Wer glaubt, dass es in den letzten Monaten und Jahren eine Shooterschwemme im Gamesmarkt gegeben hätte, sollte sich vielleicht einmal näher mit MMOGs befassen. Und seine Einschätzung noch mal überdenken. Denn dieses unglaublich umkämpfte Segment wird tatsächlich von einer gigantischen Anzahl von Titeln überflutet, über die kaum jemand den Überblick behält. Trotzdem bringt NCsoft mit Wildstar munter das nächste Online-Rollenspiel heraus und vertraut darauf, dass ein besonderes Alleinstellungsmerkmal ausreichend Interesse bei der zahlungskräftigen Kundschaft weckt.

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Die Carbine Studios wissen allerdings um die Schwere ihrer Aufgabe, sich auf dem umkämpften und proppenvollen MMOG-Markt noch irgendwie von der Konkurrenz abzusetzen und aus der Masse hervorzustechen. Lead Creative Writer Chad Moore ist aber selbstverständlich davon überzeugt, dass sein Unternehmen genau die richtige Formel besitzt, um Wildstar als eigenständige Franchise zu positionieren. Zum Rezept gehört beispielsweise ein Art Style, der mit seiner epischen Gestaltung zwar anziehend und mitreißend wirken, gleichzeitig aber auch Spaß bereiten und Freude ausdrücken soll.

Recht hübsch kommt der "Wildstar" ja daher, vor allem die Kampfeffekte und butterweichen Animationen sind schick inszeniert und sorgen für eine insgesamt gelungene, etwas comichafte Präsentation. Oder das Science-Fiction-Fantasy-Setting, das mit dem Volk der Eldan eine hoch entwickelte alte Rasse aufbietet, die allerdings vor Jahrtausenden aus unbekannten Gründen spurlos von ihrem Heimatplaneten Nexus verschwand. Und neben fortgeschrittener Technologie auch eine Menge offener Fragen und Mysterien hinterließ.

Der Pfad der Tugend

Das wichtigste "innovative" Feature stellen jedoch die Spieler-Pfade dar, die eine ergänzende Individualisierung der Charaktere gestatten und zusätzlich zu den Rassen- und Klassenattributen eine bedeutende Entwicklungsmöglichkeit darstellen beziehungsweise weitere Spezialisierungen erlauben. "Diese Ebene verändert die Art und Weise, wie ihr und euer Alter Ego die Welt wahrnehmen", erklärt Moore den Gedanken hinter diesem Spielelement. Insgesamt soll es demnach vier völlig unterschiedliche Pfade geben, die euch jeweils mit eigenen Talenten und Vorteilen versorgen und die Spieltiefe von Wildstar erhöhen.

WildStar - Das neue MMO von NCsoft

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Wildstar: Hübsch sieht es aus.
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1. "Exploration": Dieser Weg eignet sich für Spieler, die gerne abseits der Hauptwege unterwegs sind, die Gegend erkunden und versteckte Gebiete oder Dungeons entdecken möchten. Die einfach jedes Fitzelchen der virtuellen Welt wie ihre Westentaschen kennen wollen. Sie erhalten als Werkzeug den sogenannten "Locator" - eine Art Kompass - der auf besondere Objekte oder Geländeanomalien hinweist. Allerdings müssen sich neugierige Entdecker vor Umwelt-Events in Acht nehmen, bei Wanderungen im Tiefschnee gehen nämlich gelegentlich Lawinen ab.

2. "Conquest": Dabei handelt es sich naturgemäß um eine kriegerische Profession, bei der man etwa den Soldaten-Pfad einschlägt. Alles mit dem Ziel, so richtig "Arsch zu treten und Dinge in die Luft zu jagen", so der Creative Writer. Wer seine Effizienz in Scharmützeln unabhängig von der gewählten Klasse noch weiter steigern möchte, wird wohl mit diesem Weg glücklich.

Packshot zu WildStarWildStarErschienen für PC

3. "Collecting": Hier dreht sich alles um verschiedene Arten der Informationsbeschaffung. Als wissbegieriger Wissenschaftler studiert ihr die Tier- und Pflanzenwelt des Planeten Nexus, sammelt Proben und setzt dazu auch einen Scanbot ein. Der Miniroboter automatisiert einige dieser Aufgaben und analysiert die gewonnenen Daten für euch.

