Schon seit Monaten pfeifen es die Spatzen von den Dächern - jetzt ist es amtlich: Bethesda arbeitet an The Elder Scrolls Online. Damit steht fest, dass dem Genre auch nach dem gerade entzündeten Feuerwerk keineswegs die Munition ausgehen wird. Im Gegenteil - obwohl bislang kaum Details bekannt sind, sind die Communitys schon außer sich vor Freude und es erhebt sich ein neuer Kult um ein Spiel, von dem wir bislang kaum etwas wissen.

Eines wissen wir allerdings: The Elder Scrolls Online wird nicht von Bethesda selbst entwickelt, sondern von den Zenimax Online Studios. Und die arbeiten nicht erst seit gestern an dem Spiel, sondern bereits seit der Gründung im Jahre 2007 - bislang allerdings weitgehend unterhalb des Radars allzu neugieriger Fachjournalisten.

Wehe, wenn der Hype kommt!

Mit der Ruhe ist es es für Zenimax jetzt allerdings vorbei, denn seit die Katze aus dem Sack ist, steht das Telefon nicht mehr still, wird um Interviews und Informationen gebettelt. Es bleibt zu hoffen, dass man sich bei Zenimax gut auf die Wogen vorbereitet hat, die der Hype über das junge Studio spülen wird und dass man genügend Mitarbeiter hat, die den braven Entwicklern bei all den Anfragen den Rücken freihalten.

Doch wer arbeitet eigentlich bei Zenimax und hat ein solches Newcomer-Studio überhaupt die Möglichkeiten, einen Titel wie The Elder Scrolls Online zu stemmen? Insgesamt sind es wohl rund 250 Leute, die an The Elder Scrolls Online werkeln - die branchenübliche Anzahl also und wenig aussagekräftig. Viel interessanter ist da hingegen schon der Blick auf die Namen der Führungsriege.

Dark Galaxies of Molivrim

Matt Firor, der als Präsident fungiert, arbeitete von 1995 bis 2006 bei Mythic und zeichnete unter anderem als Produzent von Dark Age of Camelot samt Erweiterungen verantwortlich. Firor gehört damit nicht nur zu den alten Hasen im harten Geschäft, sondern hat mit mindestens einem Titel bewiesen, dass er ein gutes Gespür dafür besitzt, welche Elemente in einer Onlinewelt funktionieren und welche nicht.

Technischer Direktor bei Zenimax ist Bill Dalton, der nicht nur als Gegenspieler von Lucky Luke von sich reden machte, sondern vor allem durch seine Arbeit an der technischen Seite von Ultima Online, Star Wars: Galaxies und Star Wars: The Old Republic. Mit im Führungsteam sind außerdem ehemalige Mitarbeiter von Paragon/NCsoft (City of Heroes), NetDevil (Jumpgate), Sony Online Entertainment und vielen anderen Studios mit von der Partie.

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Warum nur die HeroEngine?

Das Team könnte also durchaus etwas reißen. Was mir jedoch wirklich Sorgen bereitet, ist die Entscheidung für die HeroEngine. Die mag zwar für kleine Studios und Hobby-Entwickler eine Vielzahl von tollen Möglichkeiten bieten, nach oben hin hat sie technisch allerdings ihre Grenzen - vor allem was die maximale Spielerzahl in der Umgebung betrifft. Wozu das im Extremfall führen kann, haben wir jüngst beim “Massively Instanced Online Game” Star Wars: The Old Republic erlebt.

Man kann also nur hoffen, dass Bill Dalton die Technik der Engine so in den Griff bekommt, dass die angepeilten Kämpfe von bis zu 100 Spielern in einem Gefecht auch funktionieren. Dass man sich für drei Fraktionen entschieden hat und die Spieler sogar um Thron kämpfen lässt, zeigt auf jeden Fall, dass man sich bei Zenimax in Sachen PvP-Konzept von Anfang an mehr Gedanken macht als Studios wie BioWare oder Trion.

Warum geht die Welt zu Ende?

Doch vor allem scheint man bei The Elder Scrolls Online das Spielerlebnis des Einzelnen in den Vordergrund stellen zu wollen und nicht unbedingt das Zusammenspiel der Massen. Bedenklich ist dabei allerdings, dass man jetzt schon wieder die Stunden zählt, die ein Spieler benötigt, um seinen virtuellen Charakter ganz nach oben zu bringen. Dabei sollte doch jeder MMO-Entwickler mittlerweile eines gelernt haben: 120 Stunden Spielspaß rechtfertigen keine Monatsgebühr.

