Nie zuvor wurden so viele vielversprechende Kickstarter-Projekte ins Leben gerufen wie in diesen Tagen. Tolle Sache, doch die meisten davon verlangen uns nicht nur unser Geld ab, sondern auch noch jede Menge Geduld, stehen sie doch noch am Anfang ihrer langen Entwicklungsphase. Ein paar Pioniere allerdings sind da schon bedeutend weiter und je mehr sie Gestalt annehmen, desto vielversprechender werden sie. The Repopulation ist einer davon.

Es gibt sie tatsächlich, jene Zeitgenossen, die das Crowdfunding-Konzept an sich schon für schlecht und dessen Teilnehmer für Betrüger halten, die ohnehin durchbrennen, sobald sie genügend Milliönchen beisammen haben. Ein gutes Projekt, so hört man aus diesen Kreisen immer wieder, habe Kickstarter noch nicht hervorgebracht und werde das auch nicht.

Kickstarting erfolgreich - Urlaub gebucht?

In gewisser Weise ist diese Sichtweise auch nachvollziehbar und ein gesundes Misstrauen menschlich. Da fragt doch tatsächlich jemand noch unserem Geld, bevor er die Ware überhaupt produziert hat - das ist nicht nur marktwirtschaftlich skurril, sondern auch vertragsrechtlich äußerst kompliziert. Kein Wunder also, dass deutsche Firmen auch nicht ohne weiteres kickstarten können.

Zudem ist es für den geneigten Spieler bedeutend einfacher, sich auf Blizzard, Ubisoft und Electronic Art zu verlassen, brav die Titel mit den großen Namen zu kaufen, sich keinen großen Kopf zu machen und einfach nur gemütlich Fan zu sein. Zumindest das Geld ist dann sicher angelegt und man muss nicht befürchten, einem gierigen Entwickler den nächsten Luxusurlaub zu bezahlen - oder?

Wiped! - Die MMO-Woche - Neue Siedler braucht das Land

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Ist die Skepsis gerechtfertigt?
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Trau, schau wem!

Nein, die Entwickler der großen Studios verwöhnt man mit seiner Treue sicher nicht - wohl aber die Publisher dahinter und deren Investoren. Das Geld, soviel steht fest, wird eben nicht in die Entwicklung neuer Spiele investiert - es versackt zum größten Teil irgendwo im Markt, weil damit Firmen geschluckt, Rechtstreitigkeiten ausgetragen, Lizenzen gekauft und Investoren befriedigt werden. Unser Misstrauen haben also eher die Großen der Branche verdient und weniger die Kickstarter-Firmen, in denen viele Entwickler, zumindest bis zur Fertigstellung des ersten Projektes, noch für lau arbeiten.

Und während sich die Fans von Solo-Games gerade über ihre Investition in das wundervoll gelungene The Banner Saga freuen, wird auch die zumeist laute Kritik verwöhnten MMOG-Community spätestens dann verstummen, wenn die ersten Titel bei uns aufschlagen werden, um die man bei aller gebotenen Vorverurteilung einfach keinen Bogen mehr machen kann. Einer dieser Kandidaten könnte The Repopulation sein - ein Spiel, von dem wir in diesem Jahr noch so einiges zu hören bekommen werden.

The Repopulation - wenn Gier geboten ist

Auf Kickstarter befindet sich The Repopulation nun schon zum zweiten Mal - weil sich die Entwickler bei der ersten Crowdfunding-Aktion grob verschätzt hatten: Vorsichtige 25.000 Dollar waren schlichtweg zu wenig. Nicht für die Entwickler, sondern für die Interessierten, die bis zum Ablauf der Aktion gut das Doppelte ins Körbchen warfen. Doch der eigentliche Erfolg begann erst danach, als The Repopulation in der Indie-Ecke auf Steam grünes Licht und damit über Nacht jede Menge neue Fans bekam, die ebenfalls etwas zur Entwicklung beisteuern wollten.

Nun läuft auch die zweite Kampagne langsam aus und erneut übertreffen die Einnahmen die angepeilte Summe - diesmal immerhin schon mal 50.000 Dollar - deutlich. Mit den knapp 127.000 zusätzlichen Dollar, gestiftet von rund 1700 Fans, lässt sich von dem jungen Unternehmen mit dem eingängigen Namen Above and Beyond Technologies so mancher zusätzliche Traum verwirklichen. Doch was macht das Spiel eigentlich so interessant?

Der Stoff, aus dem die Träume sind?

