Port Royal. Einstige Hauptstadt Jamaikas und ehemals eine der reichsten Städte der Welt. Lockere Damen und Alkohol gab es im Überfluss, zwielichtige Halunken und Gauner sowieso - für echte Piraten muss dies der Himmel gewesen sein. Zumindest bis Tsunamis und ein verheerendes Erdbeben aus der goldenen Stadt ein Trümmerfeld gemacht haben – Port Royale sollte nie wieder zu alter Blüte finden.

Szenenwechsel: Wir sitzen in einem gemütlichen Privatkino irgendwo im winterlichen Hamburg. Vor der Leinwand sitzt ein bestens gelaunter Russel „Rusty“ Williams an seinem Laptop, um uns sein Baby zu präsentieren: „Pirates of the Burning Sea“ heißt das ambitionierte MMO-Projekt und soll im kommenden Frühjahr den Markt von hinten aufrollen.

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Karibisch, praktisch, gut

„Pirates of the Burning Sea fußt auf vier Säulen, die unser MMO von der Konkurrenz deutlich abheben: riesige Schiffschlachten, organische PvP-Geplänkel, komplexe Handelssysteme und spielergenerierte Inhalte.“ Große Worte, doch Rusty muss es wissen, schließlich lenkt er als CEO die Geschicke des Entwicklers Flying Lab Software. Das junge Team arbeitet bereits seit 2003 an ihrem Seefahrer-Abenteuer, also einer Zeit in der an die Superlative eines „World of Warcraft“ noch gar nicht zu denken war.

Pirates of the Burning Sea - Holt den Haken raus und setzt die Papageien auf die Schulter: Dieses MMO weckt Karibikfeeling.

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Pirates ist nicht ganz so schön wie Crysis, weckt aber trotzdem Urlaubsgefühle.
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Keine drei Sekunden später lässt Rusty seinen Worten Taten folgen und steht mit einem frisch erstellten Avatar vor malerischer Kulisse: Möwen umkreisen aufgetürmte Rumfässer, Haie durchstreifen das Wasser im Hafen, aus den Fenstern der Stadt hängt dreckige Wäsche, die Sonne spiegelt sich in den Blättern der Palmen – das ist echtes Karibikfeeling. Wir befinden uns in Port Royal, einer der vier großen Hauptstädte im Spiel.

Doch statt prachtvoller Bauten und verspielter Architektur mutet die Operationsbasis der Engländer wie eine altertümliche Baustelle an. „Das sind keine unfertigen Levelgrafiken, sondern Auswirkungen des Erdbebens, welches im 17.Jahrhundert die Karibik erschütterte“, grinst Rusty. Ein schönes Beispiel dafür, mit wie viel Liebe zum Detail die Entwickler zu Werke gehen, um die Karibik des Jahres 1720 zum Leben zu erwecken.

Packshot zu Pirates of the Burning SeaPirates of the Burning SeaErschienen für PC

Nasebohren: Verboten!

Halt! Das ging jetzt etwas zu schnell. Natürlich ploppen Charaktere nicht einfach in den Hauptstädten auf - per Charaktergenierung darf man sich ganz genretypisch sein Alter Ego nach Belieben zusammenstellen. So wählt man nicht nur Haarlänge und Farbgebung seines Helden, sondern darf seinem virtuellen Freibeuter ganz stilecht auch Augenklappen, Glasaugen und Holzbeine verpassen.

Pirates of the Burning Sea - Holt den Haken raus und setzt die Papageien auf die Schulter: Dieses MMO weckt Karibikfeeling.

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Spitzhut, Bart und Paoagei auf der Schulter: Hier sind Piraten noch echte Männer.
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Absolut skurril: Im späteren Spielverlauf soll es sogar möglich sein, eine Hand bzw. ein Bein während einer Mission zu verlieren. Perfekt also, um sich eine Hakenhand aufzusetzen – popeln ist dann aber strengstens verboten. „Natürlich sind das keine notwendigen Features für das eigentliche Spiel, aber so ein Pirat ohne Haken – das geht doch nicht, oder?“, spielt Rusty auf den stetig präsenten Humor seines MMOs an.