Die Newcomer scheinen zwar durchaus in der Lage zu sein, ein MMOG zu entwickeln, doch machen wir uns nichts vor - Zenimax ist nicht Bethesda. Dort sitzt außerdem ein Todd Howard, der mehrfach klar zum Ausdruck gebracht hat, dass er von MMOs generell nicht sonderlich viel hält - obwohl er wusste, dass bei Zenimax zur gleichen Zeit an The Elder Scrolls Online gebastelt wurde.

Eine starke Lizenz

Derzeit wird das Projekt vor allem von der Lizenz getragen und jegliche Beweise hinsichtlich der Qualität des Titels stehen noch aus. Zumindest handelt es sich um eine starke Lizenz, die zumindest die Hoffnung von Investoren und Fans gleichermaßen schürt und einen Hype in Gang setzen wird, wie ihn die Branche noch nicht gesehen hat.

Es gab schon einmal ein MMOG, das aus einer starken Gaming-Lizenz geboren wurde und das sich dann für eine halbe Ewigkeit zum unvorstellbar ergiebigen Goldesel etwickeln sollte. Damals allerdings entschied sich Blizzard, den Online-Ableger selbst zu entwickeln und die Verantwortung nicht abzutreten, wie Bethesda das gerade tut.

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Das beste MMO aller Zeiten!?

Bei Zenimax ist man derweil sicher, dass man mit dem neuen Titel bereits im nächsten Jahr einen großen Erfolg landen wird und Matt Firor verkündete daher schon mal ganz selbstbewusst: “Das gesamte Team hat sich dazu verpflichtet, das beste MMO aller Zeiten zu erschaffen - und eines, das der Lizenz von The Elder Scrolls würdig ist”. Sein Wort in Akatoshs Ohr.

Und obwohl - oder gerade weil mit The Elder Scrolls Online ein potentieller Megahit mit mutmaßlich unerschöpflichem Budget auf den umkämpften Markt drängen wird, wollen wir auch all die kleinen Titel nicht vergessen, die mit Bruchteilen dessen auskommen müssen, was Zenimax an Ressourcen zur Verfügung steht und die dennoch oft äußerst spannende und vor allem innovative Ansätze liefern - selbst wenn es nicht alle davon bis zum Release schaffen.

Dominus - ein Sandkasten wird geschlossen

In diesem Monat ist es Dominus, mit dem eines der wohl vielversprechendsten Sandbox-MMO noch weit vor seiner Geburt zu Grabe getragen wird, weil Pitchblack Games - übrigens auch ein Studio, in dem zahlreiche Veteranen der Branche arbeiteten - am Ende des Geldes noch eine ganze Menge Entwicklungszeit übrig hatte.

Sanya Weathers, die vor ihrer Zeit bei Pitchblack als Community Managerin von Mythic bekannt geworden war, musste den Fans von Dominus dann auch die traurige Nachricht überbringen. In ihrer Abschiedsnachricht bedankte sie sich noch einmal bei den Fans des Spiels, die auf jeden Fall bewiesen hätten, dass da ein Markt für Spiele wie Dominus sei.

Und tatsächlich zeigt der Zuspruch, den gerade solche kleinen Titel bekommen, wie sehr sich die Community nach einer echten Sandbox sehnt. Dabei ist die Erwartungshaltung der Spieler in Bezug auf die technische Seite nicht einmal besonders hoch - für spielerische Tiefe ist man durchaus bereit, Abstriche bei Grafik und Sound zu machen.

Storybricks - echte Geschichten

Allein den Investoren fällt es nach wie vor schwer, das zu erkennen und so bleibt vielen Entwicklern nur der Weg über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter. Auch die Jungs hinter Storybricks setzen auf diese Möglichkeit und hoffen auf die Finanzkraft der Masse. Um das Projekt finanziell abzusichern, müssen sie 250.000 Dollar auftreiben - bis zum 01. Juni.

Ob das funktioniert, steht noch in den Sternen, denn die Masse, das hat sich gezeigt, hofft zwar auf ein gutes Spiel, ist aber selten bereit, auch nur einen müden Cent vorab in ein kleines Studio zu investieren. Stattdessen bestellt mal lieber die gnadenlos überteuerte Sammler-Edition eines gehypten Titels neun Monate vor dessen Erscheinen. Traurig, aber wahr.

