So erfolgreich das MMO-Genre auch ist - Innovationen sucht man dort vergeblich. Die Titel unterscheiden sich oft lediglich in der Story, spielerisch wird seit Jahren derselbe Einheitsbrei serviert. Doch TERA soll ganz anders werden. Statt statischem Kampf verspricht es spielerische Action, den klassichen Target-Lock ersetzt ein Fadenkreuz. Doch reicht das aus, um das südkoreanische MMOG zum Hit zu machen?

Bei NCsoft ist man richtig sauer. Nach dem Erfolg von Lineage II arbeitete man noch bis 2007 an einem Nachfolger, der auf einem actionreichen Kampfsystem basieren und ein politisches System bieten sollte. Doch das designierte Lineage III sollte nie erscheinen. Quasi über Nacht verließ die unzufriedene Hälfte des Entwicklerteams den sicheren Hafen bei NCsoft.

NCsofts bessere Hälfte

Man ließ alles stehen und liegen und heuerte beim neu gegründeten Studio Bluehole an. NCsoft, seiner Mitarbeiter und, so behauptet man zumindest, aller guten Ideen beraubt, musste die ehrgeizigen Pläne verwerfen. Die Jungs bei Bluehole hingegen entwickelten munter drauflos und vollbrachten, was viele nicht für möglich gehalten hätten: TERA ist seit einem Jahr in Südkorea im Handel und seit heute steht es auch bei uns in den Regalen.

Und auf den ersten Blick wirkt das Spiel so brillant, dass es tatsächlich die geballte Aufmerksamkeit der MMO-Communitys auf sich zieht und zum Renner des Frühjahrs zu werden scheint. Auch die Urheberrechtsklage, die NCsoft bei einem US-Gericht eingereicht hat, mit dem Ziel, TERA irgendwie über den Rechtsweg zu stoppen, wird daran kaum noch etwas ändern können. Vor allem nicht in Europa, denn dort hat Frogster das Publishing übernommen, und von einer Klage gegen das Berliner Unternehmen ist bislang noch nichts bekannt.

TERA - Startschuss in Arborea - bislang sind wir begeistert

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Klarer Vorteil für TERA: das anspruchsvolle Kampfsystem.
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Ping-Zeiten wie bei einem Shooter

Dafür musste sich Frogster gegen Angriffe von anderer Seite erwehren, denn Teile der Spielerschaft hielten den bisherigen Free-to-play-Publisher keinesfalls für geeignet, ein potentielles MMOG-Schwergewicht mit Monatsabo zu betreiben. Bisher allerdings hat sich Frogster recht gut geschlagen.

Nach anfänglichen technischen Problemen während der ersten Betarunden liefen die Server zum Headstart für Vorbesteller ausgesprochen flüssig. Zu Wartezeiten oder gar größeren Ausfällen kam es bislang nicht. Gerade deutsche Spieler freuen sich zudem über den für sie günstigen Serverstandort Frankfurt, der die bei einem Actionspiel extrem wichtige Ping-Zeit niedrig hält.

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Headshot

Doch wie actionreich ist TERA wirklich und wie viel klassisches MMOG steckt in dem vielversprechenden neuen Titel? Haben gemütliche Feierabendspieler und Anhänger ruhiger Jagdausflüge überhaupt eine Chance oder bleibt TERA doch eher den Shooter-Fans vorbehalten, die darin geübt sind, einen Headshot nach dem anderen auszuteilen?

Nein - so weit geht TERA längst nicht. Zwar reibt sich der Neueinsteiger verwundert die Augen, weil er bei der Standardeinstellung keinen Mauszeiger vorfindet, sondern schon per Mausklick die ersten Schüsse gen Fadenkreuz jagt oder mal eben ein paar Meter nach hinten springt, doch Kopfschüsse und dergleichen gibt es nicht und ein Monster zu treffen dürfte selbst Spielern mit zwei linken Händen nicht sonderlich schwerfallen.

Packshot zu TERATERAErschienen für PC

Gemütliche Action

Wer möchte, steuert TERA auch gleich mit dem Controller. Und das ist nicht nur eine Notlösung für Konsolen-Fans, sondern funktioniert in TERA tatsächlich ausgesprochen gut. Gerade wer eine längere Spielsitzung geplant hat, sollte es mal ausprobieren, den Sessel vor den PC schieben und gemütlich Monster schießen. Doch keine Sorge - die gewohnte Steuerung mit Tastatur und Maus leidet unter dieser zusätzlichen Möglichkeit nicht.

Wenn TERA hält, was es verspricht, wird das Spiel nicht nur sehr gut, sondern genial.Ausblick lesen

Auf der Tastatur werden die wichtigsten Skills übrigens mit den Tasten der Zahlenreihe sowie den F-Tasten ausgelöst. Ganz Gemütliche, die bei MMOGs bislang noch mit der Maus auf die Symbole geklickt haben, werden umlernen müssen. Doch auch hier muss sich niemand sorgen, dass etwa seine Reflexe nicht ausreichen könnten.

Einfach TERA

Im Gegenteil - der Schwierigkeitsgrad von TERA liegt, zumindest was die Standardmobs betrifft, nicht sonderlich hoch. Das ist durchaus bedauerlich, denn damit verschenkt Bluehole unglaublich viel Potenzial. Bei der Reaktionszeit, die Hirsche, Elfen oder Zentauren im täglichen Kampf an den Tag legen, bleibt das Action-Kampfsystem hinter seinen Möglichkeiten zurück. Ganz anders sieht das allerdings aus, wenn man sich mit Elite-Monstern befasst oder in die Instanzen begibt.

