In der kommenden Woche beginnt sie wieder - die fünfte Jahreszeit für Gamer. Und im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, wo es wenig bis gar nichts Neues zu sehen gab, hat in diesem Jahr zumindest ein Publisher eine große Ankündigung zu machen. Entgegen bisheriger Gepflogenheiten will Blizzard doch tatsächlich die nächste Erweiterung auf der Gamescom vorstellen.

Am 06. August ist es also soweit - Blizzard enthüllt die nächste Erweiterung für World of Warcraft. Das Erstaunliche daran ist aber nicht der Zeitpunkt, denn angesichts stetig sinkender Spielerzahlen und dem schwachen Draenor wird es ohnehin höchste Zeit, alte Hoffnungen neu zu beleben und das Geschäft wieder ordentlich anzukurbeln.

Für alte und junge Fans

Außergewöhnlich ist vielmehr der Ort, an dem Blizzard das Geheimnis lüften wird. Schien man der Gamescom in Köln in der Vergangenheit keine sonderlich große Bedeutung beizumessen, hat die Messe mittlerweile bei Blizzard nicht nur einen festen Platz im Terminkalender bekommen - man richtet offensichtlich sogar seine Entwicklungs- und Marketingstrategien daran aus.

Wiped! - Die MMO-Woche - Die fünfte Jahreszeit

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it Draenor und den neuen Solo-Elementen hat World of Warcraft weiter Schaden genommen. Wird Blizzard in Köln einen Kurswechsel angekündigen?
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335.000 Besucher waren es im vergangenen Jahr - in diesem werden wohl noch ein paar mehr nach Köln kommen. So viele die Hallen eben fassen können, denn ausverkauft waren die Karten in diesem Jahr schon zwei Wochen vor der Veranstaltung. Für ein Unternehmen wie Blizzard ist das auf jeden Fall die perfekte Gelegenheit, um neue Kunden zu gewinnen und alte wieder an Bord zu holen.

Luft nach oben

Das Durchschnittsalter auf der Gamescom ist nämlich relativ niedrig. Eine große Zahl der Besucher war vor elf Jahren, als das Phänomen World of Warcraft eine ganze Generation mitriss, noch zu jung für Monatsgebühren. Azeroth und das MMO-Genre generell kennen viele von ihnen nur vom Hörensagen - sie sind mit ganz anderen Spielen aufgewachsen, mit Minecraft, League of Legends oder Konsolentiteln.

Entsprechend wichtig ist es, dass sich die MMO-Studios wieder ein wenig mehr ins Zeug legen, dass sie die gigantische Veranstaltung nutzen, nicht nur um neue Titel vorzustellen, sondern gerade auch um ältere Spiele und deren Communitys zu pflegen. MMORPGs sind kein Produkt, das man mal eben schnell verkauft und sich dann anderen, neuen Dingen widmet.

Eine Sache des Vertrauens

Vertrauen aufbauen - das muss endlich zum Motto der Publisher werden. In einer Zeit, in der Publisher alten Welten mal eben so das Licht ausknipsen, weil sie sich angeblich nicht rechneten, ist mangelndes Vertrauen einer der wesentlichen Gründe, aus dem Spieler aufhören, sich mit einem Titel zu beschäftigen. Wer befürchten muss, dass es sein Spiel nicht mehr lange geben wird, verliert jegliche Motivation.

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Die Gamescom ist nicht nur Messe für Neues, sondern vor allem auch Treffpunkt für Communitys.
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Für viele MMO-Fans ist die Gamescom gar kein Ort, an dem man unbedingt nach Neuem lechzt. Sie ist vielmehr ein Treffpunkt für Gilden und eine Gelegenheit, das gemeinsame Hobby und all die wundervollen Erlebnisse der letzten Zeit zu feiern. Wenn es einem Publisher gelingt, dem Rechnung zu tragen, ordentlich mit den Fans zu feiern und rüberzubringen, dass ihre Anliegen, Sorgen und Ideen wichtig sind, ist ihm das Vertrauen für die nächsten Monate sicher. Und das ist allemal mehr wert als das Propaganda-Feuerwerk zum nächsten großen Ding abzufeuern.

