]Dass Elon Musk Elektroautos, Raumfähren und Magnetschwebebahnen revolutionieren will, ist längst bekannt. Nicht jedoch, dass er sich obendrein mit Computerspielen beschäftigt. Auf einem geschichtsträchtigen Turnier stahl der Technologie-Pionier jetzt den Profis die Show und stellte einen Kollegen vor, der die Unterhaltungsbranche gehörig umkrempeln könnte.

Es war nur ein kleines Zwischenspiel am Rande des gewinnträchtigsten Turniers in der Geschichte des E-Sports, und doch sorgte es für Aufruhr: Für eine Weile pausierten die besten Dota-Teams der Welt in ihrem Kampf um ein Preisgeld von insgesamt beinahe 25 Millionen Dollar. Derweil wurde doch tatsächlich Altstar Danylo “Dendi” Ishutin in die Arena gesetzt, um gegen einen Bot anzutreten. Eine Computerprogramm also, eine künstliche Intelligenz, die in der Szene gemeinhin für Beleidigungen bemüht wird.

“Du spielst wie ein Bot!”

Kein Wunder, denn Dota 2 ist kompliziert, hat aberwitzig viele Kombinationsmöglichkeiten aus Helden, Skills und Gegenständen und erfordert ein strategisches Feingefühl wie kaum ein anderes Spiel und jede Menge Intuition. Eine unlösbare Aufgabe für ein gewöhnliches Bot-Programm also, sofern man ihm das Schummeln verbietet.

Doch OpenAI ist offenbar kein gewöhnliches Programm. Der Bot von Technologie-Pionier Elon Musk hat Dota-Gott Dendi sowie einige andere Pro-Gamer in zwei Runden in Grund und Boden gestampft und musste dafür nicht einmal schummeln. Und man musste ihm Dota 2 auch nicht beibringen - er lernte und trainierte es einfach - in atemberaubender Geschwindigkeit und Millionen von Sitzungen, im Spiel gegen sich selbst.

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Lektionen aus Milliarden Versuchen

Durch die bestechend einfache heuristische Methode von Versuch und Irrtum lernte die künstliche Intelligenz aus ihren Fehlern und wurde binnen kürzester Zeit zu einem der besten Spieler eines Games, das Elon Must als “erheblich komplexer als Schach und Go” bezeichnet, zweier Spiele, für die es erst seit einigen Jahren brauchbare Bots gibt.

Doch diesen Programmen wurden die Spiele Zug für Zug einprogrammiert, sie bedienen sich einer umfassenden Bibliothek an Möglichkeiten und wählen jene mit der höchsten Wahrscheinlichkeit auf Erfolg. Sie entscheiden nach purer Mathematik und sind dadurch angreifbar. OpenAI hingegen scheint fast menschlich zu agieren, intuitiv, täuscht an, wirkt defensiv, bringt sich unbemerkt in eine gute Position, um dann plötzlich zuzuschlagen. General Sunzi wäre stolz über solch hohe Kriegskunst.

Nun könnte all jenen, die sich nicht mit Dota 2 beschäftigen, recht egal sein, was Musks digitaler E-Sportler da bewerkstelligt und dass er gerade lernt, auch im Team mit fünf Mitspielern oder Bots zu agieren. Doch die Konsequenzen, die sich aus dem autark lernfähigen Digitalhirn ergeben, der irgendwo in der Cloud zu Hause ist, reichen weit über Dota 2 hinaus.

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Mein neuer Freund

OpenAI kann nämlich jedes beliebige Game lernen und meistern, stellt bald jeden menschlichen Widersacher in den Schatten, sofern man ihn nicht an die Leine nimmt. Er kann hirnlose NPC ersetzen und virtuelle Welten mit Wesen bevölkern, die ihr Eigenleben entwickeln, Charakter haben und ohne das Zutun von Entwicklern Content generieren.

Kein Wunder, dass mittlerweile auch eine lebhafte Diskussion darüber ausgebrochen ist, wie gefährlich es ist, solch autodidaktische Superhirne auf die reale Welt loszulassen, wo sie in Windeseile lernen werden, Fahr- und Flugzeuge zu steuern, Operationen durchzuführen, Artikel zu schreiben und Firmen zu lenken.

Wir alle, so die Befürchtung der Kritiker, werden bald arbeitslos sein. Doch wozu überhaupt arbeiten, so die Fans der Technologie, wenn wir während all der gewonnenen Zeit mit den Bots in realen und virtuellen Umgebungen raufen, lachen und chillen können? Wir werden uns auf jeden Fall noch ausgiebig mit den Möglichkeiten und Gefahren des neuen Robothirns befassen, doch jetzt wird es erst einmal Zeit für die wichtigsten Ereignisse jenseits revolutionärer Intelligenzbolzen.

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