Dass Frauen für gewöhnlich ganz andere Elemente in Spielen schätzen als männliche Zocker, hat man spätestens seit dem Erfolg der Sims erkannt. Und während man die anders gelagerten weiblichen Interessen in guten MMO-Gilden zu nutzen weiß, schien der E-Sport ein Problem mit den Mädels zu haben - dort ließ man sie lieber brav im Publikum sitzen oder als Messe-Babes schön aussehen. Mit den Jungs spielen durften sie nicht. Bis jetzt.

Hearthstone - ein Sport nur für echte Kerle

Sie ist so etwas wie das Internationale Olympische Komitee - allerdings für rein elektronische Herausforderungen: die International eSport Federation. Seit dem Zusammschluss von neun nationalen E-Sport-Verbänden kümmert man sich bei der IeSF, die ihren Sitz im südkoreanischen Seoul hat, um die Austragung weltweiter Turniere. Eine tolle und wirklich moderne Sache, so schien es bislang.

In der vergangenen Woche allerdings erlaubte sich die Vereinigung einen Fauxpas, der einmal mehr zeigt, welche große Probleme der E-Sport in diesen Tagen hat und wie weit er sich von der spielenden Basis entfernt hat. Bei einem von der IeSF ausgetragenen Hearthstone-Turnier in Finnland wurde Frauen schon im Vorfeld die Teilnahme verweigert.

Der Sieg einer Frau wäre ein Unding

Mit einem eventuell weiblichen Sieg in Finnland, so die Begründung der Gedanke der Veranstalter, wäre auch niemandem geholfen, denn damit wären letztlich Siegerin und Verlierer gleichermaßen aus dem Rennen. In den gesondert veranstalteten Wettbewerben für Frauen stehen lediglich die Titel Starcraft 2 und Tekken Tag Tournament 2 auf der Liste.

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Als dann der berechtigte Shitstorm über die Veranstalter hereinbrach, bemühte man sich um Schadensbegrenzung und unterstrich, dass sich die finnische eSports Federation als Mitgliedsverband der IeSF für die Gleichstellung männlicher und weiblicher Spieler in den Turnieren stark mache. Die IeSF begründete derweil, dass man um Anerkennung des E-Sport als echten Sport kämpft und sich in diesem Zuge an internationale Regeln halten müsse - beispielsweise werde auch beim Schach nach Geschlechtern unterteilt.

Klasse durch Masse

Doch nicht alles, was sich im Laufe der Sportgeschichte so etabliert hat, ist sinnvoll und genau diese Regelung ist es nicht - auch nicht beim Schach, wo man sie bereits aufgeweicht hat, indem man Frauen theoretisch Zugang zur Schachweltmeisterschaft ermöglicht. Zwar zeigen verschiedene Studien beim Schach einen leichten Stärkevorteil der Männer gegenüber den Frauen auf, doch weisen die Forscher im gleichen Zuge darauf hin, dass aus einer größeren Gruppe von Spielern auch mit größerer Wahrscheinlichkeit besondere Leistungsträger herausragen. Beim Schach wie beim E-Sport sind Frauen aber noch immer gewaltig in der Unterzahl.

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So wohl eine Trennung nach Geschlechtern beim E-Sport gegenüber den vermeintlich Benachteiligten auch gemeint sein mag, sie ist der falsche Ansatz. Der Schutzgedanke führt in der Praxis nicht nur zu einer Benachteiligung der Frauen - er hat auch negative Auswirkungen auf die gesamte Szene, denn die generell schwache weibliche Beteiligung wird dazu führen, dass Frauen in Turnieren kaum oder nur am Rande berücksichtigt werden können.

Eine historische Entscheidung

Die volle Gleichstellung und Integration hingegen wird zwar möglicherweise die eine oder andere ambitionierte E-Sportlerin chancenlos aus dem Rennen werfen - gleichermaßen werden jedoch jene, die sich erfolgreich in der vermeintlichen Männerdomäne behaupten, zu gefeierten Ikonen. Sie werden sich vor Heiratsanträgen kaum noch retten können und sie werden nebenbei dem so wichtigen weiblichen Nachwuchs ein zusätzlicher Ansporn sein, ebenfalls zur Maus zu greifen und sich echten, virtuellen Herausforderungen zu stellen.

Wiped! - Die MMO-Woche - E-Sport - Frauen unerwünscht

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Die ESL One am vergangenen Wochenende - in diesem Jahr noch ohne weibliche Beteiligung - von den Messe-Babes und einer Moderatorin mal abgesehen.
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Umso erfreulicher, dass die IeSF letztlich dem Druck der Community nachgegeben hat. Man bedankte sich zuletzt brav für die überwältigende Resonanz und verspricht: Fortan wird es keine rein männlichen Turniere mehr geben. Eine aus der Not heraus geborene und gleichzeitig historische Entscheidung, die der gesamten E-Sport-Szene weiteren Rückenwind geben und letztlich auch der IeSF zugutekommen wird.

