Selbst einmal sein eigenes Videospiel zu erschaffen! Viele Spieler hegen diesen Wunsch, aber nur die wenigsten verwirklichen ihn tatsächlich. Jeff Butler und Brad McQuaid können sich zu den Glücklichen zählen, die sich ihren Traum erfüllen konnten. Ende der Neunziger wirkten die beiden an Everquest mit, bevor sie den Sprung ins kalte Wasser wagten und Sigil Games gründeten. Mit ihrem Erstlingswerk Vanguard: Saga of Heroes wollen die beiden auch alle MMO-Spieler an ihrem Traum teilhaben lassen.

Nach fünf Jahren Werkeln hatte sich das Spiel zu einem potentiellen Kracher entwickelt - doch wie bei jedem neuen MMORPG stellt sich die Frage, ob man auch mit der Konkurrenz mithalten kann. Mit Titeln wie Guild Wars, World of Warcraft und dem kommenden Warhammer Online: Age of Reckoning ist das MMOG-Genre mehr als stark besetzt.

Um nicht sofort wieder von der Bildfläche zu verschwinden hat man sich bei Sigil der Komplexität verschrieben: Gerade denjenigen, denen bisherige Online-Rollenspiele einfach nicht groß, umfangreich und ausgeklügelt genug sind, wird mit Vanguard ein gefundenes Fressen serviert!

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Paradies für Leseratten!
Monumental bereits die Story: Anstatt die Handlung mit einem knappen Text abzuhandeln, wartet Sigil auf seiner Webseite mit einer monumentalen Bibliothek an Sagen und Geschichten auf. All das kompakt wiederzugeben wäre unmöglich. Hinzu kommt, dass jede Rasse ihre eigene Story besitzt, die dem Spieler zu Beginn des Spiels erzählt wird. Wer am Schmökern Spaß hat, sollte also bestens versorgt sein.

Vanguard - Saga of Heroes - Komplexität vs. Bugs, Faszination vs. Frust: Angriff auf den Genre-Thron?

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Die monumentale Spielwelt Telon! Das riesige Meer bietet ausreichend Platz für Expansionen.
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Vanguard "spielt" auf Telon, dem riesigen Heimatplaneten unzähliger Fabelwesen. Aufgeteilt in die drei Kontinente Thestra, Quali und Kojan wird die Welt von 19 Rassen bevölkert. Ein Blick auf die Karte sagt mehr als tausend Worte.

Die Welt ist gigantisch groß und bietet alles was das Herz eines jeden Rollenspiel-Puristen begehrt; angefangen bei unzähligen Monstern, individuellen Landschaften, bis hin zu massenhaft Dungeons und Instanzen.

Die Sigil-Köpfe Jeff und Brad haben ihr Versprechen, dem Geschehen Individualität und Tiefgang einzuhauchen, gehalten. Ähnlich wie bei Oblivion werden dem Spieler durch den Charaktereditor mannigfaltige Gestaltungsfreiheiten zu Füßen gelegt. Unter den zahlreichen Rassen finden sich allseits bekannte Wesen wie Orks, Menschen, Zwerge, Elfen aber auch wolfsartige Geschöpfe wie die Raki. Jede Rasse besitzt eigene Fertigkeiten und eine ganz individuelle Spezialfähigkeit.

Als Nächstes kommen die Klassen ins Spiel. Von ihnen gibt es derzeit 15 Stück, zwei weitere hat Sigil auf die Zeit nach dem Release verschoben. Egal ob Tank, Damagedealer, Arkanemagier oder Heiler; alle wünschenswerten Grundtypen sind verfügbar - allerdings kann keine Rasse mit allen Klassen kombiniert werden.

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Hässlich aber dennoch schön: Mit dem Charakter-editor lässt sich viel anstellen!
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Noch schnell den Vor- und Nachnamen eingeben und schon wagen wir uns an das Aussehen heran. Groß oder klein, schmächtig oder muskulös, euch wird freie Hand gelassen.

Nicht umsonst wird der Vergleich mit Oblivions komplexem Editor angestellt. Ähnlich wie dort habt ihr eine schier unbegrenzte Auswahl an Darstellungs-möglichkeiten eures Helden - die Oberweite eines weiblichen Charakters eingeschlossen.

Optimales Werkzeug
Setzt man zum ersten Mal einen Fuß auf Telon, werden dem ehemaligen WoW-Anhänger sofort Parallelen ins Auge stechen. Gemeint ist damit das komplette Interface, welches sehr dem von Blizzards-Meisterwerk gleicht. Sicher hat man an dieser Stelle das ein oder andere abgekupfert, was aber keineswegs verkehrt erscheint. Schließlich hat sich dieses Interface in der Vergangenheit mehr als bewährt - und dank der Anpassbarkeit ist es ohnehin nur eine Frage des persönlichen Geschmacks, wie man "sein" Interface letztendlich gestaltet.