Daraus, dass sie das Rad nicht neu erfinden wollen, machen die Entwickler kein Geheimnis. Sie bekunden im Gegenteil, dass das Spiel einige von den Sandbox-Features bieten wird, die man aus Star Wars: Galaxies und Ultima Online kennt. Wer jetzt allerdings an ein reines Retro-Game denkt, der unterschätzt Kreativität und offensichtlichen Arbeitseifer der Macher gewaltig.

The Repopulation spielt auf einem Planeten, dessen Kolonisierung irgendwie nicht so gelaufen ist, wie sich das die Menschheit vorgestellt hatte. Die planetare Fauna leistete derartigen Widerstand, dass die Kolonisten vor lauter Frust dazu übergegangen sind, sich unterschiedlichen Lagern anzuschließen und übereinander herzufallen. Aus dem Siedlungsversuch wurde ein Überlebenskampf - das ist genau der Stoff, aus dem ein gutes MMOG gesponnen werden kann.

Soldat oder Pferdeflüsterer

Wer jetzt glaubt, das Spiel richte sich vor allem an hartgesottene PvP-Spieler, der irrt. Zwar ist der Konflikt der Überlebenden allgegenwärtig, doch kann ein Spieler durchaus auch den Dienst an der Waffe verweigern. Wie bei Siedlungsprojekten üblich, besteht die Bevölkerung auf dem Planeten Rhyldan eben nicht nur aus Soldaten. Jedem Spieler bleibt es selbst überlassen, ob er sich als Handwerker, Farmer, Dieb, Diplomat, Baumeister, Entertainer oder Tierzähmer verdingt - gebraucht werden sie nämlich alle.

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Was es in The Repopulation nicht gibt, sind schlauchförmige Zonen und Spieler-Level. Neben personalisierten Aufträgen, die Neigung und Beruf entsprechen, gibt es große Aufgaben, ähnlich den öffentlichen Quests anderer MMOGs. Die geschehen weitgehend unkalkulierbar und müssen teilweise gefunden werden. Sie können sich verändern und sich ausbreiten - je nachdem, wie gezielt und entschieden die Spielergruppen gegen sie ankämpfen. Wobei längst nicht alle Ereignisse kampfbasiert sind - manche erfordern einen Crafter, andere verlangen einen Warentransport und dergleichen mehr.

Wehret den Anfängen

Hält man die Ereignisse auf Dauer nicht von den eigenen Siedlungen fern, kann es passieren, dass sie überrannt werden und zu Dungeons werden - mit möglicherweise fürchterlichen Konsequenzen für das lokale Machtgefüge, die Gewohnheiten der Spieler und den dynamischen Markt. Und mit Sicherheit nutzt auch hin und wieder eine gegnerische Fraktion die Gunst der Stunde und bläst gerade dann zum Angriff auf die eigene Siedlung, wenn die Verteidiger mit der planetaren Fauna zu kämpfen haben.

Vor dem PvP fürchten muss sich übrigens niemand, denn auf den PvE-Servern des Spiels, wird rund ein Drittel der Welt zur kriegsfreien Zone erklärt - ähnlich der Sci-Fi-Sandbox EVE Online wartet besonders fette Beute allerdings zumeist außerhalb dieser Schutzzone. Und wer es zum Bürgermeister einer Siedlung bringen will, sollte vielleicht auch nicht unbedingt allzu zart besaitet sein.

Der frühe Vogel fängt den Wurm

Die Funktionen allesamt einzeln aufzulisten würde, führte hier zu weit - das werde ich zu gegebener Zeit im Rahmen einer eigenen Vorschau tun, sobald ich selbst mal Hand anlegen durfte. Gesagt sei allerdings, dass jedes einzelne Feature, über das das Spiel verfügt, äußerst durchdacht ist und eine Tiefe erreicht, wie man sie in den MMOGs der letzten Jahre schmerzlich vermisst hat. Wie und ob das alles in der Praxis funktioniert, dürfen die Unterstützer übrigens in mehreren Alpha-Runden bereits ab März testen.

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Und wie es sich für ein ordentliches Kickstarter-Projekt gehört, darf man das Spiel an dieser Stelle nicht als gegeben oder gar fertig hinnehmen, sondern sollte sich eifrig an der weiteren Entwicklung beteiligen. Einige Stunden bleibt noch Zeit für die Investition in das Siedlungsprojekt. Und wer weiß - vielleicht schafft es das Spiel mit Unterstützung der Wiped-Community ja noch bis zur nächsten Stretch-Goal-Marke von 130.000 Dollar, mit deren Erreichen die Crafter ihren Items dann eigene Namen verpassen dürfen.

