Es ist ein Albtraumszenario für jeden Onlinespieler: man begeistert sich für ein neues MMOG, spielt für einige Wochen voller Freude, steckt viel Mühe und Zeit in den digitalen Sprössling und plötzlich wird man mit voller Wucht vom Banhammer aus den virtuellen Socken gehauen. Die Schuld, das ist angesichts der eigenen weißen Weste klar, muss beim Publisher liegen. Doch so populär diese Ansicht in der Szene auch sein mag - Wiped! teilt sie nicht uneingeschränkt.

Genau vier Wochen sind vergangen, seit dem Start des geliebten neuen Onlinespiels. Es ist der Tag, an dem für viele Spieler die Lichter ausgehen, an dem sie urplötzlich keinen Zugriff mehr auf ihre Charaktere haben, weil ihnen der Publisher den Zugang versperrt. Zu Unrecht, wie die ersten Betroffenen bald im Forum beteuern. Erste Emotionen kochen hoch. Schnell kommen weitere Leidensgenossen hinzu, die über ähnliche Probleme berichten und nicht minder unschuldig sind.

Verschwendete Lebenszeit

Auf unzähligen Forenseiten werfen die Ausgesperrten und ihre Sympathisanten alle Informationen in einen Topf, rühren kräftig um und kommen zu einem übereinstimmenden Ergebnis: der Fehler liegt im System des Publishers. Erste Gespräche mit Support-Mitarbeitern werden veröffentlicht. Man findet gemeinsam Widersprüchliches und enttarnt die Verschleierungstaktiken und den generalstabsmäßigen Betrug. Man wurde um sein Geld geprellt und nichts und niemanden scheint das zu kümmern.

Jedenfalls nicht sofort, denn was nützen Antworten vom Support, in denen man um etwas Geduld gebeten wird, wenn man doch den ganzen Tag sinnlos vor dem Rechner hockt, im Minutentakt versucht einzuloggen und nichts passiert. Das ist verschwendete Lebenszeit, die allein der Publisher zu verantworten hat. Spätestens jetzt werden die ersten Rufe nach rechtlichen Konsequenzen laut, von Schadensersatz ist da die Rede und von ganz offensichtlichen Ansprüchen auf Schmerzengeld.

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Der Händler des Vertrauens

Die Hasstiraden mancher Forenbewohner nehmen auch dann noch kein Ende, als die lautesten Beschwerdeführer plötzlich komplett verstummen und die ersten Spieler darüber berichten, dass ihnen geholfen wurde und sie längst wieder Einlass gefunden haben. Das Problem scheint beseitigt, doch die Diskussion wird umso erbitterter an anderer Stelle weitergeführt, als ein unverschämter Moderator des “Drecks-Publisher” das Thema für erledigt erklärt und dicht macht.

So geschehen ist das in letzter Zeit bei fast jedem MMO und aktuell bei TERA. Doch obwohl Frogster durchaus recht zügig reagiert hat und die meisten unrechtmäßig Ausgesperrten längst wieder im Spiel sein dürften, schauen einige Spieler noch immer in die Röhre, weil sie vom Händler ihres Vertrauens einen Schlüssel zum Spiel bekommen haben, der jetzt auf einmal nicht mehr passen soll.

Auf Freundlichkeit getrimmt

Und da Frogster so kurzfristig auch nicht weiterhelfen kann, klopft man eben mal beim 24-Stunden-Chat des Dealers an und erfährt von Mitarbeitern, die sympathischer nicht wirken könnten, dass mit dem Key alles in Ordnung gewesen sei. Na bitte - also muss die Schuld ja wohl beim Publisher liegen. In den meisten Fällen wohl eher nicht. Denn längst darf man davon ausgehen, dass sich im Genre mehr Betrüger tummeln als ehrbare Händler.

Deren Intention ist meist die selbe, die Methoden allerdings höchst unterschiedlich. Besonders verbreitet ist dabei der Verkauf von illegal generierten Codes. Das fällt oft weder dem Kunden auf noch dem Betreiber - zumindest so lange nicht, bis durch Zufall der selbe Zugangscode plötzlich doppelt im System auftaucht. Gerne zahlen unlautere Händler aber auch mit gestohlenen Kreditkarten-Informationen.

