Lange schien es, als sei die MMO-Branche von einer schweren Depression geplagt. Spiele wurden eingestellt, Server verschmolzen, Hundertschaften von Designern entlassen. Doch mit dem ersten Frühling des neuen Jahrzehnts scheint die gesamte Szene neu aufzublühen. Wir haben das Frühlingserwachen beobachtet und festgestellt, dass es nicht immer nur die jungen Pflänzchen sind, die alle Blicke auf sich ziehen...

Masse statt Klasse?

180 Millionen Spieler beschäftigen sich weltweit mit MMOs. Der durchschnittliche Fan verbringt dabei 20 bis 40 Wochenstunden in virtueller Umgebung – der Profi bringt es gar auf 40 bis 60 Stunden. Mit einem geschätzten Wert von 40 Milliarden Dollar ist die Branche mittlerweile ein wirtschaftliches Schwergewicht, und jede Sekunde verteilen sich etwa 1.200 weitere Dollar auf den Konten der Publisher.

Und wer glaubt, dass mit diesen Zahlen bereits das Ende der Fahnenstange erreicht sei, irrt. Analysten rechnen mit einer Verdreifachung des Umsatzes innerhalb der nächsten Jahre, denn in Schwellenländern wie Indien und China hat die digitale Revolution gerade erst begonnen. Tolle Sache, mag sich mancher Spieler denken. Allerdings hat das alles auch einen Haken, denn mit der wachsenden Zahl potentieller Kunden verlieren die unzähligen Neuerscheinungen scheinbar immer mehr an Klasse.

Das liegt vor allem daran, dass die Entwicklerteams mittlerweile immer fester in den Schraubstock der Wirtschaftlichkeit eingespannt werden. Analysten machen Muster des Erfolges aus und Investoren erwarten, dass das neue Produkt nach genau diesen Mustern gestrickt wird. Ein zweites World of Warcraft als Garant für den Erfolg?

Alganon – wer bekommt den Schwarzen Peter?

Für David Allen schien dieser Erfolg zum Greifen nahe. Er philosophierte regelmäßig an amerikanischen Entwickler-Akademien als Gastprofessor und war sich dabei stets sicher, mit seinem MMO Alganon den Geschmack der Massen getroffen zu haben. Das Ergebnis: ein erschreckend dreister Klon der blizzardschen Vorlage und schon jetzt heißer Kandidat für den MMO-Flop des Jahres.

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Das Gerangel hinter den Kulissen von Alganon ist spannender als das Spiel selbst.
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Der Gastprofessor hatte bei der Entwicklung vergessen, was all die Jungs und Mädels wissen, die in diesen Tagen über ihrem Deutsch-Abi brüten: Ein Bestseller lässt sich eben nicht so einfach nach System entwickeln. Allens Nachfolger Derek Smart hat jetzt als neuer Chef von Quest Online die undankbare Aufgabe, das Spiel wieder auf Kurs zu bringen. Nebenbei hat er seinem Vorgänger Allen sogleich ein Zeugnis ausgestellt, das sich gewaschen hat. Jetzt liefern sich die beiden Entwickler eine Schlammschlacht, die auf jeden Fall mehr Unterhaltungswert besitzt als Alganon selbst.

Unser MMO-Tipp der Woche: TERA

Google – Games powered by Google?

Doch warum ist die Entwicklung eines MMOs eigentlich so kompliziert? Auf der Suche nach neuen Geschäftsbereichen hatte auch Internet-Gigant Google in der Vergangenheit schon mit der spaßigen Software experimentiert, die geplante virtuelle Welt namens Google Lively aber schnell wieder ad acta gelegt. Jetzt scheint man allerdings einen neuen Vorstoß zu wagen und hat mit Mark DeLoura einen echten Spieleexperten als „Developer Advocate for Games“ rekrutiert.

