Draußen türmt sich der Schnee, drinnen die Nachrichten. Selbst fleißige Lesern kommen in diesen bewegten Vorweihnachtstagen kaum noch hinterher und laufen Gefahr, wichtige Entwicklungen, Aktionen oder Ankündigungen zu übersehen. Macht aber nichts, denn dafür gibt es ja unsere gemütliche MMOG-Kolumne Wiped!

The Secret World - Komplett daneben

Wobei auch die, aller aufklärerischer Bemühungen zum Trotz, vor knapp einem halben Jahr nicht verhindern konnte, dass die MMOG-Fangemeinde einen überdurchschnittlich guten Titel verpasst hat. Denn als The Secret World im Juli veröffentlicht wurde, fiel es direkt ins Sommerloch und wurde angesichts des Selbstläufers GuildWars 2 mit dessen umjubelten Betawochenenden schlichtweg ignoriert.

Im Nachhinein darf es als strategisch unklug angesehen werden, das Spiel als Nischentitel anzupreisen, denn das war es nie. Zudem hat man so unnötig viele Spieler abgeschreckt, die sich selber eben nicht in einer Nische sehen wollen. Töricht war es außerdem, Electronic Arts als Publisher zu verpflichten. Dort hatte man ohnehin schon genug mit dem Niedergang einer alternden Republik zu tun und weder Interesse noch Ressourcen, sich um den Randgruppentitel des kleinen Vertragspartners aus Norwegen zu kümmern.

Konservative MMOG-Szene

Und dann war das noch das eigenwillige Setting. Insbesondere die MMOG-Community ist ausgesprochen konservativ, befasst sich lieber mit Elfen und Zwergen in der hundertsten Fantasy-Welt, statt irgendwelchen Erleuchteten beizutreten, um in einer amerikanischen Kleinstadt die Schrotflinte durchzuladen und den Anfang vom Ende aller Tage zu erleben.

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Magere 200.000 Exemplare von The Secret World brachte Funcom in Kooperation mit EA an den Spieler - angesichts der Verkaufserfolge von Guild Wars 2 und selbst TERA in diesem Jahr eigentlich unfassbar wenig. Derweil betreibt man bei Funcom Krisenmanagement, entlässt eine stattliche Anzahl Entwickler und setzt Joel Bylos an die Spitze, um das Projekt zu retten.

Weltuntergang zum Vorzugspreis

Und siehe da - nachdem der einstige Retter von Age of Conan ein paar ordentliche Inhalte nachgeschoben hatte, ohne den gewünschten Erfolg zu erzielen, trifft er die einzig richtige Entscheidung: Er schafft die Abo-Pflicht ab und reagiert damit auf die Veränderungen, denen der Markt in den letzten Monaten unterworfen wurde. Free-To-Play wird das Spiel dadurch nicht, denn der Anschaffungspreis von rund 30 Euro bleibt.

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Ungetrübter Spielspaß ohne ständig Münzen nachwerfen zu müssen also - wie bei Guild Wars 2. Die üppigen Story-Erweiterungen, die den Episoden einer TV-Serie gleichen und sogar zu Staffeln zusammengefasst werden, sollen fortan dann optional gegen eine kleine Gebühr angeboten werden. Hätte man The Secret World von Anfang an so angeboten und ordentlich beworben, wäre es wahrscheinlich schon im Sommer zum Hit geworden und hätte Guild Wars 2 zumindest ein wenig Wasser abgegraben.

Doch besser spät als nie. So kurz vor der Bescherung ist das “ehemalige MMOG” jetzt endlich das, was es von Anfang an hätte sein sollen und damit auf alle Fälle ein prima Geschenk für jeden Fan atmosphärisch starker Abenteuerspiele. Und für alle Publisher, die immer noch glauben, mit einem virtuellen Vergnügungspark monatlich absahnen zu zu können, ist es eine prima Lehre, denn diese Zeiten sind nun wahrlich vorbei.

