Für gewöhnlich hat das Sommerloch die Games-Branche zwischen E3 und Gamescom fest im Griff und es gibt weder Nachrichten noch Veröffentlichungen. In diesem Jahr ist das ein wenig anders. Gesorgt haben dafür ein paar geschwätzige Branchenvertretern aus den USA und ein aufstrebender Publisher aus Russland.

Skyforge - war das nicht ein James-Bond-Film?

Es passiert nicht alle Tage, dass ein neuer Publisher auf dem umkämpften MMO-Markt aufschlägt mit dem konkreten Plan, selbigen um ein paar AAA-Titel zu bereichern. Und wenn es dann doch einmal passiert, glaubt niemand daran, dass ein solch ehrgeiziges Vorhaben überhaupt gelingen könnte. Am Ende hat noch jeder Publisher kapituliert und wirtschaftliche Interessen vor die der Spieler gestellt.

Das mag die Community auch gedacht haben, wann immer über Skyforge berichtet wurde, denn auf ein erkennbares Interesse ist der Titel bislang noch nicht gestoßen. Vielleicht liegt das an dem seltsamen Namen des Publishers My.com oder daran, dass diesem die Kontakte zur Branche fehlen und bislang auch noch nicht sonderlich viel Geld in Werbung geflossen ist.

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Dabei sollte man dem jungen Unternehmen durchaus etwas zutrauen können. My.com ist das Tochterunternehmen von Mail.Ru, einer der bedeutendsten russischen Internetfirmen. Am Geld sollte es vorerst also nicht scheitern. Und das Portfolio von My.com umfasst schon jetzt drei Titel, die zumindest vom ersten Eindruck her durchaus etwas zu bieten haben: Armored Warfare, das World of Tanks und War Thunder herausfordert, World of Speed, das sich mit Ubisofts The Crew anlegt und eben Skyforge.

Letzteres startet offiziell am 16. Juli, ist allerdings für Käufer eines Founder Packs - und damit auch für uns - schon jetzt spielbar. Ob es sich lohnt, für die paar Tage 18 Euro oder mehr hinzublättern, muss jeder für sich selbst entscheiden. Das Spiel am kommenden Donnerstag zu installieren und kostenlos anzuzocken hingegen, lohnt auf jeden Fall.

Langsamer, aber langfristiger Erfolg absehbar

Zumindest gilt das für Spieler, die kein Problem damit haben, dass Skyforge kein klassisches MMORPG mit offener Welt ist. Skyforge hat eher den Charakter eines Lobby- oder Instanzen-Spiels - grob umrissen vielleicht eine Mischung aus Destiny, Path of Exile und TERA. Die allerdings wurde von den Entwicklern technisch so rund und spielerisch so erfrischend zusammengerührt, dass sie die zugegeben schwache Konkurrenz in der Lobby-Nische locker an die Wand spielen.

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Und was noch wichtiger ist: My.com scheint sich von den im Free-To-Play-Genre üblichen Abzockpraktiken zu distanzieren. Von Pay-To-Win-Elementen gibt es - zumindest bisher - keine Spur. Ob das angesichts der geringen Nachfrage so bleiben kann, ist schwer zu sagen. Sagen lässt sich jedoch schon jetzt: Wenn dem jungen Publisher nicht Geduld und Geld ausgehen und wenn er Allods Team und Obsidian weiter so eifrig an Skyforge arbeiten lässt, wird sich Skyforge früher oder später in die Herzen der Massen spielen.

Daybreak - Smedleys Kampf gegen Windmühlen

Die Herzen der Massen für sich zu gewinnen, damit hatte Daybreak-Chef John Smedley seit jeher Probleme. Das liegt wohl weniger an seinen Ansichten generell, sondern an der Angewohnheit, selbige auch immer besonders aggressiv rüberzubringen. In der Vergangenheit eckte Smed mit seinen verbalen Höhenflügen schon so gehörig an, dass er auch mal unfreiwillig auf den Boden zurückgeholt wurde - unter anderem von Julius Kivimaki.

