Normalerweise herrscht so kurz vor Weihnachten eine gewaltige News-Flaute in der Games-Branche. Die wesentlichen Titel sind erschienen, die Entwickler längst nicht mehr in ihren Büros. Diesmal allerdings ebbt die Flut der Nachrichten kaum ab, scheint die Bescherung bei den Entwicklern auszufallen. Gut so, denn die Jungs sind uns in diesem Jahr eine ganze Menge schuldig geblieben.

Und weil es aktuell so viel zu berichten gibt und die letzte Ausgabe einem fiesen Drüsenfieber zum Opfer gefallen ist, wollen wir uns gar nicht lange mit Vorgeplänkel aufhalten und lieber gleich zum weihnachtlichen Rundumschlag ausholen, bevor wir in der kommenden Woche dann auf die Dinge schauen, die uns konkret im kommenden Jahr erwarten.

Borderlands Online - zu früh gefreut

Für Mainstream-Schützen und Konsolenbesitzer sind das mit Sicherheit die unausweichlichen und unverschämt teuren DLCs, mit denen Activision und Bungie ihre neue Mega-Marke dauerhaft am Markt zu positionieren hoffen. Damit allerdings lassen sich anspruchsvollere PC-Gamer nicht gerne abspeisen. Sie spielen lieber Warframe oder warten gleich auf Borderlands Online.

Letzteres wird es tatsächlich geben - allerdings nicht ganz so, wie man sich das im Vorfeld erhofft hatte. Borderlands Online wird nämlich in China und bis jetzt auch ausnahmslos für China entwickelt. Damit liegt der Verdacht nahe, dass der stark instanzierte Online-Shooter nicht den Erwartungen westlicher Borderlands-Fans gerecht werden wird, sofern die überhaupt je in den zweifelhaften Genuss kommen sollten.

Black Desert - Schere, Stein, Papier, Ritter, Schütze...

In den Genuss von Black Desert, das ist ja mittlerweile offiziell, werden wir bereits im kommenden Jahr kommen, denn bei Daum arbeitet man auf Hochtouren daran, eine westliche Vertretung aufzubauen. Ein paar ganz hartgesottene Fans haben auch jedoch jetzt schon einen Weg in die südkoreanische Open Beta gefunden. Sie zocken das Sandbox-MMO rauf und runter und scheinen sehr angetan zu sein, wie man auf YouTube und Twitch sehen kann.

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Besonderes Augenmerk scheinen die Entwickler von Black Desert aktuell auf die Belagerungen gelegt zu haben - ein Spielelement, das während der letzten Jahre äußerst stiefmütterlich behandelt wurde. Zwar verfügt fast jedes MMO über Belagerungen in der einen oder anderen Form, jedoch versäumten die Entwickler zumeist, dem Massengeplänkel auch einen tieferen Sinn zu verleihen. Zuletzt ist auch ArcheAge in dieser Disziplin gescheitert.

Interessant an Black Desert ist, dass die Südkoreaner einige Elemente aus der Echtzeitstrategie mit in die Belagerungen einbringen und jeder Waffen- bzw. Einheitengattung einen natürlichen Feind gegenüberstellen. So sind beispielsweise berittene Kämpfer in schwerer Rüstung extrem schwer zu stoppen - es sein denn, man verfügt über Gewehre.

Bless - Spieglein, Spieglein an der Wand

Was solche Details betrifft, so weiß man von Black Deserts direktem Konkurrenten Bless noch nicht ganz so viel. Klar ist jedoch, dass man sich im Kampf um den Titel des schönsten MMOGs aller Zeiten absolut nichts schenkt. In Sachen Optik werden Black Desert und Bless die Messlatte gleichermaßen nach oben setzen.

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Und wer sich bei Black Desert daran stört, dass nach aktuellem Stand der Dinge die eine oder andere Klasse geschlechtergebunden sein könnte, der wird sich möglicherweise über die Freiheiten bei der Charaktergenerierung von Bless freuen und darüber, dass dort anscheinend jedes Geschlecht auf jede Klasse zugreifen kann. Allerdings sind manche Klassen für gewisse Rassen gesperrt.

Camelot Unchained - aller guten Dinge sind drei Million

Um solchen Kleinkram brauchen sich weder die Fans noch die Entwickler von Camelot Unchained Gedanken machen. Insbesondere letztere haben mit der Entwicklung an sich schon genügend Probleme und müssen sich vorerst einmal mit ganz grundlegenden Dingen befassen und die Technik des PvP-MMOs pimpen - beispielsweise den noch immer mageren Sound. Helfen könnten dabei die Lizenz einer Audio-Engine sowie ein passender Mitarbeiter dazu.

