Trotz einer bereits chronischen Überversorgung der Zocker schiebt uns die Branche kurz vor dem Sommer noch immer einen neuen Titel nach dem anderen auf die Platte. Wer da noch halbwegs zügig nach oben kommen möchte, muss schon genau planen, wann er in welchem Spiel den Ruhebonus mit den täglichen Aufgaben kombiniert. Und ehe man sich versieht, wird das Spiel zur Arbeit.

Als Asia-Grinder werden sie beschimpft - jene Spiele aus Fernost, in denen man über einen endlos langen Zeitraum Gegner niedermetzeln muss, um den Erfahrungsbalken mühevoll Millimeter für Millimeter nach vorne zu schieben. Dabei hört manch einer nebenbei Musik, schaut eine spannende Serie oder diskutiert mit seinen Kumpels im Teamspeak über Gott, die Welt und das perfekte Computerspiel.

Das Perpetuum Mobile des Game-Designs

Das besteht auf jeden Fall nicht aus dem berüchtigten Grind, sondern bietet Abwechslung und Unterhaltung. Insbesondere westliche Studios haben sich dafür vor einigen Jahren eine ganz besonders innovative Neuerung ersonnen: Daily-Quests und Boni auf allerlei Dinge, die es einmal täglich zu tun lohnt. Das ist abwechslungsreich und effizient. Und weil man danach kaum noch Lust zu grinden hat, wechselt man schnell ins nächste Spiel, wo ähnliche Boni darauf warten abgestaubt zu werden.

Oft weiß der Spieler nicht einmal mehr, was er da eigentlich sammelt und wofür. Da werden Tausende von unterschiedlichen Medaillen, Währungen und Trophäen gesammelt, die man nie im Leben eintauschen wird, weil das Ziel ohnehin unerreichbar ist oder man nicht mal den entsprechenden NPC kennt. Da wird gecraftet, was das Zeug hält, damit man im dazugehörigen Level aufsteigen und noch mehr craften kann - wozu auch immer.

Wiped! - Die MMO-Woche - Das Farmville-Prinzip

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"Hier, nimm, ist free-to-play. Passt schon."
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Fleißig farmen, um noch mehr farmen zu können

Immer mehr MMOG-Entwickler greifen dabei auf jene Elemente zurück, die den Browsergames einst ihren großen Zulauf bescherten. Dabei vergessen sie allerdings, wie rasant es mit denen gerade bergab geht. Farmen um des Farmens Willen ist kein Endgame und keine Lösung für ein MMOG. Man kann die Spieler damit zwar für ein Weilchen halten, doch spätestens wenn sie das Farmville-Prinzip durchschauen, sind sie weg und kehren niemals wieder.

Selbst ich als bekennender PvP-Fan habe kein Problem mit dem Grinden. Ich farme auch gerne und crafte hin und wieder - jedoch nur, wenn ich auch irgendeinen Nutzen daraus ziehen kann. Im Idealfall wetzen sich Waffen und Rüstungen ab und müssen zwangsläufig ersetzt werden. Tränke und Nahrungsmittel mit stärkenden Eigenschaften gehören in die Rezeptbücher von Köchen und Alchemisten - nicht in den Shop eines NPCs. Dann, und nur dann, macht Crafting Sinn.

Darkfall Unholy Wars - verschafft dem Crafting wieder Sinn

In Darkfall habe ich nach langer Zeit endlich wieder so ein System gefunden. Da dient allein Gold als Währung. Da bekommt man Rohstoffe nicht hinterhergeworfen - man muss sie ernten und nicht selten entbrennt ein Kampf um die besten Stellen. Dieser Vorgang samt der anschließenden Verarbeitung ist zwar enorm zeitintensiv, jedoch hat das alles auch Sinn und Zweck.

Nämlich den, ein Lager an Vorräten, Waffen und Reittieren anzulegen, um im Falle eines Totalverlustes für schnellen Ersatz zu sorgen. In Darkfall werden begeisterte Crafter auch regelmäßig an den Punkt kommen, an dem die erzeugten Waffen und Rüstungen zu fortgeschritten sind, um zum Zeitpunkt ihrer Erzeugung überhaupt genutzt werden zu können - eine zugegeben wundervolle Quelle der Motivation, die man in herkömmlichen MMOGs kaum finden wird, wo die Kriegsbeute den Eigenkreationen meist überlegen ist.

