Drei Millionen Spieler will man laut Mythic Entertainment Creative Director Paul Barnett in absehbarer Zeit für Warhammer Online: Age of Reckoning (WAR) gewinnen. Das ist eine stolze Zahl für das neue MMORPG, das vor wenigen Tagen seine Pforten für euch öffnete.

Zuletzt sind viele Genre-Vertreter mit ähnlich großen (An-)Sprüchen auf den Markt geworfen worden, und alle mussten schon nach kurzer Zeit sehr viel kleinere Brötchen backen. Wir waren gespannt, ob es die Macher von Dark Age of Camelot tatsächlich geschafft haben, einen neuen Hit abzuliefern, und sich damit möglicherweise ein großes Stück vom wachsenden Markt der Online-Rollenspiele zu sichern.

Deshalb haben wir für euch einen "Headstart" hingelegt und berichten von unseren ersten Impressionen, die auch das erste Startwochenende umfassen.

Anmerkung: Auch wenn unsere Redakteure bereits mehrere Dutzend Stunden in Warhammer Online verbracht haben, sind wir uns darüber im Klaren, dass ein MMO sehr viel mehr Spielzeit erfordert als andere Titel, um ein fundiertes Fazit abzugeben. Daher versorgen wir euch an dieser Stelle mit allen Infos und Eindrücken, die wir im Spiel gemacht haben, und reichen eine Prozentwertung und einen umfangreichen Test an geeigneter Stelle nach – ausführlich, fair und fundiert.

Warhammer Online: Age of Reckoning - Oh Gott, Mythic hat Blogger eingesperrt!73 weitere Videos

Keine Neuauflage des "Schwarzen Sonntags"

Wer nach dem "schwarzen Sonntag" der Open-Beta-Phase, als Tausende Gamer sehr lange auf ihre Spielcodes und/oder Registrierung warten mussten, Schlimmes befürchtet hatte, sei beruhigt. Trotz einiger Probleme mit dem Accountsystem hat - soweit wir das beurteilen können - die allergrößte Zahl der Spieler ohne größere Hürden sein Game anmelden können und ist somit bereit für ausgiebige Online-Sessions.

Warhammer Online: Age of Reckoning - Der WoW-Herausforderer ist da!

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Hinterhalt: Das Drama des "schwarzen Sonntags" war gottlob nur von kurzer Dauer.
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Das heißt jedoch noch lange nicht, dass wir bereit sind, den mangelnden Kundensupport Seitens des europäischen Anbieters GOA zu akzeptieren. Bereits bei Dark Age of Camelot verfrachtete man die offiziellen Foren zu einer externen Fanseite. Und auch diesmal scheint man nicht Willens, den Käufern von Warhammer Online ein professionelles Portal anzubieten. Für ein Projekt dieser Größenordnung ist das schon etwas peinlich. Wer sich mit den Großen messen will, sollte auch ein entsprechendes Umfeld anbieten.

Packshot zu Warhammer Online: Age of ReckoningWarhammer Online: Age of ReckoningErschienen für PC

Dazu gehört übrigens auch eine Webseite, deren Accountsystem mit aktuellen Sicherheitstechniken geschützt ist und nicht mit unnötigem Flashballast zugestopft ist. Was derzeit an dieser Stelle angeboten wird - wenn es denn zugänglich ist - ist schlicht und ergreifend inakzeptabel. Das dürften auch viele Spieler über die teilweise ellenlangen Warteschlangen beim Zugriff auf die Spielserver denken. So sehr es verständlich ist, dass man die Server nur stückweise auslasten oder die Verteilung der Gamer kontrollieren möchte, beim Start sollten doch genügend Server vorhanden sein, um jedem Käufer einen reibungslosen Zugang zum Spiel zu gewährleisten.

