Es dauert noch ein paar Monate, bis sich die interessierte MMO-Zockerschaft in Wildstar tummeln darf (Release: 3.Juni). Einige jubeln über Pfade, Kampfsystem, Housing und Interface, anderen bluten die Augen, wenn sie zum ersten Mal die bunte Cartoon-Welt im WoW-Schick zu Gesicht bekommen, oder vor lauter 'Telegrafen' den Boden nicht mehr sehen. Ganz zu schweigen von übervollen Quest-Logbüchern, die tendenziell dem "Töte-Sammle-Bring-Schema" folgen. Kein Zweifel: Auch Wildstar kocht nur mit Wasser. Dementsprechend gespalten sind die Urteile der Community. Bietet Carbines Erstling bloß denselben Trott wie anderswo? Oder haben die Entwickler bewährte Mechanismen hin zur Perfektion optimiert und liefern damit genau das, wonach MMO-Fans lechzen?

WildStar - Launch-Trailer10 weitere Videos

Zum Endgame drängt, am Endgame hängt doch alles

Nach meinem Besuch bei Carbine in Los Angeles tendiere ich bezüglich des Endgames zu Letzterem. Ob der Aufstieg gen Stufe 50 dröge oder interessant wird, muss die Praxis zeigen. Doch wenn ihr oben angekommen seid, macht Wildstar ein Fass auf, das selbst etablierte Konkurrenten nervös machen muss.

In Sachen PvP bietet Wildstar zum Beispiel eine Menge. Die Entwickler versprechen, dass man seinen Charakter ausschließlich über den Zweikampf mit anderen Spielern hochleveln kann. Open-World-PvP ist auf manchen Servern obligatorisch, auf anderen freiwillig.

PvP-Battlegrounds werden ab Stufe sechs, Arenen ab Stufe 30 freigeschaltet. Gemeinsam ist beiden, dass Ausrüstung und Lebenspunkte zwischen Spielern mit niedriger und hoher Stufe angeglichen werden. In Battlegrounds prügeln sich zwei Teams mit jeweils zehn Spielern um Prestige-Punkte (mit denen man Ausrüstung kaufen kann), bei letzterem kommen Sonderregeln hinzu, wie zum Beispiel, dass sich alle Teammitglieder eine begrenzte Anzahl Respawns teilen. Ab Stufe 50 beginnt dann das Ranking nach Elo-System, das Matchmaking beurteilt die Teilnehmer dann nach der individuellen Spielerstärke.

WildStar - Spielspaß jenseits von Level 50?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 177/1801/180
Was hat das MMO an Endgame-Content zu bieten?
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Solltet ihr auf der Suche nach richtig "epischen" Mehrspielergefechten sein, könnten euch die Warplots interessieren. Darin treten zwei Teams mit jeweils 40 Spielern an, jede mit ihrem eigenen 'Warplot'. Das ist quasi eine Burg, die man nach dem gleichen modularen System einrichtet wie die Spielerhäuser. Ziel eines solchen Matches ist es, dem gegnerischen Warplot den Saft abzudrehen, indem man die Generatoren zwischen den beiden Burgen erobert oder indem man die beiden Kraftwerke innerhalb der Warplots demoliert. Damit das nicht zu einfach wird, können die Teams ihre Basis mit Fallen, KI-Wachen, Geschützen und Bossgegnern bestücken. Die Bosse lassen sich sogar aufeinander hetzen. Wer nicht genug Freunde hat, um seine eigene 'War-Party' zu bestreiten, kann übrigens auch unabhängige Spieler als "Söldner" anheuern.

Abenteuer mit explodierenden Eiern

Aber auch PvP-Verächtern und Monsterjägern soll es in Wildstars Eldergame nicht langweilig werden. Neben den Fünfer-Dungeons haben es mir hier vor allem die Adventures angetan. Das sind quasi Parallel-Instanzen bekannter Gebiete, in denen ihr zu fünft geskriptete Abenteuer mit verschachtelten Handlungsverläufen erlebt. Zum Beispiel begleitet ihr einen NPC-Siedler-Trek durch einen Canyon. Abhängig vom Weg, für den ihr euch entscheidet, findet ihr unterwegs Ressourcen, verliert KI-Kumpane, geratet in Hinterhalte, bestreitet Bosskämpfe oder erlebt andere Überraschungen. Ab Stufe 50 könnt ihr die Dungeons und Adventures auf Veteranen-Niveau spielen. Dann werden neue Optionen freigeschaltet, die Gegner haben richtig Tabasco in der Hose und natürlich fallen auch die Belohnungen üppiger aus.

WildStar - Spielspaß jenseits von Level 50?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 177/1801/180
Optisch ist und bleibt es einfach Geschmackssache.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Einen guten Eindruck hinterließen bei mir die Raids mit 20 bis 40 Teilnehmern. Gezeigt wurden uns der 20er-Raid 'The Genetic Archives' und 'The Datascape' für 40 Spieler. Nicht nur, dass Carbine euch darin mit jeweils zehn bis 16 Minibossen und mindestens sechs Obermotzen einiges abverlangt, auch die Räume selbst stellen euer Team vor schwierige Herausforderungen.

