Die BlizzCon 2013 ist vorbei und entgegen der Erwartungen mancher wurde auch in diesem Jahr nicht die große Zeitenwende im Genre eingeleitet. Das obliegt dann wohl doch den vielen kleinen Indie-Studios, in denen emsig an Titeln gearbeitet wird, durch deren Betas wir uns frühestens in einem Jahr schlagen dürfen. Immerhin bekommen wir von den Großen das eine oder andere interessante Update spendiert, mit dem sich die Zeit vertreiben lässt.

World of Warcraft - vom Pfad abgekommen?

Wobei Blizzards nächste Erweiterung zu World of Warcraft wohl noch einige Zeit auf sich warten lässt. Wie lange, darüber streiten sich Fans und Experten seit der Ankündigung auf der BlizzCon am vergangenen Wochenende gleichermaßen. Sicher ist nur: Die Warlords of Draenor werden im kommenden Jahr über Azeroth herfallen. Und bis dahin, das gab in der vergangenen Woche auch Lead Content Designer Corey Stockton zu, muss etwas geschehen.

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Immerhin hat man bei Blizzard mittlerweile eingesehen, dass man ein beständiges Problem damit hat, Inhalte in der Frequenz rauszuhauen, in der sie die Spieler gerne sehen würden. Und um dieses Problem gezielt anzugehen, will man die Strategie fortan ein wenig ändern, mit von Spielern generierten Inhalten experimentieren und schon mehrere Erweiterungen im Voraus planen, statt immer nur auf die unmittelbare Zukunft zu schauen.

Mit dem augenscheinlich recht üppigen und in allen Richtungen ausbaufähigen Housing, dem NPC-Gefolge und dem vielversprechend klingenden Welten-PvP lenkt jetzt also auch der Branchenprimus mit seiner Strategie ein und weicht von den ausgelatschten PvE-Themepark-Pfaden ab. Für World of Warcraft kann das eigentlich nur gut sein, ist es doch genau das, was die abtrünnigen Spieler immer wieder gefordert haben. Vorlagen- und Ideengeber gibt es in der Branche mittlerweile ja genug.

EVE Online: Rubicon - es gibt kein Zurück!
Welcher Titel bei der neuen, vorausschauenenden Update-Politik Blizzards Pate gestanden hat, ist offensichtlich. EVE Online nämlich, dessen Entwickler seit dem vergangenen Fanfest für die neue Update-Philosophie werben. CCP arbeitet seither an einer “Vision”, die sich über einen Gesamtzeitraum von fünf Jahren erstreckt - die einzelnen Updates dazwischen ebnen und sichern den Weg zum großen Ziel.

Aktuell nähert man sich diesem Ziel, an dessen Endpunkt es den Kapselpiloten möglich sein soll, eigene Sprungtore in die Unendlichkeit des Alls zu errichten, mit einer Erweiterung namens Rubicon. In der wird es den Piloten möglich sein, kleinere Strukturen im All auszusetzen, private Zollstationen zu plündern und so genannte Ghost Sites anzuzapfen.

Relativ unsterblich

Welches Risiko damit verbunden ist, zeigt wieder einmal ein eindrucksvoller Trailer. Der löste im Lager der Kritiker sofort nach Veröffentlichung einen wahren Sturm des Ärgers aus, zeige er doch, so der Vorwurf, nicht das tatsächliche Spielgeschehen. Bei den Fans hingegen zeigt sich die gewohnte Gänsehaut und dort verweist man gerne darauf, dass der Trailer zwar spannungstechnisch aufgemotzt ist, jedoch genau das darstellt, was beim Raiden der neuen Ghost Sites auch geschehen kann.

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Interessant für alle Sci-Fi-Fans dürfte sein, dass sich CCP zum wiederholten Male bekannter Gesichter bedient, darunter der CONCORD-Chef als inkarnierter Vetreter der galaxisweiten NPC-Sicherheitskräfte und jene relativ unsterbliche Kapselpilotin als symbolträchtige Vertreterin der Spielerschaft, an deren fortwährenden Ableben man bei CCP offensichtlich große Freude hat.

