Etwas über ein Jahr ist es nun her, dass Trion Worlds mit seinem Erstlingswerk Rift einen Achtungserfolg erringen konnte. Beim Launch lief alles wie am Schnürchen, schwerwiegende Bugs waren die Ausnahme, die Verkäufe übertrafen die Erwartungen. Angesichts des Themepark-Konzepts rechneten viele Kritiker jedoch damit, dass sich Rift als Abotitel nicht lange halten würde. Doch das junge Studio belehrte sie eines Besseren.

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Never play on a release day?

Alle Jahre wieder, wenn ein neues MMOG startet, wird es laut in den Communitys, in denen entrüstete Spieler gemeinhin ihrem Ärger Luft machen. Denn in einer neuen Welt funktioniert für gewöhnlich nichts so, wie es sollte. Die Webseite ist ebenso überlastet wie die Server, das Spiel voller Bugs und unfertiger Stellen. So ist es der Normalfall in der Welt der Onlinegames. Daran hat sich der erfahrene Spieler längst gewöhnt.

Als im März vergangenen Jahres dann der Titel eines Newcomers namens Trion Worlds an den Start ging, erwartete man nicht weniger als das gewohnte Chaos. Doch das blieb aus, denn der junge Publisher schien die Technik der schon aus Warhammer Online bekannten Gamebryo-Engine komplett im Griff zu haben. Rift funktionierte zum Release, und das gut.

Mit gutem Beispiel voran

Es gab keine nennenswerten Einbrüche bei der Performance, keine Abstürze und auch die Webseite verrichtete ihren Dienst. In der Branche hat sich das herumgesprochen und die Messlatte hängt in dieser Hinsicht heute ein Stück höher als noch vor einem Jahr. Das Argument, Schwierigkeiten beim Start eines neuen MMOs seien normal, wird heutzutage mit einem einzigen Wort außer Kraft gesetzt: Rift.

Rift 1.8 - Höllendämmerung

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Um die Mittagspause rum waren alle Pommes essen.
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Und trotzdem bekam der aufmerksame Beobachter im vergangenen Jahr das Gefühl, dass die Server mit der Zeit immer leerer wurden. Rift ist ein Themepark, wie er im Buche steht. Der Spieler bewegt sich auf einem weitgehend vorgegebenen Pfad durch die Welt, erfüllt brav seine Aufgaben und ist früher oder später am vorläufigen Ende des Weges angelangt. Und damit endet meist auch die Bereitschaft, weiterhin monatlich für den Aufenthalt in Telara zu zahlen.

Der störrische Deutsche

Und so wurden Stimmen derer immer lauter, die darauf hofften und setzten, dass Rift bald das Schicksal unzähliger anderer Spiele teilen und auf ein anderes Geschäftsmodell umgestellt werden würde. Trions CEO Dr. Lars Buttler ließ sich von diesen Stimmen allerdings nicht beirren und behielt den Kurs für Rift bei.

Packshot zu RiftRiftErschienen für PC

Der gebürtige Deutsche ist einer der wenigen Branchenchefs, die verstehen, dass es sich bei einem MMOG um kein klassisches Produkt handelt, sondern um ein Serviceangebot. Statt also nach dem Release von Rift das Team abzuziehen, ging die Arbeit mit voller Kraft weiter. Ein Update folgte dem anderen und im Wettlauf gegen die Zeit der Vielspieler schneiden die Entwickler von Rift wahrscheinlich besser ab als die meisten anderen Studios der Branche.

Wir sind wieder in Telara!

Und Trions Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt. Zwar wirkt sich die Veröffentlichung konkurrierender Themepark-MMOs hin und wieder negativ auf die Kundenzahlen aus, doch viele Fans kehren irgendwann zu Rift zurück, weil sie wissen, dass sich dort in der Zwischenzeit etwas getan hat. Und meist bringen sie dann gleich noch neue Leute mit, die sie in anderen Spielen kennengelernt haben.