Komplikationsloser Spieleinstieg

Wer sich durch diese Unbillen gekämpft hat, darf sich dann endlich seinen eigenen Spielcharakter erstellen, was bei Warhammer Online sehr schnell und komplikationslos vonstatten geht. Allzu viele Anpassungen können nicht vorgenommen werden und auch Attributpunkte werden nicht verteilt. Die Individualisierung und Spezialisierung des Alter Egos geschieht in erster Linie im Spiel selbst.

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Der Spieler hat die Wahl zwischen Ordnung und Zerstörung - wie im richtigen Leben.
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Ihr müsst euch nur entscheiden, ob ihr lieber auf der Seite der Ordnung mit den Hochelfen, Zwergen und Imperium oder doch lieber den Dunkelelfen, Grünhäuten und Chaos spielen wollt und wählt eine von 20 Klassen aus. Diese Zweiteilung ist eminent wichtig und grundlegend für das Spielsystem von WAR, bei dem ihr euch fast immer und überall im Krieg mit der feindlichen Fraktion befindet.

Nach den ersten Tagen in der Welt von WAR sind wir mehr als angetan. Beste Voraussetzungen für unseren Langzeittest.Ausblick lesen

"Krieg ist überall in Warhammer", sagen die Entwickler und daher besteht ein großer Teil des MMOGs aus dem Kampf gegen andere Spieler. Wer darauf keine Lust hat, wird vermutlich nicht lange Spaß an diesem Online-Rollenspiel haben.

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Die meisten Gebiete in WAR sind "dual" aufgebaut.
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Allerdings hat Mythic die verschiedenen Elemente des Gameplays so geschickt miteinander verstrickt, dass einem häufig gar nicht auffällt, wie groß die Überschneidung von RvR (das PvP von Warhammer) und PvE (Kampf gegen computergesteuerte Monster, genannt Mobs) in Wirklichkeit ist. Die meisten Gebiete sind nicht nur für beide Seiten zugänglich, sie sind dual aufgebaut und erlauben den Fraktionen zum einen ihre Quests zu absolvieren, zum anderen laufen euch aber immer wieder feindliche Spieler über den Weg.

Doch keine Angst, keiner wird unmittelbar zum Reichskampf gezwungen. Nur wer sich freiwillig dazu bekennt, steht im stetigen Konflikt mit der Gegenseite. Allerdings basiert ein sehr hoher Anteil des Spielablaufs genau auf diesen Konfrontationen. Wer sich ihnen verschließt, verzichtet gleichzeitig auf elementare Bestandteile von Warhammer Online und verpasst fundamentale Grundpfeiler und Features.

Kampf gegen menschliche Spieler im Mittelpunkt

Anders als beispielsweise bei World of WarCraft steht der Kampf gegen Monster hier nicht im Mittelpunkt. Stundenlange Raids in irgendwelchen Höhlen sollen in WAR - wenn überhaupt - die Ausnahme darstellen. Dafür bietet Mythic eine abwechslungsreiche Spielwelt und dermaßen viel spielerischen Freiraum, wie es ihn vermutlich bisher bei MMOGs noch nicht gegeben hat.

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Nicht nur der Humor in Warhammer ist schwarz.
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Schon allein die herkömmlichen Quests sind mit sehr viel schwarzem Humor durchsetzt und bieten auch Solospielern jede Menge Gelegenheit, eine lockere Runde vor sich hinzuzocken. Doch wer nur seinen normalen Quests folgt, verpasst viel. Parallel laufen beispielsweise ständig Szenario-Schlachten ab, bei denen man sich in kleinen Arena-artigen Umgebungen Gefechte mit der Gegenseite liefert. Der Clou an diesen Sessions von 15-30 Minuten: Ihr erhaltet dafür mindestens genauso viele Erfahrungspunkte wie durch Quests - ganz nebenbei sammelt man auch noch tolle Rüstungen und Rufpunkte.

