Die Osterfeiertage sind vorüber und wieder einmal mussten wir Zocker schmerzlich feststellen, wie schnell die Zeit doch vergeht, wenn man so richtig Spaß hat. Und als wäre das an sich nicht schon tragisch genug, gieren wir trotzdem weiter nach noch mehr Spaß und suchen nach noch besseren Methoden, unsere Zeit durch den Besuch virtueller Welten möglichst schnell verrinnen zu lassen. Wiped! - Die MMO-Woche gießt dabei noch gewaltig Öl ins Feuer.

Während jeder halbwegs normale Mensch in der vergangenen Woche auf großer Ostereierhatz über grafisch brillant in Szene gesetzte Real-Life-Wiesen gekrochen ist, haben wir uns für euch in die düstersten Untiefen zahlloser Welten, Foren und Blogs begeben. Gefunden haben wir dabei zwar keine bemalten Eier, doch immerhin einige bunte Branchenvögel und deren Machwerke. Und so kommt es, dass wir uns in der zweiten Ausgabe von Wiped! nicht nur mit MMOGs beschäftigen wollen, sondern auch mit deren Schöpfern.

Star Wars: The Old Republic – Fußstapfen im Sandkasten

Einer davon ist Damion Schubert, der als Principal Lead Systems Designer federführend für das heiß ersehnte Star Wars: The Old Republic verantwortlich zeichnet und nebenbei am Entwickler-Tagebuch schreibt. In der aktuellen Ausgabe philosophiert er ausgerechnet über das Thema Sandbox, das uns in der vergangenen Ausgabe von Wiped! so sehr beschäftigt hat.

Zu Beginn seines Aufsatzes demonstriert Schubert geballtes historisches Fachwissen und berichtet von der Erfindung der massivlichen Vielspielerunterhaltung im Jahre 1978, um dann die alles entscheidende Frage aufzuwerfen: Sollten MMOs linear als Spiel entwickelt werden oder doch eher als Simulation einer Welt – kurz Sandbox?

Oberflächlich gebuddelt
Doch so sehr man den Ansatz dieses Gedankenspiels auch begrüßen muss, so wirr werden Schuberts Ausführungen im Folgenden. Die Tiefe von offenen Onlinewelten entstehe aus der Interaktion von Spielern, die für ihren Spaß selbst verantwortlich seien, glaubt der Designer und stellt dem die Philosophie von linearen Onlinespielen gegenüber, bei denen hingegen von Hause aus für Spaß und Balance gesorgt sei. Aha! Die Sandbox macht also keinen Spaß.

Dem Mann von Bioware zumindest nicht, denn die bösen Bewohner „haben die Möglichkeit, alles um sie herum zu benutzen und zu missbrauchen, andere Spieler eingeschlossen.“ Außerdem, so findet Schubert, erreichten die Aktionen der Bewohner linearer Welten mehr Tiefe. Spätestens an dieser Stelle fragt sich der erfahrene MMOler, in welchen Sandkästen Schubert da bisher gebuddelt haben mag – und wie tief.

Rückbesinnung auf alte Werte

Außerdem hat man bei Bioware erkannt, dass kaum ein derzeit existierendes Crafting-System zufriedenstellend ist, denn wirklich passionierte Crafter sollten sich einen Namen machen und für die Spielwelt wichtig werden können. Eine tolle Idee – allerdings nicht ganz neu, denn in Ultima Online brachten es schon in den 90ern die Großmeister der Schmiedekunst zu einigem Ruhm.

Doch wir wollen mal den Teufel nicht an die Wand malen. Bioware scheint mit Star Wars: The Old Republic einen Mittelweg zwischen linearem Onlinespiel und Sandbox beschreiten und die besten Elemente aus beiden Welten bieten zu wollen. Tolle Sache. Wir hoffen inständig, dass dieses Vorhaben gelingt, denn die alte Republik ist momentan der wahrscheinlich hellste Stern am massiven Spielehimmel.

