Zwei volle Jahre benötigte Funcom, bis das fehlerbehaftete Age of Conan mit der Erweiterung Rise of the Godslayer endlich richtig funktionierte. Und im kommenden Frühjahr, exakt drei Jahre nach dem verunglückten Release des Barbaren-MMOs, will das Studio mit The Secret World schon das nächste MMOG hinterherschieben. Immerhin einer ist sich sicher, dass es diesmal auf Anhieb klappen wird: Entwickler Joel Bylos.

"Wir können wirklich alles tun"

gamona: Joel - dass du ein grandioser PvEer bist und dich mit dem Orden der Templer identifizierst, haben wir während unserer Gaming-Session vorhin schon erfahren. Doch wie kommt man als Australier auf die Idee, sich in ein norwegisches Studio zu hocken, um dort ein Horror-MMOG zu entwickeln?

Joel Bylos: Oh, das hatte eigentlich gar nichts mit The Secret World zu tun. Ich arbeite schon seit vielen Jahren für Funcom, ursprünglich als Quest-Designer für Age of Conan. Danach beförderte man mich zum Lead-Designer für die Erweiterung Rise of The Godslayer.

gamona: Durch die das Barbaren-MMO auf seine alten Tage ja doch noch richtig gut wurde.

Joel Bylos: Das stimmt - und vor allem freut es mich, dass wir in dieser Hinsicht einer Meinung sind.

gamona: Wobei du das Lob auch nicht überbewerten solltest. Mit Rise of the Godslayer war Age of Conan endlich auf dem Stand, auf dem es zum Release hätte sein sollen. Vor zweieinhalb Jahren war es eine herbe Enttäuschung.

Joel Bylos: Das war unserem gesamten Team auch bewusst, als wir die Arbeit aufnahmen. Ich muss sagen - es war mein erstes Spiel. Ich liebe alles, was mit Conan zu tun hat, die Welt, das Setting. Mir war es einfach wichtig, dass die Welt da draußen das Spiel bekommt, das wir im Sinn hatten. Über den Release damals war ich selbst enttäuscht. Wir wussten... naja... einige von uns ahnten, dass so etwas passieren würde. Wir hatten überall noch Lücken im Inhalt. Umso wichtiger war es für das Godslayer-Team zu beweisen, dass wir ein großartiges Spiel machen können.

gamona: Wie läuft Age of Conan denn eigentlich - jetzt nach der Umstellung des Geschäftsmodells?

Joel Bylos: Oh, das läuft mittlerweile wirklich ausgezeichnet.

The Secret World - „Wir sind vertraglich nicht zu Origin verpflichtet“

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MMO-Experten unter sich: Entwickler Joel Bylos und Redakteur Frank.
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gamona: Barbaren gibt es ja im Genre ja mittlerweile fast so oft wie Orks und Elfen. Auch Aliens und sogar Raumschiffe haben wir. Ihr allerdings geht einen ganz anderen Weg und arbeitet an einem Szenario, das weniger an Fantasy oder Science-Fiction, sondern am ehesten an unsere heutige Welt erinnert. Wie kommt man eigentlich auf so eine Idee?

Joel Bylos: Na ja, eigentlich ist es ja umgekehrt. Jedes Szenario hat doch seinen Ursprung irgendwo da draußen. Auch Tolkien hat seine Orks und Elben nur aus Legenden gezogen, die Teil seiner eigenen Welt waren. Wir machen es so ähnlich und greifen Dinge auf, die wir um uns herum wahrnehmen, formen unsere eigene Science-Fiction daraus und bauen damit das Fundament unserer Fantasy-Welt. Das Tolle daran ist die absolute Freiheit, die uns das Setting lässt. Es gibt keine Schranken - wir können wirklich alles tun!

