Dass man auch mit einem kleinen Studio eine große virtuelle Welt erschaffen kann, daran glauben das Team von Spellborn und ihr Publisher Frogster Interactive. Mit Innovation und Atmosphäre will man zumindest eine Nische im hart umkämpften MMOG-Genre besetzen. Doch kann der beinahe übersättigte Markt noch mehr vertragen?

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Bereits im vergangenen November hatten wir Spellborns Splitterwelten erstmals einen Besuch abgestattet. Damals lief das Spiel noch in der Betaphase und die Entwickler versprachen jede Menge Feinschliff zum Release. Die Inhalte für das "late-game" waren noch nicht erkennbar, zahlreiche Quests wiesen Fehler auf und auch Teile des Gameplays schienen noch nicht ganz vollendet. Wir entschieden uns daher vorerst gegen einen Test und stellten das Spiel in einem Special vor.

Heute, rund anderthalb Monate nach Release, wird es ernst für die innovative Onlinewelt aus den Niederlanden. Konnten die Entwickler die Fehler beseitigen? Wurde den Splittern besagter Feinschliff verliehen und erfreuen sich die Spieler mittlerweile an den "late-game"-Inhalten? Wir haben der wundersamen Welt der schwebenden Splitter erneut einen Besuch abgestattet, um diese Fragen zu beantworten.

Eine Welt in Trümmern

Wer sich bislang noch nicht mit den Chroniken von Spellborn beschäftigt hat, wird sich möglicherweise darüber freuen, dass man es hier ausnahmsweise einmal nicht mit Elfen, Zwergen und Orks zu tun bekommt. Als spielbare Rassen stehen vielmehr Menschen und deren Verbündete, die Daevi, zur Auswahl. Letztere erinnern ein wenig an humanoide Kängurus und hatten sich einst, gemeinsam mit den versklavten Menschen, gegen die mächtigen Vhelgar aufgelehnt.

The Chronicles of Spellborn - Gut versucht, schlecht besucht

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Der Himmel über der Welt von Spellborn ist die Hülle des Weltensplitters.
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Der Befreiungskampf forderte allerdings ein großes Opfer, denn mit der Vernichtung der magisch versierten Vhelgar wurde deren Macht freigesetzt und die Welt in Stücke gerissen. Diese 'Splitter' beherrbergen die letzten Überlebenden und schweben seither in den Überresten eines Sturms aus toter Magie durch Raum und Zeit. Da sind abenteuerliche Reisen quasi unvermeidlich.

Pfusch bei den Charakteren

In eine dieser Splitterwelten wird der Spieler "hineingeboren". An der Charaktergenerierung hat sich, bis auf ein paar optische Ergänzungen, seit der Betaphase wenig geändert. Die Anpassungsmöglichkeiten sind nach heutigen Maßstäben nicht sonderlich üppig und optisch eher abschreckend. Wer auch immer für die Gestaltung der Charaktere in Spellborn verantwortlich ist, sollte sich zur Fortbildung um einen Praktikumsplatz bei NCSoft in Seoul bewerben.

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Wer die hässlichen Spellborn-Gesichter leid ist, darf sich auch vermummen.
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So erfrischend die neuen Rassen auch sein mögen, bei der Wahl seiner Klasse begegnet man schnell wieder den üblichen Verdächtigen des MMOG-Genres. Hier wird nämlich zwischen Kriegern, Schurken und Zauberkundigen unterschieden. Weitere Feinheiten, die jeweils etwas unterschiedliche Spielweisen erfordern, entfalten sich dann im Laufe des Spiels. Doch insgesamt hätten wir uns an dieser Stelle über mehr Tiefgang gefreut.

Wirklich unwirklich

TCOS basiert auf der Unreal Engine 2.5. Die hat zwar schon einige Jahre auf dem Buckel, doch rein optisch könnten die Entwickler noch eine ganze Menge mehr aus ihr herausholen - zumindest was die Charaktere betrifft. Doch sieht man seinen wenig ansprechenden Avatar in der Landschaft stehen, kommt man schnell ins Staunen: Die Umgebung hebt sich - Gott sei Dank - ausgesprochen positiv vom Alter Ego ab.

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Was bei den Charakteren verbockt wurde, macht die stimmungsvolle Landschaftsgrafik wieder wett.
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Typisch für die Engine ist dabei die Weiträumigkeit, die von den Entwicklern optimal ausgenutzt wird und besonders anfangs dazu animiert, auf Entdeckungsreise zu gehen. Nicht selten hört man auch von Mitspielern, die sich auf einer solchen Tour hoffnungslos verirrt und es erst mit Hilfe der Community wieder in Sicherheit geschafft haben.

