Es gibt so Tage, an denen ich mir die Frage stelle, ob die Konkurrenz den Genre-Primus „World of Warcraft“ überhaupt vom Thron schubsen möchte oder zumindest an eben jenem sägen will. Fühlt man sich eventuell wohler in der Rolle des Underdogs? Will man sich vielleicht gar nicht um eine solch große Spieleranzahl kümmern müssen?

Eigentlich sollte man diese beiden rhetorischen Fragen mit einem ganz klaren „Natürlich will ich erfolgreich sein“ beantworten können. Wenn man sich allerdings die Ergebnisse des gestrigen Starts der europäischen Open Beta von „Warhammer Online: Age of Reckoning“ ansieht, kommen einem so manche Zweifel. Hat da etwa jemand Angst vor der eigenen Courage?

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Die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Start waren eigentlich optimal. Selten zuvor gab es einen solchen Run auf Betakeys wie im Fall von „Warhammer Online“. Neben den Vorbestellern der Collectors und der Standard Edition wurden europaweit zudem noch mehr als 100.000 weitere Spieler eingeladen, von den bereits aktiven Teilnehmern der Closed Beta ganz zu schweigen.

Warhammer Online: Age of Reckoning - Der schwarze Beta-Sonntag: Und täglich grüsst das Murmeltier…

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Vorfreude ist die schönste Freude - nur sollte die auch erfüllt werden.
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Am frühen Nachmittag des 7. Septembers sollte es dann losgehen. Ein großer Stresstest wurde seitens GOA angekündigt und genau diesen gab es dann auch. Allerdings wurden neben den Servern vor allem auch die Nerven der Spieler strapaziert, konnten doch die meisten noch nicht einmal ihren Betakey eingeben und somit das Spiel aktivieren.

Da stellt sich natürlich zwangsläufig die Frage, ob die gewählte Konstellation nicht von Anfang an ein zu großes Risiko gewesen ist. Die Open Beta an einem Sonntag zu starten, an dem nun wirklich so gut wie jeder Teilnehmer am heimischen Rechner sitzen und die F5-Taste malträtieren kann, ist schon von Natur aus ein absoluter Stresstest für die Server.

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Besonders ärgerlich: Die Betaserver selbst laufen absolut stabil.
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Bedenkt man nun, dass auch die Eingabe der Keys erst am Sonntag starten sollte und die offizielle Seite dank des massiven Flash-Einsatzes schon seit jeher keinen besonders stabilen Eindruck hinterließ, konnte man sich schon vage vorstellen, welche Szenen sich in deutschen Wohnungen abspielen würden.

Rien ne va plus

Abertausende Spieler versuchten über viele Stunden vergeblich ihre Accounts freizuschalten und ließen ihrem Frust in unzähligen Forenbeiträgen freien Lauf. Bis in die späte Nacht gab es keine Verbesserung der Situation, so dass der als großer Testlauf für den baldigen Start geplante Beta-Sonntag zu einem kleinen Fiasko für GOA wurde.

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Mittlerweile äußern sich sogar GOA-Mitarbeiter und gestehen Fehler ein.
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Dort ist man sich dessen durchaus bewusst und geht mit den Fehlern offen und ehrlich um. So liest man beispielsweise offizielle Statements wie: „Zunächst möchte ich mich für die lange Wartezeit und die Probleme mit der Aboseite entschuldigen. Ja, es war vorhersehbar, dass sie Probleme macht und ja es ist kein guter Plan, so was am selben Tag zu machen. So wurde durch die Fehler der Seite aus einem normalen Stresstest des Systems ein Stresstest für euch.“

Oder auch: „Heute war ein schwarzer Tag. Wir haben einen massiven Ansturm an Spielern erwartet, aber die Realität war wesentlich härter.“ Die Generalprobe wurde also weitestgehend verpatzt und sicherlich haben sich dadurch auch einige Spieler aus dem potentiellen Kundenkreis verabschiedet. Dass die eigentlichen Spielserver einen durchaus stabilen Eindruck hinterlassen und auch „Warhammer Online“ an sich durchaus das Potential zum Blockbuster hat, gerät da leider schnell in Vergessenheit.

Das nächste Flagschiff?

Bleibt nur zu hoffen, dass der eigentliche Start in etwas mehr als einer Woche reibungsloser über die Bühne geht, denn ansonsten droht „Warhammer Online“ ein ähnliches Schicksal wie der gesamten jüngeren World of Warcraft-Konkurrenz. Sowohl „Hellgate: London“ als auch „Age of Conan“, die beiden letzten Hype-Titel im Genre der Online-Games, legten keinen wirklich ruhmreichen Start hin.

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Hellgate: London konnte sich von seinen Startproblemen nie wieder erholen.
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Während die Flagship Studios mittlerweile gänzlich von der Bildfläche verschwunden sind und es ihrem Debüt auch nicht wesentlich besser ergeht, kann das MMO der norwegischen Firma Funcom nach offiziellen Angaben zumindest noch auf eine mehr oder weniger beachtliche Anzahl an Abonnenten zurückgreifen. Von den Versäumnissen zum Release wird sich „Age of Conan“ aller Voraussicht nach allerdings nicht mehr erholen können.

Und während die Konkurrenz mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen hat, lacht man sich bei Blizzard Entertainment ins Fäustchen. Denn auch wenn es seit dem Release von „World of Warcraft: The Burning Crusade“ vor mittlerweile fast 20 Monaten nur sehr wenige Content-Updates gab und sich die Spieler größtenteils langweilen, scheint es weit und breit niemanden zu geben, der ihnen wirklich gefährlich werden könnte. Schade eigentlich…