4. "Building": Als Siedler solltet ihr ein Faible dafür haben, Mitspielern aus der Patsche zu helfen, sie unaufgefordert zu beschützen - ihr seid gute Seelen, die das Glück anderer vor das eigene Stellen. Ihr erstellt soziale Räume, beschützt Städte oder buffed einfach andere Gamer.

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Klingt ja alles schön und gut, doch was haben wir eigentlich davon? "Die Pfade eröffnen viele Nebenaufgaben und fügen dem Spiel eine weitere spielerische Ebene und damit Spieltiefe hinzu", erklärt Moore. Während ihr etwa eine Reihe von Mobs dahinmetzelt, wird der Wissenschaftler automatisch auf interessante Pflanzen in der Nähe hingewiesen, die er untersuchen kann (aber nicht muss). Ein Explorer stolpert bei der Jagd möglicherweise zufällig über eine versteckte Höhle, die ihm eine völlig neue Anschlussquest oder geheime Instanzen offenbart. Carbine nennt diese Inhaltsvernetzungen "Momentum-Mechanik", die zentral für den Spielablauf von Wildstar sein soll.

Einige Ideen sind interessant. Aber braucht die Welt wirklich noch ein weiteres MMO?Ausblick lesen

Etliche Spiel-Ebenen laufen parallel

Doch das ist nicht alles, darüber hinaus warten laut Carbine noch dynamische Herausforderungen, die an die spezifischen Pfade gekoppelt sind. Der Eroberer erhält zum Beispiel die Aufgabe, fünf spezielle Monster in zwei Minuten zu erledigen, während die Entdecker in 15 Sekunden an einem Baum emporklettern sollen. Je mehr der verschiedenen Missionen, Quests und Kills ihr in den diversen Metaspielebenen absolviert, desto höher die exponential anwachsende Erfahrungspunktbelohnung.

"But there's still more!", ruft der begeisterte Moore, denn es gibt obendrein noch "spontane Quests", denen man zufällig über den Weg läuft (etwa, wenn wir bei einer Entdeckungstour ein Lawinenopfer befreien, dessen Arm aus dem Schnee ragt ... und so wird nebenbei eine weitere Nebenaufgabe initiiert) oder die sich mittels eines ungewöhnlichen Kommunikationskanals (eine Art "Anruf") visuell einblenden und (fakultative) Handlungsoptionen anbieten. Oft soll es sich dabei um dynamische Inhalte handeln, anhand derer die Mysterien der verschwundenen Eldaner aufgedeckt werden.

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Das Kampfsystem hinterlässt nur auf den ersten Blick einen stinknormalen Eindruck, soll aber mehr Spieltiefe bieten als viele Konkurrenten. Das Modell basiert auf den drei Säulen "Erkennen", "Reagieren", "Belohnung". Sobald ein Mob euch ins Visier nimmt, entsteht eine Bedrohung, die etwa mit einem roten Kreis visualisiert wird. Wer rechtzeitig reagiert und ausweicht oder die Aktionen des Feindes unterbricht, aktiviert nicht nur besondere Finisher- und Stun-Moves, sondern kassiert auch doppelte, dreifache oder vierfache Bonuspunkte, die sich mit der Zeit zu einer Summe akkumulieren, die man auf normalem Wege niemals einsacken würde.

Leider konnte oder wollte Carbine jedoch noch nicht Einblicke in sämtliche essenziellen Bereiche des MMOGs gewähren. Fragen zum angepeilten Businessmodell wies das Unternehmen ebenso lapidar ab ("Dazu habe ich gar keine Informationen") wie zum PvP-Modus ("Ja, haben wir ...") und auch die Anzahl von Klassen oder Rassen im fertigen Spiel bleibt bis auf Weiteres im Dunkeln. Immerhin gibt das Team zu verstehen, dass man "jegliche Standard-Inhalte anbieten wird, die alle anderen MMOs enthalten".