Autor: Valentin Rahmel

Damals, auf Segas Dreamcast, war »Phantasy Star Online« ein absoluter Renner für Online-Jünger. Das erste Online-Rollenspiel für eine Konsole erschien am 23. Februar 2001 in Europa und konnte sich relativ schnell eine beachtliche weltweite Fangemeinde sichern.

Als Sega die Konsolenproduktion eingestellt hat, veröffentliche man »Phantasy Star Online« auch für Windows, GameCube und die Xbox. Auf anderen Systemen konnte sich der Titel allerdings nie wirklich behaupten. Das soll sich mit »Phantasy Star Universe« ändern. Wir haben uns das Rollenspiel näher angeschaut.

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Mangapower
Schon direkt zu Beginn hält der neueste Sprössling der »Phantasy Star«-Reihe einige Überraschungen bereit. Im Story-Modus schlüpft man nun in die Rolle des jungen Ethan Waber. Spieler können im normalen Offlinespiel also keinen eigenen Charakter kreieren, was einige Fans des asiatischen Titels ärgern dürfte. Einen Vorteil hat die ganze Sache jedoch: Die Story ist diesmal halbwegs gut inszeniert und nicht kaum vorhanden wie in vorherigen Teilen.

Phantasy Star Universe - Der Rollenspiel-Kult ist wieder da! Doch wo ist der Suchtfaktor geblieben?

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Der typische Manga-Look ist sofort ersichtlich.
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Der 17-Jährige Ethan ist einer der typischen japanischen Manga-Helden, wie wir sie aus diversen Fernsehe-Sendungen kennen. Eine abgedrehte Frisur, coole Klamotten und ein aufbrausender Charakter. In seiner Heimatkolonie mitten im Weltraum ist bis auf ein paar Schläger und Diebe alles friedlich. Doch der Schein trügt!

Eigentlich sollte Ethan zusammen mit seiner Schwester nur einer Zeremonie beiwohnen, als der riesige Komplex plötzlich angegriffen wird. Die feindlich gesinnte Alienrasse SEED will alles vernichten. Natürlich kann die Military Force Fleet der Allianz der Übermacht nichts entgegensetzen. Nichts? Naja, die haben Ethan noch nicht kennen gelernt!

Ethan will den Invasoren natürlich das Handwerk legen und schließt sich den so genannten Guardians an, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Menschheit und ihre Verbündeten zu verteidigen. In über 12 Kapiteln und knapp 20 Stunden Spielzeit decken wir Intrigen auf, müssen uns mit Entführungen rumschlagen und diversen Feinden eins auf die Glocke geben. Der eigentliche Storyverlauf ist relativ linear aufgebaut, ein paar optionale Quests sind allerdings vorhanden. Fans von Mangas und japanischen Produktionen dürften wohl auf ihre Kosten kommen. Ähnlichen Tiefgang wie bei »Final Fantasy« solltet ihr aber nicht erwarten, auch wenn es ein paar Gemeinsamkeiten gibt und die Zwischensequenzen gelungen sind.

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Ethan hat die schlagkräftigeren Argumente auf seiner Seite.
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Wer nach dem Story-Modus noch nicht genug hat, kann während den Abenteuern mit Ethan auch den Extra-Modus freischalten, der an das frühere Solospiel erinnert. Hier könnt ihr einen eigenen Charakter erschaffen und nehmt Missionen an, die im Story-Modus freigespielt wurden. Dabei unterstützen euch verschiedene Nicht-Spieler-Charaktere. Leider sind die tapferen Mitstreiter mit einer jämmerlichen KI ausgestattet. Da hilft nur eins - im Internet zocken!

Abenteuer online
Die erste Hürde für den so genannten Netzwerk-Modus ist die Registrierung des Accounts. Als Zahlungsmethode für die monatlichen Gebühren akzeptieren die Mannen von Sega nämlich lediglich die Kreditkarte. Unserer Meinung nach ein Fehler, da in Europa immer noch viele Zocker keine Visa oder Mastercard besitzen und somit die anfallenden Kosten von 9,99 Euro gar nicht zahlen können. Wir haben zum Glück eine Karte - also auf ins Abenteuer…

Zu Beginn wählt der Spieler eine von vier verschiedenen Rassen: Menschen, Newman, Beast und Cast. Alle Gattungen stammen von den Menschen ab und wurden hauptsächlich durch genetische Versuche verändert. Als Beispiel dienen die Beast, die für harte körperliche Arbeit und den Abbau von Rohstoffen gezüchtet wurden. Die kräftigen Gesellen sind zwar stärker als die Menschen, aber nicht unbedingt intelligenter. Das macht sie zu guten Nahkämpfern, aber schlechten Schützen. Zudem können sich Beasts in hohen Stufen in waschechte Bestien verwandeln. Die Newman hingegen verlassen sich auf ihre magischen Fähigkeiten, und die Cast sind ambitionierte Schützen.