Der dienstälteste CM dankt ab

Entsprechend bedauerlich ist es in diesem Zusammenhang, dass Bashiok nach beinahe 13 Jahren ausgerechnet jetzt die Segel streicht und Blizzard den Rücken kehrt. Im offiziellen Forum verkündet der Community Manager, dass er eine neue Gelegenheit wahrnehme und wünscht allen ein Leben voller Freude, unstillbarer Neugier und fröhlicher Zockerei.

Klar, dass nach einem solchen Abgang kurz vor der großen Ankündigung heftig in der Fangemeinde spekuliert wird, ob es hier nicht einen Zusammenhang geben könnte, ob Blizzard mit der nächsten Erweiterung für World of Warcraft tatsächlich einen gewaltigen Kurswechsel geplant hat. Am Donnerstag werden wir auf jeden Fall schlauer sein.

Star Trek Online - Fortsetzung folgt?

Ebenfalls abgedankt hat in der vergangenen Woche Christine “Kestrel” Thompson, die immerhin sieben Jahre lang als Chefautorin für Star Trek Online die Feder geschwungen hat. Bedauerlich ist das deswegen, weil die Story von STO tatsächlich einer der Hauptgründe ist, das MMO zu spielen. Für viele Fans waren die Questreihen im Spiel mindestens so unterhaltsam wie die altehrwürdige Serie.

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Welche Pläne Christine Thompson konkret für die Zukunft hat, ist noch nicht bekannt, allerdings kündigt sie an, sich “anderen Welten und neuen Geschichten” zu widmen - möglicherweise also einem ganz neuen MMORPG. Cryptic bleibt derweil zu wünschen, dass man schleunigst einen guten Ersatz für Thompson findet, sonst sieht es düster aus um Star Trek Online.

Neverwinter - alles für die Gilde

Das liegt vor allem an der längst nicht mehr zeitgemäßen Free-To-Play-Abzocke - ein Makel, der auch Cryptics Neverwinter anhaftet. Gerade letzteres hat seit dem Release von Skyforge schwer gelitten, das spielerische Ähnlichkeiten mit Neverwinter aufweist, aber doch deutlich kundenfreundlicher angeboten wird als die Cryptic-Titel.

Dafür legt man sich jetzt wohl umso mehr ins Zeug und will Elemente ins Spiel bringen, von denen vor allem Gildenspieler träumen. Konkret sind es die Strongholds, mit denen Cryptic die Community im Spiel halten will und die Idee davon, sich Burgen zu verdienen und darum zu kämpfen. Eine Idee, die übrigens schon seit den ältesten Versionen der Spielvorlage von Dungeons & Dragons existiert.

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Mehr MOBA wagen

Und damit sich der mühsame Aufbau einer Festung auch lohnt, bringt Cryptic instanzierte Gildenkriege mit ins Spiel, bei denen die beiden Festungslandschaften zweier Gruppierungen quasi aneinandergeklebt werden. Zwei Teams zu je zwanzig Mann kämpfen treten dann gegeneinander an. Und damit das alles nicht zu einem langweiligen Gemetzel wird, bedient sich Cryptic diverser MOBA-Elemente samt Ressourcen, Belagerungswaffen sowie einem Drachen, der sich für eines der Teams in die Schlacht wirft.

Klingt auf jeden Fall nicht schlecht, was da am 11. August in Neverwinter auf uns zukommt und ist zumindest in der Theorie geeignet, das bislang ausgesprochen öde Instanzen-PvP endlich mal auf eine neue Stufe zu heben und der Sache ein Mindestmaß an Bedeutung zu verleihen. Wenn Perfect World dann noch ein paar kleine, aber mittlerweile verdammt wichtige Eingriffe beim Geschäftsmodell vornimmt, könnte Neverwinter tatsächlich noch einmal interessant werden.

