Während die großen Publisher versuchen, uns die Mahlzeiten von vorgestern noch einmal neu aufzutischen, köcheln in den Versuchsküchen der kleinen allerlei neue, bisweilen arg exotische Gerichte vor sich hin. Die werden sicherlich nicht jedem Spieler gleichermaßen schmecken, den Speiseplan jedoch nachhaltig bereichern.

The Elder Scrolls Online - ist wieder da

Wer hätte das gedacht - nach vielen Monaten der Funkstille bestimmt The Elder Scrolls Online wieder die Schlagzeilen. Klar, das eine oder andere Update hatte ZeniMax dem Spiel im Laufe der letzten Monate verpasst, hier und da nachgebessert. Im Kern ist ESO aber noch immer das, was es zum Release vor fast zehn Monaten war: ein Solo-Rollenspiel im MMO-Gewand, das nicht an die Genialität der Bethesda-Titel anknüpfen kann und weder die Skyrim-Fans so recht befriedigt noch die MMOG-Szene.

Und so dümpelte The Elder Scrolls Online mehr schlecht als recht vor sich hin und wäre wohl bei den meisten Spielern schon wieder in Vergessenheit geraten, wäre da nicht noch die immer offene Rechnung gewesen - die ausstehenden Konsolenversionen des Spiels, die ZeniMax aus kaum noch nachvollziehbaren Gründen immer wieder vor sich hergeschoben hatte.

ZeniMax startet den Hype-Zug - zum zweiten Mal

Entsprechend groß war das Marketing-Tamtam, als man in dieser Woche einen verbindlichen Termin nannte. Am 09. Juni soll The Elder Scrolls Online dann endlich auf PS4 und Xbox One erscheinen. Und damit das Konsolenpublikum genügend angeheizt ist, hat man parallel die bisherigen CGI-Trailer zum Spiel zu einem ‘Supercut’ zusammengeschnippelt, mit ein paar neuen Sequenzen versehen und in die sozialen Netzwerke geschoben.

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Und siehe da - die Wirkung lässt nicht lange auf sich warten. Der Clip, obwohl eigentlich ein alter Hut, erntet jede Menge Ahs und Ohs samt Bekundungen der Betrachter, das neue Spiel im Juni auf jeden Fall kaufen zu wollen. Kaufen, nicht abonnieren, denn ein Abo wird dann nicht länger nötig sein. Ein weise Entscheidung eigentlich, denn so umgeht man Probleme insbesondere mit Microsofts restriktiver Netzwerkpolitik.

Das neue Elder-Scrolls-Spielerlebnis - erstmals komplett!

Außerdem stößt ein Abo beim Konsolenpublikum auf relativ wenig Akzeptanz. Und so lässt man es am besten gleich fallen und stellt das Bezahlmodell um auf Buy-To-Play samt obligatorischer DLC-Pakete. Wundervoll, mag sich nun der eine oder andere denken - doch diese Entscheidung hat einen ganz und gar schalen Beigeschmack.

Der Verdacht liegt jetzt nämlich umso näher, dass ZeniMax von Anfang an damit kalkuliert haben könnte, The Elder Scrolls Online mit dem kommenden Bezahlmodell und ohne Abonnement insbesondere auf die Konsolen auszurichten. Doch dafür muss es möglich umfangreich und fehlerfrei sein und sich komplett anfühlen - wie der neue Trailer.

Warum also, so könnte man sich gefragt haben, soll man das Spiel nicht vorab schon mal ein Jährchen in einem gewinnträchtigen Beta-Test auf dem PC laufen lassen und der Spielergemeinde dort ein paar Monatsabos verkaufen? Ein treuer Spieler, der bis zum Release der Konsolenversion rund 200 Euro ins Spiel gesteckt haben wird, dürfte sich auf jeden Fall arg veräppelt vorkommen.

Am besten gleich beides kaufen

Und dann wäre da noch das neue, optionale Abonnement namens ‘ESO Plus’, das exklusive In-Game-Boni, Kronen und allerlei Boni verspricht, jedoch keinen Zugriff auf die DLCs zulässt, wenn es erst einmal ausgelaufen ist. Da darf der Abo-Kunde also gegebenenfalls noch mal nachzahlen, wenn er die Boni nicht mehr braucht - obwohl er insgesamt vielleicht weit mehr berappt hat als der DLC-Käufer.

