Tausend kleine, für MMO-Fans mehr oder weniger bedeutsame Dinge haben sich in der vergangenen Woche ereignet. Zu viele auf jeden Fall für den interessierten Gamer, um sie alle einzeln zu lesen und selbst Lesenswertes vom üblichen Marketing-Ramsch zu trennen. Macht aber gar nichts, denn genau dafür gibt es ja Wiped!

Wenn man mich danach fragt, welches der häufigste Grund dafür war, unterhaltsamen Spielen den Rücken zu kehren, brauche ich nicht lange nachzudenken. Es waren und sind vor allem die Cheater, die mich aus Dutzenden an sich guten Spielen vertrieben haben, weil sie sich durch Einsatz illegaler Hilfsmittel oder durch den Erwerb virtueller Stärkefaktoren für reales Geld einen Vorteil verschafft haben.

Unsere Welt soll sauberer werden!

Dabei gebe ich gemeinhin nicht viel auf das, was andere Spieler behaupten. Doch wenn ich, wie seinerzeit in Aion oder WildStar, mit eigenen Augen einen Spieler mit irrwitziger Geschwindigkeit durch die Gegend rennen sehe oder mir bekannte, grottenschlechte Spieler in Lineage 2 oder ArcheAge plötzlich im PvP abgehen, weil sie von einem Tag auf den anderen eine für sie eigentlich unerreichbare Ausrüstung am Leibe tragen, landet meine Motivation auf dem Nullpunkt.

Dabei ist es mir völlig egal, ob der jeweilige Publisher die Vorteilsnahme noch durch entsprechende Mikrotransaktionen unterstützt oder ob er wohlwollend über das Treiben der schwarzen Schafe in der Community hinwegschaut, weil es sich schließlich um wichtige Kunden handelt. Wer nicht mit äußerster Härte gegen mangelnde Fairness in seinem Spiel vorgeht, macht sich mitschuldig und kann mir gestohlen bleiben.

Ausbaufähige Idee

Entsprechend unterstütze ich den neuen, radikalen Schritt von Valve für die Plattform Steam, auf der zunehmend auch MMO- und MOBA-Titel vertreten sind: Ab sofort erlaubt Valve seinen Partnern, selbstständig Cheater aufzuspüren und diese dann zu melden, damit Valve die jeweiligen Spieler, möglicherweise sogar ihren kompletten Steam-Account brandmarken oder auf Eis legen kann.

Wiped! - Die MMO-Woche - Drakonische Strafen

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Steam versucht sich derzeit an einigen Experimenten - nicht alle kommen gut an.
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Das ist schwierig umzusetzen und erfordert einheitliche und handfeste Überprüfungsroutinen, keine Frage. Gleichermaßen setzt es die “toleranten” Publisher stark unter Druck, denn wenn uns die langjährige Erfahrung mit Onlinespielen eines gelehrt hat, dann dieses: Cheater sind Wiederholungstäter und wer schummelt, tut es selten nur in einem Spiel.

Viele Publisher mag das abschrecken, verlieren sie doch möglicherweise Kunden, wenn die sich in einem fremden Spiel etwas zuschulden kommen lassen. Doch auch sie können letztlich nicht auf die Steam-Community verzichten, zudem die Plattform umso mehr ehrbare Spieler anlockt, weil sie ein saubereres Spielvergügen zu bieten verspricht.

Geht anderswo spielen!

Allerdings muss Valve noch ein wenig nacharbeiten, kann die Verantwortung und Überprüfung nicht komplett in die Hände der Publisher legen. Was passiert, wenn eine Überprüfungsroutine versagt, Spieler von Valve aus Steam verbannen lässt und die dafür verantwortliche Firma über Nacht die Pforten schließt und keinen Support mehr anbietet? Oder an wen kann man sich wenden, wenn ein Publisher die Funktion missbraucht, um unliebsame Kritiker zum Schweigen zu bringen?

Wenn das geklärt ist, wenn die Kontrollmechanismen greifen und gleichzeitig anfechtbar sind, bin ich ein absoluter Befürworter dieses Systems samt seiner möglicherweise drakonischen, spielübergreifenden Strafen. Es wird Zeit, dass ein Publisher deutlich Stellung bezieht und den Cheatern unmissverständlich klarmacht: Wer etwas zu kompensieren hat und sich im virtuellen Leben wie ein Gott über andere Spieler erheben will, soll anderswo spielen gehen.