Und damit den Fans von virtueller Kriegsführung und Sandbox-Elementen der Sand nicht ausgeht, hat Aventurine für den Sommer einige Neuerungen für Darkfall angekündigt, darunter vier neue Dungeons, ganz neue Monstergattungen, neue Schiffe und Festungen zur See. Und ohne dem für Juni vorgesehenen Test vorweggreifen zu wollen: Das generalüberholte Darkfall ist bislang die beste MMOG-Neuerscheinung in diesem Jahr, und sie ist nicht “kostenlos”. Gott sei Dank.

Ärger im Hause Trion

Und während man bei Aventurine Grund zum Feiern hat, gibt es andernorts gehörig Zoff. So vermeldeten die Kollegen von IGN in der vergangenen Woche von einer Entlassungswelle bei Trion und davon, wie Angestellte aus dem Gebäude eskortiert worden seien. Die Meldung konnte allerdings nicht verifiziert werden und so rückt jetzt die offizielle Stellungnahme Trions in den Mittelpunkt der Berichterstattung.

In der heißt es, dass man lediglich die Teams neu organisiert habe - vor allem in Bezug auf den Online-Shooter Defiance. Der ist mit rund einer Million verkaufter Einheiten weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben und angesichts der Abofreiheit wird man ihn mit dieser Spielerzahl in Zukunft kaum finanziell stemmen können.

Neuer Hoffnungsträger gesucht

Doch noch kann Trion puffern. Die Server von Rift sind nach Ankündigung der Umstellung auf Free-To-Play wieder ordentlich gefüllt und auch der Publishing-Vertrag mit XL Games für das sehnlichst erwartete Sandpark-MMOG ArcheAge sollte ein paar zusätzliche Milliönchen einspielen. Und doch braucht das Unternehmen dringend ein neues Spiel, einen neuen Hoffnungsträger, mit dem sich das durch Defiance und End of Nations angekratzte Imgage wieder aufpolieren lässt.

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Nach der Free-to-Play-Umstellung zieht es wieder mehr Spieler auf die Rift-Server.
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Das leidet nicht zuletzt auch unter dem gebrochenen Versprechen, dass Rift qualitativ einzigartig sei und niemals ins Free-To-Play-Lager wechseln würde. Wobei man zu Trions Enschuldigung sagen muss, dass derlei Sprüche vor allem aus dem Mund des früheren Rift-Produzenten Scott Hartsman gekommen sind, der das Unternehmen schon vor einigen Monaten mit unbekanntem Ziel verlassen hat, der sich allerdings trotzdem hin und wieder zu Wort meldet und aktuell via Twitter verkündete, dass die Gaming-Industrie ziemlich kaputt sei.

Für das System!

Und weil seine 140-Zeichen-These für einigen Wirbel sorgte, hat er sie in mehreren Interviews noch etwas ausführlicher dargelegt und erklärt, dass es die traditionellen Entwicklungsmechanismen hinter AAA-Spielen seien, die Probleme bereiteten. Ein Spiel müsse heutzutage zwangsläufig zum Blockbuster werden, um das System dahinter zu erhalten - “die Entwickler, den Publisher, die Herstellung der physischen Bestandteile, den Distributor, den Händler und in einigen Fälle auch den Hersteller der Konsole”.

Und in der Tat ist es dieser ökonomische Wasserkopf, der eine Mitschuld an der Innovations- und Mutlosigkeit der Hersteller trägt, die aus einer existenziellen Angst heraus lieber einen mittelmäßigen Massentitel entwickeln, mit dem das System schnell bedient werden kann, als einen großartigen Nischentitel, der über die Jahre hinweg langsam wächst und erfolgreich wird.

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Umso spannender die Crowdfunding-Projekte, die dank der Unterstützung oft Tausender Fans auf den Publisher und damit auf den gefräßigsten Teil des wirtschaftlichen Wasserkopfes verzichten können. In gut einem halben Jahr werden die ersten größeren Titel wie Star Citizen dann auf den umkämpften Markt kommen und ich gehe jede Wette ein, dass sie binnen kürzester Zeit bessere Zahlen schreiben werden als die vom rechten Weg abgekommenen Branchenriesen.

