Das Jahr 2007 verspricht das reinste Fest für alle MMORPG-Fans zu werden. Potentielle Hochkaräter wie »Vanguard: Saga of Heroes«, »Der Herr der Rings Online«, »Age of Conan« oder »Warhammer Online« drängen auf den Markt, um dem schier übermächtigen Konkurrenten »World of Warcraft« möglichst viele Kunden abzujagen.

Bei all diesen glorreichen Namen, könnte ein vermeintlich kleineres Produkt wie »The Chronicles of Spellborn« schnell untergehen. Und das wäre ein Jammer, traut es sich doch, den ins Stocken geratenen Markt neues Leben einzuhauchen. Wir konnten die aktuelle Version antesten und verraten euch, warum ihr zum Start der Beta unbedingt einen Blick riskieren solltet.

The Chronicles of Spellborn - Trailer: Travel28 weitere Videos

Auf Einladung von Frogster Interactive machten wir uns auf den Weg nach Den Haag, um uns dort den aktuellen Build von »The Chronicles of Spellborn« anzusehen und mehr über die Features zu erfahren. Gegenüber unserem letzten Besuch im Herbst 2005 hat sich Einiges getan und das fast ausschließlich in positiver Hinsicht. Doch später mehr dazu. Für alle Einsteiger wollen wir zunächst einmal die Grundlagen von »Spellborn« zusammenfassen.

The Chronicles of Spellborn - Jede Menge Innovationen und eine tolle Optik: Der MMO-Außenseiter greift an!

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In einem Internetcafe in Den Haag konnten wir zusammen mit einigen Kollegen die aktuelle Version anspielen.
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Steigt der Spieler bei den meisten anderen Online-Rollenspielen direkt in den Kampf zwischen Gut und Böse ein, hat Mummujoxuru, die Spielwelt von »The Chronicles of Spellborn« das Ärgste bereits hinter sich. Im Krieg der acht Dämonen wurde die Welt in viele verschiedene Splitter zerteilt, die den Überlebenden nun als Heimat dienen und mit so genannten Shardschiffen erreicht werden können. Die Splitter werden auch als Enklave der fünf Opfer bezeichnet.

Dieser Name rührt daher, dass sich am Höhepunkt des Krieges fünf Häuser verbündeten, um für Gerechtigkeit und Ehre zu kämpfen, anstatt die Blutlust ihrer dämonischen Herrscher zu befriedigen. Sie verrieten das Reich und gewannen letzten Endes die Oberhand, lange nachdem die Welt der Ahnen und die Herrschaft der Dämonen zerstört wurde. Auf den Ruinen einer furchtbaren Vergangenheit gründeten sie die Enklave.

Packshot zu The Chronicles of SpellbornThe Chronicles of SpellbornErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Zwei sich feindlich gesonnene Rassen, die Menschen und die Daevi, bevölkern die Welt und tragen ihren Zwist offen aus. Sowohl den Menschen als auch den Daevi stehen insgesamt drei verschiedene Klassen zur Verfügung, der Schurke, der Krieger und der Magier. Im Laufe des Spiels kann sich der Avatar jeweils eine von drei Spezialisierungen einschlagen.

Gegenüber anderen Genre-Vertretern sieht dies auf den ersten Blick ziemlich mau aus. Mit gerade einmal zwei Fraktionen und neun Klassen, also 18 Kombinationsmöglichkeiten, liegt »The Chronicles of Spellborn« in Sachen Variabilität im hinteren Mittelfeld. Auch eine typische Heiler-Klasse ist auf den ersten Blick nicht auszumachen.

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Action pur! So schaut eine Schlacht auf einem Shardschiff aus.
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Die Entwickler haben diesen Weg allerdings bewusst eingeschlagen. So soll jede Klasse in der Lage sein, eine der typischen Rollen einer Gruppe auszufüllen. Egal ob Schurke, Krieger oder Magier, jeder kann gewisse Heil-Fähigkeiten erlernen und somit der Gruppe behilflich sein. Auch die typische Rollenverteilung in einem Dungeon entfällt. Praktisch jede Klasse soll als Tank, Healer, Damage Dealer oder Supporter auftreten können. Gerade für den Gelegenheitsspieler könnte dieses Modell sehr interessant sein. Ob es sich auch in der Praxis bewährt, wird die Zukunft zeigen.

Das Spielprinzip
Während bei »World of Warcraft« die Jagd nach immer besseren Items im Vordergrund steht, geht »The Chronicles of Spellborn« eigene Wege. Das komplette Spiel ist skillbasiert. Alle Gegenstände haben keinerlei Werte bzw. Statistiken und lediglich optische Bedeutung. Sämtliche Schadenspunkte beim Kampf werden einzig und alleine durch die Fähigkeiten des Avatars bestimmt.