Packshot zu The Secret WorldThe Secret WorldErschienen für PC

Es geht uns nicht allein darum, dass man in vertrauter Umgebung gegen Zombies kämpft. Doch ist es nicht toll, wenn man mit modernen Waffen gegen diese Kreaturen vorgehen kann? Und ist es nicht unglaublich cool, wenn sich dann auch noch Magie und moderne Technologie miteinander kombinieren lassen?

gamona: Macht es denn aus Entwicklersicht eine großen Unterschied, ob man eine Fantasy-Umgebung entwickelt oder eine Gegend, die irgendwo da draußen real existiert?

Joel Bylos: Oh ja! Wenn ich irgendwas Phantastisches basteln will, kann ich das nach meinen eigenen Regeln tun. Die echte Welt hingegen hat bereits gewohnte Regeln, anhand derer man sie erkennt. Wenn wir diese Regeln plötzlich übergehen würden, wären die Spieler frustriert. Wenn ich die Alarmanlage eines Autos auslöse und das Auto dann in die Luft jage, muss auch der Alarm verstummen. Die Spieler werden eine extrem hohe Erwartungshaltung in Bezug auf die Umgebung haben - ganz anders als bei einem Fantasy-Spiel.

Irgendwo im Spiel unterhalten sich die Charaktere über Google und ein Charakter zitiert Kommentare zu einem Video auf YouTube. Wenn man diesen Leuten dann begegnet, erkennt man sich selbst wieder, denn man wird man sofort an das erinnert, was man selbst täglich so tut.

"Wir reden nicht mehr über Dinge, die noch nicht fertig sind"

gamona: The Secret World soll schon im kommenden Frühjahr erscheinen - exakt drei Jahre nach Age of Conan. Manchen Fan, der sich an damals erinnert, beunruhigt das. Habt ihr Pläne, was den Release betrifft? Welche Lektionen habt ihr aus früheren Fehlern gelernt?

Joel Bylos: Mit Age of Conan setzten wir erstmals überhaupt auf unsere DreamWorld-Engine. Es gab also einen ganzen Haufen technischer Probleme, die wir im Laufe der letzten drei Jahre beheben konnten. The Secret World profitiert davon und läuft sehr viel stabiler. Klar, eine hundertprozentige Stabilität kann man natürlich nicht garantieren, doch das Spiel fühlt sich gut an, es ist schon jetzt sehr stabil und es sind immerhin noch sechs Monate bis zum Release.

Eine weitere Lektion haben wir in Bezug auf den Qualitätsstandard gelernt, den ein Spiel einfach braucht. In Age of Conan fehlte die Balance und die Qualität brach nach dem Verlassen von Tortage ein. Mein Job als Lead Content Designer ist es, dafür zu sorgen, dass die Qualität über das komplette Spiel hinweg relativ ausgewogen bleibt. Was ihr also am Anfang des Spieles zu sehen bekommt, wird sich in der gleichen Form in Ägypten und Transsilvanien fortsetzen.

Das Gleiche gilt auch für die Synchronisation. Es hat natürlich keinen Sinn, die NPCs in einem Teil des Spiels sprechen zu hören und im anderen nicht - The Secret World ist also komplett vertont.

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Erst die Erweiterung schaffte die meisten Probleme aus der Welt.
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gamona: Und nach allem, was ich bisher hören konnte, klingen die Sprecher auch ziemlich überzeugend - zumindest die englischen. Als ich dem Chef der Templer gegenüberstanden, hatte ich ein kleines Déjà-vu und fühlte mich an Morpheus erinnert, der Neo zu erklären versucht, was die Matrix ist.

Joel Bylos: Oh ja, das ist einer unserer besten, dieser Sprecher ist absolut überragend. Für all diese Dinge haben wir natürlich auch Ragnar Tørnquist, der schon die Dreamfall-Games gemacht hat. Und der ist nicht nur ein echt guter Autor, er hat es auch drauf, wenn es darum geht, die Sprecher anzuleiten.

gamona: The Secret World macht einen inhaltlich ausgereiften Eindruck, läuft relativ stabil, ist komplett vertont - trotzdem macht ihr noch keinen großen Wirbel um den Titel. Ist Funcom noch das gleiche Unternehmen wie vor drei Jahren?