Dann noch schnell eine der vier Nationalitäten (Frankreich, Spanien, England oder „Freibeuter“) gewählt und schon kann das Abenteuer losgehen. Echte Klassen, wie man sie aus dem Warcraft-Konkurrenten kennt, gibt es jedoch nicht – Krieger, Magier oder Heiler im eigentlichen Sinn werden euch also nicht begegnen. Stattdessen entscheidet man sich für einen von abermals vier Karrierepfaden und erhält so spezielle Attribute und Skills.

Zombies am Strand

Über 1000 Quests hat das Entwicklerteam bereits eingebaut – pro Nation. Ob man diese allein oder im Verbund löst, steht euch dabei frei. Dank eines Schwierigkeitsreglers könnt ihr die Stärke der NPC-Gegner stufenlos anpassen – eine gute Gruppe kann sich also auch mit guten Monstern messen. Egal wie hart eine Quest auch ist, eines darf sie nach den Vorstellungen von Flying Lab Software niemals werden: langweilig.

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Witzig: Als Zombie verkleidet schlurfen wir unserem Missionsziel entgegen.
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„Wir wollen unseren Spielern mehr bieten als den typischen ‚Sammle dieses oder jenes’-Einheitsbrei“, meint Rusty. Wie das im fertigen Spiel aussehen soll, zeigt er uns anhand einer Beispielquest: An einem verfluchten Strand will ein fieser Piratenkapitän zur Strecke gebracht werden. Weil der Schurke sich für sein Leben gern prügelt, reanimiert er die Toten der Insel, um sie anschließend gleich wieder vermöbeln zu können.

Interessantes Szenario und unglaubliche Spieltiefe: das herrlich humorige Piratenabenteuer geht mit Sicherheit nicht baden.Ausblick lesen

Um während seiner Mission nicht von den hirnlosen Zombiemassen zerfleischt zu werden, greift Rusty zu Trick 17: Heimlich entledigt er sich eines Untoten und reibt sich mit dessen Innereien ein. So getarnt schlurft er nun stöhnend und mit ausdruckslosem Gesicht zum Ziel – völlig unerkannt. Ob alle Aufträge so humorvoll und ideenreich sind, ist zwar fraglich, trotzdem könnten Missionen dieses Schlags für gelegentliche Abwechslung sorgen.

Schmutzige Kämpfe

Allein auf die Skills sollte man sich in den anspruchsvollen Kämpfen allerdings nicht verlassen. Denn nur das perfekte Zusammenspiel aus Fähigkeiten und Kampfstil bringen den Sieg. Letzteren wählt ihr aus drei Kampfschulen: Freunde stichhaltiger „Argumente“ greifen zur Florett- oder Fechtschule, hinterhältige Banausen sollten hingegen den „schmutzigen Kampf“ wählen.

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Der Florett-Stil erlaubt das Tragen von zwei Schwertern.
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Die so genannten „Dirty Fighter“ werfen ihrem Gegner Sand ins Gesicht, schlagen mit dem Ellenbogen zu oder lenken ihr Gegenüber mit kleinen Feuerwerkskörpern ab. Damit das Geschehen dabei nicht zu langweilig wirkt, sorgen über einhundert Kampfanimation für die nötige Action. Das Beste: Pirates of the Burning Sea stellt die Künste des Spielers wieder in den Vordergrund und verzichtet auf itembasierte Zufallsscharmützel.

Zum Vergleich: Greift ein niedrigstufiger „World of Warcraft“-Charakter einen Gegenspieler auf Maximallevel 70 an, gehen Zaubersprüche und Nahkampfattacken generell ins Leere. In Pirates of the Burning Sea soll es diese künstlichen Levelbarrieren nicht mehr geben. „Unsere Kämpfe sind komplett skillabhängig. Wenn also zwei Stufe-20-Piraten, die ihren Charakter perfekt beherrschen, auf einen Freibeuter des höchsten Levels treffen, besteht trotzdem eine gute Chance, diesen zu besiegen.“, betont Rusty.

