Stellt euch ein Rollenspiel vor, bei dem ihr in die Rolle eines Spielers schlüpft, der Rollenspiele spielt. Kompliziert? Kein bisschen – es ist sogar sehr intuitiv und sorgt für ordentlich Abwechslung. Wie das in der Praxis funktioniert, davon könnt ihr euch im kommenden F2P-MMORPG Otherland überzeugen.

Otherland - Next-G 2012 Trailer2 weitere Videos

Otherland ist die virtuelle Realität aus den gleichnamigen Bestseller-Romanen von Tad Williams. In dieser virtuellen Realität - quasi einem weitergedachten Internet - düsen die Helden mit ihren Avataren durch die verschiedenen Welten. Wie diese Welten aussehen und welche Regeln dort gelten, ist ganz dem jeweiligen Erschaffer überlassen. Es kann ein klassisches Fantasy-Setting, eine realistische Abbildung der Schützengräben aus dem Ersten Weltkrieg oder sogar eine überdimensionierte Küche in 2D-Cartoon-Optik sein: Otherland ist ein unüberschaubar großes Universum unendlicher Möglichkeiten, ein Multiversum.

Genau deshalb sind Otherland und seine Welten wie geschaffen dafür, um als Vorlage für ein ambitioniertes Computerspiel zu dienen – oder für ein Universum aus Computerspielen. Das dachten sich auch dtp und gamigo, und zwar schon vor einer ganzen Weile. Seit gut sechs Jahren bastelt nun ihr Entwickler RealU in Singapur an dem MMO-Großprojekt. Runde 30 Millionen Euro hat die Entwicklung des Spiels bislang verschlungen, doch nun soll endlich Geld damit verdient werden: Otherland steht in den Startlöchern.

Otherland - Mehr als ein Universum - ein Multiversum!

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Fantasievolle Welten: In Otherland ist alles möglich.
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Auf jeden Fall noch in diesem Jahr soll es für die breite Masse spielbar sein. Vorher steht aber erst einmal die Closed-Beta-Phase an, im zweiten Quartal diesen Jahres dürfen ausgewählte Spieler ins Netzwerk eintauchen. Genug zum Zeigen gibt es aber jetzt schon: Gamigo stellte bei einer Veranstaltung in Hamburg Ausschnitte aus dem Spiel vor und erlaubte den Gästen sogar, selbst Hand anzulegen.

Otherland ist grundsätzlich erst einmal ein „klassisches“ MMORPG, mit Dingen wie Klassen (gesehen haben wir den Tank „Rage“ und den Fernkämpfer „Gunner“), PvP, PvE, Crafting und allem, was dazu gehört. Ihr lauft mit einem Avatar durch die Gegend, vermöbelt Gegner, benutzt dafür Skills, die sich wieder aufladen müssen, löst Quests und verbessert im Laufe der Zeit eure Figur und deren Ausrüstung.

Der Ansatz ist hier aber durch das „Non-Targeting-System“ ein wenig actionlastiger als in anderen Spielen; ihr nehmt Gegner nicht aktiv ins Visier, sondern zielt nur grob in ihre Richtung. Das bedeutet beispielsweise, dass ihr gerade auch mit größeren Waffen oder Rundumschlägen mehrere Gegner gleichzeitig treffen könnt, wenn ihr euch nur klug bewegt. Und als Fernkämpfer müsst ihr fast wie bei einem Shooter laufen und aktiv zielen.

Otherland - Mehr als ein Universum - ein Multiversum!

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Die bisherigen Welten reichen von Fantasy bis Science-Fiction - und darüber hinaus...
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Das ist aber nicht, was Otherland besonders macht. Besonders wird es durch die verschiedenen Spielwelten, die ihr mit eurer Figur nach Lust und Laune bereisen könnt. So könnt ihr in einer Fantasy-Welt bis zum Umfallen Monster weggrinden oder in der Lambda Mall abhängen. Besagte Mall ist so etwas wie das Portal von Otherland. Hier steht euch auch virtueller Wohnraum zur Verfügung, und in den zahlreichen Bars und Kneipen gibt es nicht nur Buffs in Form von Getränken zu erwerben, hier könnt ihr auch nach Herzenslust socialisen oder euch bei Minigames wie „Dogfight“ oder Pool-Billard austoben.