Daybreak - das Schaf im Wolfspelz?

Bei Daybreak - ehemals Sony Online Enterainment - allerdings, werden Cheater auch nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst. In den Foren findet man zahlreiche Beschwerden des Typs “Bann wegen Einsatzes illegaler Software, dabei hatte ich die in H1Z1 extra abgeschaltet”. Ändert aber nichts, findet man bei Daybreak und sperrt die anderen Titel für entsprechende Nutzer gleich mit - in einem Fall veranlasste man gar, dass der zum Cheater gehörige Twitch-Account stillgelegt wurde.

Zu dieser neuen, härtere Gangart passt dann auch gleich die komplette Runderneuerung des Unternehmens, das in den letzten Monaten personell arg bluten musste. Die neue Webseite samt neuem Logo und neuer Strategie soll aber zeigen, dass man sich davon nicht beirren lässt, sondern zielstrebig in Richtung Zukunft marschiert.

Frauen der Apokalypse

Zukunft, das bedeutet für Firmenchef John Smedley , dass man sich von MMOs des WoW-Typs samt der Idee von klassischen Raids verabschieden wird. Der Fokus liege künftig eher auf Spielen, die auf kürzere Sitzungszeiten ausgelegt sind, da sich die Welt der Spiele weiterentwickelt hätte und man sich darauf einstellen müsse.

Bei H1Z1 scheint das zu funktionieren. Immerhin hat sich Daybreaks Zombie-Apokalypse auf Steam und Twitch mittlerweile sehr deutlich vor DayZ positioniert, was nicht zuletzt an der deutlich schnelleren Weiterentwicklung liegt. Aktuell sind es neue Crafting-Elemente, die ins Spiel gekommen sind, T-Shirts mit dem neuen Daybreak-Logo sowie endlich auch die weiblichen Avatare. Dafür allerdings müssen die Server einmal mehr zurückgesetzt werden.

EVE Online - neues Stück im Puzzle

Server-Wipes müssen die Spieler von EVE Online natürlich nicht mehr befürchten. Auch nicht nach einem neuen Update wie dem jüngsten, das den Namen Mosaic trägt und der neuen Patch-Politik von CCP Rechnung trägt, nach der man die Erweiterungen lieber deutlich schneller aufspielt und dafür viele kleine Dinge auch kurzfristig angehen kann.

Dafür fehlt es an “Jesus-Features” und für viele uns Journalisten an spektakulären Gründen, mal wieder über die alte Sandbox zu berichten. Doch lohnt sich ein Einstieg für Neulinge möglicherweise mehr denn je. Das alte Tutorial-System wurde nämlich durch ein neues, intuitiveres ersetzt, das Einsteigern die unzähligen Facetten von New Eden näherbringen soll. Der Rest von Mosaic, darunter die neuen Kreuzer-Missionen, die neuen Effekte oder die Veränderungen bei den Erzen interessiert derweil eher die Fans.

Final Fantasy XIV - besser schlecht geflogen als gut gelaufen

Derweil erwartet die Fans von Final Fantasy XIV demnächst ein großes Update, das dem für Square Enix mittlerweile ausgesprochen profitablen MMO noch einmal einen ordentlichen Schub geben soll. Und nachdem man bereits einen Story-Trailer mit ordentlicher Spoiler-Gefahr veröffentlicht hatte, schiebt man aktuell noch ein fettes Video von acht Minuten Länge hinterher, das einen Blick auf die konkreten Neuerungen im Spiel erlaubt.

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In den Genuss der meisten neuen Inhalte kommen allerdings nur Spieler, die den bisherigen Content weitgehend gemeistert haben. Es gibt also noch ein paar Hausaufgaben zu erledigen bis zum Release von Heavensward am 23. Juni. Auch für mich, denn wie es aussieht, ist die Erweiterung gehaltvoll genug, um wieder mal etwas ausführlicher über das Spiel zu berichten.