Joel Bylos: Was unsere Öffentlichkeitsarbeit betrifft, so haben wir einiges verändert. Wir reden nicht mehr über Dinge, die noch nicht fertig sind. Wir gehen erst sicher, dass etwas wirklich funktioniert und im Spiel ist, bevor wir damit an die Öffentlichkeit treten. In Age of Conan zogen wir den Unmut der Spieler auf uns, die den Eindruck hatten, dass wir sie belogen - beispielsweise was DirectX 10 betraf. Wir hatten es ja versprochen und dann konnten wir es nicht rechtzeitig liefern. Die Spieler waren echt enttäuscht. Wir haben daraus gelernt und machen keine leeren Versprechungen mehr. Was wir euch für The Secret World ankündigen, wird auf jeden Fall auch im Spiel sein.

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Ein paar Bildchen hier, einige Infos dort - dennoch hält sich Funcom mit Secret World bedeckt.
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gamona: Bei Age of Conan schien es, als habe sich der Hype, den ihr damit ausgelöst hattet, an einem gewissen Punkt verselbstständigt und war nicht mehr kontrollierbar. Haltet ihr euch deswegen bei The Secret World so bedeckt?

Joel Bylos: Natürlich spielt das auch eine gewisse Rolle. Wobei wir uns gar nicht so bedeckt halten, wie es manchmal scheint. Ich lese auch oft in Foren, wie sich Leute darüber beschweren, dass wir keine Details zu dem Spiel herausrückten und sie bestimmte Sachen wissen wollen. Dabei habe ich über manche Dinge schon vor Monaten gesprochen - in dem einem oder anderen Interview.

Die Informationen sind also da draußen. Ich habe schon über das Skill-System mit dem Skill-Rad gesprochen. Ich habe erzählt, wie man im Spiel Erfahrung sammelt und wie die Kämpfe ablaufen. Natürlich findet man nicht alles an einer Stelle und muss schon ein wenig suchen. Insgesamt versuchen wir natürlich, den Hype so gering wie möglich zu halten.

"Wir haben uns an Dark Age of Camelot orientiert"

gamona: Es gibt drei Fraktionen, die sich durchaus in ihrer Gesinnung unterscheiden. Wollt ihr damit ganz gezielt die Rollenspieler anlocken oder was habt ihr dabei im Sinn gehabt?

Joel Bylos: Ja, Rollenspiel wird definitiv ein wichtiger Faktor in The Secret World sein. Das beginnt schon damit, dass man seinen Look tatsächlich beliebig gestalten kann, ohne dass der Dress dann irgendwelche Nachteile mit sich bringen würde. Genau deswegen gibt es auch keine Beschränkung für das Inventar, keine vollen Taschen oder Bankfächer. Jeder Spieler hat seinen eigenen Ankleideraum, in dem man Hunderte von Klamotten sammeln kann.

Gewisse Treffpunkte im Spiel eröffnen zusätzlich ganz neue Möglichkeiten für Rollenspieler. Es gibt Theater, wo Leute tatsächlich etwas aufführen können - mit allerlei Features und Punkten, die man dabei sammeln kann. Dann gibt es Tanzflächen, wo Spieler gemeinsam tanzen können - auch hierfür gibt es Punkte, wenn man es richtig macht und man hat Einfluss auf Lautstärke, Musik und Beleuchtung.

Wir bemühen uns also durchaus, den Leuten das Rollenspiel zu ermöglichen, und natürlich möchten wir, dass sich der Spieler mit der Fraktion identifiziert, für die er kämpft. Deswegen haben die Fraktionen ja auch einen jeweils eigenen Hintergrund mit ganz spezieller Philosophie.

The Secret World - Week of the Templars21 weitere Videos

Den Illuminati geht es um Sex, Drogen und Rock 'n' Roll - die bösen Jungs eben. Dann gibt es die Dragon, die nach alter Zen-Tradition leben. Sie sind zwar chaotisch ausgerichtet, nutzen das Chaos aber, um die Dinge wieder in ihre Balance zu bringen. Und wir haben die Templer, denen es um Gerechtigkeit, Redlichkeit, Ehrenhaftigkeit und Wahrheit geht und die das Böse vernichten wollen - um jeden Preis.