Garriott sagt Tschüss, STO fragt Spieler um Rat

Richard Garriott – den Noob im Visier

Mit Sternen kennt sich auch Raumfahrer Richard Garriott aus, der immerhin für einige Tage auf der ISS in der wohl berühmtesten WG unserer Galaxis wohnen durfte. Dort kam ihm dann die Erkenntnis, dass die Zukunft nicht mehr bei den komplexen Welten liegt, sondern im Kleinen, bei den Casual Games. Die will er fortan entwickeln, wendet sich also endgültig von den Profizockern ab und nimmt ab sofort die Noobs ins Visier. Die Szene sagt Tschüss zu Lord British und nimmt dabei den Fortgang des Altmeisters ausgesprochen gelassen – Tabula Rasa sei Dank.

Wiped! - Die MMO-Woche - Ausgabe #2: Kein Sandkasten in Old Republic, Garriott sagt Tschüss

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Richard Garriott nach seinem Weltraumausflug.
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Fallen Earth – Lee Hammock hinterlässt verbrannte Erde

Ebenfalls Good-bye sagt Lee Hammock. Das ist jener Mann, der als Chefentwickler bei Icarus bisher nachhaltig für die Endzeitwelt Fallen Earth verantwortlich war. Anders als Kollege Garriott setzt Hammock allerdings nicht auf leichte Unterhaltung, sondern wandert zu den Gargantuan Studios ab. Dort will er dann das anstehende Marvel Universe Online prägen – Spiderman und Hulk gegen Superman und Batman zu Felde führen, die in DC Universe Online im Team von SOE die Welt retten sollen.

Auch wenn Lee Hammock mit Fallen Earth nach Ansicht der Fans verbrannte Erde hinterlässt, sollte man sich das Spiel probeweise durchaus mal etwas näher ansehen. Es versprüht zumindest einen Hauch von Sandbox und hat es in den USA, trotz des extrem holprigen Starts, bereits zu einiger Beliebtheit gebracht.

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Lee Hammock wird jetzt Superheld.
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Star Trek Online – Undank ist der Welten Lohn

Beliebt wollten sich auch die Jungs von Cryptic machen, die nicht nur das Superhelden-MMOG Champions Online im Sortiment haben, sondern seit kurzem auch das umstrittene Star Trek Online. Das sollte ein Advisory Council verpasst bekommen, in dem eine Gruppe von Fans sitzt, die bei der Entwicklung künftiger Updates zu Rate gezogen werden soll.

So gut dieser Plan auch klingen mag, er sorgte für kriegsähnliche Zustände in den Foren. Und was in Form von EVE's Council of Stellar Management bereits etabliert ist und wunderbar funktioniert, scheint für STO undenkbar. Dass nämlich nur eine einzige Gruppe von Spielern stellvertretend an der Entwicklung des Titels beteiligt werden soll, verstößt bei der Mehrheit der Trekkies gegen die entscheidende Direktive der Gleichberechtigung. Da kritisiere Damion Schubert noch einmal die vergleichsweise zahmen Communitys der Sandkästen.

Warhammer Online – kritische Allianz

Auch Mythic setzt beim Kampf um die Gunst der Spieler auf Vermittler. Dabei ist Produzentin Carrie Gouskos für Warhammer Online kein Wagnis zu groß, denn sie bestellte doch tatsächlich die bekanntesten Blogger ins Studio, um sie mit den Entwicklern bekannt zu machen. Wir sind gespannt, ob sich die harschen Kritiker von der charmanten Lady zähmen lassen oder das Kriegsbeil in die Höhle des Löwen getragen wird.

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CCP in Afrika.
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EVE Online – CCP ganz oben

Kein Kriegsbeil, sondern eine Flagge haben die Jungs von CCP getragen. Und zwar direkt auf den Gipfel des Mount Kilimanjaro, den höchsten Berg Afrikas. Die Isländer treten dabei auch in die Fußstapfen der Deutschen, die den Berg von 1902 bis 1918 besetzt hielten, als er noch als Kaiser-Wilhelm-Spitze bekannt war. Wir hoffen, dass die hartgesottenen Entwickler auch den Abstieg meistern, damit wir wie geplant am 18. Mai in Tyrannis unsere Flagge in den nächstgelegenen Planeten rammen dürfen.

