Hat sich jemand die Mühe gemacht und all die MMOs da draußen gezählt? Ich nicht - aber es sind unüberschaubar viele. Man muss schon sehr viel Mut haben oder ein bisschen naiv sein, um heute noch ein neues Online-Rollenspiel herauszubringen, das gegen die ganze Free-to-Play-Konkurrenz oder kommende (potenzielle) Schwergewichte wie The Elder Scrolls Online antreten soll.

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Die Carbine Studios gehen dieses Wagnis mit "WildStar" ein. Zwischendurch wurde es immer mal wieder ruhig um das Projekt, das bereits seit einigen Jahren in Entwicklung ist. Dieses Jahr soll es nun endlich so weit sein. Womit möchte es sich von der Masse abheben?

"Es gibt nichts Langweiligeres bei einem MMO, als wenn der Weg zum Endgame suckt und/oder es gar kein Endgame gibt", sagt Jeremy Gaffney, Executive-Producer von Carbine. Bei Wildstar soll die Welt deshalb anders aufgebaut sein und außerdem, so verspricht er, wird es bereits zur Veröffentlichung umfangreiche Spieloptionen für Highlevel-Spieler geben.

Dabei sei alles so einfach - man benötige lediglich eine große, interessante Spielwelt mit vielen Inhalten, Abwechslung und hoher Dichte. Deshalb soll auch Wildstar in jeder Zone zahlreiche unterschiedliche Dinge enthalten, mit denen ihr interagieren könnt. Gebiete, die man schon in früheren Stufen absolviert hat, sollen darüber hinaus neue Herausforderungen erhalten.

WildStar - Endlich ein MMO mit Endgame-Content?

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Ja, ja, bestimmt wieder so ein Riese, der „nur spielen will“…
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Zudem denkt das Studio darüber nach, auch die Community an der Gestaltung des Spiels teilhaben zu lassen. Als Beispiel gelten MMOs in China, die häufig auf wöchentlicher Basis neue Updates bekommen. Das werde zwar zu Beginn nicht der Fall sein, aber Aktualisierungen spätestens alle zwei bis drei Wochen seien angestrebt.

Kämpferische Geometrie

Eines der zentralen Features, mit denen Wildstar herausstechen will, ist die Kampfmechanik. Anstatt einfach auf die Mobs draufzuhauen und dabei ein paar Knöpfe zu drücken, gibt es vielfältige strategische Möglichkeiten. Während unserer mehrstündigen Anspielsitzung hatte ich ausgiebig Zeit, mich damit zu befassen. Wenn ich in Wildstar einen Gegner attackiere, sehe ich, mit welchen Gegenangriffen ich rechnen muss.

Packshot zu WildStarWildStarErschienen für PC

Das Spiel blendet eine optische Anzeige ein, die etwa einen Radius, einen Balken, einen Kreis oder andere geometrische Formen einblendet. Wenn ich schnell genug reagiere, kann ich Attacken ausweichen oder sie parieren – und damit zu meinem Vorteil ausnutzen. Viele Monster sind von hinten oder der Seite besonders anfällig. Wer zuvor eine lähmende Technik einsetzt, profitiert zusätzlich.

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Dieses Bossmonster befand sich zuvor noch in dem Käfig. Ob es so weise war, es hinaus zu lassen?
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Carbine nennt das "Momentum nutzen". Wer das schafft, wird für seine Kampfführung durch verschiedene Boni belohnt. Diese Kampfanzeigen wirken sich auch auf das Gruppenspiel aus, denn Kameraden sehen bereits an den Einblendungen, welche Fertigkeiten ich einsetze. Ohne es verbal auszusprechen, kommuniziere ich also mit meinem Kampfstil - und erleichtere so Freunden die Koordination eigener Zaubersprüche oder Nahkampfattacken.

Im Mittelpunkt des erzählerischen Konflikts stehen zwei Fraktionen - "The Dominion" und "The Exiles". Beide Parteien streiten um die Vorherrschaft auf dem sagenhaften Planeten "Nexus", der einst von der uralten Rasse der Elden bevölkert wurde. Er ist reich an Schätzen und versteckt viele mysteriöse Technologien, auf die es sowohl die Bad Guys (Dominion) als auch die aufmüpfigen Exilanten abgesehen haben.

Potenzial ist vorhanden, jetzt muss Carbine endlich mal die Karten auf den Tisch legen.Ausblick lesen

Exiles: Eine zusammengewürfelte Gruppe von Ausgestoßenen, Flüchtlingen und Söldnern, die gezwungen waren, von ihren Heimatplaneten zu fliehen.

Das Dominion: Ein seit 1600 Jahren bestehendes interstellares Imperium, das Nexus als sein Geburtsrecht ansieht.