Gerade für die PvP-Schlachten soll dieses System gewährleisten, dass auch Gelegenheitsspieler nie die Motivation verlieren: „Natürlich werden Hardcore-Gamer immer Vorteile haben, aber wir möchten auch die Casuals bedienen.“ Übrigens gilt diese Regel nicht nur für den Kampf von Mann zu Mann, sondern auch für die – nach unserer Meinung – größte Stärke von Pirates: die fulminanten Seeschlachten.

Schiff lass nach, du bist umzingelt

„Keine Angst, wir wollen die Steuerung so intuitiv wie möglich halten. Niemand soll überfordert werden. Unser Ziel: Größtmöglicher Komfort bei maximaler Komplexität“, wirft Rusty ein. Tatsächlich: Selbst um größere Fregatten durch die Meere zu manövrieren, benötigen wir lediglich die WASD- und Leertaste. Wer sich jedoch zum Herrscher der Meere aufschwingen möchte, braucht mehr als schnelle Tastatur-Finger.

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Vorsicht: An der Seite ist euer Schiff deutlich schwächer gepanzert.
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Wichtig ist eine intelligente Vorgehensweise. So besitzen zum Beispiel sämtliche Schiffe eine mehr oder weniger starke Panzerung. Wer also Gegner frontal angreift und sein eigenes Heck ungeschützt lässt, wird sich relativ bald auf dem Grund der See wieder finden. „Richtig gute Spieler wissen, wie ihr Schiff auf den Wind reagiert und wann es am schnellsten bzw. wendigsten ist“, belehrt uns Rusty.

Gar keine so leichte Aufgabe, schließlich werben im Spiel unzählige Schiffstypen um die Gunst der Spieler – vom kleinen Handelskutter bis zum monströsen Schlachtschiff samt 104 Kanonen. „Wo dieses Ding hinfeuert, regt sich nichts mehr. Allerdings ist der Kreuzer unglaublich träge. Um da im PvP nicht von flinken Schiffen zerstört zu werden, sollte man ein paar Freunde mitbringen“, schwärmt Rusty von der ausgeklügelten Balance seines Titels.

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Physikalisch korrekt zerbröckeln die Kreuzer bei Beschuss in ihre Einzelteile.
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Dafür sieht eine Konfrontation zwischen zwei Kreuzern immer spektakulär aus. Mit tosendem Krachen schlagen die Kanonenkugeln durch das Holz der Schiffe – Segel reißen, Masten knicken um. Grafisch wissen die Kämpfe also zu überzeugen. Damit auch der Sound möglichst realistisch klingt, haben sich die Entwickler bei den Audiospezialisten des Films „Master and Commander“ bedient – Kinofans dürften also viele Effekte wieder erkennen.

Die Welt ist nicht genug

Was macht man eigentlich, wenn man seinen Charakter auf die höchste Stufe gelevelt, jeden Fleck der Pirates-Welt erkundet und alle Missionen gemeistert hat? „Dann versucht man eben die Karibik zu erobern“, scherzt Rusty. Keine schlechte Idee, denn von den rund 80 Häfen in Pirates können die Spieler jeden einzelnen erobern. Ein Alleingang wäre natürlich glatter Selbstmord, im Verbund sieht das Ganze aber schon viel besser aus.

„Alle Nation verfügen durch die Lage ihrer Häfen über bestimmte Ressourcen wie spezielles Holz, mit dem sich besonders hochwertige Schiffe bauen lassen. Das könnte man entweder teuer importieren oder sich mit Gewalt einverleiben“, fachsimpelt Rusty. Schließt sich also eine Spielerarmee zusammen und rückt gegen einen benachbarten Hafen vor, wird dieser zu einer einzigen großen PvP-Zone.

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Die gegnerischen Käne lassen sich sogar entern.
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Hält eine Fraktion dieses Territorium nun für drei Tage, entscheidet eine finale Massenschlacht, an wen dieses Gebiet übergeht. Sogar ein Serversieg soll möglich sein – gelingt es einer Nation sämtliche Inseln und Häfen zu erobern, hagelt es Boni für deren Spieler. Wer schon einmal Eve Online gespielt hat, weiß, welche politischen Verwicklungen sich daraus entwickeln können.