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Entwickler der ersten Stunde

Hinter Storybricks steckt übrigens, neben einigen anderen Altmeistern der Branche, Entwickler-Urgestein Brian “Psychochild” Green, der als Schöpfer von Meridian 59 unbestritten als einer der Erfinder des MMOG-Genres gilt. Und für Storybricks hat Green einige Ideen, von dem das gesamte Genre auf jeden Fall profitieren würde.

Derzeit arbeitet man nämlich an einem System, das Spielern erlaubt, NPCs nach ihren Bedürfnissen zu gestalten und agieren zu lassen - mit jeweils ganz eigenen Verhaltensweisen ob nun als schlecht gelaunter Straßenhändler oder als Stadtwache, die aus persönlichen Gründen überhaupt nicht gut auf Elfen zu sprechen ist und das auch ganz offen zeigt. Das Ziel ist eine besondere Art von Sandbox, in der Spieler dadurch Geschichten schreiben, dass sie nicht nur die Onlinewelt an sich verändern, sondern vor allem auch deren Bewohner.

Angesichts solcher Ideen erscheinen 250.000 Dollar nicht einmal besonders hoch gegriffen. Doch leider steht der Zähler auf Kickstarter derzeit noch bei unter 10.000 Dollar und so kann man letztlich doch nur darauf hoffen, dass sich ein finanzkräftiger Investor findet, der die restliche Summe auf den Tisch legt. Es wäre auf jeden Fall schade, wenn Storybricks bald das selbe Schicksal ereilen würde wie Dominus.

Happy Birthday!

Doch wir haben auch noch ein paar beruhigende Nachrichten in dieser Woche, denn immerhin drei erfolgreiche Titel feiern ihr langjähriges Jubiläum. In der Der Herr der Ringe Online werden die Spieler nicht müde, gen Moria zu reisen und Turbine zumindest genügend Einnahmen zu bescheren, das virtuelle Mittelerde vor dem Untergang zu bewahren. Und wer weiß - vielleicht zimmert das Studio mit dem Geld ja auch schon heimlich an einem neuen Titel.

Noch öfter - und zwar bereits zum siebten Mal - jährt sich nun das Release von Guild Wars. Das Spiel ist zwar streng genommen kein echtes MMOG, bringt in einigen Wochen jedoch immerhin einen Nachfolger hervor, dem man diese Bezeichnung kaum streitig machen dürfte und der schon jetzt zu den wohl am sehnlichsten erwarteten Onlinespielen aller Zeiten gehört.

Der nächste wird rund!

Last not least feiert das MMOG mit dem beständigsten Wachstum aller Zeiten tatsächlich schon seinen neunten Geburtstag. EVE Online ist damals als Nischentitel mit wenigen zehntausend Spielern gestartet und zählt mittlerweile weltweit über 400.000 Abonnenten - Tendenz trotz Monatsgebühr: weiterhin steigend.

Herzlichen Glückwunsch an Turbine, ArenaNet und CCP - drei Studios, die uns in all den Jahren mit immer neuen Inhalten und Ideen bei Laune gehalten haben und die nicht zuletzt das gesamte MMO-Genre, das wir alle so lieben, bereichert haben. Mögen die kommenden Jahre für euch mindestens ebenso erfolgreich wie für uns unterhaltsam sein.

Wobei es mir an Unterhaltung in den nächsten Tagen ohnehin nicht mangeln wird, denn mein Gildenchef in TERA wartet schon darauf, dass ich langsam mal ein wenig nachziehe. Außerdem dürfte Anfang der kommenden Woche ein Zugang für The Secret World in mein Postfach flattern, mit dessen Hilfe sich dann hoffentlich einige der Fragen beantworten lassen, die mir zu diesem Spiel noch immer auf dem Herzen liegen. Und vielleicht weiß ich ja bis zur nächsten Ausgabe von Wiped! auch schon, was in Kingsmouth wirklich gespielt wird.

[Anm.d. Red. Und noch jemand feiert heute Geburtstag, den Frank vor lauter Begeisterung anscheinend ganz vergessen hat: Dies ist nämlich seine 100. Wiped!-Ausgabe. Herzlichen Glückwunsch, Frank! Du weißt, was gespielt wird ;) ]

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