Der 17-Jährige gehörte zum ehemaligen Black-Hat-Hackerverbund Lizard Squad, der im vergangenen Jahr unter anderem mit einer Bombendrohung dafür gesorgt hatte, dass American Airlines Flug 362 samt John Smedley an Bord eine ungeplante Zwischenlandung hinlegen musste. Das FBI ermittelte und überließ den überführten Julius Kivimaki dann der finnischen Gerichtsbarkeit.

Mama passt von jetzt an auf!

Die brachte ihn mit 50.700 Computerverbrechen in Verbindung und belegte den jugendlichen Hacker dafür mit einer Art Bewährungsstrafe samt der Anordnung, künftige Internetaktivitäten nur unter Beobachtung durchführen zu dürfen. Eine schwierige Angelegenheit bei einem Hacker, der selbst den großen Neo vor Neid erblassen lässt. Von einer Freiheitsstrafe sah das Gericht ab. Ein kluger Mann hätte das als Teilsieg verbucht, das Kriegsbeil begraben und den Dialog mit Kivimaki gesucht, um ihm eine Chance zu geben und vielleicht aus der Sache zu lernen.

Dass diese Entscheidung John Smedley jedoch die Zornesröte ins Gesicht treiben würde, war klar. Und so machte sich der Daybreak-Chef in einem Twitter-Beitrag nach dem anderen Luft, beschimpfte Kivimaki als “Soziopath” und “kleinen Drecksack” und verkündete, dass er unerbittlich daran arbeite, die Eltern des Knaben zivilrechtlich zu verfolgen und die Hacker ins Gefängnis zu bringen, auch wenn sich das außerhalb der Vereinigten Staaten schwierig gestalte.

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Der Klügere gibt nach - falls es einen gibt

Und so viel Verständnis man als Zocker und Mitbetroffener auch für des CEOs Wut aufbringen kann - man konnte vom ersten Post an ahnen, dass dieser smedleysche Schnellschuss gegen den Teenager nach hinten losgehen würde, weil der mit Sicherheit ähnlich veranlagte Freunde haben dürfte, denen die Mama noch nicht beim Surfen über die Schulter schaut.

Und tatsächlich ließ die Antwort nicht lange auf sich warten. Seit Tagen werden Daybreaks Server nun schon von einer DDoS-Attacke nach der anderen malträtiert und Smedleys Techniker werden der Sache kaum noch Herr. Just in diesem Moment ist H1Z1 down. Man werde erst wieder Frieden mit John Smedley schließen, so verkündete der Lizard Squad via Twitter, wenn der CEO nach Krasnodar fliege und vor Kivimaki niederknie. Die Spieler, die mit dem ganzen Zwist zwischen dem wütenden Alten und den Lausebengeln nichts zu tun haben, ärgert das besonders.

Star Citizen - bitte nicht, Smart!

Einer, der ebensowenig die Klappe halten kann wie Smedley, ist Derek Smart. Der Entwickler, der in den 90ern mit Battlecruiser 3000AD einen der ersten hochgehypten Rohrkrepierer entwickelt hat, wird hin und wieder auch als Uwe Boll der Games-Branche bezeichnet. Im Gegensatz zum Regisseur, der seine Machwerke immerhin irgendwie fertigstellt, hat Smart allerdings ausnahmslos Unfertiges abgeliefert.

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Umso überraschender, dass nun ausgerechnet Derek Smart prophezeit, dass Chris Roberts Mega-Crowdfunding-Projekt Star Citizen niemals erscheinen wird. Er habe das Spiel auch unterstützt, doch die Vision von Star Citizen übersteige GTA V und Halo, sei unter 150 Millionen Dollar nicht zu realisieren. Doch während die Community derlei Kommentare aus der Feder Smarts für gewöhnlich einfach ignoriert, scheint der verhasste Entwickler diesmal einen wunden Punkt getroffen und eine Diskussion unter den Fans ausgelöst zu haben.