Wenn Frauen schon in herkömmlichen Sportarten benachteiligt sind, weil die Massen und damit die Sponsoren lieber die männlichen Gladiatoren unterstützen, werden sie sich bald umso mehr in Richtung E-Sport orientieren, wo schon jetzt Preisgelder von zehn Millionen Dollar warten, die alles in den Schatten stellen, was der Frauensport an Gewinnmöglichkeiten bietet. Und mit der Zahl der Frauen, die sich im E-Sport engagieren, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich echte Talente entfalten können.

SMITE - Steigt in die obere Riege auf

Überhaupt wächst der E-Sport in atemberaubender Geschwindigkeit aus seinen Kinderschuhen heraus. Nicht nur kommen ständig neue Spieler dazu - auch die Sportarten werden gerade neu definiert. Shooter wie Counter-Strike rücken in den Hintergrund, strategischere Spiele, insbesondere MOBA-Games, die oft als eine Mischung aus Fußball und Schach bezeichnet werden, werden zu echten Publikumsmagneten.

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Ein Mittelding, ein MOBA mit Shooter-Elementen ist SMITE - ein Spiel, das seine Entwickler vor der Pleite bewahrt hat und das sich langsam in die obere Riege des E-Sport vorkämpfen kann. Das verdeutlicht auch der aktuell angekündigte Preis-Pool von 600.000 Dollar, um die vom 09. bis zum 11. Januar 2015 während der offiziellen Weltmeisterschaft gekämpft wird. Und das Beste: Frauen sind ausdrücklich zugelassen!

The Witcher: Battle Arena - Bitte nicht!

Wohl kaum in den E-Sport dürfte es CD Projekt Reds erstes MOBA-Game schaffen, denn die Macher der Kultserie haben sich gegen den PC als Plattform entschieden und werden The Witcher: Battle Arena für Android, iOS und Windows-Tablets rausbringen. Das machen derzeit noch unzählige andere Studios und der Grund ist immer der selbe: Man hat offensichtlich nicht viel Vertrauen in die eigene Arbeit.

Man ist sich der Dominanz der etablierten Titel bewusst und weiß, dass man auf dem PC niemals den gleichen Feinschliff hinbekommen könnte, mit dem sich ein extrem hochwertiges Dota 2 derzeit an ein unglaublich beliebtes League of Legends heranspielt. Statt dann aber vernünftig zu sein und das Feld den Profis zu überlassen, bringt man eine abgespeckte Version für zwischendurch für die Geräte raus, auf denen die mindere Qualität vermeintlich nicht auffällt. Sorry, Jungs - das ist keine gute Idee.

Star Wars: The Old Republic - Neue Heimat in der alten Republik

Generell ist der Hang, Trends zu folgen eine Besonderheit der Unterhaltungsindustrie. Wird ein Trend ausgemacht, fallen Entwickler sämtlicher Studios völlig kopflos über die Sache her und versuchen, sie irgendwie für ihre eigenen Titel zu verwursten. Und obwohl das Housing keine neue Idee ist, sondern eine uralte, liegt es gerade wieder voll im Trend.

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Und so lustig das Housing auch für jene Spieler sein mag, die ohnehin ein MMOG wie Star Wars: The Old Republic spielen, so ist es gewiss nicht dazu geeignet, den langsamen Fall des Themepark-Genres zu bremsen oder gar umzukehren. Zumindest nicht, wenn das Housing, wie in den meisten Fällen, in einer Instanz stattfindet. Der spielerische Mehrwert hält sich dann in Grenzen, wenn das Eigenheit nicht sinnvoll mit der Außenwelt verbunden ist. Dumm gelaufen, wenn schon letztere nicht mehr ist als eine Ansammlung von Instanzen.

Final Fantasy XIV - Es braucht seine Zeit

Für Free-To-Play-Titel wie SWTOR ist das Housing vor allem eine Möglichkeit, mehr Umsatz zu generieren - für Square Enix ist es eine Möglichkeit, die Spieler ein Weilchen länger zu beschäftigen. Und sei es nur dadurch, dass man 300.000 Gil dafür kassiert, dass ein Spieler seine neuen Privatgemächer betreten kann. 300.000 Gil - dafür muss ein Gelegenheitsspieler schon einen halben Monat schuften.