Warhammer 40.000: Eternal Crusade - instanzierter Kreuzzug

Wobei es durchaus wehmütig stimmen kann, dass sich immer mehr Studios von der Idee einer zusammenhängenden Welt distanzieren und lieber ein Konglomerat von Instanzen entwickeln. So auch bei Warhammer 40.000: Eternal Crusade, dessen Entwickler sich zwar derzeit kräftig für die Idee der territorialen Kontrolle auf die Schultern klopfen, die dafür aber wesentliche MMORPG-Elemente aus dem Spiel entfernen.

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Eternal Crusade wird, wenn man sich die jüngsten Berichte genauer zu Gemüte führt, nichts anderes als ein Lobby-Game mit aufgesetzter Weltkarte - eine Art Heroes & Generals also. Das muss nicht zwangsläufig schlecht sein, entspricht aber nicht einmal ansatzweise dem MMO, das sich die Fangemeinde einst von dem Spiel erhofft hatte.

Gloria Victis & Life is Feudal

Da ist es ausgesprochen erfrischend, die Neuigkeiten rund um zwei andere Titel zu lesen, deren Entwickler gleichermaßen auf auf eine zusammenhängende und vor allem realistische Welt bauen: Sowohl Gloria Victis als auch Life is Feudal entwickeln sich nach wie vor prächtig. Und das liegt nicht nur an der Konkurrenz, die sich die beiden Titel gegenseitig machen, sondern auch an gewissen anderen Titeln, die sich ihrerseits noch in der Entwicklungsphase befinden.

Beide Mittelalter-Sandbox-MMOs scheinen vom aktuellen Erfolg solcher Titel wie H1Z1 und ARK: Survival Evolved beflügelt, die nicht nur einige Steilvorlagen an umsetzbaren Ideen liefern, sondern die Erkenntnis über mögliche Hürden und Probleme gleich mit. Die Indie-Ecke, das spürt man derzeit stärker denn je, befindet sich im Aufwind - und zwar technisch wie finanziell.

Star Citizen - die Module spielen verrückt

Wobei die Entwicklungen rund um Star Citizen nach wie vor wie ein Damoklesschwert über der Indie-Szene schweben. Nachdem diverse berüchtigte, destruktive Kräfte in den vergangenen Wochen mit gezielter Schwarzmalerei schweren Schaden angerichtet hatten, indem sie bezweifelten, dass Star Citizen jemals mit den versprochenen Features erscheinen würde, wurde jetzt auch von offizieller Seite eine Hiobsbotschaft überbracht.

Squadron 42, der Story-Teil des heißersehnten Space-Sim-MMOs, wird ein reines Solo-Game. Der versprochene Koop-Modus wird sich auf die Missionen von Star Citizen beschränken, die nach und außerhalb der Kampagne stattfinden. Damit rückt die erhoffte Wing-Commander-Erfahrung weiter vom zweiten Teil des Spiels ab.

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Das klingt erst einmal nicht weiter tragisch, zeigt jedoch, wie problematisch es für das Entwicklerteam aktuell zu sein scheint, die unterschiedlichen Elemente von Star Citizen, Module genannt, zu einem funktionierenden MMORPG-Erlebnis zu verschmelzen. Derartige Probleme haben in der Vergangenheit bereits in einigen Fällen mit dazu beigetraten, das passionierte Projekte eingestellt werden mussten - darunter CCPs World of Darkness und Blizzards Titan.

Ausblick

Umso gespannter sind wir auf die Dinge, die Chris Roberts und all die anderen Entwickler auf der Gamescom vorführen werden. Kann das FPS-Modul tatsächlich mal Teil von Star Citizen werden? Hat Blizzard auf der Gamescom nicht nur einen neuen Titel dabei, sondern auch ein paar neue Ideen? Haben die anderen großen Publisher wirklich das MMO-Genre hinter sich gelassen oder kündigen sie gar neue Titel an? Wagen sich vielleicht gar ein paar Indie-Studios nach Köln? In der kommenden Woche wissen wir hoffentlich mehr.