Was genau Google plant, will und darf DeLoura zwar noch nicht verraten, allerdings wird gemunkelt, dass dabei die browserbasierte Open Source O3D-Technologie zum Einsatz kommen soll. Plant Google das ultimative Browserspiel? Oder gibt man den Moddern ein mächtiges Werkzeug an die Hand, mit dem sie nach Lust und Laune eigene Onlinewelten erschaffen können? Es dürfte sich lohnen, den neuen Googler Mark DeLoura in Zukunft etwas zu bestalken.

TERA – alles was Rang und Namen hat

Rekrutiert wird derzeit auch bei En Masse Entertainment und dem Bluehole Studio, einem äußerst interessanten Unternehmensgespann. Während das Bluehole Studio von Südkorea aus an der Entwicklung von TERA arbeitet, übernimmt En Masse das Publishing und steuert die Feinheiten vom Westen aus. Das alles klingt noch wenig spektakulär – bis man sich anschaut, wer so alles für die Unternehmen arbeitet.

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Hinter TERA stehen einige bekannte Branchengrößen.
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Aktuell rekrutiert wurden Aaron LeMay (Volition), Matt Atwood (Bioware), David Noonan (Dungeons and Dragons Tabletop). Geführt wird En Masse von Dr. Jae-Heon Yang, früher Technologiechef bei NCsoft. Ihm zur Seite stehen Patrick Wyatt (Blizzard, Arena.Net, NCsoft), Chris Lee (EA, Microsoft, NCsoft) und Brian Knox (NCsoft).

Die kreative Arbeit bei Bluehole wird derweil von niemand geringerem gelenkt als Yong-Hyun Park. Der war früher Chef von Endeavor & Guts – jenem legendären Team, das mit Lineage 2 eines der erfolgreichsten MMOs aller Zeiten erschaffen hatte und das dann nach einem gigantischen internen Streit bei Ncsoft quasi über Nacht ausgeschieden war.

TERA - Klassen Trailer2 weitere Videos

Die Jungs von E&G, so wurde gemunkelt, hatten ihre bisherigen Arbeiten so gut geschützt, dass NCsoft kaum etwas davon nutzen konnte. Das damals geplante Lineage 3 wurde bis auf unbestimmte Zeit auf Eis gelegt und Aion von Grund auf neu entwickelt.

Schaut man sich nun die Bilder und Videos zu TERA an, erhärtet sich der Verdacht, dass uns hier ein inoffizielles Lineage 3 ins Haus stehen könnte, bei dem, so verkündet das junge Unternehmen, die „Maximierung von Profit zwar ein wichtiges Ziel“ sei, gleichermaßen jedoch eine „Vision verwirklicht werden soll, bei der man die Kern-Tugenden nicht aufgeben darf“. Eine versteckte Kritik an NCsoft? Die Südkoreaner wollen TERA auf jeden Fall noch in diesem Jahr in die Beta schicken.

Earthrise, EvE, WAR: Die Kurznachrichten

Sperrstunde für Zocker-Nachwuchs

Zwischenzeitlich schickt in Südkorea das Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus die Sprösslinge der Nation schon mal in den Schlaf. Minderjährige werden nämlich kraft eines neuen Gesetzes im „nighttime shutdown“ künftig für mindestens sechs Stunden von ihrer Lieblingswelt getrennt. Damit sagt man der Spielesucht den Kampf an, die längst weltweit erste Opfer gefordert und manch einem Schüler das Zeugnis versaut hat. Ob auch unser Gesetzgeber den Kids bald ihr nächtliches Vergnügen sabotiert?

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Was plant Google? Der Internet-Riese drängt ins Spielegeschäft.
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Earthrise – verspätet geht die Erde auf

Mit Sabotage haben derzeit auch die Jungs von Masthead zu kämpfen. Die wollten eigentlich längst ihr PvP-MMO Earthrise vollenden, doch ein böser Robot-Assassine namens Jaberwokie habe die Schlüsselfiguren im Studio ausgeschaltet und so den Entwicklungsprozess verlangsamt, vermeldet man in einer Nachricht aus dem Notfall-Stützpunkt. Earthrise wird also nicht im zweiten Quartal erscheinen, sondern „when it is ready“.

