Kaum ein Spiel hat die Unterhaltungsindustrie derart beeinflusst wie Magic: The Gathering. Und trotzdem gibt es bis heute keinen wirklich guten digitalen Ableger des berühmten Kartenkults. Damit sich das ändert, sind die Wizards of the Coast jetzt eine ganz neue, ziemlich interessante Allianz eingegangen.

“Magic Digital Next”

So heißt die Initiative, mit der Hasbro-Tochter Wizards of the Coast seit einiger Zeit versucht, das Sammelkartenspiel Magic: The Gathering von der Tischplatte auf den Bildschirm zu bekommen. Im Idealfall müsste man dabei die verführerische Mischung aus Sammelwahn und Kartenkult digital einfangen und die erfolgreiche, aber bedrohte Marke damit endlich zukunftsfähig machen.

Ganz einfach ist das nicht, schließlich darf man sich mit den Neuschöpfungen nicht selbst das Wasser abgraben - das tut die digitale Konkurrenz mit Titeln wie Hearthstone, HEX, TES: Legends oder Gwent schon in bedrohlichem Maße. Gleichzeitig scheint es enorm schwierig, die Essenz von Magic: The Gathering auf den Bildschirm zu bringen: das haptische Erlebnis und den heimlichen Stolz, ebenso einzigartige wie wertvolle Karte zu besitzen, einen greifbaren Schatz.

Wiped! - Die MMO-Woche - Die mächtige Marke

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Das Gefühl, mächtige, seltene und wertvolle Karten in den Händen zu halten, den Duft, die Haptik und den Nervenkitzel, das alles kann einem kein digitales Kartenspiel bieten.
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Der Preis des Sieges

Das ist auch der Konkurrenz bislang noch nicht gelungen. Die Karten sind dort virtuelle Massenware, fühlen sich weder besonders an, noch sind sie es. Und schlimmer noch: Wer ganz oben mitspielen will, sucht sich in einschlägigen Guides im Internet das perfekte Deck, das im Meta gerade gespielt wird, kauft und craftet sich die dafür nötigen Karten und geht damit gleich in die Vollen.

Eine Art Fast-Food-Zockerei, mit der viele Magic-Veteranen nichts anfangen können. Könnte es da nicht sinnvoller sein, gleich ein ganz anderes Genre mit der mächtigen Marke zu erobern, statt eine digitale Kopie von etwas Einzigartigem erstellen zu wollen? Auf jeden Fall das haben die Wizards of the Coast genau das jetzt anscheinend vor.

Eine neue Allianz

Diverse personelle Verschiebungen hatten schon in den vergangenen Wochen darauf hingedeutet, dass die Magic-Erfinder eine neue Allianz mit den Cryptic Studios geschmiedet haben. Allerdings hat deren Portfolio von Champions Online über Neverwinter bis hin zu Star Trek Online allerlei aufzubieten, jedoch keine Kartenspiele.

Und so konnte man schon ahnen, was jetzt offiziell ist: Das noch unbenannte, digitale Magic-Projekt, das Cryptic im Auftrag der TCG-Gurus entwickeln sollen, wird ein Rollenspiel. Und zwar ein ziemlich großes, wie die bisherigen Ankündigungen vermuten lassen, in denen von einem Top-Tier-Release die Rede ist und einem Rollenspiel, das es Spielern erlaube, “sich komplett im Multiversum zu verlieren.

Klar, markige Sprüche sind nichts Ungewöhnliches in der Branche und werden selten eingehalten. Und doch bin ich verhalten optimistisch, dass da am Ende etwas Brauchbares herauskommen könnte. Zwar waren Cryptics Spiele bisher allesamt keine Blockbuster, doch muss man zugeben, dass sie von einem vergleichsweise kleinen Team in relativ kurzer Zeit solide und kostengünstig auf die Beine gestellt wurden.

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Plötzlich Planeswalker

Ob Champions Online oder Neverwinter - sie haben mich beide für ein paar Wochen unterhalten. Und wenn ich heute noch hin und wieder mit meinem (T)Raumschiff im mittlerweile auch schon wieder ziemlich betagten Star Trek Online durchs All pese und von Spielern entworfene Episoden einer genialen TV-Serie erlebe, frage ich mich bisweilen, was Cryptic wohl mit all der Erfahrung und einem richtig fetten Budget auf die Beine stellen könnte.

Eine Frage, die vielleicht bald beantwortet wird. Denn diesmal hat man, so formuliert es zumindest Cryptic-Chef Stephen D’Angelo “ein von der Grafik bis zum Gameplay wirklich einzigartiges AAA-Spiel” auf der Werkbank liegen. Ein MMORPG übrigens, das Magic-Fans die Möglichkeit geben soll, ihre geliebte und bislang noch zweidimensional auf Pappe gedruckte Welt aus einer ganz anderen Perspektive heraus zu sehen und zu erleben. Und allen anderen MMORPG-Fans gibt es zumindest die Hoffnung, dass eben doch noch AAA-Titel entwickelt werden, dass das Genre nicht verloren oder ganz auf die Indie-Szene angewiesen ist.

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