Beides wollen sich die Jungs von City State Entertainment zulegen, wenn der aktuelle Crowdfunding-Zähler von derzeit 2,959,014 Dollar auf 3,025,000 Dollar klettert. Das ist auf jeden Fall möglich, denn mit knapp drei Millionen Dollar gehört der geistige Nachfolger zu Dark Age of Camelot zu den derzeit beliebtesten Indie-Projekten und folgt Richard Garriotts Shroud of The Avatar, mit nicht allzu großem Abstand.

Shards Online - Erfolg im zweiten Anlauf

Von solchen Millionenbeträgen ist Shards Online noch weit entfernt. Und doch geht es den Citadel Studios derzeit blendend und die Entwickler sind in Feierstimmung. Nachdem man nämlich mit dem ersten Crowdfunding-Anlauf gescheitert war, hat man im zweiten Anlauf mit über 100.000 Dollar immerhin die doppelte Summe von dem gesammelt, was man als Initialzündung benötigt hatte.

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Shards Online wird also entwickelt. Und das Team hat durchaus schon eine ordentliche Portion Arbeit geleistet, wie ein aktuelles Video beweist. Genug auf jeden Fall, um nebenbei festzustellen, dass sich die Entwickler bei Shards Online ganz offensichtlich an dem Design von Ultima Online orientieren - mit dem Unterschied eben, dass private Server mit ganz eigenen Regeln, Shards eben, von Anfang an fester Bestandteil des Spielkonzeptes werden.

Albion Online - die nächste Alpha kommt bestimmt

Grafisch könnte man Shards Online glatt mit Albion Online verwechseln, jenem isometrischen Sandbox-MMO, an dem das kleine Studio Sandbox Interactive gerade werkelt. Auch Albion Online setzt sichtbar auf Dinge, die UO damals erfolgreich gemacht hat, vor allem auf Sandbox-Mechaniken und PvP.

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Dabei profitiert die Entwicklung jedoch durchaus auch von Erkenntnissen, die man durch moderne Iso-Spiele wie Dota 2 oder Path of Exile zwischenzeitlich gewonnen hat. Und wer nun möglichst bald mal selber schauen möchte, wie sich Albion Online so schlägt, der ist ab 49,95 Dollar garantiert mit von der Partie und unterstützt damit gleichzeitig das derzeit vielversprechendste deutsche MMO-Studio.

Immune - bis H1Z1 zuschlägt

Alternativ könnte man sich auch mal Immune anschauen. Dessen Entwickler hoffen derzeit, auf Steam grünes Licht zu bekommen und bieten einen Early-Access-Zugang für Immune als Weihnachts-Aktion für 10 Dollar an. Immune verknüpft Survival-Elemente mit denen von MMOs und will auf humorvolle Art von Spielen wie DayZ, Rust und Stalker inspiriert sein.

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Und vom Sandbox-Survival-MMORPG H1Z1 natürlich, das bereits viel zu lange auf sich warten lässt. Doch am 15. Januar soll H1Z1 dann endlich ausbrechen, das Spiel in den Early Access gehen. So versprechen es zumindest John Smedley und die Leute von Sony Online Entertainment, für die H1Z1 das zweite heiße Eisen im Feuer ist - neben EverQuest Next.

EverQuest Next Landmark - Monster im Anmarsch

Wie weit SOE mit EverQuest Next ist, lässt sich indirekt an dem Entwicklungsstand von EverQuest Next Landmark ablesen. Dieser virtuelle Bau- und Experimentierkasten sieht zumindest schon mal recht hübsch aus und bietet üppige Möglichkeiten, zu buddeln und zu bauen. Was bislang jedoch noch fehlte, waren jene virtuellen Wesen, die ein MMO eigentlich erst zum Spiel machen.

Entsprechend gespannt wartet die Community derzeit darauf, dass die Mobs durch die Welt von EverQuest Next Landmark streunen. Doch noch stecken sie irgendwo fest und bei Sony Online Entertainment scheint man gewisse Probleme damit zu haben, den Patch wie geplant aufzuspielen. Drücken wir den Jungs mal die Daumen.

Elite Dangerous - die Milchstraße wartet

Die Daumen hatte ich auch David Braben gedrückt, denn wenn das Release eines MMOs schon für die großen Publisher ein hartes Stück Arbeit ist - wie schwierig muss es dann erst für ein Indie-Studio sein? Doch der Pionier der Gaming-Branche hatte anscheinend nicht die geringsten Probleme, Elite: Dangerous und damit die größte virtuelle Galaxis aller Zeiten, aufzuschalten.

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Damit steht dann also fest, dass ich mein Dasein in den nächsten Tagen weniger unter dem Weihnachtsbaum als im engen Cockpit meiner Sidewinder verbringen werde - zumindest bis ich genügend Credits zusammen habe, um mir eine größere Kiste zu leisten. Das ist auf jeden Fall ein Abenteuer, von dem ich ein andermal erzählen werden.