Logisch, dass die Spieler sich da zu einer bestimmten Gruppe hingezogen fühlen, der sie dann meist auch treu bleiben und innerhalb derer sie automatisch Rollenspiel betreiben. Man sieht das schon jetzt in den Foren. Wenn ein Illuminati etwas postet, kommt meist gleich die passende Antwort von einem Dragon, der darauf hinweist, was er von dem Post und den Illuminati an sich hält.

gamona: Gibt es einen speziellen Grund dafür, dass in The Secret World nicht zwei, sondern ausgerechnet drei Fraktionen um die Vormachtstellung streiten?

Joel Bylos: Den gibt es. Wir halten nichts von Zwei-Seiten-PvP - zumindest nicht in der Form, wie es andere Studios zu mögen scheinen. In Age of Conan gab es gar keine Seiten, nur Gilden. In The Secret World haben wir Fraktionen, aber wir haben drei, denn wir sind davon überzeugt, dass das PvP viel spannender ist, wenn es drei Seiten gibt.

Wird ein Team dabei zu dominant, wird es bald von den beiden anderen in die Zange genommen und es kann passieren, dass der so sicher geglaubte Sieg am Ende doch noch zur Niederlage wird. Ein solches Szenario balanciert sich ganz von alleine aus.

Bei World of Warcraft, um nur ein Beispiel zu nennen, hörte man immer von Horde-Servern oder Allianz-Servern. Die Leute wechselten die Server, um dort zu spielen, wo sie eine Chance hatten. In The Secret World wird das nicht nötig sein, denn durch die drei Fraktionen herrscht auf allen Servern ein Gleichgewicht der Kräfte.

gamona: Da fällt wahrscheinlich allen MMOG-Veteranen ein Stein vom Herzen, denn das war genau die Antwort, auf die wir gehofft hatten. Es ist also nicht etwa Zufall oder der Story gezollt, dass ihr drei Seiten eingebaut habt.

Joel Bylos: Oh, nein, Zufall war es sicher nicht. Wir haben uns da vor allem an Dark Age of Camelot orientiert, das ich auch selbst aktiv gespielt habe.

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Drei Seiten: "Wir haben uns da an DAoC orientiert".
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gamona: Du hast es ja schon angedeutet - ihr haltet bei der Entwicklung neuer Titel an eurer hauseigenen Engine fest. Das mag sicherlich einige Vorteile mit sich bringen - aber hat die Dreamworld-Engine nicht auch gewisse Schwächen?

Joel Bylos: Unsere langjährige Erfahrung mit der Engine ist sicher ein großer Vorteil bei der Entwicklung neuer Titel und es ist einfach eine wirklich gute MMO-Engine. Ich habe zwar noch nicht für viele MMO-Studios gearbeitet, doch viele Kollegen bei Funcom haben weitreichende Erfahrungen gesammelt und beteuern immer wieder, dass die Werkzeuge, die ihnen unsere Engine an die Hand gibt, die besten überhaupt sind. Es ist also eine sehr reife Engine, mit der sich im Handumdrehen tolle Dinge verwirklichen lassen.

Doch natürlich gibt es auch Nachteile, denn die Engine ist voll auf gute Grafik ausgerichtet. Ich denke schon, dass Age of Conan eines der grafisch besten MMOs überhaupt ist, und The Secret World sieht wahrscheinlich noch einmal einen Tick besser aus. Und Grafik kostet natürlich Systemressourcen. Es ist Segen und Fluch gleichermaßen. Würden wir das Spiel etwas runterschrauben und einen anderen Stil wählen, hätten wir insgesamt wahrscheinlich mehr Spieler.

