Es ist schon etwas bizarr, was aktuell so alles als der nächste heiße Scheiß gehandelt wird. Overwatch, Battleborn und Gigantic sind Namen, die da gerade fallen. Schnelle Shooter sind das, die mit Comic-Grafik, markanten Heldenfiguren, stilvollen Arenen und jeder Menge Anforderung an Teamwork und schnelle Reflexe, die Herzen, Hände und Geldbörsen der Spieler erobern wollen. Damit eifern sie dem unglaublichen Erfolg der sogenannten MOBAs wie League of Legends und DOTA nach. Denn diese kamen wie aus dem Nichts, sind nun überall und setzten Millionen Euro um. Jedoch kann das Wettrennen der MOBA-Shooter nur im Debakel enden – zumindest für die Spieler. Denn es ist ein Wettstreit um Gefälligkeit und Massengeschmack.

Ich mag jetzt wie ein Berliner Möchtegern-Hipster klingen, der über irgendeine total angesagte Indie-Grunge-Synch-Rock-Band redet, aber ich gehe das Risiko ein. Denn die Sache ist so: Ich habe schon MOBAs gespielt, da gab's noch keinen Namen für dieses Genre. Nein, ich war nicht einer der allerersten. Ganz sicher nicht. Aber bestimmt einer der ersten paar Tausend, die dieses Spielprinzip ergründet haben.

Denn anno 2003 war ich wahnsinnig vernarrt in Warcraft 3 und habe alles aufgesaugt, was seinerzeit an neuen Inhalten in den Foren veröffentlicht wurde. Darunter auch Defense of the Ancients – das Original. Das war Anfangs eher ein Szenario statt einer Mod. Ein Typ namens Eul hatte es recht beiläufig mit dem World Editor von Blizzard gebastelt: Helden, Gegenstände, Creeps, das alles war da schon in seinen Grundzügen vorhanden. Als Eul keine Lust mehr hatte, die Idee weiterzuspinnen, griffen andere das Konstrukt auf und bauten es aus.

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„Action real-time strategy“ war einer der ersten Namen, der für dieses Spielprinzip aufkam. Mehrere Monate, vielleicht ein Jahr hing ich DOTA dann an und fand es spaßig. Ein großer Fan wurde ich aber nie; zu hektisch, zu verworren und überladen wurde mir das Anfangs so schön minimalistische Rezept. Doch dass hieraus etwas werden könnte, davon war ich überzeugt.

Heute ist das, was DOTA angezettelt hat, ein echter Gigant. Einer, der gerade ein frenetisches Hoch erlebt. MOBA – „multiplayer online battle arena“ – heißt der Spaß jetzt. Und League of Legends ist sein unangefochtener König und sogar das, wie es heißt, meistgespielte Game der Welt. eSport, Sponsoring, Übertragungen auf Twitch und im TV, Let's Plays auf Youtube und Co. machen das schnelle Videospiel zu einer Millionenindustrie. Daher wollen Entwickler und Publisher, wo die MOBAs noch eine Zufallsentdeckung waren, das große Ding nach League of Legends in der Retorte züchten.

MOBA-Shooter - Dampfablass: MOBA-Shooter sind das Streben nach dem ultimativen Mittelmaß

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Auch bei Gigantic: Comic-Grafik, Klischee-Klassen, aber immerhin gibt es auch die Wächter. Diese Giganten müssen beschützt werden und werden durch die Kontrolle von Checkpoints stärker.
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Die Überlegung ist dabei so einfach wie unbestritten logisch: Shooter sind groß, MOBAs sind riesig. Wie geil wird das, wenn wir die erfolgreichen Elemente beider zusammenwerfen? Richtig geil, ganz klar. Zumindest wenn die Rechnung aufgeht. Dummerweise hatten nicht nur ein, zwei oder drei Entwickler die Idee der Genre-Fusion, sondern … ich weiß es nicht. Fünf, sieben, drölftausend? Gefühlt scheint derzeit jedenfalls eine wahre Welle an, ja, MOBA-, Hero-, Team- und Comic-Shootern oder wie man sie im PR-Sprech auch sonst nennen mag, die Gaming-Welt zu überrollen.

Packshot zu OverwatchOverwatchErschienen für PC, PS4 und Xbox One

Alles ist gleich

Die Warcraft- und Starcraft-Macher von Blizzard schicken Overwatch ins Rennen. Das Borderlands-Studio Gearbox bastelt an Battleborn. Microsoft entlässt gemeinsam mit Motiga das Game Gigantic als Xbox-One- und Windows-10-exklusive MOBA-Ballerei. Dazu kommen dann noch Battlecry, Paladins: Champions of the Realm, Orcs Must Die! Unchained und sicher einige, von denen ich bisher noch nie etwas gehört habe. Oder besser: die ich nicht aktiv als eigene Games wahrgenommen habe. Denn so vielfältig die Entwickler, so gleich und verwechselbar schauen irgendwie all diese Hero-Shooter aus.

Geht das nur mir so? Allesamt (ja, es sind nicht wirklich alle, darauf komme ich gleich noch) haben sie eine knuffig bunte und von flächigen Texturen gezeichnete Comic-Grafik. Alle bieten irgendwie stereotype Helden-Figuren, die nach bester Animationsfilm- und „Die Unglaublichen“-Manier gestaltet sind: bärtige Hau-drauf-Zwege, schlanke Ninja-Kriegerinnen und muskulöse Gatling-Gun-Biker mit mehr oder minder absurden Proportionen.

Die könnten in dem einen wie dem anderen Game auftauchen: Ich würde es nicht merken, denn alle sind gleichsam ein kruder Mix aus Fantasy- und Science-Fiction-Klischees. In allen gibt es großzügige aber abgeschlossene Arenen, in denen je nach Spielmodi als Team wieder und wieder unzählige Creeps gekillt, andere Spieler abgeschlachtet und /oder simpelste Missionsziele erfüllt werden: MOBA-Gameplay also, nur eben als Shooter. Und all das hat auch tatsächlich Methode.

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