2013 war ja nun wahrlich nicht der Brüller - zumindest was MMOGs betrifft. Dabei hielt das Genre im Großen und Ganzen das, was es vorab versprochen hatte - nämlich gar nichts. Die bedeutsamen Titel waren allesamt nach 2014 verschoben worden. Vergleichsweise üppig erscheint in diesem Jahr die Liste der potentiellen Blockbuster und Flops.

ArcheAge - hoffentlich viel Sand im Park

Und die beginnt mit A - wie ArcheAge. Entgegen den Befürchtungen vieler, gehe ich nämlich in der Tat davon aus, dass das als Sandpark bezeichnete Spiel aus Südkorea doch noch in diesem Jahr bei uns aufschlagen wird - zumindest in einer ersten Beta. Noch ist dabei unklar, ob Trion Worlds als West-Publisher das Spiel so weichgespült übernehmen wird, wie es derzeit in Südkorea existiert oder ob man sich doch eher am ursprünglichen Sandbox-Konzept orientiert und auf die Casual-Gamer pfeifft.

Dem Spiel und dem Publisher stünde es auf jeden Fall gut zu Gesicht, wenn man sich sich bei Trion einfach mal zurücklehnt, der alten Zeiten und spielerischen Tugenden besinnt und ArcheAge hier im Westen zu dem macht, was es von Anfang an hätte werden sollen: eine üppige und qualitativ hochwertige Sandbox, in der man eben nicht alles hinterhergeworfen bekommt - als ernsthafte Alternative zu den ganzen Themepark-Titeln am Markt.

Camelot Unchained - die Freiheit in der Nische

Eine echte Alternative für PvP-Liebhaber könnte auch Camelot Unchained werden, das mit Sicherheit im Laufe des kommenden Jahres in die Beta eintreten wird. Das Spiel wird von Chefentwickler Mark Jacobs entwickelt, dem Mann, der in den Tagen von Dark Age of Camelot noch wusste, was er tat und der später bei Warhammer Online mit Blindheit und ahnungslosen Kollegen geschlagen war.

Doch von denen hat er sich dank Kickstarter ebenso befreit wie von den gemeinhin als Publisher bezeichneten falschen Freunden. Entsprechend selbstbewusst gibt sich Mark Jacobs aktuell und entwickelt mit Camelot Unchained eine Art Welten-PvP, wie es in Guild Wars 2 und The Elder Scrolls Online eher halbherzeig angedeutet wird, ordentlich aus und lässt den PvE-Teil konsequenterweise gleich ganz weg. Dass er damit für die Nische entwickelt, ist dem erfahrenen Entwickler übrigens klar - und genau darauf zielt er auch ab.

Destiny - sitzt Bungie auf dem richtigen Pferd?

Wie viel MMOG in Destiny stecken wird, ist noch nicht ganz klar - allerdings bemüht man sich bei Bungie ganz offensichtlich darum, den Online-Shooter bis zum Release im kommenden September in weiten Teilen zu einem solchen zu machen. Schlechte Beispiele, an denen sich die Macher von Halo bei der Entwicklung orientieren können, um Fehler zu vermeiden, gibt es auf jeden Fall genügend.

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Ob Defiance, PlanetSide 2 oder Dust 514 - sie alle sind zwar nicht komplett gefloppt, konnten jedoch längst nicht die Erfolge feiern, die der jeweilige Publisher gerne für sich verbucht hätte. Online-Shooter, so scheint es bislang, sind dazu verdammt, auch solche zu bleiben und der Versuch, mit ihnen ins Genre der MMOGs überzuwechseln, ist zum Scheitern verurteilt - dass man dabei vorerst nur auf das Konsolenpublikum setzt, macht die Sache sicher nicht einfacher.

Elite: Dangerous - Gefahr für den Sternenbürger?

Nicht wirklich einfach hatte es auch David Braben über all die vergangenen Jahre hinweg. Mangels Interesse in der Branche musste der kreative Vater der Weltraum-Sims kleine Nebenprojekte wie Rollercoaster Tycoon oder den Minicomputer Raspberry Pi entwickeln, während man hoffnungsvolle Titel wie The Outsider oder eine Fortsetzung seines Kultspiels Elite nicht weiter verfolgen konnte.

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Aufgegeben hatte Braben seine Online-Version von Elite allerdings nie und so kommt es, dass er schon knapp ein Jahr nach seiner erfolgreichen Kickstarter-Finanzierung die ersten Alpha-Tests zu Elite: Dangerous aus dem Hut zaubern konnte - jenes Dogfighting-Modul, das übrigens außergewöhnlich gut bei den Fans angekommen ist und das darauf hoffen lässt, dass 2014 ein gutes Jahr für Raumpiloten werden könnte.