Hundert Dollar für einen Traum

Während noch immer Tausende Fans ihr Geld in diverse Schiffe pumpen, von denen einige noch nicht einmal entworfen wurden, haben andere ihr Vertrauen in das Projekt verloren. Im Durchschnitt hat jeder Unterstützer knapp 100 Dollar in den Traum von der ultimativen Space-Simulation gesteckt - der Zähler steht kurz vor 85 Millionen.

Seit nun Derek Smart seinen Senf zu der Sache gegeben und die Diskussion ausgelöst hat, sind die Einnahmen des unfertigen Projekts extrem eingebrochen. Erschwerend kommt hinzu, dass das FPS-Modul “Star Marine” bis auf “unbestimmte Zeit” verschoben wurde, weil es nicht den Erwartungen der Entwickler entsprochen hatte.

Auf unbestimmte Zeit, das bedeutet nicht, so sah sich jetzt Star Citizens Ben Lesnick gezwungen zu erklären, dass man den FPS-Teil um Monate, Jahre oder Jahrzehnte verschiebe, sondern lediglich um Wochen. Doch auch damit geben sich Teile der Community nicht zufrieden und verweisen darauf, dass es hier nur um ein Modul ginge.

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Die Zeit der Ruhe ist vorbei

Wenn sich jetzt schon alles dermaßen verschiebt - wie lang wird man dann wohl warten müssen, wenn Roberts erst versucht, den Rahmen zu errichten, in den die ganzen Module eingelassen werden müssen? Und wird dieser Rahmen dann wirklich halten oder wird das Mosaik unter der Last und Inkompatibilität der vielen Einzelteile zusammenbrechen?

Viel ist es tatsächlich nicht, was Chris Roberts bislang abgeliefert hat. Das Dogfight-Modul macht nicht sonderlich viel Spaß und entwickelt sich ausgesprochen schleppend voran. Das FPS-Modul wurde verschoben und vom Rest des Spiels fehlt bislang jede Spur. Dass mit Alex Mayberry, Travis Day und Chelsea Ann Day bereits drei namhafte Mitarbeiter aus dem Projekt ausgeschieden sind, mag Ben Lesnick als ganz normalen Vorgang abtun - Anlass zum Feiern gibt das allerdings nicht und wenn die ersten Fans ungeduldig werden und das Kriegsbeil ausgraben, hat Chris Roberts ein Problem mehr.

League of Legends - wie man in den Wald hineinruft...

Zu was Spieler fähig sind, davon kann nicht nur John Smedley ein Lied singen, sondern insbesondere auch MOBA-Fans. Ob Dota 2, SMITE oder League of Legends - all diese Spiele haben ein Problem mit der sogenannten Toxizität, die innerhalb der Community herrscht und die man kaum in den Griff bekommt. Entsprechend stecken die Publisher auch Unsummen in die Erforschung des Phänomens.

Wer genau es ist, der da Gift und Galle in den Spielen versprüht, hat jetzt das Social Systems Team von Riot herausgefunden: Du. Und so überraschend die Erkenntnis der Experten im ersten Moment auch sein mag - sie trifft ins Schwarze: 87 Prozent des negativen Benehmens kommt demnach von normalerweise netten Leuten, die einen schlechten Tag oder Moment haben - von uns allen also. Und am allermeisten kommt sie von denen, die sich ständig darüber beschweren, wie mies doch die Community ist.

Ausblick

Und damit auch ihr eure Toxizität loswerden könnt, steht euch wie immer unsere Kommentarfunktion zur Verfügung. Derweil werde ich mich meinem Lichthüter in Skyforge widmen, damit ich bald mehr über das Spiel erzählen kann, das so unerwartet spaßig mitten ins Sommerloch gefallen ist.