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Zauberkundige kommen im Spirit Shop voll auf ihre Kosten.
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Bereits bei der Charakter-Erstellung können die Spieler das Aussehen ihres Helden bis ins kleinste Detail festlegen und sogar schon Rüstungen und Waffen auswählen. Wer mag, kann diese dann bis zum Maximal-Level 50 anbehalten oder aber im Laufe seiner Abenteurer-Karriere neue Gegenstände anlegen. Die Macher wollen mit diesem Konzept verhindern, dass Einsteiger direkt als solche erkannt werden und ihnen den Anschluss an andere Spieler erleichtern.

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Der sympathische Lead Game Designer Chris Nengerman stand uns in einem Interview Rede und Antwort.
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Was auf den ersten Blick ziemlich ungewöhnlich aussieht, könnte sich in der Praxis als genialer Schachzug erweisen, wird »The Chronicles of Spellborn« dadurch auch für Gelegenheitsspieler interessant. Wer bisher nicht die Muße hatte, regelmäßig Abende in Raids zu investieren und somit schnell den direkten Kontakt zu seinen Gilden-Kollegen verlor, könnte sich nun doch an ein reinrassiges MMORPG herantrauen, ohne sein Leben komplett danach ausrichten zu müssen.

Entgegen erster Ankündigungen sind die Entwickler in diesem Punkt allerdings ein wenig zurückgerudert. Zwar wurde auf jegliche Werte bei Rüstungen und Waffen verzichtet, dafür können diese jetzt mit Hilfe von Juwelen und den zugehörigen Slots, die nach dem bekannten Sockel-Prinzip funktionieren, verbessert werden. So ganz wollte man scheinbar doch nicht auf die beliebte Item-Hatz verzichten, was sicherlich nicht die schlechteste Entscheidung ist.

Das Kampfsystem
Auch das Kampfsystem hält für den normalsterblichen MMO-Spieler einige Überraschungen parat. Im unteren Bildschirmbereich befindet sich das so genannte Skilldeck, eine Rolle mit sechs Seiten, die jeweils fünf Fächer mit Fähigkeiten bzw. Zaubern enthält. Aktiviert der Spieler nun einen dieser Skills, dreht sich die Rolle zur nächsten Seite weiter, auf der dann wiederum andere Fähigkeiten platziert sein können. Dadurch lassen sich im Kampf auf einfache Weise effektive Combos ausführen.

Nützlich ist zudem die Tatsache, dass dem Spieler insgesamt drei verschiedene Skilldecks zur Verfügung stehen. Es ist somit immer möglich, sich an die aktuelle Situation anzupassen. Ob Solospiel, Questen in der Gruppe oder PvP, der Spieler hat stets die richtigen Fähigkeiten und Zauber parat.

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In der Welt von Spellborn sagen sich Wildschwein und Hase noch Gute Nacht!
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Ein weiterer wichtiger Punkt ist das action-orientierte Kampfsystem. Es wird nicht, wie bei anderen Online-Rollenspielen, möglich sein, ein Ziel anzuvisieren und dann zu warten, bis der Charakter die Arbeit beendet hat. In »The Chronicles of Spellborn« muss der Spieler aktiv ins Kampfgeschehen eingreifen, auch durch das bereits beschriebene Skilldeck. Es gilt gegnerischen Angriffen auszuweichen, eine geeignete Angriffsposition zu finden und schließlich auch darum, möglichst genau zu zielen, wie bei einem Ego-Shooter. Gerade dadurch könnte »Spellborn« ein völlig neues Klientel ansprechen, welches sich bisher nicht für Online-Rollenspiele interessiert hat.

Zusätzliche Features
Das so genannte Endgame, also das Spiel nach Erreichen des Maximal-Levels, welches derzeit bei 50 liegt, wird sich größtenteils in der Arena und in den Höhlen abspielen, wo der Kampf Spieler gegen Spieler (PvP) erlaubt ist. Sowohl einzelne Charaktere als auch Gilden können auf Punktejagd gehen und sich in den Ranglisten nach oben spielen. Den größten Helden wird dabei eine ganz besondere Ehre zuteil. Vor dem Eingang zur Arena wird ihr Abbild als prachtvolle Statur verewigt. Dies soll als Anreiz dienen, sich regelmäßig an den Kämpfen zu beteiligen und seinen Platz an der Spitze zu verteidigen.

