Feiert das eigentlich beinahe schon begrabene Abo-Modell bei MMORPGs seine verfrühte Wiederauferstehung? Es hat ganz den Anschein. Nachdem NCsoft im Vorfeld der diesjährigen gamescom das klassische Geschäftsmodell für "Wildstar" bestätigte, hat Bethesda Softworks jetzt nachgelegt: Auch "The Elder Scrolls Online" will das notwendige Kapital für die Entwicklung und Bereitstellung der Technik mit einem Abonnement einspielen.

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Ein durchaus mutiger Schritt, wenn man sich die Entwicklung von Titeln wie "Star Wars: The Old Republic" oder "Der Herr der Ringe Online" anschaut. Das sage ich auch dem Chef des Entwicklerstudios Zenimax, Matt Firor, als ich mir das Spiel noch einmal anschauen will.

Das lachende MMO-Urgestein (u. a. "Dark Age of Camelot") hält es aber schlicht für eine zweckdienliche Entscheidung, als ich ihn mir aufgrund der aktuellen Ankündigung für ein kurzes Interview kralle: "Wir haben uns lediglich alle Optionen angesehen und das Abo-Modell passt einfach am besten. Wir sind uns sicher, dass unsere Fans von den Bezahlschranken höchst genervt wären und deshalb wollen wir nur eine monatliche Zahlung und Spielern 100 Prozent des Spiels bieten."

Keine Lust auf Kleinscheiß?

In der Tat: Wenn man sich die bisherigen Reaktionen im Netz ansieht, scheint die Mehrzahl der Fans diesen Schritt zu begrüßen. "Ist besser so. So ein Quatsch wie bei "Guild Wars 2 und anderen MMORPGS zerstört einfach das Spiel, finde ich", schreibt etwa ein TESO-Fan auf Facebook. Zumindest eine große Zahl von Spielern scheint demnach keine Lust mehr haben, für jeden Kleinscheiß Geld bezahlen zu müssen.

The Elder Scrolls Online - Ganz schön mutig!

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Nach der Entscheidung für ein Abo-Modell geht es heiß her im Netz - die Mehrheit scheint aber eine monatliche Überweisung dem Mikro-Payment vorzuziehen.
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Matt Firor sieht nicht nur Vorteile beim Spieler, denn "auch wir können auf diese Weise unsere Inhalte viel besser planen, sodass wir nach dem Launch regelmäßige Updates herausbringen können. Sechs bis acht Monate vor dem Start arbeiten wir bereits an diesen Zusatzinhalten. Das Abo-Modell erlaubt uns aufgrund der regelmäßigen Zahlungen, die Arbeiten an diesen Updates zu finanzieren. Und das ist genau das, was wir wollen. Die Spieler sollen das Spiel für eine lange Zeit zocken - und dafür benötigen alle vier bis sechs Wochen neue Inhalte."

Bei all den Unwägbarkeiten des MMOG-Geschäfts haben sich die Entwickler ihre Entscheidung sicher nicht einfach gemacht. Schließlich stehen zig Millionen Dollar auf dem Spiel. Doch warum war gerade das Abo-Modell ideal für "The Elder Scrolls Online"?

"Wir haben uns alle existierenden Business-Modelle angesehen und sind der Meinung, dass das klassische Geschäftsmodell am besten zu unserem Spiel passt", beantwortet Matt Firor die gamona-Frage und fährt mit seiner Begründung fort: "Es ist eine gigantische Marke; wir benötigen kein Free-to-Play-Modell, weil die Leute das Universum bereits durch Spiele wie "Oblivion" und "Skyrim" kennen.

Gerade wegen dieser Bekanntheit würde es einfach nicht passen, wenn wir Bezahlschranken einbauen würden. Das würde niemand verstehen. Es passt außerdem zur Marke, dass wir einen Premium-Dienst anbieten: Spielt einfach das Spiel. Bezahlt einmal monatlich, und spielt in dieser Zeit so lange, wie ihr wollt."

Packshot zu The Elder Scrolls OnlineThe Elder Scrolls OnlineErschienen für PC, PS4 und Xbox One kaufen: ab 29,90€

Das Spiel ist aber noch etwa "sechs bis acht Monate" von seiner Veröffentlichung entfernt, gibt mir der symapthische Firor bei der Verabschiedung mit auf den Weg. Ein wenig angespielt haben wir es dann trotz der Aufregung um das jetzt bekanntgegebene Business-Modell dann aber doch noch. Wenn man schon mal da ist!

Abo hin, Business her - das Online-Rollenspiel kann vor allem mit seiner unheimlich dichten Welt und spielerischem Fluss überzeugen.Ausblick lesen

Mal wieder Robinson Crusoe

Unser Mini-Abenteuer beginnt auf dem Blackrock Isle, wo unser Held zuvor an der Küste angeschwemmt wurde. Doch dort kann man jeden Mann und jede Frau (oder Echse) gebrauchen, die eine wie auch immer geartete Waffe tragen kann.

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Der sympathische Matt Firor stand uns auf der gamescom Rede und Antwort.
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Wer sich erstmals mit "Skyrim" in die Welt der "Elder Scrolls" verliebt hat, wird sich sofort wieder wie Zuhause fühlen. Zenimax hat weite Teile der Benutzeroberfläche nach dem Vorbild des Mega-Rollenspiels gestaltet. Das wird etwa beim Design des Radars deutlich, der am oberen Ende des Bildschirms Aufschluss über offene Quests oder NPC-Standorte gibt.

Wie bei "Skyrim" könnt ihr auch bei TESO nahtlos auf die Ego-Sicht umschalten. Das ist zwar tadellos umgesetzt, für mich aber keine Option. Gerade wenn man gegen eine Gruppe von Mobs kämpft, geht so schnell die Übersicht verloren. Ich kann schließlich keinen wirksamen Schildblock anwenden, wenn ich den Kontrahenten in meinem Rücken gar nicht sehe! Davon will eine gewisse Dunkelelfin - Captain Rana – aber nichts wissen.

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Geschichten erzählt das Elder-Scrolls-Universum wie kaum ein zweites. Die Missionen setzen sich aber (noch?) nicht grundlegend vom MMO-Standarrd ab.
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Und überhaupt scheint es ihr egal zu sein, dass ich eben erst auf der Insel fernab der Küste von "Skyrim" gestrandet bin. Aber Hauptsache, ich helfe ihr umgehend dabei, die Bevölkerung des Städtchens Bleakrock vor einer möglichen Invasion zu warnen und möglichst auch zu beschützen. Denn: Es sei eine große Invasionsstreitmacht auf hoher See gesichtet worden und für diesen Fall soll der Ort vorsorglich evakuiert werden. Geschichten wie diese erzählt "The Elder Scrolls Online" wie sein großer RPG-Vorgänger natürlich am laufenden Band.

Überall stolpere ich über Hilfesuchende. Der eine hat sich verlaufen, ein Jäger hat sich übernommen und benötigt Unterstützung in der Wildnis. Oder ich suche vermisste Personen. So interessant viele Storys sind, die Missionen spielen sich meist nach üblichen MMO-Mustern. Manchmal wird es in diesem Anfangsleveln auch etwas komplexer, wenn ich beispielsweise den Drachenpriester Haldriin beschwöre. Er sagt mir, wo ich die Runensteine finde, die ich benötige, um die Katakomben von "Skyshroud Barrow" zu öffnen und ... aber das findet ihr am besten bald selbst heraus.