Vier Jahre nach Skyrim ist Bethesda drauf und dran, mit Fallout 4 die selbst aufgestellten Rekorde noch einmal zu brechen. Dabei ignorierte der Publisher komplett, dass große Teile der Community gerne ein Multiplayer-Fallout gespielt hätten, wenn nicht gar ein waschechtes Endzeit-MMORPG. Ein Versäumnis oder doch eine weise Entscheidung? Das ist nur eine von zahlreichen Fragen, die unser Kolumnist in dieser Woche stellt.

Zurzeit herrscht Ausnahmezustand in den virtuellen Welten. Publisher und Communitys sind gleichermaßen besorgt über die aktuellen Bevölkerungszahlen. Manch einer spricht schon von einem Exodus, der stattgefunden habe und davon, dass die Endzeit über die Onlinewelten hereingebrochen sei. Und das ist nicht ganz abwegig, denn die Endzeit hat tatsächlich mit den aktuellen Problemen zu tun. Und sie hat auch einen Namen: Fallout 4.

Nach dem Fallout kommt der Exodus

Nun mag man von dem Wandel, den die Fallout-Reihe mit dem jüngsten Teil gemacht hat - weg vom RPG und hin zum Shooter - halten, was man will. Und natürlich trägt auch der Hype dazu bei, dass viele Fans wohlwollend über Schwachstellen hinwegsehen und ihre Freunde geradezu nötigen, ihn ebenfalls zu spielen - von der Wirkung, die sich auf Kanälen wie YouTube und Twitch in diesen Tagen entfaltet, mal ganz abgesehen.

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Vom Knieschuss zum Volltreffer

Klar ist aber auch: Fallout 4 hat einen Nerv getroffen. Wieder einmal, denn wenngleich es Bethesda insbesondere RPG-Veteranen nicht immer ganz leicht macht, kompromisslos zu dem Studio zu stehen, nutzt man dort Schwung, den man durch Skyrim über Jahre hinweg aufgebaut hat, um ihn ins nächste Franchise mitzunehmen - inklusive Millionen von Fans, die bisher noch nichts mit der Endzeit zu tun hatten.

Fans, die aber auf eine offene Welt stehen, die ein virtuelles Leben führen möchten, die nicht an jeder Ecke vor Schranken stehen oder eine kleine Attraktion nach der anderen abhaken wollen. Dass Fallout 4 dabei, was die Mechaniken betrifft, etwas zugänglicher und gleichzeitig oberflächlicher ist als seine Vorgänger, wird wohl durch seine etwas skurrile, aber trotzdem glaubwürdige Welt, in der man sich durchaus für einige Wochen und Monate verlieren kann, wieder wettgemacht.

Und da wäre es dann auch - das Stichwort für all jene, die tatsächlich daran glauben, dass die Spielebranche an Fallout 4 vor die Hunde gehen wird, dass sich der Exodus in die Endzeit nicht wieder in die andere Richtung bewegen würde. Denn schon sinken die Zahlen auf Twitch wieder, fällt Fallout 4 auf Steam hinter die üblichen Verdächtigen - Dota 2 und CS:GO - zurück - zumindest bis die ersten guten Mods und DLCs aufschlagen.

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Better safe than sorry!

Fallout 4 ist eben ein Bethesda-Game und kein MMORPG. Der Schuster ist bei seinen Leisten geblieben und das ist auch gut so. Denn so einfach, wie sich das manch einer vorstellt, ist die Entwicklung eines vollwertigen MMOs nicht - weder technisch noch in Sachen Spielmechaniken und Weltenaufbau, der von Exploitern, Griefern, Cheatern oder Bots permanent auf die Probe gestellt wird.