Drei Säulen zum Glück

Carbine hat während einer Präsentation in Brighton eine Reihe von Charakterklassen und "Pfaden" (Spezialisierungen) vorgestellt. Beide Fraktionen bieten Menschenfiguren ("Cassians") an, weil sich in WoW 70 Prozent der Startspieler dafür entschieden hätten, so die Entwickler. Weil es eben eine sichere Wahl sei, diese soliden Alleskönner zu spielen.

Daneben zieht ihr aber auch mit exotischeren Lebensformen in die Schlacht. Auf der Seite des Dominion etwa mit den "Mechari", einer hoch entwickelten Roboterrasse, die von den Elden entworfen wurde und sich als Superagenten und Kopfgeldjäger auszeichnen. Die wilden "Draken" eignen sich als geborene Jäger ausgesprochen für den Nahkampf, die "Stalker" tun sich als Schleichexperten hervor.

Bei den Exiles erinnern die tierischen Waldwesen Aurin mit ihrem langen Schwanz ein wenig an die Na'vi aus "Avatar". Sie widmen sich gerne der Wissenschaft, können sich aber mit Klauen und scharfen Zählen auch gut verteidigen. Die Granok hingegen sind die toughen Haudegen, die im Kampf nichts anbrennen lassen. Die galaktischen Söldner schleppen möglichst dicke Schwerter und Ballermänner ins Gefecht.

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Auch die Schleichklasse „Stalker“ kann mächtig mit ihren Klingen austeilen.
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Die (Berufs)-Pfade wählt ihr aber unabhängig von der Rasse. Viele der vorgestellten Archetypen eignen sich insbesondere für den des "Soldaten". Diese Haudraufs wollen sich selbstverständlich im Kampf auszeichnen und erhalten deshalb spezifische Quests, auf die keine andere Klasse Zugriff hat. Sie verüben beispielsweise Attentate, gehen auf Rettungsmissionen, beschützen NPCs oder erobern Gebiete.

Das Gegenstück dazu stellt der "Entdecker" dar. Der kann zwar auch austeilen, spezialisiert sich aber vor allem darauf, Orte zu betreten und zu erforschen, die sonst niemand erreicht. Nur ihnen öffnen sich verborgene Pfade zu den höchsten Gipfeln – oder auch geheimen Tunneln unter der Planetenoberfläche. Diese verbergen nicht nur außergewöhnliche Gegenstände, sie können auch als Schnellreisesystem genutzt werden.

Entdecker sind außerdem mit einer besonders detaillierten Weltkarte ausgerüstet. Später sollen auch noch Pfade wie "Siedler" (erschaffen Siedlungen) und "Wissenschaftler" (wollen herausfinden, warum die Elden verschwunden sind) hinzu. Die Entscheidung für einen Pfad wird jedoch unabänderlich sein.

Die Welt von Wildstar soll sich in drei Ebenen aufteilen. Gaffney bezeichnet das als "Spiel mit Freunden" (Gruppenspiel), "Ich habe keine Freunde" (Solospiel) und "Töte Freunde" (PvP). Über Letzteres enthüllten die Entwickler leider denkbar wenige Informationen. Sie stellen Housing für PvP in Aussicht ("Warplots"), in dem Städte gegen Städte antreten und in deren Schlachten sogar gefangen genommene Raid-Bosse zum Einsatz kommen können. Details zu diesem Massen-PvP blieb Carbine jedoch schuldig.

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Die „Draken“ sehen nicht nur wild aus, sie sind im Nahkampf ziemlich tödlich.
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Der Solo-Content soll vor allem so aufgebaut sein, dass er die Hintergrundhandlung des Konflikts zwischen Exiles und Dominion vorantreibt. Carbine sagt, man sei in der Lage, die Spielwelt einer sich verändernden Geschichte anzupassen.

Das Gruppenspiel dreht sich dagegen um den Hardcore-Teil des Spiels, mit massivem Raid-Content. Diese Begegnungen sollen aber nicht immer nach demselben Muster ablaufen, sondern sich häufig (auf wöchentlicher Basis) ändern. Ihr habt es also nicht mit den gleichen Herausforderungen zu tun, denn die Umgebung ändert sich, es kommen plötzlich neue Hindernisse oder "Bodyguards" dazu. Ganz nach dem Motto "Wer legt den Boss in dieser Woche am schnellsten oder als Erster?" wird es zudem weitere Belohnungen geben.

Viel von dem, das Carbine ankündigt, habe ich noch nicht gesehen. Die Entwickler versprechen etwa fliegende Mounts, öffentliche Quests, wollen Kill-Stealing durch Teamwork unterbinden, ein Trophäensystem integrieren und noch einiges mehr. In der Praxis war davon jedoch nur teilweise etwas zu spüren. Gerade bei den zentralen Punkten wie PvP, Raid-Content, Gruppenspiel, Housing oder Crafting hätte ich mir mehr Einblicke gewünscht. Und zum Bezahlmodell gab es leider auch keine Auskünfte.