Age of Conan - King Conan auf Sparkurs

Und wenn man bei Funcom schon die Preispolitik überarbeitet, dann anscheinend gleich richtig. Age of Conan gilt zwar schon seit einer ganzen Weile als Free-To-Play, allerdings störten sich die kostenlos Spielenden an gewissen Einschränkungen. So waren nicht alle Klassen frei verfügbar, das maximale Vermögen mit zwei Gold arg niedrig angesetzt und die klassischen Instanzen blieben verschlossen.

Doch mit dieser restriktiven Politik soll jetzt Schluss sein. Fortan hat man auch in der kostenlosen Variante Zugriff auf alle zwölf Klassen, das potentielle Vermögen wird auf zehn Gold angehoben und die klassischen Dungeons unterhalb der Stufe 80 stehen wirklich allen Spielern offen. Age of Conan ist damit preislich auf jeden Fall wieder konkurrenzfähig, denn qualitativ hebt es sich ohnehin positiv von der Masse an Unrat ab, der sich im Free-To-Play-Segment so angesammelt hat. Wenn man jetzt noch seinen Hang zum Themepark-MMOG ablegen würde...

Pathfinder Online - Das Ende einer Ära

Die Ära der standardisierten Online-Vergnügungsparks ist nämlich zu Ende. Das glauben mittlerweile nicht nur die meisten Online-Veteranen, sondern gottlob auch der eine oder andere Entwickler. Ryan Scott Dancey beispielsweise, der Chef von Goblinworks, jener unabhängigen Spieleschmiede, die mit Pathfinder Online voll auf das Sandbox-Design samt Crowdfunding-Finanzierungstrategie setzt.

In einem aktuellen Interview verweist Dancey auf die Industrie selbst und stellt rückblickend auf die letzten Jahre fest, dass ein Themepark-MMOG kein Wachstum generieren könne und sich wirtschaftlich nicht lohne. Mit The Elder Scrolls Online sei das letzte seiner Art in der Entwicklung - danach sei Schluss mit dieser Tradition.

EVE Online - Spieler-Rekord nach fast zehn Jahren

Tatsächlich war jeder einzelne Themepark-Titel der letzten Jahre eine Enttäuschung - ob er nun 40, 60 oder 200 Millionen verschlungen hat. Ist das Spiel erst ein paar Wochen am Markt, blutet es aus und nur ein Bruchteil der Community bleibt zurück. Von der einstigen Goldgräberstimmung bei Publishern und Investoren ist mittlerweile nichts mehr übrig und die besten Entwickler der Branche fangen - Crowdfunding sei Dank - im vergessenen Sandbox-Genre ganz von vorne an.

Der einstige Außenseiter CCP, den man vor einigen Jahren noch offen belächtelte, gilt dabei mittlerweile als Vorbild der Branche und wird in jeder Rede gerne angeführt. Dass die Isländer gerade in diesen Tagen einen weiteren Nachweis ihres Erfolges führen können, passt da nur umso besser ins Bild. Nachdem man mit Retribution aktuell die jüngste Erweiterung auf die Server gespielt und den Titel für unschlagbare fünf Euro auf Steam platziert hatte, zählte man erstmals mehr als 450.000 Abonnenten.

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Dabei gilt es als nahezu ausgeschlossen, dass die Spielerzahl von EVE Online in naher Zukunft noch einmal nach unten gehen könnte, denn mittlerweile hat CCP auch ein Tutorial ins Spiel integriert, das wirklich jedem Spieler einen unkomplizierten Einstieg ermöglicht. Gleichzeitig hat man den Veteranen wieder genau den Stoff geliefert, den sie sich erhofft und durch den Spielerrat erkämpft haben.

Dust 514 - Durchbruch im Januar

Und wenn dann noch die geplante Verknüpfung der Weltraum-Simulation mit dem Konsolen-Shooter Dust 514 gelingt, dürfte Island künftig Probleme bekommen, den Besucheransturm zum alljährlichen Fanfest zu bewältigen. Das findet in diesem Jahr übrigens vom 25. bis zum 27. April statt und wer mit dem Gedanken spielt, sich die Reise in den hohen Norden zu gönnen, sollte nicht allzu lange zögern.