Er zahlt also indirekt 7,50 Dollar für die Gemächer, wenn er sie sich im Spiel verdienen will. Will er das nicht, kauft er extern Gil von den Goldsellern zu - und an denen verdient Square Enix in den meisten Fällen auch. Ein lukratives Geschäft für die Entwickler, die nebenbei längst daran werkeln, ganze Häuser ins Spiel zu bringen. Selbstredend, dass die hinterher bedeutend teurer sein werden als 300.000 Gil.

Und bevor jetzt wieder Kommentatoren mit Sprüchen wie “so ist nun mal Housing in MMOs” kommen: Nein - so ist das eben nicht. Housing gehört in die offene Welt - sei es nun wie bei Ultima Online, wo ein selbst platziertes Haus in der Landschaft dank Verkäufer-NPC auch gleichzeitig Ladengeschäft und sichere Anlaufstelle im Fall von schlechtem Karma war - oder wie bei Lineage 2, wo gemietete Gildenhallen an wichtigen Punkten in den Städten ein Zeichen von Macht waren.

H1Z1 - Frauen rein, Zombies raus!

Da lob ich mir den Ansatz, den Sony Online Entertainment aktuell mit H1Z1 verfolgt. Ein Haus wird man hier weniger nach ästhetischen Gesichtspunkten errichten, sondern nach denen der Zweckmäßigkeit. Wer in der freien Wildbahn nach der Zombie-Apokalypse überleben will, braucht eine Zuflucht. Einen Ort, von dem aus man sich gegen die blutdurstigen Horden ebenso behaupten kann wie gegen eventuell angreifende Neider. Umso mehr werden einem die eigenen vier Wände dann am Herzen liegen, selbst wenn es sich dabei nur um einen schmucklosen Holzverschlag handelt. In der Endzeit kann man da nicht wählerisch sein.

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Insgesamt bereitet es Freude, die Entwicklung von H1Z1 zu beobachten, bei der SOE von Anfang an erfreulich offen vorgegangen ist. Den Eingaben der Community schenkt man Beachtung und scheut sich auch nicht, komplette Mechaniken noch einmal zu überdenken, wenn sie sich als problematisch herausstellen. Im konkreten Fall waren es die Fackeln, die für derart viel verbrannte Erde gesorgt hatten, dass man sie durch Taschenlampen ersetzt, bis man eine Methode gefunden hat, die Feuerteufel unter Kontrolle zu bekommen. H1Z1 gehört derzeit zu meinen absoluten Favoriten im MMO-Genre.

Skyforge - Lobby-Alarm!

Der andere Favorit macht mir allerdings ein wenig Angst. Seitdem Publisher My.com das ‘Divine Observatory’ vorgestellt hat, liegt zumindest der Verdacht nahe, dass es sich bei dem partnerschaftlich von Obsidian und Allods Team entwickelten Skyforge doch um ein Lobby-Game handeln könnte. Denn im heiligen Observatorium, so sagt es eine aktuelle Meldung, warten die Spieler darauf, in den Einsatz zu gehen.

Das Observatorium empfängt die Hilferufe der sterblichen NPCs, woraufhin sich die Spieler in “über 40 aufregende Solo- und Gruppen-PvE-Abenteuer” stürzen dürfen sowie fünf unterschiedliche Arten von PvP-Begegnungen und zehn große Schauplätze in der “offenen Welt”. Wie offen, so frage ich mich, wird jedoch eine Welt, wenn man gleichermaßen von einem Punkt aus in 40 mutmaßlich instanzierte Abenteuer aufbrechen kann?

Und sonst so?

Auf jeden Fall steht die Branche auch nach der Veröffentlichung von WildStar als vermeintlich letztem großen MMOG nicht still. Insbesondere in Südkorea tut sich etwas: Die TERA-Entwickler arbeiten zwar nicht an einem Nachfolger ihres Erstlingswerks, doch haben sie gleich zwei andere, noch nicht final benannte Titel in Arbeit. Außerdem mehren sich die Spekulationen darüber, dass NCSoft Korea bald Blade & Soul für den Westen freigeben könnte, weil WildStar hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist.

Ach ja - und dann wäre da noch Blizzards Executive Producer Rob Pardo, der nach vielen Jahren seinen Job hinschmeißt, um den Sommer mit seiner Familie zu verbringen. Vorsorglich verspricht er aber schon mal, sich rechtzeitig via Twitter zu melden, um seine nächsten Schritte zu verkünden. Ob auch er, wie seine ehemaligen Kollegen Alex Mayberry und Mark Skelton zuvor, bald bei Star Citizen anheuert? Oder hat er bereits einen Plan für ein eigenes Kickstarter-Projekt im Kopf? Was auch immer passiert - wir behalten ihn für euch im Auge.