In der Lamdba Mall findet ihr auch haufenweise Shops wie „Express Yourself“ oder „Metamorph“, in denen ihr etwa Items, Gesten oder Klamotten für euren Avatar kaufen könnt oder sein Aussehen ändert. Abwechslung wird auch bei der Charakterausgestaltung ganz groß geschrieben. So könnt ihr euch einen wirklich kunterbunten und einzigartigen Helden erstellen – beim Geschlecht dürft ihr zwischen männlich, weiblich und Alien wählen, die Körpergröße geht von laufendem Meter bis zum kleinen Riesen, und da ihr auch Proportionen, Hautfarben und vieles weitere anpassen dürft, könnt ihr so gut wie sicherstellen, dass es euch nur einmal geben wird.

Was für Weltenbummler

Ein weiterer potentieller Zeitfresser ist das MyLand, euer privater Bereich im Netzwerk, den ihr hegen und pflegen könnt – und mit gemetzelten Viechern besiedeln dürft. Besiegte Gegner hinterlassen nämliche ihre elektronische DNS (genannt „eDNA“), die ihr sammeln und aus der ihr dann schön die entsprechenden Monsterchen in eurem MyLand klonen könnt.

Ein MMORPG der unbegrenzten Möglichkeiten.Ausblick lesen

Eine „Welt darüber“ gibt es allerdings nicht: Die Bücher spielen ja zum Teil in der realen Welt der nahen Zukunft, zum Teil in den verschiedenen Welten des gigantischen Netzwerkes. Anders als in der literarischen Vorlage gibt es im MMO aber nur die Ebene im Netzwerk. Alles, was ihr an Handlung erlebt, findet dort statt.

Storytechnisch spielen die Ereignisse im MMORPG kurz nach den Geschehnissen aus den Romanen. Das Otherland-Netzwerk wird gerade langsam, Welt für Welt, wieder hochgefahren. So erklärt sich auch ganz geschickt, wieso ihr von Spielbeginn an noch nicht alle Bereiche betreten könnt und auch „nur“ drei verschiedene Welten existieren. Neben der Lamdba Mall - die auch über Hacker Zone voller Gefahren und Fights verfügt – wird es eine orientalisch angehauchten Spielwelt auf dem Mars geben, von der bereits vor langer Zeit die Rede war. Die dritte zu Spielbeginn zur Verfügung stehende Welt ist eine fast schon klassisch zu nennende Fantasy-Umgebung mit dem Namen „Eight Squared“.

Otherland - Mehr als ein Universum - ein Multiversum!

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Euren Charakter könnt ihr nach Belieben anpassen.
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Das Besondere an dieser Welt: Die herumlaufenden NSC sind Schachfiguren nachempfunden und Teil eines ewig währenden gigantischen Schachspiels, imposant verdeutlicht durch gewaltige, im Himmel schwebende Schachfiguren. Die Fans der Bücher haben bei der Beschreibung der Welten sicher schon das wohlig-warme Kribbeln des Wiedererkennens im Bauch bekommen, und das wird sich gleich noch steigern, wenn sie lesen, dass sie auch aus den Büchern bekannte Figuren treffen werden. So fungiert keine Geringere als Renie als eine der ersten Quest-Geberinnen für einen Neuankömmling im Netzwerk, und man darf darauf wetten, dass sie nicht die letzte bekannte Gestalt bleiben wird.

Wo wir gerade beim Thema der KI-gesteuerten Nicht-Spieler-Figuren sind: Selbige sollen nach den Versprechungen des Entwicklers über eine ziemlich ausgebuffte Intelligenz verfügen und nicht nur stumpf an einem Platz auf die Spieler warten, sondern auch bestimmten Beschäftigungen nachgehen, die etwa durch ihre Hobbys bestimmt werden.

Das einzige, was wir in die Richtung bisher sehen konnten, war ein System, nach dem in jeder Bar ein NSC nach draußen geht, sobald ein Spieler sie betritt (und umgekehrt), so dass die Trinkstube immer gut belebt ist. Ob ansonsten die vollmundigen Versprechen über die „Advanced AI NPC“ eingelöst werden können, wird sich dann im Spielbetrieb zeigen. Neugierig macht es allemal.