Camelot - ein Zehntel Firefall

Während das Team hinter The Repopulation mit nicht einmal 200.000 insgesamt gesammelten Dollar überaus glücklich ist, kann Mark Jacobs weit größere Brötchen backen, steuert er beim PvP-MMOG Camelot Unchained mittlerweile unaufhaltsam auf die 2,5 Millionen Dollar und auf ein Stretch-Goal mit dem verheißungsvollen Titel “The Depths” zu.

Und wenn wir noch eine Null anhängen, landen wir schließlich bei Firefall, jenem eher unmotivierenden Online-Shooter, dessen Entwicklung seit einiger Zeit stagniert. Mit satten 23 Millionen Dollar, investiert von einem Unternehmen mit dem schnittigen Namen Shanghai Oriental Pearl Culture Development Co. and Shareholders, will das Team von Red 5 Studios endlich die “nächste Entwicklungsstufe” einläuten und Firefall noch in diesem Jahr auf den Markt bringen. Wird auch mal Zeit.

SOE - ruft die verlorenen Söhne nach Hause in den Sandkasten

Derweil setzt John Smedley den Rotstift an - und das nicht zu knapp. Vanguard, Star Wars: Clone Wars Adventures, Free Realms und Wizardry Online - sie alle werden nach äußerst kurzem Prozess gnadenlos abgeschaltet. Damit wird klar, dass die Phase der Free-To-Play-Erfolge ebenso vorbei ist wie das Interesse der Spielerschaft an den zeitweise so gepriesenen Casual-Games für die Frühstückspause.

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In Zukunft sollen wieder die Hardcore-Banner über dem SOE-Hauptquartier wehen. EverQuest Next und dessen vorgelagertes Baukastensystem Landmark sind ein Schritt in diese Richtung und es folgt wohl noch ein weiterer. “SWG-Spieler, unser nächstes Spiel (noch nicht angekündigt) wird euch gewidmet sein”, verkündet SOE-Chef Smedley aktuell via Reddit und verspicht: “ Sobald wir das Spiel starten, könnt ihr nach Hause kommen.”

Shroud of the Avatar - Garriott schwimmt im Geld, Plattenträger ganz unten

Zu Hause angekommen fühlen sich auch schon einige Altspieler der Ultima-Serie, nachdem sie in die Alpha von Garriotts Shroud of the Avatar eingezogen sind. Das Spiel soll eine ungewohnte Tiefe selbst in alltäglichen Dingen bieten, die man spätestens dann am eigenen, virtuellen Leib erfährt, wenn man mal mit schwerer Rüstung ins nächstbeste Gewässer springt.

Richard Garriott dreht währenddessen seine Bahnen im Tresor-Pool - immerhin hat er mittlerweile über drei Millionen Dollar eingenommen - Tendenz, nach den weitgehend positiven Berichten der Alpha-Tester, stark steigend. Schafft es der Altmeister mit Shroud of the Avatar tatsächlich, die Verfehlungen der letzten Jahre auszubügeln? Wir werden ihn auf jeden Fall nicht aus den Augen lassen - unter welchem Mantel sich sein Avatar auch immer verstecken mag.

Star Citizen - beschert den Fans einen ordentlichen Knüppel

Verstecken müssen sich die Fans von Chris Roberts “best damn” Space-Simulator der Galaxis nicht mehr. Im Gegenteil - sie dürfen seit einigen Tagen Organisationen gründen und sie über die offizielle Webseite komplett verwalten. Dazu bekommt jede Organisation bald ein eigenes, für Außenstehende nicht sichtbares Forum eingerichtet, über das sich kommunizieren lässt - ein kleines, aber unglaublich praktisches Feature, das so manchem laufenden MMOG sicher auch nicht geschadet hätte.

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Kein Wunder also, dass das Crowdfunding-Barometer einen ordentlichen Satz auf insgesamt 37,25 Millionen Dollar gemacht hat und sich Chris Roberts genötigt sah, die Community über das 40-Millionen-Ziel abstimmen zu lassen, mit dem dann auch das vorerst letzte neue Weltensystem ins Spiel gebracht werden soll.

