Nur wenige Monate nach den eher mittelmäßigen Chronicles of Spellborn versucht Publisher Frogster Interactive mit einem weiteren massiven Onlinespiel sein Glück. Und diesmal haben sich die Berliner zu einer etwas anderen Taktik entschlossen. Sie setzen auf ein Entwicklerteam aus Fernost und greifen obendrein zu einer bestechend effektiven Waffe: Denn Runes of Magic ist kostenlos spielbar.

Kostenlos – aber nicht umsonst. So soll ein modernes free to play MMOG nach Ansicht der einschlägigen Communities sein. Die Hoffnung, dass dieser lang gehegte Wunsch mit Runes of Magic endlich in Erfüllung gehen könnte, lockte bislang rund 700.000 Spieler in die brandneue Onlinewelt. Und wenn der Zustrom nicht rapide abnimmt, dürfte man bis zum Sommer die Millionengrenze überschritten haben.

Doch kann ein Publisher derart vielen Kunden das Spielen ermöglichen, ohne monatliche Gebühren zu verlangen? Kann ein solcher Titel technisch mit der Konkurrenz mithalten? Schafft man es, inhaltlich genügend Stoff zu liefern, um die Community auch langfristig an die neue Welt zu binden? Wir haben uns nach Taborea geschlichen, um eine Antwort auf diese Fragen zu bekommen.

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Im Auf und Ab der Geschichte

Werfen wir zuerst einen Blick auf die Hintergrundgeschichte. Vor langer Zeit schuf da der Gott Ayvenas ein Buch, in dem er die Schöpfung der Welt und den Ursprung des Lebens niederschrieb. Dieses Buch, so verrät die Legende, trägt den Namen Taborea. Was irgendwie unspektakulär beginnt, setzt sich auch genau so fort. Taborea durchläuft das Zeitalter der Mythen, erlebt im Altertum dann Jahrhunderte des Krieges, wird dann drei Epochen lang hin und her gerissen, um den Spieler in der noch andauernden Epoche der Entdeckungen abzusetzen. Innovativ ist das sicher nicht.

Runes of Magic - Das Kostenlos-MMO im Test: Ist der Hype gerechtfertigt?

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Das Chaos wohnt nicht nur in Warhammer, sondern auch in diesem hübschen Zeitgenossen.
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Ebenso wenig wie die Charaktergenerierung. Unterschiedliche Rassen gibt es derzeit gar nicht. Die von Spielern gesteuerten Bewohner sind allesamt menschlicher Natur. Wirklich störend ist das allerdings nicht. Die Klassen beschränken sich auf bekannte Muster. Es gibt Krieger, Kundschafter, Schurken, Magier, Priester und Ritter. Auch hier mangelt es an Innovation – zumindest anfangs, denn ab Stufe zehn bekommt der Spieler die Möglichkeit, eine zweite Klasse für sein Alter Ego zu wählen. Das eröffnet dann immerhin 30 durchaus interessante Kombinationen, die jeweils bestimmte Vorteile mit sich bringen.

Packshot zu Runes of MagicRunes of MagicErschienen für PC

Allerdings sollte man die Klassenauswahl mit Bedacht vornehmen. Es lassen sich längst nicht alle Fähigkeiten komplett erlernen, und mancher Spieler bemerkt erst, nachdem es zu spät ist, dass er auf die falschen Talente gesetzt hat. Außerdem kann man immer nur die jeweils aktiv geschaltete Klasse voran bringen. Doch es wäre kein MMOG, würde es in dieser Hinsicht nicht genügend hilfreiche Ratgeber im Spiel und in den Foren der Community geben. 700.000 Spieler sind eine stolze Zahl, und zu manchen Zeiten mag man tatsächlich meinen, sie tummelten sich alle gleichzeitig auf den Servern.

Gibt es hier etwas umsonst?

Das ist zumindest der erste Eindruck, wenn man mit seinem frisch gebackenen Charakter in Taborea angekommen ist. Überall wimmelt es von Spielern. Selten schien eine virtuelle Welt derart gut besucht. Und während man gerade noch dabei ist, die erste Freundschaft im Spiel zu schließen, steht schon eine Handvoll weiterer neuer Spieler neben einem, um Antworten auf die brennendsten Fragen zu erhalten.

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Ohne eine schlagkräftige Gruppe ist der Weg in die höheren Gefilde von Taborea recht bald versperrt.
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Hier offenbart sich erstmals der gewaltige Vorteil der kostenlosen Spielbarkeit von Runes of Magic. Es gibt keine finanzielle Hemmschwelle, die Interessierte von einem Besuch abhalten könnte. Kein Anschaffungspreis stört, und auch das Gefühl, dass monatlich keine Gebühren anfallen, der Account quasi ewig kostenfrei erhalten bleibt, sorgt für eine unterschwellig angenehme Motivation. Den Charakter in Runes of Magic spielt man nicht nur vorübergehend leihweise, wie das bei manch anderem Titel mit monatlichen Kosten der Fall war oder ist.

Kostenlos – aber nicht umsonst. Der gelegentliche Onlinespieler und Einsteiger findet kaum etwas Besseres zum gleichen Preis. Der Profi hingegen schon.Fazit lesen

Dabei fällt es spielerisch anfangs gar nicht auf, dass man sich in einer gebührenfreien Welt befindet. Die Grafik gehört zwar nicht zu den Knallern des Genres, weiß aber durch interessant gestaltete Landschaften zu fesseln und lädt immer wieder zum Erkunden ein. Das Charakterdesign ist hingegen etwas unspektakulärer geraten und vor allem die Animationen könnten noch etwas Feintuning vertragen.