Warhammer Online – weg mit dem PvE!

Längst fertig aber nicht perfekt ist Warhammer Online. Insbesondere die Städte-Schlachten wurden in der Vergangenheit immer wieder kritisiert. Erfreulich, dass Mythic jetzt reagiert und die Konzeption mit Patch 1.3.5 komplett ändert. Fortan sollen die PvE-Elemente aus den Belagerungen verschwinden. Die Fraktionen haben dann ein Zeitfenster von zwei Stunden, um in der Auseinandersetzung zwischen zweimal 24 Spielern den gegnerischen Obermotz zu töten.

EVE Online – PvP für die Oberliga

Ebenfalls ums PvP geht es einmal mehr in EVE Online, wo man sich noch bis zum 23. April für das kommende Allianzturnier bewerben darf. Die Teilnahme kostet lächerliche 2 Milliarden ISK und endet für die meisten Piloten auf dem galaktischen Schrottplatz. Für Außenstehende allerdings verspricht das Aufeinanderprallen der Giganten spannende Stunden mit den spektakulärsten Szenen, die man aus dem Sci-Fi-MMO zu sehen bekommt.

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Kurios: So spielt der EvE-Spieler von heute!
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Und wer glaubt, dass man in EVE Online nur mit illegalen Mitteln eine ganze Flotte alleine steuern könne, den belehrt Zhek Kromtor eines Besseren. Im Einklang mit den von CCP festgesetzten Bedingungen hat er der langjährige Fan mit seiner Hardware, diversen Stöckchen und Klebeband ein außergewöhnliches Setup geschaffen, mit dem er es ganz legal im Handumdrehen zu virtuellem Reichtum bringen kann.

Aika Online – wir müssen leider draußen bleiben!

Etwas schwieriger mit dem Reichtum wird es da schon für die Jungs hinter Aika Online, einem free to play MMO, das insbesondere auf die Liga der PvPer zugeschnitten ist. Das Spiel lockte schon während der Closed Beta Spieler aus aller Welt an. Jetzt allerdings hat der Spielspaß für uns vorerst ein Ende, denn Publisher gPotato besitzt lediglich die Rechte für den Vertrieb in den USA. Spieler aus anderen Teilen der Welt haben mittlerweile keinen Zugang mehr.

Die internationale Community ist auf jeden Fall außer sich und sorgt im offiziellen Forum für kriegsähnliche Zustände. Liebe Leute – es ist bekannterweise nicht ganz ungefährlich, PvPer derart zu verprellen. Das Team von Aika verspricht indes, dass man sich der Sache annehmen werde. Bis zum 30. April erbittet man sich allerdings noch Zeit.

Aika Online - Aktuelle Screenshots

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DC Universe Online – Chat mit den Entwicklern

Etwas offener zeigen sich da schon die Jungs von SOE, die sich um Mitternacht von Sonntag auf Montag im Chat via Facebook den Fragen der Fans von DC Universe Online stellen wollen. Erwartet werden unter anderem Game Director Chris Cao und Produzent Wes Yanagi. Interessenten suchen einfach in Facebook nach der DC Universe Online fan page.

Alte Welten in neuem Glanz

Und was machen wir am Wochenende? Wir werden uns vorwiegend in alte Welten begeben, zur Vorbereitung auf die kommenden Updates ein paar Sprünge in EVE Online machen, Runes of Magic auf den neusten Stand bringen und König Conan nach langer Zeit einen Besuch abstatten. Außerdem schauen wir uns die brandneue Mission der Khitomer in Star Trek Online an, mit der Cryptic weitere Endgame-Inhalte in das Spiel geschaufelt hat.

Und dann tun wir das Undenkbare. Wir eliminieren endgültig unseren Charakter und wechseln nach einwöchiger Wartezeit am Samstag die Seiten in Aion – verraten die Elyos und treten den Truppen der Asmodier bei. Vielleicht sieht man sich ja bald im Abyss. Ihr wisst auf jeden Fall, was gespielt wird.