Inder kaufen Codemasters, Final Fantasy IV nimmt Gestalt an

Codemasters – indische Einflüsse

Eroberungswütig scheint derzeit auch die aufstrebende Wirtschaftsnation Indien. Mit Reliance Big Entertainment hat sich nämlich ein indisches Unternehmen mit 50 % bei Publisher Codemasters eingekauft. Noch weiß niemand, welche Folgen das auf das Line-up haben wird. Wird Dungeons and Dragons Online hierzulande free to play wie in den USA? Ist das heiß ersehnte und unbekannt verschobene Jumpgate Evolution gefährdet? Wir behalten die neue Firmenkonstellation auf jeden Fall im Auge.

City of Heroes – Nachfolger im Anmarsch?

Das hatten wir auch im Fall von NCsoft getan und so ist uns nicht entgangen, dass man sich dort die Rechte am Namen City of Heroes 2 gesichert hat. Das musst erst einmal nichts, kann jedoch alles bedeuten, denn der Publisher möchte die Gerüchte derzeit weder bestätigen noch dementieren und erklärt lediglich, dass man sich über den Erfolg des Franchise und auf dessen Zukunft freue.

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Final Fantasy XIV nimmt allmählich Gestalt an.
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Final Fantasy XIV – glücklich ist, wer römische Zahlen lesen kann!

Nicht minder große Freude herrscht bei den Fans von Final Fantasy XIV. Die werden derzeit nämlich ordentlich mit Infos zum heiß ersehnten Titel versorgt. Auf der offiziellen amerikanischen Webseite sind erstmals die fünf Rassen samt jeweils zwei Untergruppen einsehbar, genannt Clans.

Ebenfalls frei verfügbar, allerdings weniger offiziell, waren kurzzeitig auch die Rhythmen zum Spiel, die findige Tester aus der Alphaversion gezogen und auf YouTube gestellt hatten. Aus rechtlichen Gründen musste das Liedgut allerdings wieder entfernt werden und kursiert mittlerweile nur noch in den dunklen Hinterzimmern einschlägiger Communitys.

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Dungeon Fighter Online: unfassbar erfolgreich in Asien.
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Dungeon Fighter Online – folge den 197.000.000 Spielern!

Etwas offener geht es da schon bei Dungeon Fighter Online zu. Wie, das kennt ihr noch nicht? OK - wir auch nicht. Allerdings kann der Free-to-play-Titel allzu schlecht nicht sein. Immerhin sind 197 Millionen Spieler in Asien mit wachsender Begeisterung dabei. In den USA bereitet sich gerade Publisher Nexon auf den Ansturm der Massen vor, die das horizontal scrollende Action-MMO ab Juni in der westlichen Welt besiedeln sollen. Interessierte dürfen natürlich schon vorher durch die Beta toben.

Battle of the Immortals – free to pay die X-te

Eine solche startet ab dem kommenden Mittwoch auch für Battle of the Immortals, das sichtbar an Diablo angelehnt ist und in Asien als free to play Spiel bombastische Erfolge verbucht. Dass free to play ein Thema ist, das in der westlichen Welt mittlerweile wieder äußerst kritisch betrachtet wird, ist den Jungs von Perfect World Entertainment durchaus bekannt und Product Manager Jonathan Belliss bemüht sich derweil geschwind zu versprechen, dass man den gesamten Cash Shop an westliche Ansprüche anpassen werde.

Doch kann das gelingen, wo gerade erst mit dem eigentlich so spaßigen Allods Online eindrucksvoll bewiesen wurde, dass sich die wirtschaftlichen Interessen eines Publishers einfach nicht mit den spielerischen Erwartungen der Fans in Einklang bringen lassen? Das ist auf jeden Fall eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden. Bis zur nächsten Woche wünschen wir euch allen erdenklichen Spaß, gute Drops und jede Menge Kills – ob in Sandkästen oder linearen MMOs, Betas oder altbackenen Welten. Ihr wisst ja, was gespielt wird.

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