Wie viele MMOGs verträgt der Markt, bevor er zusammenbricht? Woher kommen auf einmal all die Arena-Games und wer zum Teufel soll die alle spielen? Diese und andere Fragen zermartern unserem Genre-Experten regelmäßig das Hirn. Immerhin sind seine Grübeleien für etwas gut, denn so bekommen wir auch in dieser Woche wieder einen kleinen Überblick, über eine ansonsten recht chaotische Szene.

Tom Clancy’s The Division - koordiniert ins Chaos

Chaotisch geht es nicht nur in der MMOG-Branche zu, sondern auch in der Welt, in der Tom Clancy’s Division versucht, irgendwie wieder für Recht und Ordnung zu sorgen, und zu retten, was zu retten ist. Viel ist das anscheinend nicht, denn wo Seuchen die Bevölkerung dahinraffen und den Rechtsstaat aushebeln, verfällt der Mensch in seine naturgegebenen Verhaltungsmuster.

Die Überlebenden schließen sich nach einer wie auch immer gearteten Apokalypse zu kleinen Gangs zusammen, suchen sich einen starken Anführer und plündern auf ihren Raubzügen alles, was irgendwie wertvoll erscheint. Nach nur wenigen Tagen sind die letzten Konserven, Waffen und Werkzeuge aus den Häusern und Läden verschwunden und der erbitterte Kampf ums Überleben kann beginnen. und - um die Sache mit einem Zitat aus ‘The Walking Dead’ zu beschreiben: “This isn’t a democracy anymore.”

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Der Stoff, aus dem die Träume sind

An dieser Phase etwa setzt The Division ein und ist damit aus genau jenem Stoff, aus dem auch die Träume der im kontrollierten Wohlstand aufgewachsenen Generationen sind. So friedlich die Welt und ihre Ordnung für uns auch scheint - hin und wieder sehnen wir uns danach auszubrechen, sehnen uns nach Anarchie und Chaos - ob nun im Kino, in Live-Rollenspielen oder auf dem Computer.

The Division hat die Chance, genau dieses Bedürfnis zu befriedigen. Zwar wird das Spiel kein MMORPG im klassischen Sinne, doch das muss es auch nicht. Auch ein Multiplayer-Open-World-RPG kann, die richtigen Mechaniken vorausgesetzt, in diese Kerbe schlagen. Ubisoft scheint genau das zu planen, umschifft klugerweise weiterhin das MMOG-Genre und setzt den Anker an längst vergessenen Ufern.

Weniger kann manchmal mehr sein

Das erspart einem den erbitterten Streit zwischen Befürwortern von Abo- und Free-To-Play-Modell ebenso wie das Geflame der MMOG-Communitys, die jedes MMOG-Projekt schon im Vorfeld für gescheitert erklären und den Entwicklern ihre Arbeit damit nicht gerade leichter machen. Und der Verzicht auf das ‘Massively’ ist auch in technischer Hinsicht von Vorteil.

Wiped! - Clancys Vermächtnis

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Die Atmosphäre stimmt, die Technik auch. Jetzt muss Ubisoft nur genügend Geduld mitbringen, damit Massive das Spiel auch wie geplant vollenden kann.
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Niemand wird es kritisieren, wenn das Spiel, das augenscheinlich auf extremes Phasing setzt, eine Gruppe im Einsatz mit einer ähnlich starken, feindlich gesinnten Gruppe konfrontiert und die Kämpfenden während der Auseinandersetzung vom Rest der Spielerschaft abkoppelt. Das Gefühl einer offenen Welt bleibt trotzdem erhalten, wenn der Zusammenstoß, wie ersten Gameplay-Video gezeigt, nahtlos und ohne Ladebildschirm erfolgt. The Division könnte damit mehr Onlinewelt werden als die chronisch instanzierten Pseudo-MMORPGs der letzten Jahre.

Technik, die begeistert

Für diesen Ansatz spricht derzeit nicht nur das Gameplay-Video aus dem vergangenen Jahr, sondern auch der aktuelle Clip von der Game Developers Conference, in dem Ubisoft die hauseigene Snowdrop Engine etwas näher vorstellt - eine Engine, die mit all den Funktionen, die sie zu liefern scheint, sämtliche MMOG-Engines in den Schatten stellen kann und die dabei auch noch höllisch gut ausschaut.

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Und das liegt eben daran, dass man sie nicht vorrangig an die Bedürfnisse eines typischen MMOGs anpassen muss. Die Entwickler bringen es auf den Punkt, wenn sie feststellen, dass man die Technik nicht aufblasen, sich nicht auf die pure Rechenkraft verlassen, sondern schlau agieren sollte. Schläue also - eine Eigenschaft, die ich in den letzten Jahren bei so vielen Entwicklern vermisst habe, die allesamt und in jeder Hinsicht mit den Ressourcen nur so um sich geworfen haben.

Packshot zu Tom Clancy's The DivisionTom Clancy's The DivisionErschienen für PC, PS4 und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass die Jungs von Massive Entertainment, die vor The Division ihre Finger bei Far Cry 3, Assassin’s Creed: Revelations und World in Conflict mit im Spiel gehabt haben, von Ubisoft auch genügend Zeit bekommen, die technischen Errungenschaften in die Tat umzusetzen, denn während der Publisher das Spiel für 2014 angesetzt hat, halten die Entwickler ein Release im kommenden Jahr für realistischer.