Doch wir arbeiten hart daran, die Engine weiter zu optimieren, und haben noch einige großartige Pläne in der Schublade. Derzeit sieht es sogar so aus, als könnten wir irgendwann vielleicht ganz ohne Ladezeiten auskommen, damit das Reisen wirklich übergangslos funktioniert.

"Kinder würde ich das Spiel nicht spielen lassen"

gamona: Die Umgebung in The Secret World sieht ziemlich authentisch aus. Die Proportionen stimmen, das Ambiente entspricht der Welt da draußen. Man kann sich wirklich vorstellen, dass in den Häusern von Kingsmouth Leute leben - oder bis vor kurzem noch lebten. Man fühlt sich mit der Umgebung vertraut, ist dann aber natürlich umso schockierter, wenn man Zombies begegnet oder über herumliegende Körperteile stolpert. Arbeitet ihr wie schon bei Age of Conan gezielt für ein erwachsenes Publikum?

Joel Bylos: Auf jeden Fall. Wir sorgen vom ersten Augenblick an dafür, dass der Inhalt eine Herausforderung ist. Wenn man mal schaut, wie komplex das Skill-System im Spiel ist - damit kommen Kinder nicht zurecht. Wir entwickeln ein Spiel, das wir selbst gerne spielen möchten, und wir sind nun mal über 30.

Und genau deswegen bringen wir auch Elemente ins Spiel, die uns selber beeinflussen: H. P. Lovecraft, Stephen King - die Umgebung von Neuengland, die gewisse Mythen hervorgebracht hat. Das alles macht The Secret World zu einem Spiel, das man Kinder nicht spielen lassen würde. Älter als sechzehn sollte man auf jeden Fall sein.

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Keine Wald-und-Wiesen-Fantasy - Secret World wird ein erwachsenes MMO.
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gamona: Ist The Secret World eher auf PvE ausgerichtet oder auf PvP?

Joel Bylos: Es ist beides ein wenig. Wird wichtig sein, mit System zu spielen - das bringt schon das Skill-Rad mit sich. Und dieses System wird sowohl im PvE als auch im PvP seine Stärken entfalten. Es gibt immer Leute, die das Letzte aus ihrem Skill-Deck rausholen werden und es im PvP einsetzen - andere nutzen es für die PvE-Inhalte und genießen die Story. Unser Lead Designer ist ein absoluter PvPer, während Ragnar als Creative Director ein Faible für PvE und tolle Geschichten hat.

Wir versuchen also, das Beste aus beiden Welten zu liefern. Das Endgame hat dann definitiv beides - die Warzones, die PvP-Minispiele, die Mechaniken zum Ausbau des Skill-Decks und auf der PvE-Seite die Verschwörungen, heroische Dungeons und Story-Missionen.

gamona: Welchen Anreiz liefert ihr mir denn, dass ich mich als Spieler überhaupt in die Warzone begeben und in einer großen Schlacht für meine Fraktion kämpfen möchte?

Joel Bylos: Wer die Warzone kontrolliert, verschafft allen Angehörigen der Fraktion auf dem ganzen Server einen Erfahrungsbonus sowie eine Verbesserung der Grundwerte ihres Charakters.

gamona: Nach allem, was wir bisher gesehen haben, scheint The Secret World ein Themepark-MMO zu werden. Habt ihr trotz allem auch an Sandbox-Elemente gedacht, durch die die Spieler langfristig bei Laune gehalten werden?

Joel Bylos: Das Crafting geht sehr stark in Richtung Sandbox. Aber das ist genau das Thema, über das ich eigentlich gar nicht sprechen darf. Doch auch die Umgebung ist in einer Art und Weise entworfen, die nicht dem klassischen Themepark-Modell entspricht, wie man es beispielsweise aus World of Warcraft kennt. Dort kämpft man sich durch eine Gegend, schließt alles ab, was zu tun ist, und bewegt sich dann weiter einem vorgegebenen Pfad entlang.

