Star Trek ist mehr als eine Serie – es ist ein Kult, geprägt von Höhen und Tiefen. Und während die Serie im Fernsehen gerade einen neuen Tiefpunkt erreicht hat, haut der jüngste Kinofilm allein in Deutschland ein Millionenpublikum aus den Sitzen. Wirtschaftlich gesehen könnte es da kaum einen besseren Zeitpunkt geben, der riesigen Fangemeinde endlich mal ein Abonnement zu verpassen und sie in eine „Star Trek“-Onlinewelt zu locken.

Star Trek Online - Star Trek Online Staffel 9: Ein neues Abkommen22 weitere Videos

Mit der Hilfe des Vulkaniers

Trekkies erinnern sich noch mit Schrecken an den 14. Januar 2008. An diesem schwarzen Tag musste das kleine Studio Perpetual Entertainment seine Arbeit an Star Trek Online aus finanziellen Gründen einstellen. Für einige Monate schien keine Hoffnung mehr zu bestehen, dass man jemals als Kapitän eines stolzen Sternenschiffes der Föderation online seinen Dienst verrichten könnte.

Star Trek Online - Der Langzeit-Test: Cryptics (un)endliche Weiten

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/13Bild 392/4041/404
Die U.S.S. gamona auf ihrer Reise in Galaxien, die zuvor ein Mensch gesehen hat...
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Im Juli desselben Jahres machte dann das Gerücht die Runde, dass die Cryptic Studios die Lizenz übernommen hätten. Ein Countdown auf deren Webseite mündete in der offiziellen Ankündigung, die in Fankreisen für großen Jubel sorgte. Die Pressekonferenz in Las Vegas, in der Firmenchef Jack Emmert und Leonard „Spock“ Nimoy einen ersten Trailer präsentierten, heizte die Stimmung weiter an. Innerhalb von rasanten drei Jahren wolle man den Titel entwickelt haben – inklusive Weltraumflug und Bodenkampf.

Star Trek Online - Der Langzeit-Test: Cryptics (un)endliche Weiten

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/13Bild 392/4041/404
Die Besatzung auf Landurlaub.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Selbst für ein einziges dieser beiden Elemente in einem MMOG klang das nach einer äußerst knapp kalkulierten Terminplanung. Damals hätte wohl nicht einmal Jack Emmert damit gerechnet, dass Star Trek Online bereits nach der Hälfte der veranschlagten Zeit in den Regalen stehen würde. Doch was ist der Grund für die zügige Veröffentlichung – und kann man innerhalb einer solch kurzen Zeit tatsächlich ein ordentliches MMOG abliefern? Wir sind in die Sternenflotte eingetreten, um diesen Fragen auf den Grund zu gehen.

Widerstand ist und war schon immer zwecklos

Und kaum dass wir unsere ersten Schritte im Dienst getan haben, greifen auch schon die Borg an. In einer rasanten Mission beamen wir mit unserem besonders fremdartig entworfenen Avatar in die Höhle des Löwen und bewahren ein Schlachtschiff der Föderation vor der Assimilation, beamen die fiesen Kollektivwesen in den freien Raum, zerstören mit einer Flotte von Verbündeten einen angeschlagenen Würfelraumer der Borg und befreien eine ganze Kolonie. Puh...

Star Trek Online - Der Langzeit-Test: Cryptics (un)endliche Weiten

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/13Bild 392/4041/404
Das Weltall von STO ist zweidimensional.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Zur Belohnung erwartet uns das erste Kommando über ein eigenes Schiff sowie ein gehorsamer Brückenoffizier. So rasant, wie sich das liest, läuft es tatsächlich ab. Die erste Stunde Star Trek Online fühlt sich genau so an, wie sie sich anfühlen sollte – als wäre man mittendrin in einer der spannenderen Folgen unserer geliebten Serie. Die Euphorie ist groß – Cryptic hat einen Megahit gelandet.

Mit schöpferischer Kraft

Der positive Eindruck wird zu diesem Zeitpunkt vor allem auch durch die Freude am Alter Ego getragen, bei dessen Schöpfung man wirklich viele Freiheiten hat – so wie man es bereits aus Cryptics Superhelden-MMOG Champions Online kennt. Besonders kreativ veranlagte Spieler werden durchaus ihren Spaß am Erschaffen neuer Wesen finden.

Star Trek Online - Der Langzeit-Test: Cryptics (un)endliche Weiten

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden12 Bilder
Gleich zu Beginn greifen die Borg an.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Allzu lange hält die anfängliche Begeisterung am Spiel allerdings nicht an. Die erste Ernüchterung kommt bereits nach Abschluss der Einführungsmission. Die unendlichen Weiten des Weltraums präsentieren sich ausgesprochen limitiert und alles andere als stimmungsvoll. Auf einer stilisierten Sternenkarte navigiert man quasi zweidimensional zwischen Planeten und Anlaufstellen im freien Raum hin und her. Eine große Portion Weltraumfeeling geht hier verloren.

