamspeak-Server einer vernünftigen Gilde verbracht, hätte er gewusst, dass der Gelegenheitsspieler, der alle paar Tage mal ein Stündchen in der virtuellen Welt verbringt, die Ausnahme ist.

Die Folgen dieser Fehleinschätzung kennen wir. Nach dem kurzen Höhenflug kündigte die Mehrheit der Spieler ihr Abo. Vergangenen Sommer wurde die Belegschaft dann auf Minimalgröße gestutzt - und die verbliebenen Entwickler versuchen nun, das Spiel über Mikrotransaktionen zu finanzieren. Die jüngste Entscheidung, die Server für den asiatisch-pazifischen Raum abzuschalten, lassen allerdings am Erfolg der Umstellung zweifeln, wenngleich man das Spiel bei BioWare aktuell als “größte Mikrotransaktions-Geldquelle von EA” bezeichnete.

Und so ist man nicht bereit, das Spiel abzuschreiben. Im Gegenteil - mit dem Aufstieg des Huttenkartells will man am 14. April beweisen, dass man aus seinen Fehlern gelernt und das strauchelnde Spiel wieder im Griff hat. Man werde Items ins Spiel bringen, die man bisher noch nie in einem MMOG gesehen hat und über Star Wars hinaus die Führung in Sachen MMOGs für EA übernehmen.

Die nächste Bio-Ware kommst bestimmt

Arbeitet BioWare also schon am nächsten MMOG? Die Wahrscheinlichkeit ist groß, denn EA wird sich auch nach Warhammer Online, SWTOR und natürlich Sim City kaum vom großen Plan abbringen lassen, das Genre für sich zu beanspruchen. Solange noch Geld da ist, wird man neue Titel entwickeln, wobei ich nicht so recht weiß, ob das für uns Spieler nun gut ist oder schlecht.

Das Lichtschwert meines Sith-Inquisitors glüht auf jeden Fall schon mal vor, damit ich am 14. April rechtzeitig den Hutten den Garaus machen und euch zeitnah sagen kann, ob BioWare das Spiel wirklich im Griff und die Ahnungslosigkeit aus dem Studio verbannt hat. Ich habe da so meine Zweifel. Doch wer weiß - vielleicht gelingt dem geläuterten BioWare ohne Zeschuk, Muzyka und Riccitiello an der Spitze, was den alten Hasen nicht gelang.

NCsoft West - schickt weitere Mitarbeiter in die Wüste

Zugegeben - es ist auch nicht ganz so einfach, auf dem umkämpften MMOG-Markt Fuß zu fassen, der sich so rasant verändert, dass einem dabei schwindelig werden kann. Und bedenkt man, dass ein halbwegs solider Titel rund vier Jahre Entwicklungszeit benötigt, kann man dieses Geschäft durchaus als höchst risikobehaftet bezeichnen. Gerade größere Unternehmen kommen da mit ihren starren Strukturen schon mal ins Wanken und haben hier und da viel Geld in Spiele gesteckt, die am Ende der langen Entwicklungsphase niemand mehr spielen will.

Auch Branchengigant NCsoft hat in diesen Tagen seine liebe Not - insbesondere im Westen. Und so gab es aktuell bei NCsoft West eine Reihe von Entlassungen. Dabei handle es sich, so eine Nachricht aus dem Unternehmen, um Umstrukturierungsmaßnahmen, die einen größeren Fokus auf den Erfolg der westlichen Titel gewährleisten sollen.

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NCsofts neue Politik: Weniger Guild Wars, mehr Wildstar?
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Und das ist die nächste einer ganzen Reihe von katastrophalen Fehlentscheidung, in denen es der westliche Unternehmenszweig stets verpasst hat, die Stärken der koreanischen Titel richtig zu nutzen. Man verzichtet auf Gamemaster, entlässt Community- und PR-Manager, nimmt die asiatischen Spiele nicht mal mit auf Gamescom und wundert sich dann, warum die Titel aus Fernost bei uns so schlecht ankommen.

Trennung nach Kontinenten

Doch welche Titel sollen es sein, auf die sich NCsoft West da konzentrieren möchte? Mehr WildStar also und Guild Wars 2, weniger Blade & Soul? Warum bekommen wir letzteres denn nicht mal zu sehen? Können wir überhaupt in diesem Jahr mit den Betatests zu einem Spiel rechnen, das in Südkorea längst veröffentlicht ist? Und wollen wir das überhaupt, wenn NCsoft mit der aktuellen Meldung gleichzeitig verkündet, dass man das Martial-Arts-MMOG im Westen kaum ordentlich unterstützen wird?

Von den in Guild Wars 2 verbliebenen Spielern wird NCsoft nicht ewig zehren können - dafür mangelt es dem Spiel noch immer an brauchbaren Endgame-Inhalten. Wobei man in dieser Hinsicht nachlegen und langfristig an einem Konzept von “lebendigen Inhalten” zimmert - was immer das auch heißen mag. Doch vorher will man Anfang April ein großes Update aufspielen, das es in anderer Hinsicht in sich hat. Ein Update, über das bislang gar nichts bekannt ist, weil die wenigen Fachjournalisten, die es schon spielen durften, noch bis zur kommenden Woche zur Verschwiegenheit verdammt sind - so auch ich.