Die Richtung scheint klar: CCP treibt den Konflikt zwischen Kapselpiloten und NPC-Fraktionen weiter voran und will auch die PvE-Spieler zunehmend mit dem virtuellen Tod konfrontieren. Das sorgt für zusätzliche Herausforderungen und belebt nebenbei die Wirtschaft. Und dann wäre da noch die geplante TV-Serie zu EVE Online “im Stil von Game of Thrones”, in der besagte Charaktere möglicherweise noch ihren großen Auftritt bekommen werden.

Neverwinter - Cryptic holt den Bogen raus

Ganz so episch wie der Trailer von CCP ist das aktuelle Video zu Neverwinter zwar nicht, dafür zeigt es aber mit Szenen aus dem Spiel, was das nächste große Update neben dem langersehnten Bogenschützen noch so zu bieten hat. Wobei es insbesondere diese neue Klasse sein dürfte, die den einen oder anderen Spieler zurück in Cryptics neuestes MMOG bringt - zumindest für ein Weilchen.

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Denn kaum etwas wurde von den Fans so kritisiert wie das Fehlen dieser Klasse. Nicht nur, weil die seit jeher zu Dungeons & Dragons gehört, sondern vor allem deswegen, weil sich der Ranger gerade in einem Action-MMOG ohne Tab-Targeting eingentlich von Anfang an aufgedrängt hatte. Und wer weiterhin lieber seinen alten Charakter spielt, wird möglicherweise etwas Freude an den neuen Paragon-Pfaden finden. Das komplett aus der Balance geratene PvP allerdings macht, so scheint es zumindest, der Shadowmantle-Patch auch nicht besser - im Gegenteil.

Star Trek Online - sphärisches Update

Vielleicht arbeiteten Cryptics PvP-Experten in den letzten Monaten aber auch vermehrt an Star Trek Online. Das wurde aktuell nämlich mit einer besonders großen Portion Entwicklerliebe gesegnet, konkret der “Season 8”. Und in der wird nicht gekleckert, denn erstmals darf die legendäre Dyson-Sphäre erkundet werden - jener kugelförmige Hohlraum mit einem Radius von knapp 150 Millionen km.

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Ob Cryptic diese gigantischen Ausmaße zumindest halbwegs realistisch ins Spiel transferiert bekommt, werden ich in den nächsten Tagen mal ausprobieren. Außerdem locken mich die “komplett neuen, persistenten PvP-Zonen”. Die wecken die Hoffnung, dass Star Trek Online auf seine alten Tage in mir doch noch den einen oder anderen Adrenalinstoß im Kampf gegen andere Kommandanten freisetzen könnte.

Star Citizen - mehr PvE wagen!

Derweil überrascht Crowdfunding-Rekordhalter Chris Roberts mit dem gegenteiligen Ansatz. Gesetzt den Fall, dass die Fans noch die 28-Millionen-Grenze knacken, will Roberts Space Industries zur Abwechslung mal keine PvP-Inhalte liefern, sondern etwas mehr für die Story tun. Dann bekommt das Team hinter Squadron 42 nämlich das Milliönchen überwiesen.

Mit der Finanzspritze soll dann umso deutlicher gemacht werden, dass es sich bei Star Citizen um den geistigen Nachfolger von Wing Commander handelt, dass es dabei allerdings weiter geht, als je ein Spiel zuvor gegangen ist. Statt der üblichen Patrouillen-Mission sollen sich die Kadetten dann gleich nach Dienstantritt mitten in einer epischen Schlacht wiederfinden.

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Außerdem sollen die PvE-Missionen mit dem Geld um genau jene Elemente erweitert werden, die zuvor schon von den Unterstützern für den MMO-Teil des Spiels finanziert wurden: die Kombination aus Weltraum-Dogfights und Boarding-Missionen. Da Chris Roberts auch ein Jahr nach Start seiner Finanzierungs-Aktion noch immer rund 65.000 Dollar täglich als Eingang auf seinem Konto verbucht, darf man davon ausgehen, dass dieses Ziel innerhalb der nächsten zwei Wochen erreicht wird - oder früher - falls vorher noch ein neues Video aufschlägt.