Guild Wars 2 - Ehre, wem Ehre gebührt

Gleiches gilt auch für Guild Wars 2, dessen erste kostenpflichtige Erweiterung mich bislang allerdings noch nicht so recht zu überzeugen vermag. Das mag jedoch auch daran liegen, dass längst noch nicht alle Informationen auf dem Tisch liegen und ich bislang eher auf Berichte und Spekulationen angewiesen bin und mir selbst kein Bild machen konnte.

Das könnte sich jedoch bald ändern, da es ab sofort seltene Drops im Spiel gibt, die den Account des glücklichen Finders für die Teilnahme an den Beta-Tests freischalten. Eine wunderbare Idee, die Schule machen sollte, die mich motiviert, mal wieder ein paar weitere Prozent der riesigen Welt zu erkunden und die gleichzeitig dafür sorgt, dass vorwiegend Spieler in die Beta gelangen, die auch aktiv daran interessiert sind und nicht die typischen Key-Jäger, die sich aus Jux und Tollerei Zugang verschaffen oder Profit daraus schlagen wollen.

ArcheAge - noch mehr Seemannsgarn

Profit schlagen will man selbstverständlich auch bei Trion Worlds. Mit ArcheAge gelang das anfangs auch vortrefflich, allerdings sind die Spielerzahlen einige Monate nach Release gewaltig eingebrochen. Einerseits liegt das an der Aufweichung der Sandbox und der fehlenden Bedeutsamkeit des Tuns, andererseits am Geschäftsmodell, bei dem man zusehends Echtgeld nachbuttern muss, will man im PvP eine nennenswerte Chance haben.

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Das ist unglaublich schade, hätte ArcheAge doch theoretisch das Zeug, zu einem echten Dauerbrenner zu werden. Kein anderes Spiel bietet derart weitreichende Möglichkeiten zu Ackerbau, Viehzucht und Handelslogistik und all die Features, die ArcheAge auf hoher See verspricht, sind nach wie vor unerreicht vielfältig umgesetzt. Wie gut, zeigt einmal mehr ein Video zum aktuellen Update.

Star Wars: The Old Republic - Fortsetzung folgt

Und da wir gerade beim Thema Updates sind, darf natürlich auch Star Wars: The Old Republic nicht unerwähnt bleiben, dem mit Rise of the Emperor einmal mehr ein Imperator entspringt. Der erweitert das Spiel um Geschichten und Spielspaß für mindestens ein paar Tage oder Wochen - je nach Spielpensum. Und sollte jemand das Update schon hinter sich gebracht haben und sich über das offene Ende wundern, den können wir beruhigen.

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Bis zur eigentlichen Auflösung des Spektakels müssen sich Fans nämlich noch bis zum kommenden Montag gedulden. Eine geringe Zeitspanne im Vergleich zu der, die die Spielerschaft danach wieder erwartet. Aber so ist das nun mal in einem MMO wie Star Wars: The Old Republic, das von Anfang an vor allem durch seine Story überzeugen wollte.

Dota 2 – Ersatzbefriedigung

Etwas anders ist das schon bei Spielen wie League of Legends, SMITE oder Dota 2. Die brauchen keine Story, sondern setzen allein auf die Vielfalt, die sich in teambasierten PvP-Kämpfen entfalten kann. Für viele MMO-Spieler sind diese Titel eine Art Ersatz geworden, mit der sie die Zeit überbrücken können, während der sie auf den nächsten Content-Patch oder gleich auf ein wirklich brauchbares neues MMO warten.

Und doch benötigen auch diese MOBA- und Arena-Spiele regelmäßige Updates, die Probleme mit dem Balancing aus der Welt schaffen und - ganz vorsichtig - neue Elemente ins Spiel bringen. Bei Dota 2 sind es seit Donnerstag einige brandneue Gegenstände, die all den ‘Theorycraftern’ und Strategen für eine Weile Kopfzerbrechen bereiten dürften.

Außerdem ist das neue Kompendium für knapp zehn Euro erhältlich - eine Art Sammelalbum für die kommende Weltmeisterschaft und gleichzeitig eine Möglichkeit, neue Kosmetika und Features ins Spiel zu bringen und das Preisgeld für bestem Mannschaften nach oben zu treiben. Im letzten Jahr stand der Zähler auf fast elf Millionen Dollar - in diesem dürfte er diesen Rekord noch einmal brechen. Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.