Da gab es einen schmalen Pfad, auf dem hunderte explosionsbereite Alieneier nur darauf warten, dass ihr aus Versehen darüber stolpert. Dabei richten sie nicht nur empfindlichen Schaden an - eure Steuerung wird komplett umgedreht! Wer da nicht aus Versehen ins nächste Hindernis oder den Abgrund rechts und links des Pfades stolpert, ist ein echter Tastaturakrobat.

Wildstar wird seine Fans finden und viele davon werden ehemalige Wow-Jünger sein.Ausblick lesen

Das reicht euch nicht? Wie wäre es mit einem Boss, der Stück für Stück die Plattform zerlegt, auf der ihr gegen ihn antretet? Besonders fies ist eine Attacke bei der ein einzelner Spieler zum Zentrum einer riesigen Explosion wird, was die halbe Arena in Trümmer legt. Reagiert der bedauernswerte Kollege nicht schnell genug auf den wachsenden Telegraf unter seinen Füßen, stürzt er sein gesamtes Team ins Verderben. Was in solchen Momenten im Voicechat abgeht, spottet jeder Beschreibung.

Hinzu kommt, dass die Raids wöchentlich mit neuen Boss-Kombinationen oder dezenten Änderungen in der Spielmechanik aufgepeppt werden sollen, um routinierten Gruppen neue Überraschungen zu bieten. Gilden und Server sollen darum wetteifern, wer als erstes diese überarbeiteten Raids meistert. Zur Belohnung gibt es Achivements und üppige Beute.

Einmal das Welt-Event zum Mitnehmen, bitte!

Wer lieber alleine unterwegs ist, wird sich über den 'Post-Cap-Playspace' in hochstufigen Gebieten freuen. Diese Bereiche sind ausdrücklich für Helden auf Maximalstufe vorgesehen und bieten diverse Daily Quests und Sonderaufträge, um die Endgamewährung 'Elder Gems' zu verdienen. Besonders stolz sind die Entwickler hier auf die 'Public Events', die regelmäßig stattfinden sollen.

Diese mehrstufigen Riesen-Quests passen sich der Teilnehmeranzahl an und werden für beide Fraktionen getrennt bewertet. Wessen Seite die Aufgabe innerhalb des Zeitlimits von zwei Stunden beendet, bekommt einen fraktionsweiten Buff. Um den versammelten Journalisten einen Vorgeschmack zu bieten, schleusten uns die Entwickler durch das Event "Critical Containment". Hier müssen die Spieler verhindern, dass ein im Wüstensand verschüttetes Versuchslabor der Eldan explodiert und die dort eingeschlossenen Kreaturen über den Planeten herfallen.

WildStar - Spielspaß jenseits von Level 50?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 177/1801/180
Die Entwickler haben sich einiges einfallen lassen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Im ersten Schritt sammelten wir Ressourcen im Lager unserer Fraktion. Wie man die Materialien findet, hängt vom individuellen Pfad ab. Wissenschaftler scannen zum Beispiel die Umgebung, Soldaten locken Monster an, Siedler helfen den Kollegen, indem sie zusätzliche Sammellager bauen. In der zweiten Phase bekamen wir es mit modifizierten Monstern zu tun, die mit der Technologie der Eldan verseucht waren. In Phase drei sammelten wir Energiekugeln, um einen Teleporter zu aktivieren. Damit gelangten wir in das Labor für Phase Vier. Nun mussten wir uns durch die monsterverseuchten Räume bis zum Boss vorkämpfen und anschließend den Reaktor ausknipsen, was sich als ein echter Kraftakt erwieß:

Bis auf kleine "Inseln" war das Labor nämlich komplett verstrahlt. Um zu überleben, müssen wir immer wieder zu den sicheren Zonen zurückkehren - auch während des zähen und extrem schwierigen Bosskampfes. Wie schon in den anderen Modi wechselt der Obermotz bei jedem Durchgang. Spontanität ist gefragt. Wir hatten Pech und bekamen einen extrem schlagkräftigen Brocken vorgesetzt, dessen Hiebe einen Kämpfer für mehrere Sekunden betäuben.

Ziemlich unangenehm, wenn man gerade von der allgegenwärtigen Strahlung gebrutzelt wird. Es dauert eine gute halbe Stunde, bis wir das Monster zu Fall brachten und zum Reaktorkern vordrangen, den wir dann mit Eistrahlern herunterkühlen sollten. Da es hier keine sicheren Zonen gab, mussten wir uns außerdem gegenseitig regelmäßig mit den Strahlern beschießen, um am Leben zu bleiben. Wer sich da nicht auf sein Team verlassen kann, ist aufgeschmissen.

In der Praxis - sprich ohne Hilfe der Entwickler - dürfte es ein spannendes Ringen zwischen den Fraktionen geben, sobald ein solches Event startet. Die Entwickler haben keine maximale Teilnehmerzahl vorgegeben. Gelingt es keiner der beiden Seiten, den Reaktor einzudämmen, gibt es keine negativen Konsequenzen, erklärten die Devs auf Nachfrage. Der fraktionsweite Buff alleine soll Motivation genug sein, die Reaktorkatastrophe zu verhindern.