Star Citizen - besser spät als schlecht

Vielleicht wird es gar zum besten Jahr in der Geschichte des Computerspiels, denn seit David Brabens Weltraum-Sandbox zumindest im Ansatz schon mal spielbar ist, muss sich auch der mit 35,3 Millionen Dollar finanziell abgesicherte Chris Roberts gehörig sputen und innerhalb der nächsten zwei, drei Monate mit einem ordentlichen Dogfighting-Modul nachziehen.

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Und so kommen Unterstützer von Elite:Dangerous und Star Citizen in den Genuss eines Wettlaufs der besonderen Art, dürfen die Entwicklung zweier konkurrierender Spiele nicht nur beobachten, sondern durch die Teilnahme an Alpha-Tests und Abstimmungen hinsichtlich der weiteren Entwicklung aktiv beeinflussen. Und sollte sich das Release dann bis 2015 hinziehen, dann ist das auch nicht ganz so wild. Hauptsache die Qualität stimmt.

EverQuest Next Landmark - Vorspeise gefällig?

Auf Qualität legen auch die Anhänger von EverQuest Next großen Wert - immerhin wagt Sony Online Entertainment als erster großer Publisher den Paradigmenwechsel und bewegt sich weg vom Themepark-Konzept und hin zur Sandbox-Welt. Darin allerdings liegt auch eine große Gefahr, denn ob und wie Sandbox-Mechaniken funktionieren, wenn sie erst mal von echten Spielern genutzt und möglicherweise missbraucht werden, lässt sich meist erst sagen, wenn es zum Umlenken zu spät ist.

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Entsprechend vollzieht SOE einen äußerst klugen Schachzug und veröffentlicht im kommenden März mit EverQuest Landmark ein kleines Sandkästchen vorab, lässt die Spieler darin nach Herzenslaune buddeln, basteln und bauen und nutzt die geballte Schöpfungskraft der Spielerschaft und deren Erfahrungswerte dank der Modulbauweise dann, um ein solides Fundament für das eigentliche Sandbox-MMOG zu schaffen.

Pathfinder Online - auf dem rechten Pfad

Ein recht solides Fundament scheinen auch die Entwickler von Pathfinder Online zu haben. Das Spiel gilt als einer der fortgeschrittensten Kickstarter-Projekte und dürften in diesem Jahr auf jeden Fall schon in der einen oder anderen Form spielbar sein. Bei Paizo Publishing, so der Name des Studios, ist man sich sogar sicher, den MMOG-Markt zu revolutionieren - will aber noch keine Details und Gründe für die eigene Vorfreude verraten.

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Der Grund, warum Pathfinder Online unter Branchenkennern als heißer Tipp gilt, ist nicht nur die vielversprechende Pen-&-Paper-Vorlage, sondern auch das Team hinter Ryan Scott Dancey, einem nicht ganz unerfahrenen Entwickler, der früher mal im Studio von Atlanta für CCP an dem Vampire-MMOG World of Darkness gearbeitet hat und dem es mittlerweile gelungen sein dürfte, dessen Entwicklung mit seinem fanfinanzierten Sandbox-Projekt zu überholen.

Shroud of the Avatar - Ultima 2014

Im Gegensatz dazu muss Richard Garriott eigentlich nur sich selbst überholen, bzw. an seine eigenen Erfolge als Lord British anknüpfen. Entsprechend gilt das ebenfalls von Fans finanzierte Shroud of the Avatar als inoffizieller Nachfolger aller Ultima-Spiele - wo es sich im strengen Sinne dabei nicht um ein MMOG handelt, sondern um ein Rollenspiel, zu dem man eben auch den einen oder anderen Freund einladen kann.

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In welche Richtung sich das Projekt, das für einige Unterstützer schon jetzt spielbar ist, langfristig entwickelt, bleibt abzuwarten. Ähnlich wie Chris Roberts und David Braben scheint auch Richard Garriott sehr offen mit den Fans zu kommunizieren und sich an deren Vorlieben zu orientieren. Wobei das nicht immer ganz einfach ist und man sich auch und vor allem bei Detailfragen, wie dem chronisch unaufgeräumten Inventar, in die Haare gerät.

The Repopulation - erfolgreich dank Kickstarter und Greenlight

Ebenfalls ein Kickstarter-Projekt der frühen Stunde und damit ein Kandidat, der sich in diesem Jahr der Fertigstellung nähert, ist The Repopulation. Das Team von Above and Beyond Technologies setzt bei dessen Entwicklung auf die Hero Engine, scheint sie allerdings weit besser zu beherrschen, als das BioWare bei Star Wars: The Old Republic gelungen ist.

