2015 war bislang kein sonderlich gutes Jahr für MMO-Fans. Außer ein paar drittklassigen Pay-To-Win-Machwerken aus Fernost hat es kein erwähnenswerter Titel über die Ziellinie geschafft. Gute Voraussetzungen eigentlich für das ausgesprochen hübsche und wirklich kostenlose Skyforge.

Seinen Namen hat das russische Studio Allods Team natürlich nicht zufällig gewählt. Ursprünglich hatte man unter dem Namen Nival Online das MMORPG Allods Online entwickelt. Das war im Kern ein vergleichsweise ordentlicher Titel, auf den man durchaus stolz ist und auch sein kann. Dass Allods Online dennoch nicht gut bei uns ankam, lag weniger am Spiel selbst als am anfangs völlig schamlosen Finanzierungskonzept, mit dem der westliche Publisher das Spiel damals auf den Markt quetschte.

Profis am Werk

Diese vergebene Chance wird dann wohl auch einer der Gründe für den russischen Internetkonzern Mail.Ru gewesen sein, sich das kleine Studio Nival unter den Nagel zu reißen, um mit deren neuem Titel einen ersten Vorstoß in den umkämpften Markt der Onlinespiele zu wagen. Selbstredend, dass man dabei keine kleinen Brötchen backen wollte und entsprechend viel Geld in das Projekt gesteckt hat.

Skyforge - Schuften auf dem Olymp

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Ist längst nicht so tiefgreifend, wie er aussieht: der Ascension Atlas.
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Dass hier keine Amateure am Werk waren, merkt man Skyforge auch auf Anhieb an. Die Optik kann locker mit den meisten anderen MMOs mithalten und die Geschichte klingt zumindest interessant. Und das, obwohl die Entwickler mit dem Mix aus Fantasy und Science-Fiction ein gewisses Risiko eingegangen sind, denn Fans der einen Richtung haben oft ein Problem mit der jeweils anderen.

Namhafte Verstärkung

Die Welt von Skyforge wurde einst von einem mächtigen Gott beschützt. Der jedoch verschwand eines Tages spurlos und überließ die Welt mitsamt ihrer Bewohner einer Reihe von niederen Göttern und Unsterblichen. Zu letzteren darf sich auch der Spieler zählen, der durch seine Heldentaten immer mehr Anhänger bekommen und dann selbst zum Gott aufsteigen kann. Natürlich herrscht Zwietracht unter den Göttern und damit genügend Anlass für actionreiche Auseinandersetzungen.

Packshot zu SkyforgeSkyforgeRelease: PC: 2015

Erdacht haben sich diese Geschichte teilweise auch die Leute von Obsidian Entertainment, die Skyforge in Kooperation mit Allods Team entwickelt haben. Das US-Studio hatte sich mit Spielen wie Star Wars: Knights of the Old Republic II und Fallout: New Vegas einen Namen gemacht und erst im März mit dem Crowdfunding-Rollenspiel Pillars of Eternity abgeräumt. Gute Voraussetzungen eigentlich für die Mitarbeit an einem MMORPG.

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Animationen, Effekte, Grafikstil - Skyforge ist optisch eine Wucht.
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Eine Sache der Definition

Wobei Skyforge, wenn man es genau nimmt, eigentlich gar nicht in dieses Genre eingeordnet werden dürfte, denn wirklich “massively” ist hier nichts. Vielmehr steht der Spieler in einem instanzierten Observatorium, von wo aus er sich dann alleine oder gemeinsam mit Freunden zu seinen Einsätzen auf dem Planeten begeben kann.

Ein Lobby-Game also im Gewand eines MMORPGs. Ein Spiel, das sich am ehesten als Mischung aus Destiny und Neverwinter beschreiben ließe. Von letzterem hat es dann vielleicht auch das Kampfsystem, das auf den ersten Blick zwar wie “Action-Combat” wirkt, das in der Praxis jedoch weit näher an klassischen MMOs ist als beispielsweise TERA.

Betörend im Auftritt, fad im Abgang.Fazit lesen

Das Abenteuer schlaucht gewaltig

Trotzdem ist jede Menge Bewegung im Spiel, müssen die Skills der unterschiedlichen Klassen halbwegs beherrscht und die Flächenwirkung der gegnerischen Aktionen im Auge behalten werden, vor allem bei den Boss-Begegnungen. Die erlebt man bedeutend häufiger als bei herkömmlichen MMOs, da man sich, mit Ausnahme einiger größerer Landschaften mit öffentlichen Quests, überwiegend durch sehr kleine, eng begrenzte, schlauchförmige Umgebungen bewegt. Gerade am Anfang ist das recht erfrischend.

