Im Sommer 2003 schien die Macht noch mit Star Wars Galaxies zu sein. Über eine Million verkaufter Exemplare verhießen dem Spiel eine grandiose Zukunft. Doch die Zahl der Abonnenten blieb weit hinter den Verkäufen zurück, erreichte ein Jahr nach Release bei rund 300.000 Spielern zum letzten Mal ihren Höchststand und sackte dann immer weiter ab. Bei LucasArts und Sony Online Entertainment entschloss man sich zu handeln.

Mit tiefgreifenden Änderungen am Game Design wollte man die Welt neu beleben, neue Spieler anlocken und vorhandene dauerhaft begeistern. Doch das 'Projekt NGE' (New Game Enhancements) scheiterte kläglich, denn statt das Spiel zu verbessern, patchte man es kaputt. Fünf Jahre, vier Entwicklerteams und zwei Kampfsysteme später ist die totgesagte Welt noch immer am Markt und hat sich, so scheint es, sogar stabilisiert.

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Liebevoll in die Jahre gekommen

Und während die einst Verprellten noch immer auf einen Nachfolger warten, freut sich der kleine Kreis aktiver Spieler auf das nächste Update und damit auf die epische Schlacht um Echo Basis auf dem unwirtlichen Eisplaneten Hoth. Lohnt sich das überhaupt? Kann der in die Jahre gekommene MMOG-Veteran nach all den durchlebten Höhen und Tiefen noch mit der Branche mithalten? Wir haben einen vorsichtigen Blick gewagt.

Star Wars Galaxies - Zum Auftakt der Star Wars Woche auf gamona: Rückblick auf das Jedi-MMO

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Ebenso exotisch wie in der Filmvorlage sind auch die Wesen in Star Wars Galaxies.
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Auch wenn Star Wars Galaxies im Laufe der Jahre inhaltlich immer wieder überarbeitet wurde, so hat sich technisch doch recht wenig getan. Die Grafik ist eindeutig in die Jahre gekommen. Allerdings lebt das Spiel auch hier von dem ganz besonderen Reiz, den nur ein „Star Wars“-Titel ausüben kann. Unzählige bekannte Orte und Personen ziehen die Aufmerksamkeit des Spielers auf sich, der dabei schnell vergisst, dass die Pixel auf die er schaut, schon etwas angestaubt sind.

Guck' mal, wer da spricht

Außerdem holen die Entwickler noch immer das Letzte aus der Grafik-Engine heraus. Die Locations sind liebevoll gestaltet und überraschen durch Details, die manch andere virtuelle Welt schmerzlich vermissen lässt. Insbesondere Hoth sorgt schon vorab für Begeisterung und so mancher eingefleischte Fan wird mit dem Gedanken spielen, für dieses eine Erlebnis seinen Account zu aktivieren, im AT-ST in Richtung Echo Basis zu stapfen oder selbige im Snowspeeder zu verteidigen.

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Die Fauna von Hoth lädt zum Kuscheln ein.
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Immerhin wartet der Eisplanet mit einer Top-Besetzung auf. Ihre Hoheit Prinzessin Leia persönlich, Brüderchen Luke, Han Solo und der ewig kläffende Chewie helfen bei der Verteidigung – außerdem Dack Ralter von Kalist VI, der es sich wieder einmal in Luke Skywalkers Snowspeeder bequem machen wird. Kommandiert wird der geordnete Rückzug von General Carlist Rieekan von Alderaan, oberster Rebell auf Hoth. Aber auch das Imperium begeistert mit bekannten Gesichtern und so darf man sich auf General Maximilian Veers und den dunklen Lord Darth Vader freuen – oder sich vor ihnen fürchten, ganz wie man möchte.

Überdurchschnittlich gelungen ist die Akustik im Spiel. Das liegt natürlich nicht zuletzt auch an der grandiosen Soundbibliothek des Lizenzgebers, an der sich die Galaxies-Macher bedienen dürfen. Besser als das seit den 90ern in jedem zweiten Spiel zu vernehmende, immer gleich klingende Wolfsgeheul ist das allemal. Außerdem hat man bereits früh die Zeichen der Zeit erkannt und einen soliden 'Voice Chat' ins Spiel eingefügt. Eher altbacken wirkt hingegen das Interface, an dem sich seit 2005 nichts Wesentliches mehr geändert hat.

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Fünf Jahre Entwicklung haben dem Spiel so manches Schmuckstück beschert – aber auch so manches Problem.
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Nicht viel Neues bietet auch die grundlegende Struktur der Klassen. So gibt es Damage Dealer, Heiler, Tanks – dann etwas für den Flächenschaden, sowie getarnte Angriffe und Buffs. Trotz der vielen Updates hat sich an diesem erzkonservativen MMOG-Konzept nichts geändert. Ähnlich wie in den meisten modernen Onlinespielen, findet man auch hier einen 'Skill-Tree'. Und so lässt sich im Laufe der virtuellen Karriere eine bestimmte Anzahl von Skillpunkten nach Wunsch verteilen und bringt so etwas Abwechslung in die ansonsten recht statischen Berufe.