Abgestimmt wird außerdem darüber, welche Art von Joystick der passionierte Weltraumpilot bevorzugt und mit welchem Unternehmen Roberts einen Deal aushandeln soll, um in Kooperation einen Steuerknüppel nach eigenen Vorstellungen und angepasst an die Erfordernisse einer Space-Simulation zu entwickeln. Derzeit liegt Saitek bei der Gunst der Fans dezent in Führung, gefolgt von Logitech und Thrustmaster.

Die Woche im Schnellcheck:

Außerdem bescherten uns in dieser Woche die Jungs von ZeniMax Online einen neuen Trailer mit Spielszenen aus The Elder Scrolls Online, das übrigens ein “Mature-Rating” bekommen hat und somit nicht in Kinderhände gehört. Der Clip sorgt, wie man mittlerweile gewohnt sein dürfte, für hitzige Gefechte unter den Fans des Franchise, die wie immer chronisch in zwei Lager gespalten sind - eines, das ESO abgöttisch liebt und eines, das es am liebsten in den Feuern von Mordor einschmelzen würde - und das, obwohl ZeniMax wohl den genialsten Voice-Cast in der Geschichte der digitalen Unterhaltung auffährt.

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Bei Square bereitet man derweil sein Final Fantasy XIV für den chinesischen Markt und gleichzeitig auf die dort üblichen, extremen Spielerzahlen vor, während sich Webzen den deutschen Spielern annimmt und das chinesische Martial-Arts-MMOG komplett lokalisiert und mit deutschen Servern anbietet. Das erfordert allerdings die Neuinstallation des Clients sowie jede Menge Geduld, denn die alten Charaktere lassen sich nicht transferieren.

In die Karten geschaut

Etwas einfacher hat es da schon die Community von Blizzards Kartenspiel Hearthstone. Die darf bleiben, wo sie ist, bekommt aktuell einfach nur unglaublich viel Zuwachs, weil die Betatests endlich geöffnet wurden. Schön für die alten Hasen, die in diesen Tagen ihr Ego stärken und die armen Anfänger mit fetten Decks und üppiger Erfahrung nach allen Regeln der Kunst verspeisen.

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Wer darauf keine Lust hat und komplexe Kartenspiele liebt, jedoch nicht bis zum Release des potentiell genialen Kickstarter-Projekts HEX warten möchte, sollte unbedingt mal bei Might & Magic: Duel of Champions reinschauen. Das Spiel hat es echt in sich, bietet einen strategischeren Ansatz als die Konkurrenz und ein wirklich faires Free-To-Play-Modell, bei dem auch als Verlieren noch etwas gewinnt und man sich ein gutes Set ohne Probleme erspielen kann.

Keine Probleme hat man wohl auch bei Goblinworks, denn das Team hinter Pathfinder Online hat aktuell verkündet, dass man bis zum April bereit sei, in die Alpha-Tests zu starten. Pathfinder Online ist neben The Repopulation das zweite, vielversprechende Kickstarter-MMOG, das Sandbox-Fans in diesem Jahr auf dem Radar haben sollten und natürlich werden wir das Spiel an anderer Stelle noch einmal etwas ausführlicher vorstellen.

Zeit für Helden

Wer noch immer seine Zeit mit Aion verbringt, wird sich auf Ende Januar und die neue Klasse der Aethertechs freuen - eine Art Mech-Engel. Infinite Crisis lässt derweil endlich einen Kollegen von mir in die Arena, der so super ist, dass man seinen Namen gar nicht mehr explizit nennen muss. Und dann wäre noch Cryptic, wo man zwar längst an einem neuen Titel arbeitet, Star Trek Online jedoch trotzdem noch mit Charakteren und Stimmen bestückt - aktuell mit der von Tuvok-Darsteller Tim Russ.

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Ganz so bekannt sind die Darsteller in CCPs jüngsten Video zu Rubikon 1.1 zwar nicht, jedoch sind sie umso kultiger und mit großer Leidenschaft bei der Sache. Eine Rolle in der geplanten TV-Serie dürfte angesichts der eher durchwachsenen schauspielerischen Leistung für Community-Manager CCP Guard und seine Kollegen allerdings nicht rausspringen.

Ausblick

Damit sind wir wieder mal am Ende der Ereignisse angelangt. Und wie immer bin ich an dieser Stelle ebenso gespannt wie ihr, was die nächste Woche so mit sich bringen mag. Sicher ist nur eins: Das unglaubliche Kickstarter-Projekt Kingdom Come: Deliverance wird in der kommenden Ausgabe nicht unerwähnt bleiben. Bis dahin - frohes Zocken.