Welch virtuelles Grauen wäre uns wohl beschert worden, hätten die ZeniMax Online Studios ihre Finger mit im Spiel gehabt und uns mit Fallout Online ein weiteres Retorten-MMO angedreht. Ein The Elder Scrolls Online quasi - diesmal eben im Endzeit-Look und ohne Immersion. Nein, bevor sich die großen Studios wieder an ein MMO-Projekt heranwagen dürfen, muss sich das Genre neu sortiert haben, müssen neue Fundamente her, auf die sich aufbauen lässt. Doch diese Fundamente zu errichten, obliegt der Indie-Szene, in der gerade Spiele wie ARK: Survival Evolved neue Standards setzen.

Pangaea: New World - das erste von vielen

Natürlich wird der bemerkenswerte Erfolg von Fallout 4 seine Spuren hinterlassen. Beginnend mit dem kommenden Jahr werden wir uns vor Fallout-MMOs nicht mehr retten können, denn nicht nur Investoren zeigen sich bewährten Konzepten gegenüber meist äußerst aufgeschlossen - auch Entwickler sitzen am liebsten an Spielen, die denen ähnlich sind, die sie selber gerne zocken.

Pangaea: New World ist so ein Ding. Seit es auf Steam grünes Licht erhalten hat, ist es den Entwicklern äußerst ernst damit, bis zum Ende des kommenden Jahres ein Shooter-MMO zu veröffentlichen - die Vorarbeiten dazu laufen also schon bedeutend älter als der Hype um Fallout 4, wobei das Spiel durchaus von letzterem profitieren wird.

Postapokalyptischer Umweltschutz

Doch wie schon erwähnt - ein waschechtes MMO zu entwickeln, ist eine Herausforderung der besonderen Art, zudem sich die Entwickler von Pangaea einen ordentlichen Brocken Arbeit aufgehalst haben: Eine echte Wirtschaft mit globalem Markt, ein komplexes RPG-System mit Skills und Berufen, Artefakte mit nützlichen oder tödlichen Eigenschaften, eine offene, instanzlose Welt von über 90 Quadratkilometern Fläche, die der niedrigen postapokalyptischen Bevölkerungsdichte Rechnung tragen soll.

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Ach ja - und dann wäre da noch ein Element, das mancher Veteran für eines der wichtigsten überhaupt hält. Eines, das eigentlich als Fundament jeder virtuellen Welt dienen sollte. Ein komplexes Ökosystem nämlich, in dem jede Handlung eines Spielers Konsequenzen auf die Umwelt hat - konkret auf die ohnehin schon gebeutelte Flora und Fauna in der Endzeit.

Nicht jeder ist zum Krieger geboren

Jenseits des Shooter-Gameplays schlägt Pangaea damit in die gleiche Kerbe wie die Ökosimulation Eco, bei der die Spieler weniger um ihr eigenes als um das Überleben der virtuellen Welt kämpfen müssen, um zu vermeiden, dass überhaupt erst eine postapokalyptische daraus wird. Doch wie auch immer dieses Ökosystem im Detail ausgearbeitet ist - wichtig ist, dass sich die Entwickler endlich davon verabschieden, Ausrüstung und damit Rohstoffe in unbegrenzter Zahl ins Spiel purzeln zu lassen und so die Inflation unvermeidbar zu machen.

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In der Welt von Pangaea ist alles rar und schwer zu bekommen. Das soll auch und vor allem für die wenigen Fahrzeuge gelten, die aus vergangenen Tagen übrig sind und die es zu erhalten und zu pflegen gilt.
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Nur in einer Welt, in der man sein Hab und Gut aus begrenzt verfügbaren Rohstoffen bauen muss, haben Berufe eine echte Bedeutung - vom Bergarbeiter angefangen über Landwirte, Schmiede bis hin zu den Händlern die als Schnittstelle dienen und den Markt ebenso kontrollieren können wie Clanlords die Politik auf dem Server - ebenfalls ein in den letzten Jahren viel zu kurz geratenes Element. Aber wie viel von alldem letztlich tatsächlich in Pangaea landen und funktionieren wird, bleibt abzuwarten.

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