Bei den ersten Durchläufen haben die es durchaus in sich und Nachlässigkeiten bei den Bewegungsabläufen werden recht schnell bestraft. Auf den Wert für Ausweichen, der in anderen MMOGs meist der Ausrüstung anhaftet, hat man bei TERA verzichtet. Wer nicht getroffen werden will, muss eben aufpassen, wo er hinläuft.

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Den asiatischen Stil muss man mögen, doch er ist in TERA dezenter als befürchtet.
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Der Spaß liegt im PvP

Besonders zur Geltung kommt das im Kampf gegen andere Spieler. Hier ist bedeutend mehr Konzentration und damit Skill gefragt als in herkömmlichen MMOs mit Target-Lock. Es steckt unglaublich viel Bewegung in den virtuellen Kämpfen und je mehr Spieler daran beteiligt sind, desto spannender werden sie, wenngleich sie derzeit noch keine Bedeutung für das geplante politische System haben.

Überhaupt nicht spannend ist hingegen die Geschichte hinter TERA, in der von irgendwelchen Siegelgöttern die Rede ist, deren Macht schwindet, und von Argonen, die die “Heimatfront” überrennen. Die Geschichte wirkt ebenso aufgesetzt wie die Quests, denen man anmerkt, dass sie nur ins Spiel eingefügt wurden, weil die westliche Spielergemeinde eine solche Spielmechanik erwartet.

Technisch opulent

Unerwartet grandios wirkt hingegen die technische Seite von TERA. Zwar sind Rassen wie Elin und Popori in ihrer Aufmachung für erwachsene europäische Spieler durchaus grenzwertig, doch der asiatische Grafikstil wirkt insgesamt viel dezenter, als man das vorab bisweilen befürchtet hatte. Umso mehr punktet TERA bei den Animationen der Charaktere, der Monster und auch der Reittiere.

Wer sich mal die Mühe macht und direkt von TERA in Rift, Star Wars: The Old Republic oder gar Guild Wars 2 loggt, wird sehr deutlich spüren, wie weit das koreanische Studio der westlichen Konkurrenz voraus ist, wie gelungen die Animationen sind und wie lebendig die Landschaft wirkt, wenn sich die Bäume im Wind wiegen und einem beim Reiten durch Buschwerk einzelne Blätter hinterherfliegen.

Ein Satz heiße Ohren

Ähnlich ausgereift ist auch die Soundkulisse des Spiels. Gute Lautsprecher vorausgesetzt, werden die Ohren je nach Landschaft mit den passenden Umgebungsgeräuschen verwöhnt. Und auch bei der Musik ließ sich Bluehole nicht lumpen und verpflichtete mit Inon Zur und Rod Abernethy zwei der besten Komponisten, die die Branche zu bieten hat. Dass beide unter anderem auch für die Musik von Lineage II verantwortlich zeichnen, verstehen Branchenexperten durchaus als Seitenhieb auf den klagefreudigen Ex-Arbeitgeber.

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Grafisch spielt TERA ganz klar in der Oberliga.
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Ebenfalls als Seitenhieb versteht NCsoft die Nutzung der Unreal Engine 3, die man sogar in der Klageschrift gegen EnMasse, den US-Publisher von TERA, entsprechend als Teil des Ideenklaus aufführt. Wie auch immer man die Sache nun rechtlich bewerten möchte - technisch gesehen ist die Unreal Engine 3 die derzeit wohl beste Wahl überhaupt für ein zeitgemäßes MMOG.

Selbst größere Auseinandersetzungen mit anderen Gilden laufen bemerkenswert flüssig und bis auf die typischen Probleme, die manche AMD/ATI-Grafikkarten mit der für GeForce optimierten Engine haben, hört man in dieser Hinsicht wenig Klagen von Spielerseite. Es stellt sich vielmehr die Frage, ob die Unterteilung einer Region in mehrere Channels überhaupt eine technische Funktion hat, die über eine Konfliktvermeidung zwischen Spielern hinausgeht.

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Noch lässt sich kein finales Urteil fällen. Den vollständigen Test liefern wir nach.
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Kaufen oder nicht kaufen?

Mir ist klar, dass euch, die ihr Blueholes MMOG bislang noch nicht gekauft habt, eine große Frage auf der Seele brennt: Lohnt sich die Investition - insbesondere vor dem Hintergrund, dass auch noch starke Konkurrenz in den Startlöchern steht? Manch einer würde hier und jetzt gerne einen kompletten Testbericht samt Wertungsnote lesen, um endlich einen kompletten persönlichen Eindruck zu bekommen.

Doch so einfach ist es im Fall von TERA nicht. Nicht nur die Betarunden, auch der Headstart offenbarten nur einen sehr begrenzten Blick ins Spiel, da stets eine Levelobergrenze gesetzt wurde, die mir den Vorstoß in oberste Regionen verwehrte. Doch genau dort muss man sein, um ein vorerst abschließendes Urteil fällen zu können. Immerhin verspricht Bluehole, mehr als ein klassisches Themepark-MMO zu bieten.

TERA soll ein politisches System enthalten, in dem Gildenchefs zu Regenten über verschiedene Ortschaften aufsteigen können, und einer von ihnen kann sogar zum Exarch werden - zum König des Servers, der wiederum gegen die Herren anderer Server antritt, um Vorteile für sein Volk zu erkämpfen. Ob und wie das alles in der Praxis funktioniert, liegt noch im Dunkeln und die Geheimnisse werden sich wohl erst nach und nach lüften.