Shroud of the Avatar - Lord Blackthorns Rückkehr

Von derart viel Geld kann selbst Lord British nur träumen. Der hat mit Shroud of the Avatar gerade mal zehn Prozent der Summe erbettelt, die Chris Roberts im Hut liegen hat. Das könnte sich jedoch ändern wenn in knapp vier Wochen die initiale Test-Phase startet. Und dann hat der Altmeister noch ein Ass im Ärmel, bzw. im Studio sitzen.

Starr Long nämlich, langjähriger Freund und Kollege von Richard Garriot und ehemaliger Director von Ultima Online, dessen Spielern er auch unter dem Namen Lord Blackthorn bekannt geworden sein dürfte.

Mir zumindest, der ich mich Ende der 90er Jahre als Chaos Guard im Dienste Blackthorns gegen die tugendhaften Truppen der Ordnung gestellt und mir meine ersten PvP-Sporen verdient hatte.

Wiped! - Die MMO-Woche - Es gibt kein Zurück

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In einem aktuellen Forenbeitrag stellt Starr Long die Systeme für Kampf, Crafting und Magie vor, die mit einem Detailgrad aufwarten, der das Feuer in den Herzen der Fans und Unterstützer neu entfachen dürfte. Und wem das noch nicht reicht, der wird sich über die Wiederentdeckung einer verlorenen geglaubten Schrift ebenso freuen wie über die Existenz des Chaos in der neuen und doch so alten Welt.

Bless Online - das bessere TERA?

Eine ganz neue, große und übergangslose Welt wird uns hingegen in Bless Online präsentiert. Das Spiel befindet sich derzeit bei den Südkoreanern von Neowiz in Entwicklung. Und die scheinen zumindest technisch so viel auf dem Kasten zu haben, dass wir es auch im Westen seit der ersten Ankündigung immer mal wieder auf dem Radar haben aufblitzen sehen.

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Doch die Furcht der westlichen Spielerschaft vor koreanischen MMOs ist spätestens seit dem irgendwie bei Trion versackten ArcheAge groß und so haben sich Community und Presse gleichermaßen mit voreiligen Infos zurückgehalten. Das wird sich jedoch vermutlich in einigen Wochen ändern, denn Bless Online geht, so zumindest der Plan der Entwickler, im ersten Quartal 2014 in die Closed Beta, was gemeinhin die Infos sprudeln lässt.

Trion - vom Regen in die Trove

So weit ist Trion Worlds mit seinem neuen Spiel noch nicht. Ja, richtig gelesen, Trion Worlds hat seit gestern tatsächlich ein neues Spiel im Programm. Doch wider Erwarten ist die Community seither nicht in unbändigen Jubel verfallen - vielmehr hagelt es Kritik. Kritik dafür, dass man noch immer nicht damit rausrücken will, was nun aus der Veröffentlichung von ArcheAge im Westen wird.

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Und Kritik dafür, dass man jetzt, nachdem TUG, EverQuest Next und Cube World mehr oder weniger fortgeschritten in der Entwicklung sind, auch schon auf die Idee kommt, einen Minecraft-Verschnitt mit 8-Bit-Grafik zu zimmern und als neues, großes Projekt zu präsentieren. Einige Hundert Spieler will Trion auf den Servern Klötzchen stapeln lassen - mehr als in Minecraft unterkommen und weniger als vermutlich in EverQuest Next eine Heimat finden.

Ausblick

Wie es um Letzteres bestellt ist und ob Trove wider Erwarten doch mit SOEs Großprojekt mithalten kann, werden wir auf jeden Fall in den kommenden Ausgaben von Wiped noch öfter diskutieren. Außerdem erfahrt ihr beim nächsten Mal, wie das feudale Leben aussieht, wie Hindernisse in MMOs überwunden werden und welch heller Stern über dem dunklen Mittelalter scheint.