War Thunder - der Überflieger

Schon jetzt beweisen Studios wie Riot oder der Newcomer am Online-Himmel - Gaijin, dass es auf andere Dinge ankommt als auf teures Publishing und schnieken Boxen bei den Händlern. Binnen weniger Wochen ist War Thunder vom unbekannten Nischentitel zu einem Spiel angewachsen, in dem sich in den Abendstunden weit über 30.000 Spieler tummeln.

Das liegt einerseits am fairen Geschäftsmodell, in dem niemand gezwungen wird Geld zu zahlen - andererseits liegt das aber auch an der Qualität und der Zielstrebigkeit, mit der Gaijin entwickelt. Schon bald sollen sich nämlich die Bodeneinheiten zu den Fliegern gesellen - anders als bei der Konkurrenz von Wargaming in einer Schlacht, auf einer Karte. Und dann wäre da noch eine Überraschung, die für weiteren Spielerzuwachs sorgen wird.

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War Thunder, der Überflieger.
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Sony öffnet sich

War Thunder wird außer PC und Mac nämlich auch die mutmaßlich erfolgreichere Next-Gen-Konsole unterstützen - Sonys Playstation 4. Angesichts der Tatsache, dass Gaijin seine frühen Erfolge mit Konsolentiteln wie Wings of Prey und Birds of Steel gefeiert hat, ist das kaum verwunderlich - die damit verbundene Ankündigung allerdings schon: War Thunder wird, daran arbeitet man bei Gaijin offenbar in Kooperation mit Sony, tatsächlich plattformübergreifend spielbar sein.

Diese kleine Meldung birgt auf jeden Fall eine Menge Sprengkraft, denn wenn Gaijin seinen Titel systemübergreifend anbieten wird, dann werden das auch andere Studios tun. Sonys generelle Bereitschaft, sich und sein brandneues System gegenüber den Erfordernissen des MMOG-Marktes zu öffnen, könnte in der Tat eine neue Ära des Friedens zwischen PC- und Konsolen-Spielern einläuten.

Dust 514 - Online-Spieler aller Systeme, vereinigt euch!

Dust 514 kommt mir da in den Sinn, zu dem ich immer wieder gefragt werde, ob es dann nun auch für die Playstation 4 erscheinen soll. Bislang, so meine Antwort, hat sich CCP dazu noch nicht geäußert. Wenn das Unternehmen allerdings auf die Kooperation mit Sony setzt und auf eine äußerst kompatible Unreal Engine 3, und wenn man gleichzeitig ankündigt, für Dust 514 eine ähnlich langfristige Entwicklungsstrategie zu verfolgen wie bei EVE Online, wird man doch wohl kaum auf ewig an der Playstation 3 festhalten - oder?

Dann würde der Online-Shooter auch endlich so aussehen wie in den eindrucksvollen Videos und Trailern aus dem Hause CCP. Wobei Dust 514 mit dem jüngsten Update grafisch gehörig zugelegt hat. Seit dem offiziellen Release schieße ich mich mehrere Stunden täglich über die Planetenoberflächen von New Eden, um euch möglichst noch in der kommenden Woche einen aussagekräftigen Test abzuliefern.

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Neverwinter - Kampf gegen unlautere Methoden

Und auch in Neverwinter bin ich täglich unterwegs - wobei ich mich dazu entschlossen habe, mit einem Test noch zu warten. Denn wenngleich Perfect World Entertainment die Verkäufe von Virtuellem schon mal ordentlich angekurbelt hat, befindet sich das Spiel eben doch noch in der Beta und ist längst nicht so fertig, wie man sich das bisweilen gewünscht hätte.

Dass die deutsche Sprachausgabe noch fehlt und rückwärts gesprochenes Englisch als Platzhalter dient, ist dabei das geringste Problem. Viel stärker ins Gewicht fallen die Hintertürchen, durch die sich Spieler mit krimineller Energie hin und wieder Vorteile bei der Erwirtschaftung jener Diamanten verschaffen, die sich gegen die geldwerte ZEN-Währung eintauschen lassen.

Die Folge: inflationäre Preise, die es ehrbaren Spielern unmöglich machen, innerhalb eines halbwegs vernünftigen Zeitraums an die begehrte Währung zu gelangen. Immerhin scheint man bei Cryptic wachsam zu sein und hat nach der jüngsten Aufdeckung marktschädigender Methoden die Reißleine gezogen, den Server um sieben Stunden zurückgesetzt und zahlreiche Spieler mit dem “Banhammer” bedacht.