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Hat da jemand nach Feuer gefragt?
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Wie es sich für einen Onlinetitel gehört, könnt ihr auch das Aussehen eures Helden selber bestimmen. Vom Gesicht bis hin zu den Augen gibt es viele Optionen, die sich aber leider nur unwesentlich voneinander unterscheiden. So sehen sich einige Charaktere sehr ähnlich, was aber keine weiteren Auswirkungen auf den Spielverlauf hat. Wirklich nervig hingegen ist die Namensreglung, die für Verwechslungen sorgt. Beliebig viele Spieler können nämlich denselben Namen wählen. Keine Ahnung, wie die Macher darauf gekommen sind…

Metzeln und Schnetzeln
Im weiteren Spielverlauf flitzt der Spieler durch diverse Areale und muss Monster erledigen und Aufträge erfüllen. Leider ist das eigentliche Missionsangebot relativ klein und simpel ausgefallen, so dass sich der Held sowie seine Gruppe nach längerer Zeit wie in einem reinen Grind-Titel vorkommen und mit wenig Hintergrund stundenlang auf Bestien eindreschen.

Während unseren Eskapaden sammeln wir Erfahrung und Gegenstände ein, die wir später an Händler verkaufen. Wer seine Beute nicht in Shops verkaufen will, kann daraus Gegenstände herstellen. Im eigenen Apartment wartet euer Partnerbot, der euch nach Vorlagen und Rezepten diverse Objekte baut. So könnt ihr Rüstungen, Waffen sowie weitere Gegenstände schustern und diese ggf. sogar im eigenen Geschäft verkaufen. Leider gibt es im Onlinemodus aktuell noch weniger Waffen als im Solospiel, die Macher wollen diese erst mit Updates nachreichen.

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Phantasievoll sind die Sterne im Universe schon.
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Gelungen ist hingegen das direkte Kampfsystem, das den Spieler wenigstens längere Zeit bei Laune halten kann. Bei den actionhaltigen Gefechten kommt es vor allem darauf an, wer schneller mit welcher Attacke angreift und sich flink um den Gegner bewegt. Ein Gamepad ist jedoch Pflicht, da die Steuerung via Tastatur ziemlich umständlich ist. Auch Teamspeak empfiehlt sich, um nicht dauernd zwischen Tastatur und Maus zu wechseln, wenn ihr euch mit anderen Spielern unterhalten wollt. Weiterhin ist die Sprachzensur des Science Fiction-Titels heftig ausgefallen. Die Mannen von Sega haben anscheinend diverse Sprachen miteinbezogen - somit stellen jetzt unzählige Wörter eine Beleidigung dar, die bei uns übliche Gebrauchswörter sind. Eigenartig…

Ganz nett ist das neue Charaktersystemen. Jederzeit könnt ihr zwischen den Grundklassen Hunter, Force oder Ranger wechseln und diese unabhängig vom eigentlichen Level steigern. Das erlaubt einen wirklich facettenreichen Abenteurer. Im weiteren Spielverlauf kommen dann noch weitere Professionen hinzu, die an die Grundklassen gebunden sind. Dafür muss der Held jedoch erst einmal verschiedene Quests erfüllen und die vorgegebene Stufe erreichen.

Von Konsole auf PC
Grafisch haut »Phantasy Star Universe« nur wenige Zocker aus den Socken. Vor allem verwöhnte PC-Spieler dürften beim Anblick des Online-Rollenspiels schnell ernüchtern. Die mangalastigen Charaktere sind ganz nett gestaltet, die Umgebung wirkt jedoch oftmals ein wenig trist. Eine gute Playstation-2-Grafik mit der Auflösung eines ordentlichen Monitors wird hier geboten. Die musikalischen Klänge erinnern eher noch an die Anfänge der ersten Playstation. Fans von 80er-Jahre-Synthi-Mucke könnten hier vielleicht noch gefallen finden. Die Sprachausgabe ist hingegen gelungen, aber leider nur in Englisch. Abhilfe schaffen deutsche Untertitel.

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Nein, wir haben nicht aus Versehen einen Screenshot aus Star Wars Galaxies genommen.
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Die Steuerung des Onlinetitels wurde eher für Konsolenfreunde entwickelt und ist für PC-Spieler zwar ausreichend, aber nicht optimiert. So verzichten die Macher gänzlich auf einen Einsatz der Maus, was dank der oftmals unvorteilhaften Kamera schon nervig sein kann. Ein typischer Fehler bei Portierungen von Konsolenspielen auf den PC. Auch die Menüs, die mit den F-Tasten aufgerufen werden, erfordern ein wenig Eingewöhnungszeit. Wer also eine PS2 oder eine Xbox 360 daheim hat und das Gerät online nutzt, ist mit der Konsolenfassung wohl besser beraten. Wer keine Konsole besitzt, sollte auf jeden Fall ein 12-Button-Pad sein Eigen nennen. Eine Tastatur ist hingegen für Konsoleros Pflichtausrüstung!