Dieses Konzept scheint bei Rift hervorragend zu funktionieren und das Spiel kann als Fanal für das klassische Abomodell gesehen werden, das auch von vielen Fans noch immer bevorzugt wird, weil es als besonders fair gilt. Die Monatsgebühr ist für viele Spieler das geringere Übel, denn es garantiert, dass niemand die Möglichkeit bekommt, sich durch die Investition von echtem Geld irgendwelche Vorteile zu verschaffen.

Weniger Kunden, mehr Service

“Über 50 Millionen Dollar” hat Trion Worlds einst in die Entwicklung von Rift gesteckt. Dem standen schon vor einigen Monaten über 100 Millionen Dollar Umsatz gegenüber, die Ansporn genug für das Studio sind, die bisherige Strategie auch weiterhin zu verfolgen und lieber auf treue Abokunden zu setzen, als zig Millionen kostenlos zu bespaßen.

Rift 1.8 - Zu Besuch bei Trion Worlds

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Rift 1.8 - Zu Besuch bei Trion Worlds

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Und da aus dem Newcomer mittlerweile ein starker Publisher geworden ist, der neben Rift noch zwei weitere Titel in der Entwicklung hat, wurde es für mich auch mal höchste Zeit für eine Stippvisite in den frisch bezogenen neuen Büros im sonnigen Kalifornien. Dort plauderten die Produzenten von Rift ausgiebig über ihr gemeinsames Baby und die aktuelle Version 1.8.

Noch mehr Drachen

Der Patch trägt den klangvollen Namen ‘Höllendämmerung’ und bringt die beiden Drachen Flammenmaul und Laethys ins Spiel, die gemeinsam mit einer ganzen Reihe von anderen Bossmobs im Innern eines brodelnden Vulkans hausen und nur darauf warten, dass ein paar Spieler vorbeikommen, die ihnen das feurige Handwerk zu legen bereit sind.

Insgesamt sieben Bosse warten in der heißen Unterwelt, die von der offiziellen Seite als “schwierigster aller Raubzüge in Telara” bezeichnet wird. Gleichzeitig, so scheint es, will man den spielerischen Anspruch bei Trion Worlds weiter nach unten schrauben. Produzent Adam Gershowitz wird nicht müde zu beteuern, dass er die Spieler nicht durch unnötig schwierige Inhalte abstoßen möchte.

Rift 1.8 - Höllendämmerung

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Die Strahlemänner von Trion Worlds.
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Zielgruppe gefunden

Überhaupt scheint es, als habe Trion Worlds nach über einem Jahr Entwicklungszeit langsam erkannt, für welche Zielgruppe man Rift eigentlich entwickelt. Wie bei vielen Themepark-MMOs ist es nicht die Hardcore-Liga, die sich langfristig begeistern lässt, sondern es sind vor allem die Feierabend- und Gelegenheitsspieler, die regelmäßig durch Telara streifen und ohne viel Frust einfach Spaß an der atmosphärischen Welt haben wollen.

Umso wichtiger ist es dann auch, dass die Geschichte von Telara fortgesetzt wird. Und das funktioniert am einfachsten mithilfe eines neuen “Globalen Ereignis” - das sind jene Geschehnisse, die man als Spieler direkt und überall in der virtuellen Welt erleben kann und an denen man sich selbstredend auch aktiv beteiligen darf. Aktuell ist es der Frevlerschlund, der zum letzten großen Angriff auf Telara bläst und dabei natürlich die Risse nutzt, die es einmal mehr zu verschließen gilt.

Abenteuer aus der Dose

Zwischendurch und völlig unkompliziert kann man auch stets die Glutinsel besuchen, das neue Sofort-Abenteuer, das in der verlorenen Heimat der Kelari spielt und das einen ohne große Umwege ins Kampfgeschehen bringt. Das ist einerseits zwar praktisch, stellt jedoch auch gleichzeitig ein weiteres Zugeständnis an bequeme Naturen dar und ist ein Schritt weg von einer virtuellen Weltensimulation und hin zu einer Online-Lobby mit Minigames.