Massiv instanziert

Bei unserer kurzen Reise zum Hauptquartier der Sternenflotte im Orbit der Erde fallen erstmals auch die Ladebildschirme unangenehm auf. Der von Cryptic angepriesene eine Server besteht de facto aus unzähligen Instanzen und Unterinstanzen, die von einem nervigen Ladebildschirm überbrückt werden. Eine massive Onlinewelt fühlt sich anders an.

Star Trek Online - Der Langzeit-Test: Cryptics (un)endliche Weiten

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/13Bild 392/4041/404
Die Bodenmissionen sind instanziert.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Im Büro des Admirals – natürlich auch eine Instanz – holen wir uns unsere ersten Missionen ab. Ein Botschafter der Vulkanier benötigt ein Taxi. Wir nehmen ihn mit und setzen Kurs auf das Ziel. Dort angekommen werden wir von Klingonen angefunkt, die doch glatt behaupten, unser spitzohriger Gast sei Formwandler. Kann ja gar nicht sein, denken wir und verwandeln die klingonischen Quälgeister kurzerhand mit ein paar gezielten Salven aus den Bordgeschützen in eine kleine Sonne. Wir mochten den draufgängerischen Kirk eh viel lieber als den Diplomaten Picard.

Kurzweilige Action im Weltraum

Der Raumkampf läuft angenehm flott ab und gibt uns durchaus wieder Anlass zur Hoffnung. Dass auch der Kampf im freien All nicht völlig dreidimensional ausfällt, macht sich vor allem dann bemerkbar, wenn man sich erfolglos an einem Looping probiert. In Sachen Räumlichkeit scheint Cryptics Engine an ihre Grenzen zu geraten, womit sich jedoch durchaus leben lässt.

Star Trek Online - Der Langzeit-Test: Cryptics (un)endliche Weiten

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden12 Bilder
Die Action im All ist kurzweilig, verdient das Prädikat MMO aber nicht.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Gesteuert wird das Schiff wahlweise mit Maus oder den gewohnten Tasten – wie ein fliegender Avatar. Unsere selbst ausgewählten Fähigkeiten lassen sich dabei ebenso nutzen wie jene Talente, die unser Brückenoffizier stellt. Erfahrungspunkte sammelt nicht nur unser eigener Charakter, auch die Untergebenen kann man gemäß Rasse und Klasse aufwerten, ausrüsten und, nach der ersten eigenen Beförderung, im Rang nachziehen.

Massentaugliches Onlinespiel für zwischendurch, das ein paar kurzweilige Stunden im All und auf fernen Welten verspricht, die Bezeichnung MMOG aber nicht verdient.Fazit lesen

Diplomatie war gestern

Mit der Zeit schart der stolze Kapitän somit ein illustres Grüppchen unterschiedlicher Mitstreiter um sich, das einem auch bei Bodeneinsätzen zur Seite steht. So auch auf jenem Planeten, auf dem wir den Formwandler – die Klingonen hatten tatsächlich Recht behalten – ausgesetzt haben. Kein Wunder, dass uns die Knochengesichtigen dort unfreundlich empfangen. Macht aber nichts – immerhin sind wir schwer bewaffnet und nach wie vor ein Fan von James Tiberius Kirk.

Star Trek Online - Der Langzeit-Test: Cryptics (un)endliche Weiten

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/13Bild 392/4041/404
Ganz und gar nicht Star-Trek-like: erst schießen, dann fragen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

So oder so ähnlich laufen sie ab, die Missionen von Star Trek Online. Man fliegt in ein System, schießt ein paar Raumschiffe ab, beamt möglicherweise auf eine Station oder auf den Planeten, kämpft sich dort von Raum zu Raum und bekommt vom Admiral die begehrte Belohnung in Form von Punkten und Ausrüstung. Was anfänglich noch großen Spaß macht, wird nach einiger Zeit zur Routine.

Geschichten gesucht

Dabei trägt nicht einmal das Spielsystem an sich zur aufkommenden Langeweile bei. Außer ein paar kleineren Macken läuft das nämlich erfreulich rund und sollte durch die zwei grundverschiedenen Spielkonzepte zu Lande und in der Luft theoretisch abwechslungsreich genug sein. Vielmehr sind es die ausgesprochen eintönigen Missionen, die den Spielspaß auf Dauer trüben. Hier haben die Missionsdesigner ihre Hausaufgaben nicht gemacht.

Star Trek Online - Der Langzeit-Test: Cryptics (un)endliche Weiten

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/13Bild 392/4041/404
Bis jetzt gibt es noch viel zu wenig Missionen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Und das hängt – dieser Verdacht drängt sich dem geneigten Spieler bald auf – vor allem mit dem zügigen Release zusammen. Einige der Missionen können durchaus überzeugen und beweisen, dass Cryptic Geschichten erzählen kann. Doch wo zu wenig Zeit geblieben ist, mussten eben Missionen aus der Konserve die Lücken füllen. Und die sind derzeit leider noch immer die Regel.