Und dann wäre noch der spielerische Aspekt. Statt der früheren Fangemeinde die Spielerfahrung zu liefern, die sie sich von Anfang an erhofft hatte und so verlorene Spieler zurückzuholen, scheint man sich ZeniMax nun darauf spezialisiert zu haben, in einem zweiten Anlauf einfach eine neue Community ins Visier zu nehmen und komplett neue Geldquellen zu erschließen.

Bis auch die irgendwann versiegen, wird man bei ZeniMax The Elder Scrolls Online als grandiosen finanziellen Erfolg verbuchen und sich selber auf die Schultern klopfen. Allerdings: Nachhaltige Kundenbindung sieht anders aus und man darf davon ausgehen, dass die Politik von ZeniMax nicht nur unter den Fans, sondern auch im Schwesterstudio Bethesda für ordentlich Unmut sorgt.

World of Warcraft - ein Zeichen der Treue

Um Kundenbindung hat sich in der vergangenen Woche auch Blizzard bemüht, im Gegensatz zu ZeniMax jedoch ausnahmsweise mal nicht dabei kassiert, sondern spendiert. Fans der ersten Stunde, die ihr WoW-Abonnement über die letzten zehn Jahre hinweg weitgehend aufrechterhalten haben, wurden von ihrem Postboten jetzt mit einer ziemlich coolen Statue überrascht.

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Blizzard zählt die Abo-Jahre und spendiert extrem treuen Kunden zum Dank eine Statue.
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Und wenngleich diese Statue wenig zum Spielspaß beiträgt und man einwenden könnte, dass ihre Besitzer fast 2.000 Euro in das Spiel gesteckt haben, ist diese Aufmerksamkeit ein durchaus netter Zug und gleichzeitig ein cleverer Schachzug, zudem die Statue auf Ebay mittlerweile ein ordentliches Sümmchen erzielt und unter Abonnenten die Hoffnung aufkommen lässt, dass Blizzard auch für die Zukunft ähnliche Aktionen auf Lager haben könnte.

Packshot zu The Elder Scrolls OnlineThe Elder Scrolls OnlineErschienen für PC, PS4 und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Star Citizen - ist England überhaupt Europa genug?

Um die richtige Vorgehensweise in Sachen Kundenbindung ist derweil auch Chris Roberts bemüht, der gerade eine Firmenvertretung in England aufbaut und aktuell eine Roadmap präsentierte, die zeigen soll, dass man bei Cloud Imperium keine Luftschlösser baut, sondern tatsächlich auf Hochtouren arbeitet. So sollen Unterstützer noch im Frühjahr die ersten Schritte im FPS-Teil von Star Citizen gehen und auf Planeten wandeln dürfen.

Im Sommer soll dann der Arena Commander 2.0 erscheinen und mit ihm die größeren Schiffe, in denen eine mehrköpfige Besatzung ihren Dienst verrichtet. Die erste Episode der Story von Squadron 42 soll dann im Herbst spielbar sein und die Alpha des persistenten Universums für Unterstützer bis zum Ende 2015. Entsprechend wird mit dem Release kaum zu Anfang des kommenden Jahres zu rechnen sein.

Ein kostspieliger Traum

Dass man sich bei der Entwicklung von Star Citizen ordentlich Zeit nimmt, findet zwar Zuspruch bei der Mehrheit der Unterstützer, zeigt jedoch auch, in welcher betriebswirtschaftlichen Zwickmühle man sich befindet. Chris Roberts dürfte das Genre genügend studiert haben, um zu wissen, dass die Begeisterung für eine Online-Welt am größten ist, wenn man sie noch nicht erleben konnte.

Über 733.000 Unterstützer träumen derzeit von der perfekten Space-Sim, eingebettet in ein wundervolles, persistentes Universum. Fast 70 Millionen Dollar haben sie dafür vorgeschossen - also beinahe 100 Dollar pro Kopf. Und mit jedem neuen Schiff, dass Roberts vorstellt, werden es mehr. Kaum auszudenken, was passiert, wenn mit Arena Commander 2.0 erst die Großkampfschiffe aufschlagen, die mit Sicherheit entsprechend teuer sein werden.