Das große Geschäft mit den kleinen Beträgen

Wenn man diversen Studien Glauben schenken darf, interessiert es eine Vielzahl von Kartenbesitzern nicht einmal, wenn ab und zu Zahlungen unter 100 Dollar vorgenommen werden. Und bis der Publisher dann mit dem Ende des Freimonats bemerkt, dass eine Zahlungen zurückgebucht wurde und den Account sperrt, ist manch einer schon längst nicht mehr im Spiel unterwegs, um sich darüber zu beschweren.

Und gerade weil das so ist, haben viele der betrügerischen Händler auch kein Problem damit, bei eventuellem Ärger einfach die nächste Zahlung vorzunehmen - Kreditkarteninformationen hat man ja genug und so sichert man sich immerhin einen treuen Kunden, der bei Problemen in Internetforen dann brav publiziert, dass er mit diesem Händler zufrieden sei und absolut keine Probleme gehabt habe.

Frische Ware vom Farmer

Überhaupt werden zwielichtige Webseiten von Spielern immer wieder als seriös verteidigt, nur weil deren Werbebanner auf angesehenen Seiten auftauchen oder diverse Auszeichnungen als vertrauenswürdiger Händler und oft pixelige Logos großer Firmen den Shop zieren, bei denen wahrscheinlich niemand ahnt, welch unlautere Partnerschaft man hier eingegangen sein soll. Dass für derlei vertrauensbildende Spielerei allenfalls rudimentäre Photoshop-Kenntnisse nötig sind, sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben.

Außerdem halten die Adressen solcher Webseiten meist keiner genaueren Überprüfung stand - ob sie nun auf .com enden oder auf .de - sie führen zu nichts weiter als zu einem Briefkasten mitten in irgendeiner Großstadt - wenn überhaupt. Wenn dann, neben unglaublich günstigen Games und Spielzeit-Codes, auch noch Accounts zu diversen Onlinespielen und Ingame-Gold angeboten wird, sollte spätestens auch der gutgläubigste Gamer stutzig werden.

Und die Moral von der Geschicht’

Es gibt sie durchaus - die großen und kleinen, die echten Händler mit Sitz und Adresse in Deutschland, die sich über Jahre hinweg einen guten Namen gemacht haben. Erkundigt euch. Das Spiel mag dort ein paar Euro teurer sein, doch dafür habt ihr im Streitfall auch die Möglichkeit, notfalls vor Gericht für eure Recht zu kämpfen. Bei Firmen, die ihr Hauptquartier in einem Briefkasten in Hong Kong haben, sieht es da vergleichsweise düster aus.

Denn seid ihr einem der unglaublich zahlreichen Betrüger aufgesessen, kann euch auch der Publisher nicht mehr helfen. Der hat für den gesperrten Account keinen müden Cent gesehen und könnte, würde er aus der oft geforderten Kulanz heraus jeden illegalen Account weiterlaufen lassen, seinen Pforten auch gleich dicht machen.

Die große Show

Doch genug der mahnenden Worte - insbesondere zum Ende der Woche hin gab es nicht nur negative Schlagzeilen in der Branche. Im Hinblick auf die nahende Spielemesse E3 kommen jetzt so manche Publisher, um die es in den letzten Wochen doch arg still geworden war, aus ihren Löchern gekrochen und so langsam dürfen wir uns darauf einstellen, dass in diesem Jahr noch so mancher Knaller auf uns wartet.

Insbesondere Trion schreitet mal wieder als vielleicht fleißigstes Zugpferd der Branche voran und haut nicht nur für jeden der drei Titel einen eigenen Trailer raus, sondern kündigt ganz nebenbei auch mal eben so die erste Erweiterung für Rift an, das angesichts der jüngsten Hiobsbotschaften aus BioWares alter Republik ohnehin schon wieder gehörig an Spielern zugelegt zu haben scheint.