Futter für Fans

Allerdings hat man seit Release schon gehörig nachgelegt und verspricht auch für die Zukunft einen stetigen Zustrom an neuen Abenteuern. Insbesondere arbeitet man an den seit Warhammer Online bekannten wiederholbaren Großereignissen, in denen sich mehrere Spieler gemeinsam in stimmungsvolle Schlachten stürzen dürfen – bisweilen an legendären Orten wie Deep Space 9.

Star Trek Online - Der Langzeit-Test: Cryptics (un)endliche Weiten

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/13Bild 392/4041/404
Auch der Raumstation Deep Space Nine haben wir einen Besuch abgestattet.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Fraglich ist allerdings, ob die Entwickler genügend Futter liefern können, um die Fans dauerhaft zu unterhalten. Denn noch fehlt es komplett an einem Metagame, wie es erfahrene MMOGler erwarten. Noch lassen sich keine Gebiete erobern oder Stützpunkte errichten und das Crafting wirkt ebenso aufgesetzt wie die PvP-Instanzen.

Kampf der Föderation!

Letztere erinnern entfernt an altgediente Genrevertreter. Man meldet sich über eine entsprechende Funktion an oder fliegt direkt über die Map zur PvP-Instanz – wahlweise im All oder mit festem Boden unter den Füßen. Dort angekommen nimmt man im Team festgelegte Zonen ein und eliminiert die Gegner. Das Ableben ist – wie auch in den PvE-Missionen – vollkommen bedeutungslos, denn man darf sich nach einigen Sekunden Wartezeit gleich wieder ins Getümmel stürzen.

Star Trek Online - Der Langzeit-Test: Cryptics (un)endliche Weiten

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/13Bild 392/4041/404
Das Weltall ist äußerst hübsch gestaltet.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ab Stufe 6 darf der Spieler einen Charakter erschaffen, der auf klingonischer Seite gegen die Angehörigen der Sternenflotte kämpft. Allerdings mangelt es den Klingonen derzeit noch an Missionen und so verdient man sich dort vorwiegend im PvP die nötige Anerkennung bei den Vorgesetzten. Wie auch auf Seiten der Föderation bekommt der Spieler alle zehn Level neue Schiffe zur Auswahl.

Unendlich endlich

Das von Cryptic im Vorfeld angepriesene Erkunden unbekannter Welten und Wesen steht beiden Fraktionen offen. Dabei handelt es sich allerdings um nichts weiter als Missionen nach altbekanntem Schema. Bis auf wenige Ausnahmen lassen sich Planeten auch nicht anfliegen, wenn es dort keine entsprechende Mission vorsieht. Und so wirken die vorab erhofften unendlichen Weiten in Star Trek Online in der jetzigen Ansammlung doch ausgesprochen endlich.

Star Trek Online - Der Langzeit-Test: Cryptics (un)endliche Weiten

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/13Bild 392/4041/404
Widerstand zwecklos! Die Galaxis ist leider sehr übersichtlich.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die Stimmung unter den Spielern ist allerdings weitgehend ruhig. Harcore-Zocker sind ohnehin längst zum Admiral aufgestiegen und haben sich, nach rund 60 Stunden Spielzeit, still aus dem Spiel verabschiedet – meist in Richtung EVE Online. CCP wird vermutlich stark von dem neu entfachten Interesse an Sci-Fi profitieren.

Übrig geblieben sind jene Fans, für die Cryptic von Anfang an gearbeitet hat. Es sind geduldige Gelegenheitsspieler, altgediente Trekkies, die ihre Freude an der Serie haben. Sie basteln an den Raumschiffen und erschaffen noch mehr noch außergewöhnlichere Geschöpfe, die ihnen im Kampf zur Seite stehen.

Warten auf Cryptic

Sie sind zufrieden damit, dass Star Trek Online eigentlich eine Ansammlung von Minigames ist. Sie fliegen ihre Missionen, versammeln sich im Teamspeak und sprechen stundenlang über alte Zeiten, ihre Serie und Science Fiction im Allgemeinen. Hin und wieder stecken sie auch ein paar Dollar in den eigentlich unnötigen C-Store – kaufen sich ein Shuttle oder Kirks alte Enterprise. Sie haben Ruhe, Zeit und überhaupt kein Problem damit, dass Cryptic das Spiel nur Stück für Stück ausbauen kann.

Star Trek Online - Der Langzeit-Test: Cryptics (un)endliche Weiten

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden12 Bilder
Abwrackprämie: Dieses Raumschiff macht es nicht mehr lange.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Und irgendwie sind sie mir diese Leute im Laufe meiner Zeit in STO richtig ans Herz gewachsen. So sehr, dass ich sie ab und zu besuchen werde, um ebenso zufrieden und geduldig eine Mission zu fliegen und auf das zu warten, was die Jungs von den Cryptic Studios für die Zukunft von Star Trek Online so bereithalten.