Weniger Spiel, mehr Geld

Für Chris Roberts steht längst fest: Im Laufe des Jahres wird der Crowdfunding-Zähler die unglaubliche Marke von 100 Millionen Dollar knacken. Und das wird er gerade weil das Spiel noch nicht fertig ist, weil der Traum noch nicht real wurde und sich im Laufe der Entwicklung immer neue, tolle Sachen an den Fan bringen lassen.

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Ein Dilemma, das den Entwickler zwingt, eben nicht allzu fix das komplette Paket zu liefern, eben weil sich mit diesem speziellen Crowdfunding-Konzept weit mehr Geld verdienen lässt als mit dem fertigen Spiel. Schlecht ist das vor allem für die vielen kleinen Studios, deren teilweise grandiosen Kozepte kaum Unterstützer finden, weil die sich lieber finanziell an Roberts 100-Millionen-Projekt binden.

Damit läuft Roberts Firma Cloud Imperium letztlich Gefahr, zu genau dem zu werden, was der Kultentwickler vor zwei Jahren selbst immer wieder kritisiert hatte - ein großer Publisher, der der Branche mehr entzieht, als er ihr jemals zurückgeben könnte. Gar nicht auszudenken, welcher Schaden der Crowdfunding-Szene entstünde, würde das fertige Star Citizen die Fans mehrheitlich enttäuschen.

Crowfall - es wird immer besser

Umso mehr wird es Zeit für uns, dass wir uns wieder mehr mit Alternativen zu den großen Titeln beschäftigen - selbst wenn der eine oder andere Traum dabei noch platzen dürfte. Die Liste der Indie-Titel ist lang und abwechslungsreich, denn anders als die auf Massen ausgerichteten Spiele der Großen, haben die kleinen Studios eher ein ganz spezielles Nischenpublikum im Blick, für das sie entwickeln.

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So auch bei Crowfall, dem Spiel von J. Todd Coleman und Gordon Walton, das eigentlich erst in einem Monat richtig angekündigt werden soll, jedoch schon jetzt die Aufmerksamkeit von immerhin 20.000 Anhängern auf sich gezogen hat - obwohl man keinesfalls mehr für den Massenmarkt entwickeln wolle.

Doch die Massen könnten sich bald für Crowfall interessieren, hat das Team von ArtCraft doch eine namhafte Verstärkung für das Projekt gewinnen können, mit der im Vorfeld wohl niemand gerechnet hätte. Raph Koster, als Lead Designer von Ultima Online und Creative Director von Star Wars: Galaxies einer der wohl legendärsten MMO-Entwicklerveteranen und Gameplay-Theoretiker, hat sich von Crowfall begeistern lassen und steht dem Entwicklerteam fortan als Berater zur Seite.

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Das hier ist keine Gildenübersicht, sondern ein Teil des Herrschaftssystem mit dem die Entwickler von Crowfall punkten und die virtuelle Welt authentisch machen wollen.
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Game of Thrones Online?

Über diese Personalie hinaus haben jedoch auch schon die wenigen Bilder Wellen geschlagen, die man zu Crowfall veröffentlicht hat. Insbesondere die hierarchische Übersicht die spielerisch einmal mehr an Shadowbane und thematisch an Game of Thrones erinnert, hat bei vielen Spielern alte Träume geweckt.

Die herrschaftliche Hierarchie in Crowfall ist auf jeden Fall nicht identisch mit einem Gildensystem - sondern steht noch einmal darüber. Das sichert Machtkämpfe innerhalb der eigenen Gilde einerseits und mündet dabei gleichzeitig in größere Konflikte, die Belagerungen und die Eroberungen von Land beinhalten sollen. Ein System, über dessen Details die Coleman, Walton und jetzt auch Coster mit Sicherheit bald noch sprechen werden.

Ausblick

Und auch wir werden auf jeden Fall noch ausführlich über Crowfall berichten. Und natürlich über ein paar andere Indie-Titel, die derzeit in der Entwicklung sind, darunter Albion Online, das in der kommenden Woche in die Winter-Alpha startet, zu der endlich auch Journalisten offiziell zugelassen sind.

Und dann wäre da noch H1Z1, in dem ich mich aktuell herumtreibe und das, trotz aller Beschwerden, derzeit nicht nur auf Steam explodiert, sondern auch auf Twitch - zumindest zu amerikanischen Zeiten. Ein solcher Zuspruch für ein, wie der Buschfunkt vielleicht vorschnell trommelte, derart mieses Game? Doch das ist schon wieder eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.