Der Verkauf der Tickets hat nämlich gerade begonnen und da die Plätze selbst in der neu errichteten Konzerthalle begrenzt sind, ist mit einem baldigen Ausverkauf zu rechnen. Das Fanfest steht in diesem Jahr wohl im Zeichen des Durchbruchs und wird zum zweiten Mal beide Titel gleichermaßen in den Mittelpunkt rücken.

Wobei die tatsächliche Verknüpfung beider Welten schon für den 16. Januar angesetzt ist - dem Tag, an dem der erste Zerstörer vom PC aus seine zerstörerische Ladung über einem Planeten abwerfen wird, der eigentlich auf nur auf der PlayStation 3 existieren sollte. Und das ist keine Selbstverständlichkeit und was auch immer CCP da gegen Sony in der Hand hat - es scheint Türen zu öffnen, die anderen Entwicklern verschlossen bleiben.

Defiance - Jeder bleibt in seiner Ecke

Den Jungs von Trion zum Beispiel. Die haben mit Defiance ein ganz ähnliches Spiel in Entwicklung, das nicht nur für PC erscheinen soll, sondern auch für die beiden großen Konsolen. Von einem verknüpften Spielvergnügen über die Grenzen der Plattformen hinweg können die Spieler von Defiance allerdings nur träumen, denn von einer solchen Idee sei man “bei Microsoft und Sony nicht sonderlich angetan”, erklärte Produzent Rob Hill jüngst in einem Interview.

Auch zum Geschäftsmodell von Defiance hat Rob Hill erstmals Andeutungen gemacht. Zwar habe man sich noch nicht endgültig festgelegt, derzeit favorisiere man im Team allerdings ein abofreies Spielsystem - bei einmaligem Anschaffungspreis. Zusätzlich Inhalte würde denn entweder gegen ein optionales Abo spielbar sein oder stückweise zugekauft.

PlanetSide 2 - Lässt die Kasse klingeln

Wobei man sich schon fragen muss, wer das alles noch spielen soll. Immerhin handelt es sich bei Dust 514, Defiance und PlanetSide 2 um Spiele, die einander ähnlicher sind, als es für die Spielerzahlen gesund sein kann. Bei Sony Online Entertainment genießt man derweil den Vorsprung und freut sich über den satten Umsatz, der durch den neuen Online-Shooter generiert wird.

Konkrete Zahlen möchte SOE-Chef John Smedley zwar nicht nennen, doch spiele PlanetSide 2 schon jetzt mehr ein als irgend ein anderer Titel im Portfolio. “Es läuft wirklich gut” für das durchaus kurzweilige Spiel und das ist nicht nur für Smedley erfreulich, sondern auch für die Spieler, beweist es doch einmal mehr, dass eine faire Preispolitik, die niemanden zum Zahlen zwingt, letztlich für beide Seiten ein Gewinn ist.

Zudem Smedley mit PlanetSide 2 bekanntlich Blut geleckt und den gesamten Kurs von SOE entsprechend umgelenkt hat - weg von den Themepark-Konzepten und hin zu den virtuellen Sandkästen, von denen der nächste EverQuest-Titel dann auch Freunde gepflegter Fantasy, die sich in letzter Zeit beinahe schon vernachlässigt fühlen, wieder von Hocker reißen soll.

Star Citizen - Nimmt es mit jedem auf

Und tatsächlich scheinen die Sci-Fi-Titel langsam, aber unaufhaltsam auf dem Vormarsch zu sein, was nicht zuletzt auch auf den frühen Erfolg von Chris Roberts und seinem inoffiziellen Wing-Commander-MMOG Star Citizen zurückzuführen ist, von dem wir spätestens im kommenden Jahr einen ersten Beta-Eindruck bekommen dürften.

Und dass der ausgezeichnet ausfallen wird, ist für Chris Roberts längst keine Frage mehr. Mit den über sieben Millionen Dollar, die ihm die Fans in die Taschen gesteckt haben, stehe für ihn außer Frage, dass Star Citizen “mit jedem AAA-Spiel da draußen konkurrieren” werde, erklärte Chris Roberts jetzt in einem Gespräch mit Pressevertretern.