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Bildtext: Schaffe, schaffe, Häusle baue! The Repopulation kitzelt offensichtlich das Letzte aus der umstrittenen Hero Engine raus.
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Im Gegensatz zu jenem sieht The Repopulation nämlich nicht nur verflixt gut aus, sondern ist obendrein noch eine Sandbox samt üppigen Housing, bei dem der Spieler nach Belieben bauen darf. Und nicht nur das - ihm stehen auch drei verschiedene Optionen zur Auswahl: instanziertes Housing, Housing in der Außenwelt und Spielerstadt-Housing, bei dem der jeweilige Herrscher einer Stadt bestimmt, wer wie lange auf einem Grundstück bei ihm Unterschlupf findet. Wer jetzt noch als Unterstützer einsteigen möchte, kann dies in einer eigens für Spätzünder gestarteten Kickstarter-Aktion tun.

The Elder Scrolls Online - Erfolg unausweichlich - aber kurz

Kickstarten lässt sich The Elder Scrolls Online natürlich nicht - immerhin steckt dahinter ZeniMax, ein Studio mit sehr viel Geld. Doch dass man über viel Geld in der Unterhaltungsbranche bisweilen auch stolpern kann, wurde uns in der Vergangenheit schon allzu oft bewiesen und so fürchtet sich manch eingefleischter Fan der Elder-Scrolls-Serie derzeit eher vor dem Release des namensverwandten MMOGs, als dass er sich darauf freut.

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Aller Voraussicht nach wird The Elder Scrolls Online mit seinem Release im April wohl für kurze Zeit die Verkaufscharts anführen, denn die riesige MMOG-Community dürstet nach neuem Futter und wird das Spiel auch kaufen, wenn sich, wie ich das schon lange befürchte, herausstellen sollte, dass es sich einmal mehr um einen jener Titel handelt, die man selbst bei eingeschränkter Spielzeit nach spätestens drei Monaten ad acta legen kann.

WildStar - der Underdog

Im Vergleich zu The Elder Scrolls Online ist WildStar, das aller Voraussicht nach im zweiten Quartal des kommenden Jahres erscheinen soll, beinahe ein Underdog. Das Spiel gilt unter Kritikern als eine der letzten großen Hoffnungen von NCSoft West, die eigene, im Laufe der Jahre äußerst teure Existenz vor dem großen Bruder aus Südkorea zu rechtfertigen.

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WildStar ist mittlerweile in der Beta und wird regelmäßig von ausgesuchten Pressevertretern gestreamt - mit eher durchwachsener Resonanz, denn mit seinem klassischen Themepark-Design und der eigenwilligen Mischung aus Sci-Fi, Wild-West und Fantasy, eingebettet in eine kunterbunte Comic-Welt, wird WildStar die angepeilte Zielgruppe - die Fans von World of Warcraft - nur äußerst eingeschränkt erreichen.

World of Warcraft: Warlords of Draenor - Rückkehr der alten Recken

Denn die warten im kommenden Jahr lieber auf die Warlords of Draenor - jene Erweiterung, mit der Blizzard ganz offensichtlich ein wenig an die alten Tage anknüpfen und die alten Fans ansprechen möchte, indem man ihnen ein Welten-PvP ebenso beschert wie das seit langem ersehnte Housing samt einiger großartiger Sandbox-Optionen für die Zukunft.

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Das alles wird zwar den stetigen Spielerschwund, mit dem Blizzard seit Jahren zu kämpfen hat, nicht umkehren, ein wenig ausbremsen wird es ihn jedoch auf alle Fälle. Und dank solch interessanter Projekte wie Heroes of the Storm ist mittlerweile auch nicht mehr die gesamte wirtschaftliche Existenz des Unternehmens von dem einen, altehrwürdigen MMOG abhängig.

Etwas vergessen?

Und wer in dieser kleinen Vorausschau nun solch spannende Titel wie Black Desert, Black Gold, Bless, Ever, Jane, Novus AEterno, The Division, The Phoenix Project, TUG und viele andere vermisst, der sollte in zwölf Monaten noch einmal vorbeischauen, denn deren Erscheinen ist im kommenden Jahr, zumindest in unseren Gefilden, aus unterschiedlichen Gründen eher unwahrscheinlich. Und sollte sich das ändern, dann wird das in Wiped auch 2014 natürlich nicht unerwähnt bleiben. In diesem Sinne - euch allen einen guten Rutsch. Bis zum nächsten Jahr, das hoffentlich für uns MMO-Fans endlich mal ein richtig gutes wird!