Bei The Secret World schaut man auf die riesige Karte, sieht überall die Quest-Geber und kann sich aussuchen, wohin man sich wendet. Wenn man in Kingsmouth ankommt und das andere Ende des Dorfes sehen möchte, wo der Helikopter gelandet ist - kein Problem. Es ist also ein Themepark, bei dem man selbst entscheidet, mit welchem Karussel man als Nächstes fahren möchte.

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"Secret World ist wie ein Themepark, bei dem man entscheidet, mit welchem Karussel man als Nächstes fahren möchte".
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gamona: Ihr habt angedeutet, dass The Secret World wahrscheinlich als Abotitel mit Monatsgebühr auf den Markt kommen wird, dabei habt ihr mit Age of Conan gerade gelernt, dass free-to-play bedeutend mehr Leute anzieht. Glaubt ihr, dass Monatsgebühren noch zeitgemäß sind?

Joel Bylos: Free-to-play ist gerade modern - es ist überaus beliebt. Dungeons & Dragons Online hat damit eine Menge Geld eingespielt und jetzt will jeder ein Stück vom Kuchen abhaben. Da gibt es Spiele wie Champions Online, Star Trek Online, DC Universe Online oder auch Age of Conan, die ihre Blütezeit hinter sich haben und langsam Spieler verlieren. Das sind qualitativ ziemlich hochwertige Spiele, denen die Umstellung auf free-to-play neues Leben einhaucht und mit denen sich nebenbei auch wieder Geld erwirtschaften lässt.

Der Free-to-play-Markt wird gerade von all den guten Titel überschwemmt. Und er war ja ohnehin schon gut bestückt - mit unzähligen Spielen minderer Qualität. Wer heute auf free-to-play umstellt, konkurriert mit all diesen Spielen. Irgendwo ist da ein Limit und ich glaube, das ist mittlerweile erreicht.

Age of Conan ist zwar free-to-play und hat einen Shop, doch man kann optional immer noch ein Abo abschließen. Ich habe mit vielen Leuten gesprochen, die Conan kostenlos gespielt haben. Als sie dann vor der Wahl standen, ob sie sich den Zugang zu einem Dungeon kaufen oder gleich ein Abo abschließen sollten, haben sie Letzteres getan. Viele Leute begrüßen es, wenn die Möglichkeit eines Abos weiterhin besteht.

"Wir sind vertraglich nicht an Origin gebunden"

gamona: Dafür muss der Spieler dann aber auch wirklich Zugriff auf alle Inhalte bekommen.

Joel Bylos: Und genau in dieser Hinsicht gibt es noch eine ganze Menge Möglichkeiten, mit denen sich Abotitel optimieren lassen. Free-to-play ist eine prima Sache, doch schaut man sich mal an, welchen Aufwand wir mit The Secret World betreiben, so ist es auf jeden Fall angebracht, vorerst beim klassischen Abonnement zu bleiben. Letztlich bestimmen ohnehin die Spieler, was sie lieber haben. Wenn die Fans von The Secret World kein Abo abschließen wollen, werden wir es merken und dann werden wir uns Gedanken über Alternativen machen. Doch generell halte ich das klassische Gebührenmodell keineswegs für tot.

gamona: Das Publishing von Age of Conan lief damals über Eidos. Mit The Secret World seid ihr zu Electronic Arts gewechselt - warum?

Joel Bylos: Wir sind ein unabhängiges Studio und wenn wir ein Spiel rausbringen, schauen wir uns einfach um, bis wir einen Publisher finden, der mit uns zusammenarbeiten möchte. Eidos hatte die gleichen Chance The Secret World an Land zu ziehen wie EA, doch irgendwie wurden sie damals von Square gekauft und die hatten ihre eigenen MMOs. Den Jungs von EA gefiel auf Anhieb, was sie da sahen.

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Warum nicht Eidos als Publisher? Wurden von Square-Enix gekauft, und dort hat man eigene MMOs.
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gamona: Wobei Electronic Arts als Publisher wegen seiner Origin-Plattform derzeit schwer in der Kritik steht. Werde ich als Spieler von The Secret World gezwungen sein, mich bei Origin anzumelden?

