Während die Spielerschaft gemeinhin kein Problem damit hat, ein MMOG frei heraus für gescheitert zu erklären, können sich dessen Entwickler den Luxus solch fatalistischer Urteile nicht leisten. Sie kämpfen gegen stetig schwindende Spielerzahlen und gleichzeitig um ihren Arbeitsplatz. Doch lässt sich ein im Kern marodes Online-Spiel überhaupt noch vernünftig sanieren?

Star Wars: The Old Republic - dem Untergang geweiht?

Wer hätte gedacht, dass es Biowares alte Republik noch einmal ganz nach vorne in diese Kolumne schaffen würde? Ich sicher nicht. Wie die meisten anderen Star-Wars-Fans habe ich das Spiel im Dezember 2011 rauf- und runtergespielt, um es bereits im Februar darauf im hintersten Cluster meiner Festplatte zu begraben. Ein nettes Spiel, eine tolle Story, doch es fehlt das Metagame und so geht der Wiederspielwert gegen Null.

Entsprechend wenig überraschend kam dann die Umstellung auf ein eingeschränktes Free-to-Play-Preismodell mit optionalem Abo nach knapp einem Jahr, die dem Spiel zwar nicht den erwarteten Erfolg bescherte, jedoch immerhin noch genügend neue Spieler in die Welt von Jedi und Sith zu spülen scheint, um dem Unternehmen die Weiterentwicklung auf Sparflamme zu ermöglichen.

Wiped! - Die MMO-Woche - Das Imperium schlägt zurück

alle Bilderstrecken
Weitere Bilder zuWiped! - Die MMO-Woche
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/2Bild 82/831/83
Statt einen flotten Sci-Fi-Simulator auf die Beine zu stellen, bescherte uns Bioware schnöde Moorhuhn-Action ohne Wiederspielwert.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ist der Ruf erst ruiniert...

Und so dümpelt die einst so gefeierte virtuelle Welt vor sich hin und generiert zu viel Umsatz, um abgeschaltet zu werden, und zu wenig, um eine ordentliche Sanierung zu rechtfertigen. Eine schwere Bürde für Bioware, die immerhin jede Menge Hoffnung sowie rund 200 Millionen Dollar in das Spiel gesteckt hatten und es nun als wirtschaftlichen Klotz am Bein und rufschädigenden Makel mit sich schleppen müssen.

Doch es scheint etwas vorzugehen im Hause Bioware, das spürt die sensible Fangemeinde auch in Zeiten der spielerischen Inaktivität. Ist diese kleine Erschütterung der Macht ein Zeichen letzten Aufbäumens vor dem endgültigen Aus? Oder wird in den geheimen Bioware-Laboratorien tatsächlich daran gewerkelt, die alte Republik neu auferstehen zu lassen? Schlägt das Imperium bald zurück?

Bahn frei und Schienen weg!

Doch alles fein der Reihe nach: Vor zwei Wochen veröffentlichte das Studio einen kleinen Trailer, in dem neue Weltraumkämpfe zu sehen waren - dazu die Stimme aus dem Off, die ankündigt: "Full scale battle is imminent". Reine Propaganda und noch mehr Kämpfe auf Schienen, spekulierte die kritische Community und schenkte dem Filmchen kaum Beachtung.

2 weitere Videos

Dabei wäre ein freier Kampf im Weltraum tatsächlich ein kleines Element, das unglaublich große Wirkung zeigen würde. Wenn es Bioware gelänge, einen Space-Sim wie zuletzt X-Wing Academy in das MMOG einzubauen, würde das nebenbei auch die gerade erst neu formierte Community von Star Citizen zumindest zeitweise ins Spiel bringen.

Die Rückkehr der Jedi-Retter

Doch das ist längst nicht alles. Am 09. September verkündete Mutterkonzern Electronic Arts dann, dass man einen Ersatz für die ehemaligen Firmenlenker Zeschuk und Muzyka gefunden habe, das Studio also nicht länger kopflos durch die Branche schlittern muss. Überraschend in diesem Zusammenhang der Name des neuen Chefs der virtuellen Bioware: Matthew Bromberg. Der ist erst seit 2012 für Electronic Arts tätig und war vorher CEO und Präsident des E-Sports-Unternehmens Major League Gaming.

Ein Mann der Praxis und des E-Sports also und somit keine schlechte Option für das strauchelnde Unternehmen und für jene Titel, denen man langfristig und online eine solide Basis sichern möchte. Dazu gehören neue MMOGs, die sich bei Bioware mit Sicherheit längst in der Entwicklung befinden, sowie eben auch Star Wars: The Old Republic, von dem man plötzlich wieder mehr hört und sieht als in den Monaten davor.

Schon einen Tag nach der offiziellen Benennung von Matthew Bromberg kündigte Bioware an, dass man die Huttenkartell-Erweiterung für alle Abonnenten kostenlos verfügbar machen werde. Spieler, die die Erweiterung schon vorher gekauft hatten, werden mit entsprechender Premiumwährung und einem Titel belohnt - eine durchaus bemerkenswerte Richtungsänderung im bislang äußerst restriktiven Preissystem des Titels.

Totgesagte leben länger

Der größte Knaller jedoch schlug dann am vergangenen Donnerstag in Form eines "Live Action Videos" bei uns auf. Ein Trailer, der mit Sicherheit günstiger zu produzieren war als jeder CGI-Schnipsel, der die Fans jedoch spüren lässt, dass die Macht noch immer nicht ganz verschwunden ist aus diesem oftmals totgesagten Titel. Doch seht selbst.

2 weitere Videos

Noch ist nicht klar, ob es es noch Hoffnung gibt. Noch ist nicht bewiesen, ob Matthew Bromberg Bioware tatsächlich besser zu lenken versteht als dessen Gründer, ob er sich besser versteht auf Online-Spiele und auf das, was die Fans von ihnen erwarten. Auch wissen wir nicht, wie lange die Gelder noch ausreichen werden, die man bereit ist ins Spiel zu investieren. Eines steht nach den Ereignissen der letzten Wochen allerdings fest: Das Imperium hat zwar lange auf sich warten lassen, doch es schlägt noch einmal zurück.