Die Rufpunkte benötigt ihr für spezielle Fertigkeiten, die euren Charakter durch größtenteils passive Skills deutlich aufwerten. Wer nicht am RvR teilnimmt, hat also auf jeden Fall Nachteile. Das merkt man schon in den Szenarien, die für gewisse Levelgrenzen (z.B. 1-11) ausgelegt sind. Zwar werden Figuren mit einem niedrigen Level auf ein bestimmtes Maß (in diesem Beispiel Level 8) angehoben, allerdings verfügen größere Spieler bereits über viel mehr Fähigkeiten - was das Balancing in diesen Szenarien bisweilen ein wenig aus den Fugen geraten lässt.

Grundpfeiler: Public Quests

Ein weiterer grundlegender Pfeiler des Warhammer Online-Universums sind öffentliche Quests. Je Spielkapitel verfügt jede Zone über mehrere solcher gemeinschaftlicher Aufgaben, an denen sich Dutzende Spieler gleichzeitig beteiligen können und die ohne gegenseitige Hilfe nicht gelöst werden können. Oft steht ihr dabei sogar in Konkurrenz zu Spielern der anderen Fraktion, was die Spannung noch zusätzlich erhöht.

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Bei der Verlosung der Items entscheiden Glück und Tüchtigkeit.
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Dabei geht es nicht unbedingt darum, sich die Schädel einzuschlagen, sondern geschickter oder schneller die eigenen Aufgaben zu lösen, um den nächsten Meilenstein auszulösen und damit die Beute dem Feind vor der Nase wegzuschnappen. Ihr geht aber niemals leer aus, denn allein für die Teilnahme bzw. das Töten von Mobs erhaltet ihr zum einen Erfahrungspunkte und zum anderen absolviert ihr damit einzelne Kapitel und erhaltet auch dafür neue Gegenstände.

Damit das Ganze nicht in Chaos ausartet hat Mythic ein innovatives Gruppensystem erdacht, das die Art wie wir MMOGs spielen, ein Stück weit verändert. So gibt es offene Gruppen in jeder Zone, die man betritt, was sich vor allem bei den öffentlichen Quests bezahlt macht. Jeder kann diesen Gruppen beitreten, womit die sonst oftmals öde und langwierige Gruppensuche fast komplett wegfällt (sofern die Gruppen nicht manuell als "privat" gekennzeichnet werden).

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Auch in normalen Questgebieten trifft man oft auf feindliche Spieler.
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Lediglich eine bessere Filterfunktion, mit der man z.B. erkennen kann, an welcher Quest die Gruppe gerade teilnimmt, sollte noch implementiert werden. Schon jetzt könnt ihr aber auf den ersten Blick ablesen, ob sich die Gruppe im Reichkampf befindet oder sich an öffentlichen Quests beteiligt.

Weniger innovativ ist übrigens die Optik ausgefallen. Wer auf detaillierte Texturen und flüssig animierte Charaktere steht, wird von der bunt-kitschigen Grafik vielleicht enttäuscht sein. Atmosphärisch passt sie aber häufig wie die Faust aufs Auge, zudem dürften die eher moderaten Hardwareansprüche eher für größere Feldschlachten des Open-RvR ausgelegt sein als ein Grafikmonster a la Age of Conan.

Oldschool!

Die Kämpfe gegen Monster laufen dabei eher oldschool-mäßig ab. Ihr visiert einen Gegner an und initiiert den Kampf mit einer beliebigen Fertigkeit, womit sich eure Spielfigur im Kampfmodus befindet und weitere Grundschläge automatisch verrichtet. Es liegt nun an euch, aus der großen Palette an Fähigkeiten die richtigen auszuwählen und den Widersacher zur Strecke zu bringen. Im Hintergrund laufen unterdessen Zufallsberechnungen ab, die darüber entscheiden, ob eine Aktion glückt oder nicht.