Bloß draufhauen kannst du woanders!
Mittelpunkt der Spielerfahrung ist bei den meisten MMO's der Stufenaufstieg, das so genannte "Leveln". Durch das Töten von Gegnern bekommt der Spielcharakter Erfahrungspunkte, die in regelmäßigen Abständen zum Levelaufstieg führen. In Vanguard kann der Spieler neben dieser klassischen Möglichkeit der Charakterentwicklung auch in den Bereichen "Crafting" (quasi ein Beruf) und "Diplomatie" an Erfahrung gewinnen und sein Alter Ego verbessern.

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Auf den später erhältlichen Reittieren sind sogar Kämpfe möglich - das findet man selten.
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Theoretisch könnten engagierte Handwerker ihr gesamtes virtuelles Leben nahezu ohne einen einzigen Kampf bestreiten, auch wenn die Materialien für Schwerter u.ä. dann natürlich teuer von anderen Spielern eingekauft werden müssen.

Ähnliches gilt für die Diplomatie: Wer den Gegner nicht den Schädel, sondern eher das Hirn spalten will, duelliert sich mittels eines Kartenspiels, ganz ohne Blutvergießen. Auch hier gewinnt die Spielfigur nach und nach Erfahrung und steigt im Diplomatie-Level auf. Sowohl Crafting- als auch Diplomatie-System sind sehr komplex, wer es in allen Bereichen zu etwas bringen will, muss kräftig Zeit investieren.

Kämpfe verlaufen recht flott und fetzig, bekommen bei fortschreitender Heldenentwicklung aber einen immer größeren taktischen Anspruch. Ein Klick auf das anvisierte Ziel genügt, damit euer Charakter wiederholt mit seiner derzeitigen Waffe zuschlägt. Wie schnell er dabei ist und welcher Schaden angerichtet wird, entnimmt man den Statistikangaben im Ausrüstungsbildschirm. Auto-Attacken allein führen aber höchstens zum verfrühten Ableben. Spezialfähigkeiten sind gefragt. Genutzt werden diese wie gewohnt durch einen Klick auf das entsprechende Icon oder Drücken der entsprechenden Nummerntaste.

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Die Siedlung Tursh dient als eines der Startgebiete.
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Je nach Heldentyp erhalten Kämpfe eine andere Dynamik. Als Krieger etwa stürzt man sich ins Getümmel, der Schurke schleicht sich von hinten an und hantiert mit Giften und als Magier hält man sich die Brut schön vom Leib und agiert mit machtvollen Sprüchen. Insgesamt ist das Kampfsystem komplexer und vielschichtiger als etwa das von World of Warcraft.

Nur wer achtsam das Geschehen verfolgt, kann beispielsweise eine Kettenattacke auslösen, die nach einer bestimmten Abfolge von Angriffen für einen kurzen Moment verfügbar ist.

Sollte man dann aller Achtsamkeit zum Trotz doch mal das Zeitliche segnen, wird man am Altar um die Ecke wiedergeboren. Ab Level 7 gibt's dafür eine Bestrafung, der Charakter verliert Erfahrung und einige seiner Gegenstände. Wer zur Stelle des Ablebens zurückläuft und seine Leiche aufsammelt, bekommt beides in vollem Umfang zurück. Ist der Weg zu lang oder gefährlich, können Gegenstände mit 15% Haltbarkeitsverlust auch direkt am Altar wieder eingesammelt werden - die Erfahrung ist dann aber unwiederbringlich futsch.

Selbst ist der Mann
Von Händlern abhängig zu sein ist doof und schon längst nicht mehr angebracht - Selbstverpflegung lautet die Devise. Star Wars Galaxies und einige andere Kollegen haben es mittlerweile zum Standard gemacht, Berufe auszuüben.
In Vanguard ist man ebenfalls seines Glückes Schmied. Schlägt man den Weg des Crafting ein, wird man ähnlich wie in World of Warcraft Gegenstände herstellen können - gemeinsam mit anderen Spielern sogar solch komplexe Dinge wie Häuser und Schiffe. Mittels "Harvesting" ist auch die Beschaffung der dafür notwendigen Materialien kein Problem mehr.

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Bück dich Fee, Wunsch ist...Entschuldigung, falscher Artikel.
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Allerdings läuft das Crafting-System um einiges realistischer und wesentlich mühseliger ab als etwa in World of Warcraft. Zudem kann der Beruf des Handwerkers nicht nur zur Langzeit-, sondern gar zur Vollzeitbeschäftigung ausarten!

Im Gegensatz zu vielen Genrekollegen geht beim Craften auch durchaus mal was schief, dann sind die Materialien und Craftingpunkte futsch. Für MMO-Puristen mit Hang zum Realismus grandios - für Gelegenheitsspieler eher frustrierend.

Pimp my mount
Vangaurd-Charaktere düfen schon mit Level 10 ihrem Pferd zum ersten Mal die Sporen geben. Einfach zum Händler gehen und für ein paar Silberstücke das Pferd seiner Wahl erwerben. Je nach Level gibt es schnellere Pferde und allerlei Utensilien wie Hufeisen, die euer Reittier noch fixer durch die Gegend galoppieren lassen.

