Erst gab es den Film zum Buch, dann kam das Spiel zum Film und spätestens seit Uwe Boll dürfen wir auch den einen oder anderen Film zum Spiel genießen. Mittlerweile ist klar - unser Bedürfnis nach Unterhaltung kennt keine Grenzen und so ist es nur folgerichtig, dass die Unternehmen der Branche langsam dazu übergehen, uns auf allen Kanälen zu bespaßen - allerdings hapert es bisweilen noch an der Umsetzung.

Vorbei sind die Zeiten, in denen wir uns vor dem Schlafengehen noch ein wenig durchs Fernsehprogramm gezappt haben. In der Flimmerkiste läuft eh nichts Gescheites mehr und auf dem Desktop stapeln sich die bunten Logos der Onlinewelten, in denen noch der eine oder andere virtuelle Ableger darauf wartet, ordentlich nach vorn gebracht und ausgestattet zu werden.

Heute schon GEZockt?

Ganz ohne Nebenwirkungen geht die nächtliche Zockerei dann allerdings auch nicht vonstatten und vor allem Freunde des gepflegten PvPs bekommen im Anschluss, angesichts einer erhöhten Portion körpereigener Stresshormone im Blut, Probleme mit dem Einschlafen. Fehlt es uns am Ende also doch, das gute, alte Fernsehgerät, mit desssen Hilfe man sich von sphärischen Sci-Fi-Klängen oder knackenden Kaminfeuern in den Schlaf lullen lassen kann?

Schon als ich mich Ende der 90er Jahre nachts durch Ultima Online prügelte und so manches filmreife Drama auf Britannias Straßen erlebte, fragte ich mich, warum man nicht einfach eine Kamera auf eine solche Szenerie ausrichtete und die Nacht über laufen ließ. Der Publisher wäre sicher nicht dagegen und interessanter als das Lagerfeuer wäre das allemal - zudem spart die GEZ Unmengen an Feuerholz.

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Path of Exile: das bessere Diablo 3?
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Twitch, nicht Switch...

Während unzählige asiatische TV-Sender längst das Potential virtueller Welten erkannt haben und sich sogar schon um Übertragungsrechte streiten, schaut Europa nachts noch immer in die Röhre. Und so habe auch ich den Fernseher neben dem Bett längst durch ein Notebook ersetzt und darin mittlerweile das ideale Programm zum Einschlafen gefunden: Twitch.tv.

Der bis vor kurzem noch unbedeutende Livestream hat sich mittlerweile zum Tummelplatz all jener gemausert die sich gern beim Zocken zusehen lassen, ohne dafür eigens ein Video erstellen zu müssen, wie das die mehr oder minder professionellen Let’s-Play-Labertaschen auf YouTube tun. Wer auf Twitch streamt, tut das meist spontan und dabei wird gezockt, worauf man gerade Lust hat.

Minecraft die 999.

Für Zuschauer ist das oft äußerst unterhaltsam, denn sie können das Programm gezielt nach ihren Lieblingsspielen durchsuchen und müssen nicht aus Langeweile die 999. Folge Minecraft über sich ergehen lassen. Ob man nun bei Path of Exile, League of Legends oder World of Warcraft zuschaut - im Gegensatz zur YouTube-Liga haben viele Twitcher tatsächlich auch spielerisch etwas auf dem Kasten. So manche gestreamte Runde DotA 2 hat mir schon mehr Spaß beschert als ein eigenes Spiel - ganz ohne den Adrenalinspiegel vor dem Schlafen noch in die Höhe zu treiben.

Und wenn wir doch schon TV-Unternehmen wie ProSiebenSat1 haben, die glauben, auch als Publisher für Onlinespiele in der umkämpften Branche mitmischen zu können, dann sollten gerade dort die Verantwortlichen auch mit der Zeit gehen und den beliebten Onlinewelten - ob nun “Massively” oder nicht - einen angemessenen Platz im Programm einräumen.

PlanetSide 2 - großes Event - ganz ohne Europa

Dabei grenzt es beinahe an Ignoranz, dass Sony Online Entertainment in der vergangenen Woche eine große und wirklich recht unterhaltsame Live-Show rund um PlanetSide 2 veranstaltet und mitten in der Nacht via Twitch.tv gestreamt hat, während die als Europa-Publisher agierenden TV-Sender die x-te Wiederholung langweiliger Serien runternudelten und das “größte Community-Event” gerade mal in einer kleinen Newsmeldung auf der Webseite des Publishers angekündigt wurde.

Im kleinen Studio im Westen der USA versammelte sich eine Reihe der besten Spieler jeder Fraktion, um Ruhm und Ehre für ihre Fraktion zu sichern - angeführt von jeweils zwei Profis und unterstützt von der gesamten Community auf den Servern. Moderiert wurde die Sendung von Adrianne Curry, Augenweide und selbst bekennende Zockerin und ein paar mehr oder weniger bekannten Gesichtern aus dem Entwicklerteam von PlanetSide 2 - samt CEO John Smedley.

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Nachts schlafen die Sender doch

Und wenngleich PlanetSide 2 kaum mit einem echten E-Sport-Titel zu vergleichen ist, so hat das Konzept der Sendung doch ausgezeichnet funktioniert. Die Kämpfe waren äußerst unterhaltsam und fanden in der dritten Runde ihren Höhepunkt in einer filmreifen Belagerung der Heimatbasis der kurz zuvor noch überlegenenen Fraktion durch Dutzende von schweren Lufteinheiten.