Rift - Storm Legion

Anders als die meisten Unternehmen hat Trion nach Release von Rift keine Mitarbeiter entlassen und so im Laufe des letzten Jahres massive inhaltliche Arbeit geleistet. Umso erstaunlicher, dass man offenbar nebenbei auch noch an einer ersten Erweiterung arbeiten konnte, die den Titel Storm Legion trägt und das Spiel inhaltlich noch einmal ordentlich erweitern soll.

Rift: Storm Legion - Addon Trailer2 weitere Videos

Dazu gehören zwei neue Kontinente, die fast dreimal so groß sein sollen wie die bisherige Landmasse, zehn neue Stufen, vier neue Seelen, sieben Dungeons, drei Schlachtzüge und ein Koloss, der in der Lage sein soll, die Welt tatsächlich zu verwüsten. Auf Veränderung setzen auch die sogenannten Dimensionen - von Spielern anpassbare Bereiche, die wohl ganz stark in Richtung Housing gehen. Dazu kommen unzählige Kleinigkeiten, für die allein manch anderer Publisher schon eine eigene Versionsnummer bemühen würde.

Das geplante Drei-Fraktionen-PvP hat übrigens nichts mit der Erweiterung zu tun und wird aller Voraussicht nach schon früher auf den Live-Servern zur Verfügung stehen. Storm Legion selbst ist dann für den Herbst geplant und wenn Trion jetzt nicht komplett von der bisherigen Linie abweicht, dürfte man sich spätestens zum Weihnachtsgeschäft über einen beachtlichen Schub von Neuspielern und Rückkehrern gleichermaßen freuen.

End of Nations - von Profis für Profis

Ebenfalls im Herbst will Trion außerdem End of Nations veröffentlichen, jenes Echtzeitstrategiespiel, an dem die ehemaligen Westwood-Mitarbeiter bei Petroglyph auf Hochtouren arbeiten - darunter ein paar jener Veteranen, die mit Dune 2 quasi das Genre erfunden haben. Dass End of Nations free to play werden soll und man sich dabei an dem fairen System von League of Legends oder Heroes of Newerth orientieren will, sorgte schon im Vorfeld für Begeisterung bei den Fans gepflegter RTS-Games.

End of Nations - Das Spiel des Jahrhunderts E3 Trailer2 weitere Videos

Wie viel Action dann tatsächlich in solchen Matches stecken kann, deutet jetzt der aktuelle E3-Trailer an, der nebenbei auch zeigt, dass man bei Petroglyph ganz stark darauf setzt, dass der Titel von den eSportlern angenommen wird, von den man weiß, dass sie gleichzeitig  auch als Publikumsmagneten auf all jene wirken, die an einer spielerischen Herausforderung nichts auszusetzen haben.

Defiance - auf allen Kanälen

Nicht minder spannend sind derweil die Neuigkeiten, die man aus dem dritten Studio des Publishers so hört. Der MMO-Shooter Defiance nimmt, wie man im aktuellen Trailer sehen kann, langsam Formen an und das Release ist für den April 2013 geplant. Trion setzt dabei auf eine Mischung aus MMO-Mechanik und klassischen Konsolen-Shootern wie Halo und Konsorten.

Defiance - E3 Trailer 20122 weitere Videos

Der Clou bei Defiance: die Verknüpfung des Onlinespiels mit der gleichnamigen Science-Fiction-Serie, die in Kooperation mit dem Sender SyFy produziert wird. Onlinespiel und Serie sollen sich dabei gegenseitig beeinflussen - so zumindest die Theorie. Wie das in der Praxis funktionieren soll, darüber hüllen sich die Macher bislang noch weitgehend in Schweigen. Umso mehr freuen sich die Fans jetzt über den Trailer und hegen die Hoffnung, dass Trion zur E3, spätestens aber zur gamescom im August, ein paar Details verraten wird.

Ausblick

Und wenn das geschieht, sind wir natürlich zur Stelle, um darüber zu berichten. Schon jetzt zeichnet sich außerdem ab, dass Trion zwar den opulenten Anfang gemacht hat, was Ankündigungen betrifft, andere Publisher aber in jedem Fall nachziehen werden. Und so werden die Neuigkeiten rund um die MMOs der E3 zum Schwerpunktthema der nächsten Ausgabe von wiped!, damit ihr wisst, was in Los Angeles gespielt wird.