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Ähnlich sieht das mit den derzeit 13 Klassen aus, von denen sich einige durch die Mischung aus Magie und Technik durchaus nett spielen. Drei davon stehen neuen Spielern anfangs zur Auswahl - alle weiteren gilt es freizuspielen - und zwar auf einem einzigen Charakter. Konkret geschieht das auf riesigen Talentbäumen, die zumindest konzeptionell grob an die aus Path of Exile erinnern.

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Das Währungschaos

In der Theorie klingt das jedoch spannender, als es im Spiel tatsächlich ist. Die Aufwertungen sind nicht sonderlich bedeutsam und der Weg zu neuen Klassen ist extrem weit. Das wäre ja nicht weiter schlimm, würde einen der nächste Schritt nicht immer wieder in die gleichen Instanzen führen, in denen man dann eine von wirklich unnötig vielen Währungen farmen muss, durch die man gerade als Anfänger kaum durchblickt.

Dort bekommt man dann obendrein neue Ausrüstungsteile, von denen die meisten gleich wieder für Aufrüstungen zerlegt werden. Alle Werte, die einen irgendwie im Kampf verbessern, fließen dann in das Prestige ein - eine Art Waffenrang, der verhindert, dass man sich auf Abenteuer einlässt, denen man nicht gewachsen ist.

Immer schön langsam!

Was das Prestige betrifft, so sorgte Skyforge vor allem anfangs für Unmut. Die meisten Währungen und Punkte, die es zu sammeln gibt, sind nämlich gedeckelt - die Grenze wird jeden Mittwoch erweitert. Vielspieler waren nach Release binnen weniger Stunden an der Grenze angelangt und schauten dann für eine Woche in die Röhre.

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So spaßig die Klassen im PvE auch sind - manche davon funktionieren im aufgesetzten PvP nur bedingt.
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Welche Pläne genau die Entwickler mit diesem System verfolgen, ob es sich tatsächlich gegen Goldseller richtet oder einfach nur die Hardcore-Liga ausbremsen soll, darüber lässt sich nur spekulieren. Da die Höchstgrenze seit Release jedoch auch für neue Accounts gilt, sollten Einsteiger ein Weilchen zu tun haben, bevor sie vor der künstlichen Währungsmauer stehen.

Komm in anderthalb Stunden wieder!

Neben den Instanzen und dem Ausbau des eigenen Helden, geht es in Skyforge auch darum, sich selbst ein Denkmal zu setzen. Jeder Unsterbliche bekommt irgendwann die Möglichkeit, NPCs als Gefolgsleute um sich zu scharen und in Missionen zu entsenden. Über den Ausbau von Tempeln in unterschiedlichen Regionen kommt man so in den Genuss diverser Boni und Buffs.

Ähnlich wie der Ausbau der Gildenstätten funktioniert das Entsenden der Anhänger in Skyforge wie bei einem Browser- oder Handyspiel und nötigt einen geradezu, in bestimmten Abständen einzuloggen, die Belohnung zu kassieren und die Gefolgsleute auf die nächste Mission zu schicken, um sich ja keine Belohnung entgehen zu lassen. Wie in anderen MMOs, die sich dieses Systems bedienen, wirkt es auch in Skyforge aufgesetzt und in der Praxis arg lästig.

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Durch diese hohle Gasse muss er kommen. Wieder und immer wieder.
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Grind of Thrones

Weniger lästig hätte angesichts des actionreichen Kampfes das PvP werden können. Leider sind die ersten, natürlich ebenfalls stark instanzierten Begegnungen, in denen jeder gegen jeden kämpft, derart frustrierend, dass man sich recht schnell wieder dem Kampf gegen die computergesteuerten Gegner widmen möchte. Zumindest wurden dafür die Klassen von Skyforge ausbalanciert.

Entsprechend theoretisch ist dann auch das Konzept der Pantheon-Kriege, in denen Gilden gegeneinander antreten können - und zwar in PvP- und erfreulicherweise auch PvE-Missionen. Zu gewinnen gibt es die Kontrolle über Territorien samt extra Einkommen und Belohnungen. Wie gut dieses System auf Dauer funktionieren wird, muss sich noch ausweisen, allerdings liegt der Verdacht nahe, dass hier auch nur eine Seite in unzähligen Instanzen gegen die andere “angrindet”.

Am meisten Spaß macht Skyforge dann noch mit ein paar Freunden, denn insbesondere im Team werden Boss-Begegnungen auch schon mal richtig knackig. Leider stehen dann bisweilen Belohnung und Aufwand in keinem sonderlich guten Verhältnis, was notorische Solisten umso mehr davon abhält, sich in einer Onlinewelt zur Abwechslung mal etwas sozial zu engagieren.