Die Richtung stimmt - der Weg ist allerdings noch weit für das kleine Studio, will man langfristig zur inhaltlich gehaltvolleren Genre-Konkurrenz aufschließen.Fazit lesen

Hilfsbereitschaft wird unter den Spielern von Spellborn generell groß geschrieben. Kaum eine moderne MMOG-Community scheint so erwachsen und zuvorkommend wie die Stammspieler der Splitterwelten. Selbst Neueinsteigern wird ohne zu zögern immer wieder dabei geholfen, die Tücken der ungewohnten Skill-Leiste zu überwinden.

Selbst ist der Krieger

Ungewohnt tückisch zeigt sich Spellborn auch in Sachen Kampfsystem. Denn statt Würfelglück und Item-Werten zählen hier Zielgenauigkeit und Ausweichmanöver. Die Devise lautet: weniger klassisches Rollenspiel, mehr Action und Skill. Und das sollte gelangweilte MMO-Kenner sehr erfreuen. Endlich Abwechslung!

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Grundausstattung statt Item-Wahn: Die Kleidung bekommt der Avatar schon in seiner Geburtsstunde.
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Zu früh gefreut? Die Abwechslung verläuft sich nämlich langfristig, denn in Sachen Questdesign wandelt das MMOG eher auf ausgetrampelten Pfaden. Lange Laufwege und noch immer nicht ausgemerzte Bugs sorgen für Frust. Reittiere sind da dringend nötig und werden hoffentlich, wie bereits angekündigt, in nicht allzu ferner Zukunft Einzug halten.

Auch an einem System für Arena-PvP werkeln die Entwickler zurzeit. Doch warum ist so etwas nicht von Anfang an im Spiel? Würde Spellborn über ein sinnvolles PvP-System verfügen, gäbe es auch mehr Gilden. Das würde die Welt beleben und zudem das Spiel in der Gruppe fördern. Derzeit meistern die Spieler ihren Level-Prozess vor allem anfangs vorwiegend allein und bisweilen fühlt man sich eher an ein klassisches Solo-Spiel erinnert und vermisst das „massively“ an Spellborn schmerzlich.

Wo sind all die PvP'ler hin?

Wo ist der Sinn hinter dem PvP, wo sind die Gildenkriege, wo die Belagerungen? All das läge in der Natur eines skillbasierten Onlinespiels. All das würde Spieler langfristig in der Welt halten und für zusätzliche Motivation sorgen. Doch leider: All das fehlt. Und so questen die Spieler langsam vor sich hin, bis zum Top-Level. Die ganz Treuen fangen danach auf einem zweiten Charakter von vorne an, andere steigen aus.

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Leider gestaltet sich derzeit auch das Crafting sehr ermüdend.
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Erkannt haben die Entwickler dieses Manko offensichtlich schon selbst, denn für 2009 versprechen sie Möglichkeiten zur Allianzbildung. Doch ob damit auch tatsächlich der Krieg auf den Splitterwelten Einzug halten wird, lassen sie offen. Derzeit beschränkt sich der Konflikt zwischen Spielern auf ein wenig "Geganke", das allenfalls für einige unterhaltsame Stunden sorgen kann.

Etwas holprig läuft es zudem auf der technischen Seite. Zumindest Besitzer von ATI-Grafikkarten klagen über massive Probleme mit der Performance – ein Problem, mit dem allerdings die meisten Spiele-Entwickler zu kämpfen haben, die auf die Unreal Engine 2.x setzen. Störend fällt außerdem die tägliche Server-Wartung auf, die nicht selten den Spielfluss ungewollt unterbricht.

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Die Qualität der Landschaften und die stimmige Soundkulisse heben sich deutlich vom Rest ab.
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In Sachen Sound hingegen setzt Spellborn neue Maßstäbe. Endlich macht es in einer virtuellen Welt auch mal Sinn, genauer hinzuhören. Zwar fehlt es an gesprochenen Inhalten, doch hat man die zahlreichen Naturgeräusche erst einmal bewusst wahrgenommen, vermisst man sie bei der Konkurrenz. Hier gibt es weit mehr, als nur das Gequatsche mancher NPCs.Günstige Unterhaltung
Unterhaltsame Stunden hat man mit Spellborn auf jeden Fall - sogar unverbindlich. Die ersten zehn Level kann man komplett kostenlos spielen. Auch danach liegt das Spiel mit rund 15 Euro preislich weit unterhalb der Konkurrenz und bietet damit immerhin ein ordentliches Preis-Leistungs-Verhältnis. Den aktuellen Spellborn-Client könnt ihr euch bei uns kostenlos herunterladen.