Joel Bylos: Nein, das ist sehr unwahrscheinlich. Wir haben unser eigenes System und sind vertraglich auch nicht verpflichtet, uns an Origin zu binden. Wobei ich auch sagen muss, dass ich die Bedenken mancher Kritiker nicht so ganz teilen kann. Viele von denen, die gerade mächtig über EA schimpfen, spielen World of Warcraft - und auch dort gibt es ein solches System namens Warden.

Ich denke nicht, dass Electronic Arts irgendwelche bösen Absichten hat - die wollen einfach nur eine Plattform anbieten. Damals gab es einen ähnlichen Wirbel, als man Half-Life 2 über Steam spielen musste. Dabei ist es für alle gut, wenn die digitalen Plattformen etwas mehr Wettbewerb bekommen. Ich habe unzählige Spiele auf Steam. Aber wenn mir Origin ab und zu mal einen besseren Deal anbietet als Steam - warum sollte ich nicht zuschlagen? Wobei es natürlich nicht mein Job ist, Origin ins rechte Licht zu rücken.

gamona: Angenommen ich würde dich jetzt entführen und für vier Wochen in unserer Redaktion einschließen, wo du nur Zugriff auf drei MMOs haben dürftest - welche würden das sein? Da Funcoms Titel ab 18 sind, sind die natürlich gesperrt.

Joel Bylos: Ich würde wohl Vanguard mitnehmen. Das ist auf jeden Fall mein persönlicher Favorit. Zumindest was den Inhalt betrifft - technisch ist es bisweilen echt übel. Aber es sieht immer noch gut genug aus, um mein Everquest-Problem zu vermeiden, das ich einfach immer zu hässlich fand. Vanguard hat auf jeden Fall noch jene Oldschool-Mechanik, die ich bei MMOs so mag.

Und wahrscheinlich würde ich noch Star Wars: Galaxies spielen, denn ich mochte wirklich die Sandbox dieses Spiels. Doch das wird ja jetzt leider abgeschaltet, also hätte ich nicht mehr lange Spaß damit. Außerdem mit dabei wäre noch das uralte Dark Sun Online: Crimson Sands - ein wirklich gutes Spiel, das ich noch vor Ultima Online spielte.

Und falls ihr mir sogar noch einen vierten Wunsch gestatten würdet, würde ich gerne das alte Neverwinter Nights im Multiplayer spielen. Dann hätte ich auf jeden Fall genügend Auswahl, um mich bei euch nicht zu langweilen.

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Spiel für die einsame Insel: "Ich würde wohl Vanguard mitnehmen".
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gamona: Schön zu hören, dass es doch noch Oldschool-MMOler und Sandbox-Fans unter den Entwicklern gibt. Bisweilen hatten wir schon mit Entwicklern zu tun, die gar keine Spiele mögen.

Joel Bylos: Ich arbeite hart, bin verheiratet und habe ein Kind. Trotzdem zocke ich für mein Leben gern. Ich hab so unglaublich viele Spiele gespielt. Leider fehlt mir die Zeit, sie alle durchzuspielen. Bei einigen wirklich guten Spielen nehme ich mir dann aber die Zeit - Fallout: New Vegas zum Beispiel.

Was MMOs betrifft, habe ich mehrere Abos laufen, darunter World of Warcraft und Vanguard. Dann spiele ich tatsächlich noch Age of Conan in meiner Freizeit, denn mittlerweile arbeitet ja ein neues Team daran und ich finde es spannend zu sehen, was die mit dem Spiel so anstellen. Und ich spiele natürlich die Beta von The Secret World rauf und runter. Man muss in diesem Beruf einfach spielen, denn eine gewisse Leidenschaft gehört dazu und wenn einem die Zeit fehlt, muss man sie sich eben nehmen.

gamona: Deine Worte sind wahrscheinlich Musik in den Ohren der Fans da draußen, die darauf hoffen, dass The Secret World bei dir in guten Händen ist. Vielen Dank für dieses ausführliche Gespräch, Joel.