Frogster und die Ritter ohne Kokosnuss

Als mangelhaft muss man allerdings die Soundkulisse bezeichnen, die insgesamt doch recht mager ist. Gesprochene Dialoge gibt es nicht, Sounds stammen aus der Retorte und auch das eigene Reittier schleicht geräuschlos durch die Landschaften. Unser Tipp: Für ein ausgesprochen effektvolles Hufgetrappel braucht man nichts weiter als zwei ausgehöhlte Kokosnüsse sowie zwei willige Praktikanten mit flinken Händchen. Beides stellen wir Frogster auf Anfrage gerne leihweise zur Verfügung.

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Die Animationen sind etwas hakelig, doch einem geschenkten Gaul...
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Wer sich selber als Praktikant verdingen möchte, darf jeden der fünf Handwerksberufe ausüben. Zum Meister bringt man es allerdings nur in einer einzigen Fertigkeit. Auch hier sollte man sich also vorher in der Community über den Sinn und Unsinn einzelner Tätigkeiten informieren, für die eine grausam große Anzahl an Zutaten gesammelt werden muss. Doch wer geduldig ist, kann das auf seinen Reisen nebenbei erledigen, denn die Spawnzeiten der Materialquellen sind erfreulich kurz.

Den eigenen Level bringt man vorwiegend auf klassische Weise voran – durch das Erfüllen von Aufträgen. Es muss gekämpft, erkundet oder gesammelt werden. Erfolgreich von der Konkurrenz abgekupfert wurden die Tagesquests. Die lohnen sich besonders, denn als Belohnung winken täglich 100 Phiriusmünzen. Das sind jene Items, die sich im oftmals kritisierten Itemshop gegen allerlei Begehrtes eintauschen lassen. Sie sind also echtes Geld wert.

Asia-Grinder? Nicht nur, aber auch.

Die anfängliche Flut an Aufträgen schrumpft spätestens dann zusammen, wenn man auf seiner zweiten Klasse unterwegs ist, denn die muss den kompletten Weg bis zur derzeitigen Levelobergrenze von 50 noch einmal zurücklegen. Um das viel gehasste, von manchen Spielern allerdings auch gewünschte „Grinden“ kommt man spätestens in den höheren Leveln auch in Runes of Magic nicht herum.

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Wer ordentlich wettgerüstet hat, darf seine Finanzkraft in der Arena demonstrieren.
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Ähnlich steht es mit dem Anschluss an eine schlagkräftige Gilde. Die wird im späteren Spielverlauf unerlässlich. Das ist allerdings nicht wirklich ein Nachteil, denn so lassen sich fix Gruppen organisieren und Elitemobs und Bosse metzeln. Im Gegensatz zu vielen modernen MMOGs, die sich beinahe wie Solo-Rollenspiele anfühlen, orientieren sich die Entwickler von RoM eindeutig eher an klassischen Gruppen-MMOGs wie Everquest, das typische Partysetup aus Heiler, Tank und Damage Dealer inklusive.

Leider fehlen selbst nach dem Release noch immer üppige Inhalte im oberen Levelsegment. Allerdings verspricht Frogster mindestens einmal im Vierteljahr ein größeres Inhaltsupdate nachzuschieben, das dann nicht nur die Geschichte weiter voranbringt, sondern auch neue spielerische Inhalte in die Welt integriert. Und für einen Free-to-Play_Titel – das muss man fairerweise sagen – ist Runes of Magic schon jetzt ausgesprochen umfangreich, stabil und unterhaltsam.

Unnötiges Wettrüsten

Wer allerdings langfristige Unterhaltung sucht und schlagkräftig in der Oberliga mitmischen möchte, wird recht bald erkennen, dass man ohne die erleichternden Optionen des Itemshops nicht so recht voran kommt. Reittier-Leasing erleichtert das langatmige Reisen, der Ausbau von Häusern beschleunigt das Leveln, und auch die Ausrüstung lässt sich für reale Münze verführerisch leicht aufwerten. Wer diesen Verführungen erliegt, merkt recht bald, dass das virtuelle Wettrüsten real weit mehr Geld verschlingt als die handelsübliche Monatsgebühr eines klassischen MMOGs.

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Gigantomanie in Taborea – mit klassischem Party Setup und Teamplay bekommt man jeden Gegner klein.
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Doch hier beginnt eine Grundsatzdiskussion. Denn auch in MMOGs mit monatlichen Kosten verschaffen sich Spieler regelmäßig Vorteile, indem sie zukaufen – wenn nicht vom Publisher, dann doch von meist illegal operierenden Drittanbietern. Auch darf man Frogster nicht unbedingt einen Vorwurf machen, wenn einige Spieler kein Maß kennen und Unsummen von Euros in ihren Charakter investieren. Immerhin bezahlen diese Spieler für alle Anderen mit, und auch ein geiziger Spieler hat – mit sehr viel Arbeit und Mühe – doch die theoretische Möglichkeit, den Vorsprung der Zahlungskräftigen aufzuholen.

Generell gebührt den Entwicklern und ihrem Publisher Frogster eine ordentliche Portion Anerkennung. Mit Runes of Magic wird erstmals auch ein gewisser qualitativer Druck auf die Vollpreis-Konkurrenz ausgeübt, die sich schon zu lange auf den generell steigenden Nutzerzahlen ausruht und munter ein mittelklassiges Spiel nach dem anderen auf den Markt wirft.