Anker lichten, Segel setzen!
In die benachbarten Länder gelangt ihr via Schiff oder Teleport. Während der Überfahrt ist euer Alter-Ego stetig Gefahren ausgesetzt, die in den Tiefen des Meeres lauern. Erst recht, wenn ihr mit eurer eigenen Schaluppe über die Weltmeere segelt. Versteht man etwas von diesem Handwerk, sind selbst überdimensionale Schlachtschiffe möglich. Zwar wurde noch kein Schiff von einem Seemonster zerstört - Gerüchte um derlei Getier halten sich jedoch hartnäckig. Dennoch scheinen die Wasserbewohner bislang nicht integriert zu sein.

Zuhause ists am Schönsten
Wer nicht nur mit seinem Pferd, Schiff und sogar Drachen (bislang ist es allerdings keinem Spieler gelungen, sich ein solches Geschöpf untertan zu machen) prahlen möchte, sollte auf alle Fälle auch im Besitz eines Anwesens sein. Gildenhousing und Spielerstädte sind im Gegensatz zu der Möglichkeit, sich sein eigenes Häuschen zu bauen (Player Housing) noch nicht implementiert, die potentiellen Grundstücke können aber bereits erforscht werden. Für die individuelle Gestaltung sollen unzählige Gegenstände zur Verfügung stehen - Näheres ist jedoch bislang nicht bekannt.

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Die Dungeons bieten Abenteuer für bis zu 24 Recken.
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Die schönste Freude
Vanguard bietet vier unterschiedliche Servertypen: PvE (Player vs. Environment), PvP (Player vs Player), Team-PvP und RP-PvE (Rollenspiel-PvE). PvP stellt inzwischen einen festen Bestandteil in der Welt der Rollenspiele dar - Schadenfreude ist nun einmal die schönste Freude.

Allerdings genießt PvP in Vanguard nicht die höchste Priorität - deshalb sollen die Klassen offiziellen Angaben zufolge auch nie wirklich balanced sein. Sigil hat mittlerweile viele tolle PvP-Features angekündigt, bisher suchen wir diese im Spiel aber vergeblich.

Malerisches Gewand
Sigil setzt für sein Erstlingswerk auf die Unreal 2.5-Enginge, die eigentlich heutzutage nicht mehr in der Oberliga mitspielt. Was die Entwickler dennoch aus angestaubten Engine herausgeholt haben, ist durchaus beeindruckend. Egal ob die dichten Wälder Kojans, weite Wüsten Qualias oder das Startgebiet der Halblinge, es gibt unheimlich viel zu entdecken und zu erleben. Die Umgebung wirkt dynamisch und lebendig, wozu auch beeindruckende Tag- und Nachtwechsel, feine Partikel- und ausgefeilte Schatteneffekte beitragen.

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So schön kann wandern sein: Das idyllische Dorf Rindol Field.
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Schade nur, dass die Gebietswechsel zum Teil enorme Nachladepausen mit sich bringen. Noch mehr Pausen werden einem auferlegt, wenn man sich mit einem schwachen System an Vanguard wagt.

Die Systemvoraussetzungen sollten folglich auf alle Fälle erfüllt werden, sonst bleibt der Spielspaß gehörig auf der Strecke. Dafür trägt die Soundkulisse zur tollen Atmosphäre bei und reicht von vielseitigen Musikfetzen bis hin zu kraftvollen Effekten.

Das geht gegen den Strich
Wagt man sich tiefer in das Abenteuer, wird schnell klar, dass Vanguard noch von allerlei Bugs geplagt wird. Hier und da verschwinden Kreaturen, man bleibt immer wieder stecken, kann Gegner nicht genau anvisieren und von Grund auf aggressive Feinde greifen nach ihrem Respawn prompt an und können euch somit zum Verhängnis werden - um nur einige Probleme zu nennen! Zu allem Überdruss leidet das Online-Game an Performanceproblemen, die hoffentlich bald behoben werden.

Bis dass der Tod uns scheidet?
Im Gegensatz zu World of Warcraft setzt Vanguard die maximale Stufe (Level-Cap) zwar "nur" bei Level 50 an, allerdings dürfte das Erreichen derselben deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen als beim Blizzard'schen Konkurrenten. Wer also schon in WoW zu kämpfen hatte, dem wird bei Vanguard garantiert die Puste ausgehen. Langzeitspieler dagegen haben ihre helle Freude daran, Monate lang vor den Bildschirm gefesselt zu werden.

Privatsphäre? Ach was…
Kennt ihr zufällig einen Spieler in Vanguard und auch den Namen seines Charakters? Dann stattet der offziellen Seite des Spiels doch einmal einen Besuch ab und gebt dort den Namen ein. Anschließend habt ihr Einsicht in allerlei Statistiken. Jeder Schritt eines jeden Abenteueres in Telon wird dort verzeichnet und sogar mit Screenshots ausgeschmückt. Vobildlich, was die Entwickler da auf die Beine gestellt haben. Ach ja, wer nicht mag, dass andere zu viel über einen erfahren, der beschränkt den Zugang ganz einfach auf seine Wenigkeit.