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Konflikte zwischen Spielern nehmen in WAR eine zentrale Rolle ein.
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Dabei hat weniger euer Können Einfluss auf den Ausgang des Kampfes, sondern eher die eingesetzten Fertigkeiten sowie eure Ausrüstung. Ein wenig umgewöhnen müssen sich erfahrene PvP-Recken aber schon, denn Warhammer Online enthält im Reichskampf Kollisionserkennung. Es ist also nicht möglich, durch feindliche Figuren hindurch zu laufen, womit eine größere taktische Spieltiefe entsteht. Tanks können sich beispielsweise feindlichen Spielern, die ihren Heilern ans Leder wollen, in den Weg stellen.

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Diese Mutation ist nicht mal in WAR vorgesehen.
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Gewöhnungsbedürftig könnte dagegen vor allem für MMOG-Einsteiger die hohe Anzahl unterschiedlicher Skills sein. Neben den normalen Fertigkeiten des Talentbaums einer jeden Klasse erhaltet ihr nämlich auch Reichsfähigkeiten, Moralfertigkeiten oder auch Meisterschaftsskills, womit recht schnell ein relativ unübersichtlicher Wust entsteht, den es zu entwirren gilt. Vermutlich wird es einige Anläufe und möglicherweise mehrere Spielfiguren lang dauern, bis man das gesamte System in seiner Gänze versteht.

Doch im Endeffekt ist das nicht wirklich schlimm. Warhammer Online ist mit seinen sechs Rassen so aufgestellt, dass man mindestens genauso häufig eine neue Spielfigur erstellen kann, ohne immer wieder das Gleiche zu spielen. Das liegt daran, dass zumindest die Startpunkte dieser Fraktionen unterschiedlich aufgebaut sind und damit ein hoher Wiederspielwert geboten wird.

Nicht alles Gold, was glänzt

Doch auch bei Warhammer Online ist nicht alles Gold, was glänzt, und noch ein ganzes Stück davon entfernt perfekt zu sein. Ärgerlich sind beispielsweise Abstürze des Spiels bei der Verwendung von Alt-Tab, durch die Gegend warpende oder im Boden versinkende Mobs oder auch Monster, die gar nicht angreifbar sind, weil sie sich angeblich nicht in Reichweite befinden.

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Das Anvisieren der Gegner ist weniger gelungen.
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Weniger gelungen ist zudem das Anvisieren feindlicher Spieler oder Monster. Häufig werden nicht die nächststehenden Angreifer aufgeschaltet, sondern irgendwo in der Pampa umherlaufende Gegner, was vor allem bei hektischen Kämpfen von großem Nachteil ist. Selbst das manuelle Anklicken funktioniert nicht hundertprozentig, weil die Abfragen zu fisselig geraten sind und man daher oft nicht auf Anhieb den richtigen Kontrahenten erwischt.

Das gilt übrigens auch für die Beutesäcke, bei denen man häufig mehrere Klick-Anläufe benötigt. Nicht nachvollziehbar ist auch die Tatsache, dass Monster offensichtlich über keine Sichtlinie verfügen und euch auch attackieren, wenn ihr euch hinter Objekten befindet, ihr aber im Gegenzug sie nicht attackieren könnt. Unverständlich ist zudem, warum man darauf verzichtet hat, einen Worldchannel zu implementieren.

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Die Gruppensuche wird durch dieses Fenster ernorm erleichtert.
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Die Kommunikation unter den Spielern und damit der Aufbau einer Server-Community wird dadurch gravierend erschwert. Überhaupt ist das Interface nicht eben das Sahnestück von Warhammer Online: Der Chat lässt sich nicht wirklich gut konfigurieren und bietet insgesamt zu wenig Möglichkeiten. Warum lassen sich beispielsweise keine Gegenstände im Chat verlinken? Das gehört nun schon seit einiger Zeit zum Standard.

Ärgerlich ist darüber hinaus, dass Einstellungen häufig nicht abgespeichert werden und sich Fenster nach einem neuerlichen Login an den falschen Positionen befinden. Eine ganze Reihe von Quests wurde zudem noch nicht ins Deutsche übersetzt, bisweilen wird sogar noch immer eine unglücksselige Mischung aus Deutsch und Englisch angeboten.