Einen Hauch von Letzterem bekommt man auch mit den neuen Inhalten rund um die Fischerei. Hobby-Angler dürfen seit Update 1.8 die Gewässer von Telara unsicher machen und ziehen, je nach Wassertiefe und Gegend, unterschiedliche Beutestücke an Land. Wer einen Köder benutzt, steigert die Chancen auf besonders fette Beute.

Und weil Selbstgeangeltes bekanntermaßen am besten schmeckt, lassen sich die Fische mithilfe der neuen Gewebefertigkeit ‘Überleben’ auch gleich zu schmackhaften Mahlzeiten zubereiten, die dann natürlich auch eine belebende Wirkung in Form von diversen Buffs entfalten. Wie alles in Rift ist auch das Angeln ausgesprochen einfach gehalten - wenn es plätschert, genügt ein simpler Klick und die Beute ist im Sack.

Futter für die Casuals

Apropos: Mittels ‘Überleben’ lassen sich nicht nur leckere Snacks kochen - geplant sind wohl Schlafsäcke und Zelte, die auch außerhalb der Stadt die gewohnten XP-Boosts aufladen und die Camper nebenbei dazu bringen sollen, in der Wildnis als Rollenspieler aktiv zu werden. Dass die Fans von Rift an derlei Dingen Spaß haben, steht mittlerweile sogar schwarz auf weiß im Guiness Buch der Rekorde.

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Fast 22.000 Pärchen gaben sich innerhalb eines Tages das Ja-Wort.
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21.879 Pärchen hatte Trion innerhalb von nur 24 Stunden dazu gebracht, in den virtuellen Stand der Ehe einzutreten - auch eine Art von Endgame-Content. Besonders praktisch: Wer seinen Rift-Partner nicht mehr ertragen kann, bekommt die Scheidungspapiere unkompliziert und bedeutend günstiger als in der realen Welt von Scheidungs-NPC des Vertrauens.

In Zukunft mehr Krieg

Nach über einem Jahr muss man anerkennend feststellen, dass Rift nach wie vor hervorragend am Abo-Markt positioniert ist. Das liegt einerseits an der konstanten Pflege, die ihm Trion Worlds nach wie vor zuteilwerden lässt, hat aber nicht zuletzt auch damit zu tun, dass man die passende Zielgruppe gefunden hat und ganz besonders deren Bedürfnisse befriedigt.

Für Hardcore-MMOler und Vielspieler bietet Rift nach wie zu wenig Herausforderungen - insbesondere beim PvP. Immerhin hat Trion beim jüngsten PvP-Event bemerkt, dass das Bedürfnis nach kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Spielern selbst auf PvE-Servern gewaltig ist. Umso erfreulicher, dass man für die kommenden Updates wieder vermehrt an derlei Dingen arbeitet.

Für Gelegenheitsspieler eine gute Wahl

Für den Feierabendspieler hingegen, der sich wenig ärgern und dafür geschmeidig durch eine interessante, stimmungsvolle Welt pilgern möchte, ist Rift auch nach einem Jahr noch eine gute Wahl. Die Community ist vergleichsweise freundlich und hilfsbereit, die Entwickler schaufeln immer wieder neue Inhalte nach und der Service gehört zu den besten im Genre.

Würde man eine Umfrage machen, welcher MMO-Publisher der beliebteste wäre - Trion Worlds wäre wohl einer der Favoriten. Und obwohl ich persönlich ein Freund von eher gnadenlosen, offenen Sandbox-Welten bin, kehre ich auch nach einem Jahr noch ab und zu für ein Stündchen nach Telara zurück, erlege ein paar Mobs und freue mich über die unzähligen Details, die liebevoll in das Themepark-MMO eingearbeitet wurden und werden. Weiter so, Trion!