Autor: Valentin Rahmel

Euer Charakter hat bereits den Maximal-Level erreicht? Ihr habt keinen Bock mehr, schon wieder auf die Jagd nach dem neuesten Item zu gehen? Auch die Player-vs.-Player-Optionen sind euch mit der Zeit zu fade geworden? So ging es den Jungs von Nevrax wohl auch.

Kein Wunder also, dass die französischen Entwickler etwas ganz Neues für ihr Online-Rollenspiel »Ryzom« (ehemals »The Saga of Ryzom«) veröffentlicht haben…

Ryzom: Ryzom Ring - The Saga of Ryzom: The Ryzom Ring - Trailer 32 weitere Videos

Expansion oder was?
»Ryzom: Ryzom Ring« ist keine normale Expansion, wie wir sie üblicherweise aufgetischt bekommen. Die neueste Erweiterung von »Ryzom« ist vielmehr ein Baukasten zum Erstellen eigener Abenteuer in der Science-Fantasy-Welt. Die Macher betrauen den Spieler erstmals mit der Aufgabe, selbst erdachte Schauplätze zu erschaffen, diesen Leben einzuhauchen und andere Helden zum Zocken einzuladen. Fast wie bei guten alten Pen & Paper-Rollenspielen als so genannter "Meister" oder "Dungeon Master".

Ryzom: Ryzom Ring - Baut euren eigenen MMO-Dungeon! Der Ring macht's möglich.

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Wie ein Gott in seiner eigenen Welt spazieren gehen...
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Der ganze Spaß kostet den »Ryzom«-Spieler keinen zusätzlichen Euro (abgesehen von der Abo-Gebühr für »Ryzom«). Nur für permanente Außenwelten müssen kreative Hobby-Designer ein paar Moneten rausrücken. Die sind dafür auch ständig mit dem Server verbunden, selbst wenn der Erschaffer nicht online ist. Wie das ganze System funktioniert? Weiterlesen…

In einer Stunde erschuf der Spieler die Welt
Wer ein neues Abenteuer erstellen will, wählt erst einmal einen Grundschauplatz aus. Eine staubige Wüstenregion, einen tropischen Landstrich oder doch lieber ein idyllisches Wäldchen? Es gibt einen Haufen vorgefertigter Geländekarten für euer Szenario. Zusätzlich könnt ihr die jeweilige Jahreszeit wählen, und schon kann es losgehen.

Die eigentliche Benutzeroberfläche ist nach ein wenig Eingewöhnungszeit relativ leicht zu bedienen. Diverse Monster, Gegenstände, Pflanzen sowie Gebäude sind in verschiedene Paletten unterteilt, übersichtlich strukturiert und werden per Drag&Drop-Funktion in die Welt implementiert. Grundkenntnisse in Englisch sind allerdings Voraussetzung, denn der Editor ist bislang noch nicht in unsere schöne Sprache übersetzt worden. Ein wirkliches Tutorial existiert leider auch nicht - rumprobieren reicht aber meist schon, um mit dem innovativen Tool klar zu kommen.

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Klick, Klick, Komma, Strich... Fertig ist der Dungeon.
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In unserem Beispiel haben wir uns für ein Waldgebiet entschieden, das wir erst einmal mit einer kleinen Siedlung als Grundschauplatz ausstatten. Neben ein paar Gebäuden, Mehlsäcken, Zelten und weiteren "Accessoires" positionieren wir auch ein paar Nicht-Spieler-Charaktere, die im weiteren Verlauf verschiedene Aktionen durchführen sollen. Ein kleines Kaff alleine reicht jedoch nicht, eine gute Karte sollte auch ein paar Feinde für unsere Helden enthalten.

Etwas weiter weg stellen wir also ein paar Ruinen und knapp fünf Räuber auf, die von den Spielern erledigt werden sollen. Die ungehobelten Klötze bewachen ein besonderes Schwert, das sie einem der Wächter des Ortes gestohlen haben. Genau von diesem Wächter, den wir vorher im Dorf positioniert haben, erhalten die Spieler den Auftrag, die Räuber zur Strecke zu bringen. Schließlich können wir Nicht-Spieler-Charaktere mit Texten ausstatten und sie passend zur gestalteten Geschichte Dinge tun lassen. Das funktioniert auch mit Monstern oder Tieren, die tagsüber auf einer Weide rumtollen und sich bei Nacht in die Wälder zurückziehen.

Leider weiß unser Stadthüter mit dem Namen Delous nicht, wo sich die Räuber befinden. Wir sollen mit dem anderen Wächter Makil reden, der angeblich Spuren gefunden hat. Delous mag Makil nicht besonders und hat deshalb noch nicht mit ihm gesprochen. Also plaudern die Spieler mit Makil, der vermutet, dass die Räuber zu den Ruinen geflüchtet sind. Erst wenn die Helden mit Makil und Delous gesprochen haben, liegt das Schwert auch bei den Räubern. Es ist nämlich möglich, Trigger zu setzen, die tapfere Protagonisten erst auslösen müssen, um den nächsten Schritt machen zu können.

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Die ersten Touristen melden sich zur Besichtigungs-Tour.
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Sobald die Helden alle Wegelagerer erledigt haben, erhalten sie das Schwert und können es zurück zu Delous bringen, der eine tolle Belohnung bereithält. Das kleine Abenteuer solltet ihr selbstverständlich vorher testen, bevor ihr eure Freunde zum Spielen der eignen Instanz einladet. Zum Glück kann der "Dungeon Master" während des gesamten Spielverlaufs eingreifen. Er kann in die Rolle eines Nicht-Spieler-Charakters schlüpfen, die Spieler beobachten, Monster heilen oder die Helden unterstützen.

Die Grenzen
Doch auch »Ryzom Ring« hat seine Grenzen. So besteht nicht die Möglichkeit, komplette Gebiete aus eigener Hand zu basteln. Der Spieler ist auf vorgefertigte Regionen angewiesen, die er "füllen" kann. Ferner hätte die Auswahl an Gebäuden größer ausfallen können. In einem Interview mit gamona.de hat Guillaume Puzin allerdings betont, dass es für lange Zeit regelmäßige Updates geben wird.

Die von Spielern erstellten Karten sind teilweise wirklich gut gemacht. Natürlich gibt es auch schwache Maps, die leer und trist wirken. Doch auf Atys leben viele kreative Spieler, die einen freundlichen Helden gerne auf eine tolle Instanz einladen. Anfänger, die »Ryzom« vorher nicht gespielt haben, sollten sich jedoch erst einmal dem normalen Spielcontent widmen, bevor sich eine eigene Karte lohnt. Erst heißt es, Freunde zu finden und die Welt zu entdecken. Denn was bringt schon das beste Szenario, wenn es von keinem gespielt wird?

Frischer Content?
Wer keine Lust hat, seine eigenen Abenteuer zu schustern, der kann nur auf die Kreativität anderer Spieler und weitere Updates von den Entwicklern hoffen. Von Nevrax dürfte zum Glück bald einiges kommen. Denn jetzt wo »Ryzom: Ryzom Ring« erschienen ist, wollen die Macher vorhandene Spielsysteme verbessern. Ein Team wird sich weiterhin mit dem »Ring« beschäftigen, während sich ein Großteil der Designer um die Außenposten, PvP sowie weitere Features kümmert. Noch ist der Zug nicht abgefahren...