Star Trek Online - Stau in der Milchstraße

Überhaupt hat man bei Cryptic gut zu tun, denn die in dieser Woche aufgespielte Erweiterung Legacy of Romulus kommt offenbar derart gut an, dass es im ersten Ansturm zu Wartezeiten beim Einloggen gekommen ist. Grund dafür sind wahrscheinlich nicht einmal die neu ins Spiel gebrachten Romulaner und ihre Vettern, die Remaner, sondern die Klingonen.

Die waren zwar schon von Beginn an als Fraktion im Spiel, jedoch fehlte es an einer passenden Kampagne und so verließ mancher Fan der Knochenköpfigen frustriert das Spiel. Mit der Romulaner-Kampagne hat man jetzt allerdings auch die Klingonen mit neuem Story-Soff versorgt. Wie es um die Qualität der Geschichten und der Erweiterung insgesamt bestellt ist, werde ich in den nächsten Wochen noch ausgiebig testen.

Dragon’s Prophet - verfrühte Prophezeiung?

Wobei das leichter gesagt ist als getan, denn zu all den anderen Titeln auf meinem Stapel gesellt sich bald auch Dragon’s Prophet. Mit diesem MMOG wollen die Macher von Runes of Magic endgültig beweisen, dass sie mehr können als solide kopieren. Dragon’s Prophet enthält durchaus einige vielversprechende Elemente und bedient sich, zumindest teilweise, einiger Sandbox-Mechaniken.

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Am 30. Mail will Infernum die geschlossene Beta in eine offene umwandeln. Zu früh, wie zahlreiche Kritiker finden, und so wird in den MMOG-Communitys derzeit lebhaft darüber diskutiert, ob Dragon’s Prophet in seiner jetzigen Form tatsächlich schon bereit für die Veröffentlichung ist. Denn eines steht fest: Ob man es nur Open Beta nennt oder Release - der Frust, wenn Dinge nicht wie gewünscht funktionieren, ist der gleiche.

Infinite Crisis - Superhelden in der Krise

Selbiges trifft in noch größerem Umfang auf MOBAs zu, in denen selbst kleinste Probleme beim Balancing dazu führen können, dass ein noch so wundervoll erdachter Titel komplett unspielbar wird. Das ist auch der Grund dafür, dass einige Arena-Spiele schon kurz nach ihrer Veröffentlichung wieder in der Versenkung verschwunden sind und sich andere - allen voran League of Legends, DotA 2 und Heroes of Newerth erfolgreich am Markt festgesetzt haben.

Doch die Verlockung, sich ein Stück vom Kuchen einzuverleiben, ist für die Publisher ebenso groß, wie sie einst im Genre der MMOGs war - zudem sich so ein MOBA-Titel mit weit weniger Aufwand entwickeln lässt. Und so erwartet uns in Kürze eine Flut von solchen Spielen, von denen die meisten schon jetzt zum Scheitern verurteilt sind. Wobei auch ein paar darunter sind, die Potential haben. Infinite Crisis zum Beispiel, mit dem LotR-Entwickler Turbine die ersten Schritte im vermeintlich leichtgängigen Genre wagt.

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Ein Pudge im Joker-Gewand?

Und weil man sich dank des Ring-MMOGs ausgesprochen gut mit den Warner-Brüdern versteht, baut Turbine nicht nur auf die eigene Hoffnung, sondern auch noch auf eine Starke Lizenz: die der Superhelden von DC Universe. Ob und wie erfolgreich man die in das MOBA packen kann und ob die Helden mit ihren Skills nicht doch wieder nur ein Abklatsch der DotA-Klassiker werden, wie das Video vom Joker vermuten lässt, wird sich bald zeigen.

Von Warner Bros. wurde mir auf jeden Fall ein Beta-Zugang für Infinite Crisis versprochen, das ich als Fan von DotA und seinen mehr oder weniger offiziellen Nachfolgern natürlich besonders kritisch unter die Lupe nehmen werde. Es gibt also viel zu tun in den nächsten Wochen und Monaten. Nur gut, dass in diesem Jahr der Sommer mitspielt...