Die Suppe selbst versalzen

Neben dem Kampf zu Boden finden seit 'Jump to Lightspeed' auch im All heiße Gefechte statt. Und die verlangen dem Spieler immerhin eine gewisse Portion Talent ab. Weniger Talent jedoch, als man das von den verschiedenen 'echten' Simulationen wie X-Wing oder TIE-Fighter aus dem Hause LucasArts gewohnt sein mag. Immerhin steuern sich die Vehikel erfreulich unkompliziert per Maus und schon bald merkt man, wie wichtig dieses Element für das Spiel ist und wie sehr es dazu beiträgt, ein echtes Gefühl von Star Wars zu vermitteln.

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Wenn der Schildgenerator fällt, fällt Echo Basis!
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Vielfach gepriesen und unglaublich komplex ist hingegen das Crafting geraten. Unzählige Bereiche stehen den Baumeistern dabei offen, und es lassen sich nicht nur schmucke Stücke für die eigene Ausrüstung zimmern, sondern ganze Bauwerke, kampferprobte Droiden und sogar ganze Raumschiffe. Das System dahinter braucht selbst nach all den Jahren keinen Vergleich zu scheuen, und eigentlich wäre das Spiel ja geradezu ideal dafür, eine von Spielern gesteuerte Wirtschaft zu unterhalten.

'Eigentlich' - denn ein Schatten liegt über dem gesamten System, der sich nur dadurch erklären lässt, dass hier viel zu viele Köche im virtuellen Brei herumgerührt haben. Wenn ein Spieler durch das Erlegen von computergesteuerten Gegnern wichtige Gegenstände problemlos ergattern kann – warum sollte er sie dann mühselig bauen oder bauen lassen?

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Rollenspieler werden sich wohl immer in Star Wars Galaxies tummeln.
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Mit den allzu üppigen Belohnungen, mit denen man die Spieler allerorts verwöhnt, haben die Entwickler die eigentliche Stärke des Spiels hinfällig werden lassen und all jene Spieler wohl für alle Ewigkeit verstimmt, die seinerzeit in mühevollen Stunden das erbauten, was heute nicht mal mehr ein müdes Lächeln wert ist.

Filmreife Erlebnisse

Rollenspieler und Fans von detail- und facettenreichem Housing werden allerdings noch immer echte Freude an dem Spiel finden und werden möglicherweise Monate damit verbringen können, sich das passende exklusive Anwesen samt virtuellen Inhalten zu errichten.

Ebenfalls spannend geraten sind einige der 'Heroic Encounters'. Das sind groß angelegte Raid-Instanzen, zu denen auch die erwähnte Schlacht um Hoth einmal zählen soll. Diese Events können noch immer durch die meist sehr spannende Story und ihre Anlehnung an die Filmvorlage überzeugen und gehören zu jenen Elementen von Galaxies, die so manchen Spieler überhaupt im Spiel halten.

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Seit Jump to Lightspeed geht es auch in spannende Weltraumkämpfe.
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Weit weniger geglückt ist die Umsetzung der Spielerkonflikte. Das PvP ist ausgesprochen abhängig von der getragenen Ausrüstung und erfordert zudem die Zustimmung des potentiellen Opfers. Lediglich in einigen offenen PvP-Zonen darf frei gekämpft werden, doch geht die Bedeutung, dies zu tun, dummerweise gegen null. Die letzten echten PvPler haben sich daher längst hinter die Steuerkonsole ihrer Raumjäger zurückgezogen.

So traurig es klingt – bedingungslos empfehlen kann man Star Wars Galaxies heutzutage niemandem mehr. Echte Fans der Filmvorlage werden so manchen nostalgischen Moment in der virtuellen Welt erleben, doch auch sie werden immer wieder gebeutelt von Momenten der Orientierungslosigkeit und des Frusts. Das Gameplay erfordert für heutige Verhältnisse zu viel stupides Grinden, der Markt besitzt nicht mehr die Bedeutung, die ihm gebührte, und das Endgame muss irgendwie ohne spannendes PvP auskommen.

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Trials of Obi-Wan brachte ein Wiedersehen mit alten Bekannten.
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Vor allem ein kleiner Kreis von Rollenspielern wird sich möglicherweise noch längerfristig in der fernen Galaxie bewegen, stimmungsvolle Events abhalten und Wohnraum gestalten. Auch wenn der Eisplanet Hoth und die Schlacht um Echo Basis ein wenig frischen Wind in den MMOG-Oldie wehen werden, werden aktive wie inaktive Spieler nur auf jeden Tag warten, an dem ein neues Star Wars MMOG angekündigt wird, das die Macht an sich reißen und den Krieg zwischen Imperium und Rebellion neu entfachen wird.