In Sachen Gruppengröße wird es je nach PvE- und PvP-Bereich unterschiedliche Begrenzungen geben. Im Kampf Spieler gegen Spieler planen die Entwickler derzeit mit sechs oder acht Spielern pro Gruppe. Beim üblichen Questen wird die Anzahl auf vier begrenzt sein.

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In den Höhlen treffen sich die High-Level Charaktere zum PvP.
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Auch über die Quests und das PvP-System hinaus werden in »Spellborn« alle gängigen Features enthalten sein, die man sich von einem modernen Online-Rollenspiel wünscht. Ob Reittiere, Spielerhäuser oder sogar Spielerstädte, alles soll integriert werden. Leider konnten wir uns in der aktuellen Version noch von keinem dieser Elemente überzeugen. Hoffen wir also, dass die Entwickler die großen Versprechungen einhalten können und die Features nicht zu Gunsten eines pünktlichen Releases nach hinten verschoben werden.

Berittene Kämpfe sind übrigens auch geplant, allerdings werden sie noch nicht zum Start enthalten sein und erst nach der Veröffentlichung nachgereicht. Da heißt es also Abwarten und Tee trinken.

Technischer Firlefanz
In Sachen Optik muss sich »The Chronicles of Spellborn« nicht vor seinen Mitbewerbern verstecken. Die teilweise skurrile Grafik erinnert zwar streckenweise an den Comic-Stil von »World of Warcraft«, ist dem Marktführer von Blizzard Entertainment allerdings um Lichtjahre voraus. Die knapp 45 Mitarbeiter der Spellborn Limited haben die Unreal 2.5 Engine deutlich aufgepeppt und zudem einen eigenen Netzwerk-Code entwickelt, der zumindest bei unserem kurzen Test reibungslos funktionierte.

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Der Spellborn Day hatte auch abseits des Spiels Einiges zu bieten.
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Äußerst interessant ist die Verknüpfung des Ingame-Gildenchats mit einem IRC-Server. Der interne Channel jeder Gilde ist gleichzeitig auch über jeden gängigen IRC-Client erreichbar. Zur reibungslosen Kommunikation müssen also nicht zwangsläufig alle Mitglieder einer Gilde im Spiel eingeloggt sein. Auf unsere Fragen hin, ob dies nicht ein beachtliches Sicherheitsloch sei, bekamen wir leider keine vernünftige Antwort. Gerade weil bei unserem Besuch das komplette Spiel über das IRC administriert wurde, sollte dieser Punkt von den Entwicklern nicht unterschätzt werden. Hoffen wir also, dass möglichen Hackern bereits im Vorfeld das Handwerk gelegt wird.

Über den Standort der Server konnten wir leider noch keinerlei Details in Erfahrung bringen. Wir rechnen allerdings stark mit einer Unterbringung in der Niederlanden, genauer gesagt in Amsterdam, wo sich in letzter Zeit schon viele andere prominente Vertreter niedergelassen haben. Was die maximale Kapazität eines Servers angeht, so rechnen die Entwickler derzeit mit 1500 Spielern. Genauere Zahlen sollen die anstehenden Beta-Tests ergeben.

Der Fahrplan steht
Die weiteren Schritte in der Entwicklung von »The Chronicles of Spellborn« scheinen fest geplant zu sein. Bereits am 21. März soll die Closed Beta wieder eröffnet werden. Alle Fans können dann erstmals die genannten Neuerungen antesten und ihr Feedback an die Entwickler weitergeben. Bereits einen Monat später, genauer gesagt am 22. April soll die Open Beta starten. Zu dieser werden zahlreiche neue Spieler eingeladen, die in erster Linie die Stabilität und das maximale Fassungsvermögen eines Servers testen sollen. Pünktlich zum Tag der Arbeit am 1. Mai soll dann die fertige Version ins Presswerk wandern, wodurch einem Release irgendwann im Juni nichts mehr im Wege stehen dürfte.

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Weiß der Geier mit welchen Kreaturen die Elefanten hier gekreuzt worden sind.
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Auch die Pläne für die Zukunft hat die Spellborn Limited bereits bekannt gegeben. Nach der Veröffentlichung soll es in regelmäßigen Abständen (geplant sind drei Monate) umfangreiche Patches geben. Und schon ein Jahr nach dem Release, also im Juni 2008, dürfen sich alle Fans auf das erste Expansion Pack freuen, über das es bisher freilich noch keinerlei Informationen gibt.

Fast geschockt waren wir allerdings über die angepeilten Spielerzahlen. In Europa rechnen die Entwickler mit 500.000 Spielern und im asiatischen Raum sogar mit zwei Millionen. In Anbetracht der acht Millionen Abonnementen von »World of Warcraft« erscheint diese Zahl ziemlich utopisch.