Und ganz ehrlich - wenn man uns Europäern schon die Teilnahme an einem solchen Event versagt, indem man es im Westen der USA zu nachtschlafener Zeit veranstaltet, dann wäre es mindestens fair, wenn sich der hiesige Publisher um die nötige Publicity kümmern und sich der Tatsache besinnen würde, dass man nebenbei ja auch noch den einen oder anderen Fernsehsender unterhält, der den ganzen Zirkus prima hätte ausstrahlen können.

Defiance - Syfy? Nie gesehen.

Dass inbesondere Deutschland in Sachen TV-Programm Entwicklungsland ist, wird vermutich auch Trion bald zu spüren bekommen. Die Symbiose aus Fernsehserie und Computerspiel, die man für Defiance geplant hat und für die man sich in den USA schon im Vorfeld feiert, wird bei uns voraussichtlich zum Rohrkrepierer werden.

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Wie aus der aktuellen Pressemitteilung von Trion hervorgeht, wird Defiance in Deutschland nämlich nicht im Free-TV ausgestrahlt werden, sondern ausschließlich über die einschlägigen Anbieter kostenpflichtiger Angebote zu sehen sein. Syfy mag das reichlich egal sein - für Trion Worlds und Defiance bedeutet das allerdings weit mehr als nur verschenktes Potential - es kommt einer Katastrophe gleich.

Da das Spiel nämlich explizit als Symbiose zweier Medien beworben wird und auch spielerisch darauf ausgerichtet ist, wird es in Deutschland schon angesichts des mageren TV-Publikums kaum die erwartete Nachfrage finden. Zudem werden viele potentiell interessierte Spieler gleich im Vorfeld wieder aussteigen, weil sie die entsprechenden Digitalsender nicht empfangen und befürchten müssen, wesentliche Teile der Handlung zu verpassen.

Selbst wenn Syfy und Trion mit ihrem ehrgeizigen Projekt in den USA ins Schwarze treffen sollten - zumindest in Deutschland geht der Schuss wahrscheinlich wieder einmal nach hinten los. Im Nachhinein werden die Verantwortlichen dann der schlechten Marktsituation in Deutschland die Schuld geben und einmal mehr feststellen, dass der US-Markt weit attraktiver ist. Schade drum.

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Age of Wulin: Stimmt, da war ja noch was.
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Age of Wulin - soll auch irgendwann erscheinen

Schade war es auch, dass wir im vergangenen Jahr nicht, wie angekündigt, in den Genuss der Sandbox Age of Wulin kommen konnten, weil das Release kurzerhand auf Februar verschoben wurde. Und nun, wo wir im Februar angekommen sind, wird unsere Geduld erneut auf die Probe gestellt. Vom US-Publisher heißt es plötzlich, das Spiel werde im “Frühjahr 2013” erscheinen - aus einem konkreten Termin wurde also ein offener.

Dass das auch für Europa gilt, wo der Titel von gPotato vertrieben werden soll, ist anzunehmen - zudem das Unternehmen Gala Networks, das hinter dem Spieleportal steckt, aktuell vom südkoreanischen Publisher Webzen übernommen wurde - eigentlich ein Konkurrent von Snail Game, jenem Entwicklerstudio und Publisher, der hinter Age of Wulin steckt.

Darkfall: Unholy Wars - “Wir sehen uns im Spiel!”

Ähnlich wie bei Age of Wulin sieht es auch mit dem Darkfall-Nachfolger Unholy Wars aus. Das wurde bereits im letzten Jahr mehrfach verschoben und hat nun gar keinen konkreten Release-Termin mehr. Immerhin hauen die Entwickler von Aventurine hin und wieder mal ein neues Video raus, in dem sie zeigen, welche Bereiche des Spiels man gerade überarbeitet.

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Und so sorgt auch der aktuelle Clip für Lust und Frust gleichermaßen, denn so schön die Landschaft auch aussieht, so interessant die Ausführungen von CEO Tasos Flambouras auch wieder einmal klingen - so wichtig wäre es langsam, einen halbwegs konkreten Zeitraum zu nennen, an dem das Spiel an den Start geht. Kein Wunder also, dass die Abschiedsfloskel des Studiochefs “See you all in game” im Video wie ein schlechter Scherz klingt und für gehörig Kritik in der Community gesorgt hat.

Neverwinter - sag niemals nie!

Für Kritik hat in dieser Woche auch Neverwinter gesorgt, der neue Titel der Cryptic Studios, nachdem Publisher Perfect World Entertainment Starter-, Wächter- und Gründerpaket angekündigt hat - zu 18,99 €, 55,99 € und stolzen 189,99 €. Von Wucher war die Rede und davon, dass man sich durch viel Geld wesentliche Vorteile im Spiel erkaufen könne.

Das allerdings bestreitet Cryptic vehement und erklärte aktuell, dass es die Pakete lediglich einen größeren Komfort ermöglichten sowie eine Vielzahl von kosmetischen Besonderheiten freischalteten, man das Spiel an sich aber auch in vollem Umfang kostenlos genießen werden könne. Ob das wirklich stimmt und ob Neverwinter tatsächlich das Potential hat, das ihm D&D-Fans und Anhänger der Serie zuschreiben, davon werde ich mich in der kommenden Woche erstmals persönlich überzeugen können.

Und sonst so?

Außerdem schlage ich mich durch die offene Beta des wirklich gelungenen und komplett kostenlosen Hack-And-Slay-Spiels Path of Exile, besuche Defiance, wann immer die Server offen sind und arbeite in der Beta des EVE-Shooters Dust 514 an meiner Ausrüstung und an einer schier unmenschlichen Kill-Death-Rate. Wie ich das in meinem Alter und auf der ungewohnten Konsole überhaupt schaffe? Davon werde ich natürlich beizeiten berichten - ein wenig möchte ich meinen Triumph jedoch noch auskosten.