Skyforge - eine russisch-amerikanische Freundschaft

Im Gegensatz zu Massive Entertainment bekennt man sich bei Obsidian Entertainment und Allods Team klar zu den MMORPGs und möchte Skyforge zu einem ebensolchen machen. Ja, ihr habt richtig gehört - Obsidian, die unter anderem für Star Wars: Knights of the Old Republic II, Neverwinter Nights und Fallout: New Vegas verantwortlich zeichnen, arbeiten mit den Entwicklern von Allods Online zusammen.

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Gott bewahre, mag sich jetzt wohl der eine oder andere denken, angesichts des miserablen Rufs, den Allods bei uns genießt. Der allerdings begründet sich auf dem fürchterlichen Geschäftsmodell, dass sich Euro-Publisher Gala Networks Europe, mittlerweile von Webzen übernommen, einst ersonnen hatte und hat weniger mit der Qualität von Allods Online zu tun.

Diesmal bitte richtig

Die konnte und kann sich nämlich sowohl technisch als auch spielerisch durchaus sehen lassen. Zudem bietet Allods Online eine recht innovative Form von teambasiertem PvP-Endgame, was beweist, dass man sich im russischen Studio durchaus Gedanken über bisweilen stiefmütterlich vernachlässigte Mechaniken macht und die richtigen Schwerpunkte setzt.

Bleibt nur zu hoffen, dass sich der Publisher, wer auch immer es diesmal wird, nicht minder fleißig Gedanken macht und für Skyforge mit einem tragbaren und vor allem fairen Geschäftsmodell aufwartet. Der Trailer verspricht zumindest schon mal, dass man in den vergangenen Jahren technisch ordentlich dazugelernt hat und optisch mittlerweile in der oberen Liga mitspielen kann.

Shadowrun Online - plötzlich geht alles ganz schnell

Ganz so weit oben spielt das kleine Studio Cliffhanger Productions technisch wohl noch nicht. Und doch hat man es geschafft, seit dem erfolgreichen Kickstart vor anderthalb Jahren eine treue Gefolgschaft aufzubauen, die geduldig auf das Release von Shadowrun Online wartet, das eigentlich schon für das vergangene Jahr angesetzt war.

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Doch in der Gaming-Branche läuft selten alles wie geplant und so hatte das Studio aus Österreich sowohl in technischer als auch finanzieller Hinsicht eine harte Zeit hinter sich. Umso überraschender die aktuelle Nachricht, dass Unterstützer und Vorbesteller noch am 31. März via Steam in den Early Access einsteigen dürfen.

Cliffhanger liefert dann selbstverständlich noch kein komplettes Spielerlebnis ab, präsentiert vielmehr eine Art Prequel zum eigentlichen Spiel, jedoch wird dieser Schritt dem Projekt aller Voraussicht nach zu etwas mehr Popularität verhelfen und so ein paar Euros extra in die Kasse des kleinen Studios spülen - auf dass der virtuelle Ableger des beliebten Tabletop-Rollenspiels endlich mal fertig wird.

ArcheAge - mehr Sand, weniger heißer Brei

Endlich mal fertig werden - das fordert auch die westliche Fangemeinde von ArcheAge, die seit etlichen Monaten darauf wartet, dass Trion mal einen Zahn zulegt und den ‘Sandpark’ für uns eröffnet - bislang vergeblich. Jetzt allerdings rührt sich etwas im Hause Trion und wie Community Manager Evan Berman verkündet, arbeite man an Pre-Launch-Paketen, die ihren Käufern einen Zugang zur Closed Beta garantierten. Außerdem erklärt Berman erstmals offiziell, dass ArcheAge noch in diesem Jahr veröffentlicht werden soll. Na, immerhin.

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Der Fall von ArcheAge in Südkorea ein Beispiel dafür, was passiert, wenn Entwickler zu sehr auf Themepark-Konzepte setzen
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Weniger mitteilungsfreudig zeigte sich der Community Manager indes in Bezug auf den umstrittenen Patch 1.0, der das Spiel in Südkorea noch stärker als bisher in Richtung Themepark getrieben hat. Berman sprach ausweichend davon, dass man sowohl bei Trion Worlds als auch bei XLGames daran interessiert sei, dass ArcheAge eine Free-To-Play-Sandbox werde, die zu Trions Vision passt: ‘Keine Tricks. Keine Fallen’.

Und während ich diese Vision durchaus begrüße und mich über ein faires Free-To-Play-Modell freue, macht mich die kommunikative Vorsicht von Evan Berman doch stutzig. Gerade ein Community Manager sollte offen zu den Bedenken der Fans Stellung nehmen und frei heraus sagen, wie Trion mit der Debatte umzugehen gedenkt, statt wie ein windiger Politiker um den heißen Brei herumzureden. Die Zeiten, in denen sich Trion als absolutistischer Herrscher über virtuelle Welten aufspielen konnte, sind längst vorbei.

So viele Spiele, so wenig Zeit

Und auch unsere Zeit ist für diese Woche abgelaufen, denn das Wochenende ist kurz und die Liste der Games, die gespielt werden wollen, ist lang: Da wäre einerseits die nächste Beta-Runde von WildStar Online zu nennen, in dem ich noch ein paar Level vor mir habe. Außerdem habe ich einen Alpha-Zugang zum genialen Trading-Card-Game HEX bekommen sowie vom deutschen Sandbox-Game Albion Online, in das ich große Hoffnungen setze.

Und dann wären da noch Blizzards Heroes of the Storm, das ich aktuell rauf und runter zocke - hin und wieder auch schon mal mit unserem Community-Mann Kenny, der die Spiele über den Twitch-Kanal von Gamona streamt. Wer also noch keinen Zugang hat und wissen möchte, ob Heroes of the Storm mit League of Legends, Heroes of Newerth und Dota 2 mithalten kann, sollte unbedingt mal reinschalten.