Star Trek Online - Community begrüßt die Romulaner

Überhaupt scheinen einige namhafte MMOGs in den nächsten Monaten vielversprechende Updates und Erweiterungen spendiert zu bekommen, darunter auch Cryptics Star Trek Online. Das hat von der Übernahme durch Perfect World Entertainment profitiert, denn im Gegensatz zu Atari scheint das chinesische Unternehmen zu verstehen, dass ein MMOG langfristig gepflegt werden muss.

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Dass man dafür intern gehörig umstrukturiert hat und die meisten Entwickler von Champions Online abgezogen und an Star Trek Online gesetzt hat, war ebenso richtig wie effektiv. Zwar ist das Spiel nach wie vor nicht die Sandbox, die sich mancher Trekkie vorab erhofft hatte, doch ist im Laufe der Jahre mittlerweile so viel Content hinzugekommen, dass sich die Gemüter der vergleichsweise großen Fangemeinde mittlerweile beruhigt haben.

Umso mehr freut man sich in den Communitys auf den 21. Mai, an dem Cryptic das einst zerstörte Reich der Romulaner neu erstehen lassen will und eine neue Fraktion samt eigener Geschichte ins Spiel bringt. Ein gewagtes Vorhaben, angesichts der Tatsache, dass die Fraktion der Klingonen seit Release eine Baustelle ist, an die man sich offensichtlich nicht mehr herantraut - genauso wenig wie ans PvP.

EVE Online - Island rüstet auf

Beim derzeitigen Marktführer unter den  Sci-Fi-MMOGs sieht das schon anders aus. Das PvP war hier von Anfang an ein wesentlicher Bestandteil der Weltraum-Sandbox und es funktioniert, wenngleich es nicht immer für glückliche Gesichter sorgt, wie im aktuellen Fall von einem Spieler namens Nerqual, der während eines Einsatzes mit der Selbstzerstörung seines 22 Milliarden ISK teuren Supercarriers spielte und dabei vergaß, sie rechtzeitig zu deaktivieren.

Schade auch, denn für diese Summe hätte er rund 40 Pilot License Extensions bekommen, genannt Plex. Und die sind nicht nur im Spiel eine Menge ISK wert, sondern auch jeweils knapp 20 Dollar, weil man sie zum Beispiel als Zahlungsmitten nutzen kann, um eine Grafikkarte von Nvdia zu erwerben oder um das kommende Fanfest in Island in hoher Auflösung zu streamen.

Im April wird Island erbeben

Und das wird äußerst spannend, denn CCP hat mittlerweile nicht nur die nächste Erweiterung für EVE Online mit dem Titel Odyssey angekündigt, die am 04. Juni erscheinen soll, man hat diesmal auch jede Menge Material zur Vampire-Sandbox World of Darkness vorbereitet und natürlich zu Dust 514, das bislang nicht mehr als ein Shooter ist, der mit einem Update namens Uprising am 06. Mai, kurz nach dem bislang größten Fanfest, jedoch endgültig im politischen Gefüge von New Eden verankert werden soll und dann einen ganz neuen Zugang in die alte Sandbox bietet.

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Was das in der Praxis bedeutet, darüber werde ich zu gegebener Zeit sicher noch in einem Artikel für die ganz besonderen Nerds unter euch philosophieren, denn mein Ticket ins komplett ausgebuchte Island habe ich natürlich schon in der Schublade liegen. Einen ungefähren Eindruck kann man allerdings auch jetzt schon gewinnen, wenn man sich das Video anschaut, das zum jüngsten Event “Battle for Caldari Prime” aus der Sicht von Spielern beider Welten gedreht wurde.

Guns of Icarus - will eine Welt werden

Ebenfalls um Schiffe - allerdings um solche, die innerhalb der lebensfreundlichen Atmosphäre fliegen, geht es auch in dem Spiel, das in dieser Woche unser Titelbild ziert. Zwar ist Guns of Icarus schon seit einer ganzen Weile auf Steam erhältlich und wird von einer kleinen, aber feinen Community gespielt, doch ist der charmante Indie-Titel eigentlich eine Art Steam- und Dieselpunk-MOBA und weit von einem MMOG entfernt.

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Wobei - so weit dann auch wieder nicht, denn Chefentwickler Howard Tsao sammelt aktuell 100.000 Dollar via Kickstarter, um das Spiel damit in Richtung MMOG zu entwickeln und bei einem Zwischenstand von 33.000 Dollar und 52 verbleibenden Tagen, erscheint das Ziel auch durchaus realistisch.

Frohe Ostern!

Realistisch genug auf jeden Fall, damit ich mir Guns of Icarus in seiner jetzigen Form einmal etwas genauer ansehe. Außerdem habe ich mich endgültig dazu durchgerungen, Age of Wulin in den USA anzutesten, weil ich es mir nie verzeihen würde, wenn ich eine gute Sandbox verpasste, nur weil der Europa-Publisher nicht in die Pötte kommt. In diesem Sinne - unterhaltsame Ostertage!