Elite: Dangerous - Braben brabbelt

Derweil fehlen dem Erfinder gleich mehrerer Spielegattungen noch knapp 600.000 Pfund auf Kickstarter - bei 20 verbleibenden Tagen. Und für die ist Urgestein David Braben bereit zu arbeiten. In einem aktuellen Trailer greift er selbst zum Controller und zeigt mit zwei Kollegen, was uns in seiner Galaxis in Sachen Raumkampf erwarten wird.

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Dabei wird immer offensichtlicher, dass Elite: Dangerous das Erbe seiner Vorgänger antritt und wesentlich deutlicher als Star Citizen, bei dem die Story eine große Rolle spielt, zur Sandbox wird. Ob man nun Erze abbauen, Fracht umherschippern, Piraterie oder Kopfgeldjagd betreiben möchte - in Elite: Dangerous soll alles möglich sein und schon jetzt garantiert Braben, dass niemand in seinem jeweiligen Berufsfeld übervorteilt wird.

Star Galaxy - Square Enix hebt ab

Und während sowohl Chris Roberts als auch David Braben ihrem Ziel schon ein ganzes Stück näher gekommen sind, scheint man an anderer Stelle noch nicht wirklich viel vorzeigen zu können - oder zu wollen. Bei Square Enix arbeitet man in diesen Tagen nämlich nicht nur an der Reparatur des misslungenen Final Fantasy XIV.

Nebenbei traut man sich auch zu, ein Sci-Fi-MMOG namens Star Galaxy noch im Dezember in die Beta überführen zu können. Und diese Zeilen klingen nicht nur so kritisch, weil das Spiel 2.000 Spieler gleichzeitig auf dem Schlachtfeld verspricht und im Browser laufen soll, sondern weil sich der Publisher mit dem ersten Trailer, der kaum weniger aussagekräftig hätte sein können, wahrlich keinen Gefallen getan hat.

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ArcheAge - Das erste Häppchen

Ganz anders verhält es sich da schon mit dem jüngsten Video zu ArcheAge, das zwar allenfalls ein kleiner Schnipsel aus dem mutmaßlich epischen CG-Gesamtwerk ist, jedoch ebenso wie das Spiel Lust auf mehr macht. Eine Lust, die sich übrigens bald befriedigen lässt, denn am 02. Januar geht das mit großer Spannung erwartete Sandbox-MMOG endlich in die offene Betaphase.

Die läuft natürlich auf südkoreanischen Servern, da noch immer kein Publisher für die westliche Welt gefunden oder zumindest genannt wurde. Zugang zur Beta kann man jedoch auch von hier aus bekommen, denn einen IP-Block scheint es nicht zu geben und mittlerweile haben sich unzählige Community-Seiten formiert, die bei der Registrierung helfen.

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Age of Wulin - Freier Zugang für alle

Und wer noch vor Weihnachten Lust hat, eines der kommenden Sandbox-Games in der Beta anzutesten, der sollte mal bei Snail Games vorbeischauen und sich für die Beta von Age of Wulin registrieren. Das heißt beim US-Publisher zwar Age of Wushu, ist aber das gleiche Spiel, das in Europa dann über gPotato angeboten werden soll.

Zwar handelt es sich bei der nächste Betaphase immer noch um eine geschlossene, doch bekommt jeder Interessierte zehn Spielstunden garantiert. Genügend Zeit, um sich einen ersten Eindruck von dem Spiel zu verschaffen, dessen Design nicht nur historisch halbwegs akurat scheint, sondern das auch spielerisch erfrischend kreative Ideen mitbringt.

Um kreative Ideen geht es dann auch in der kommenden Ausgabe von Wiped!, die pünktlich am 22. Dezember erscheinen wird und sich überhaupt nicht um den Weltuntergang schert. Denn davon haben wir MMOG-Junkies schon einige überlebt...